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Leselupe.de > Gereimtes
Schillernder Schmetterling der Nacht
Eingestellt am 26. 04. 2002 07:28


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Sommersprossenelfe
???
Registriert: Mar 2002

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In dieser unbekannte Stadt mit fremden Stra├čen, fremden H├Ąusern, fremden Gesichtern versuchte ich Ordnung in mein neues Leben zu bringen. Als erstes wurde die kahle Wohnung mit nagelneuen M├Âbeln ausgestattet. Kein Fingerzeig deutete auf alte zur├╝ckliegende Tage hin. Danach nahm ich das B├╝ro - Fundgrube alter Erinnerungen - in Angriff. Es mu├čte Platz f├╝r Neues geschaffen werden. Ein Erlebnis und ein Gedanke nach dem anderen wanderte im Papierm├╝ll. Nichts als alberne Naivit├Ąten - fort damit!
Pl├Âtzlich hielt ich inne. Wie hypnotisiert griff ich nach dem Brief, der gerade im Eimer gelandet war. Ich war dumm genug, mich hinzusetzen und ihn zu lesen. Nicht nur ihn, alle mit den gleichen unverkennbaren Schriftz├╝gen glitten durch meine Finger. Solche Briefe erwecken fatalerweise die Dinge wieder zum Leben. L├Ąngst vergangene Hoffnungen, noch immer mit einem Hauch bitterer S├╝├če, fesselten mich.

"Mein Schmetterling", klingt seine Stimme in meinem Ohr. "Ich hab dich total lieb." In meinem Bauch flattert es.
Er wohnt im vornehmen Teil meiner Heimatstadt. Dort stehen alte erhabene Villen. Sie h├╝ten die Geheimnisse vieler Generationen. Alte B├Ąume s├Ąumen die Wege, gepflegte G├Ąrten verstecken sich hinter Hecken und Z├Ąunen. Eine kleine Kirche entsendet jeden Sonntag erneut mit ihren klaren Glockenkl├Ąngen einen Gru├č aus uralten Zeiten.
Wir sitzen den Anstandsabstand wahrend nebeneinander auf seiner Couch. Unsere F├╝├če entspannen auf dem niedrigen Tisch. Ein fernes Bimmeln weht vom kleinen Bahn├╝bergang her├╝ber. Der kommende Zug rauscht summend vor├╝ber ins Land der Tr├Ąume. Hingerissen sehen wir dem Schauspiel der Gestirne zu. Mit gl├╝henden Versprechungen f├╝r den n├Ąchsten Tag, k├╝├čt die Sonne den Abendhimmel. Verlegen err├Âtet er langsam ob dieser Liebeserkl├Ąrung. Rein und unber├╝hrt blinkt in diesem feurigen Schein die wei├če Schneedecke im Garten. Sch├╝tzend birgt sie das schlafende Leben unter sich.
Angeregt von diesem Bild schleichen sich meine F├╝├če millimeterweise zu seinen. Langsam, kaum merklich folgen seine F├╝├če meinem Beispiel. Der Inhalt unserer Worte dringt nicht bis zu meinem Bewu├čtsein vor. Mein Verstand scheint in die F├╝├če gerutscht zu sein. Immer dichter gleiten unsere F├╝├če, ganz nah, w├Ąhrend ich kaum wage in seine Augen zu sehen. Daf├╝r beobachten uns tausend leuchtende Augen durchs Fenster. Warnend flunkern sie und gleichzeitig schauen sie gemeinsam und doch so fern voneinander sehns├╝chtig dem zarten Herantasten zu. Zaghaft ber├╝hren zwei fremde F├╝├če einander. Ein schauriges Wohlgef├╝hl breitet sich prickelnd von meinen F├╝├čen ├╝ber den ganzen K├Ârper aus. Meine Zehen schmiegen sich sanft an seinen Fu├č. Diesen z├Ąrtlichen Ku├č genie├čend, dr├╝ckt er meinen. "Mehr!", scheint er zu fl├╝stern. Durch meine Adern scheint nicht l├Ąnger Blut sondern gl├╝hende Lava zu flie├čen. Eine Weile bin ich wie benommen, w├Ąhrend die F├╝├če unbek├╝mmert weiterkuscheln. "Ich hab dich total lieb!", klingt es wie aus weiter Ferne an mein Ohr. Damit ist auch der restliche Anstand ├╝berbr├╝ckt. Sanft legt er seinen Arm um mich und zieht mich liebevoll nah zu sich heran. Entr├╝ckt in eine Welt, sch├Âner als alle Tr├Ąume und Phantasien, sinkt mein Kopf auf seine Schulter. Lange und schweigend sitzen wir im wohligen Einvernehmen. Die Zeit steht still.

Ein Leben schien vergangen, als wir erwachten. Er begleitete mich nach Hause. Die Stra├čen waren leer. Die H├Ąuser dunkel. Jeder vern├╝nftige Mensch schlief, um in wenigen Stunden sein Tagewerk zu verrichten. Vor meiner Haust├╝r dann: ein kurzer Abschied, ein fl├╝chtiger Ku├č. Ich stand da und sah ihn in die Dunkelheit entschwinden.
Wie ein Gespenst verfolgte mich diese Erinnerung - selbst heute noch - und die Angst vor der Zukunft auch.



__________________
Lausche mit dem Herz,
dann wirst Du versteh┬┤n.

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