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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Schlachtfeld
Eingestellt am 29. 04. 2002 15:33


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Muffin
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Schlachtfeld

Die freche Morgensonne enth√ľllte ein seltsames Bild. Ein Schlachtfeld.

Ein letztes Zucken durchfuhr das vom K√∂rper getrennte Bein. Aus einem zerschmetterten Chitinpanzer quillten gelbe Eingeweide. Ameisens√§ure √§tzte sich durch ein erloschenes Facettenauge. Ein loser F√ľhler bewegte sich im Wind. Den Abhang hinunter rollte ein gel√∂ster Kopf gegen den dazugeh√∂rigen K√∂rper. Auf einen kleinen H√ľgel lag ein lebloser K√∂rper, neben ihm waren sechs Beine aufgestapelt.
Es war still. Jetzt war es still.
Die kleine Sandkuhle war ein verw√ľstetes Schlachtfeld. So weit das Ameisenauge reichte, war niemand mehr am Leben.
Niemand?
Auf einen Stein saßen zwei Ameisen nebeneinander und sahen auf ihre toten Kameraden hinab.
Die eine war schwarz und die andere rot.
„Nun?“ fragte die Schwarze. Sie war gro√ü und ihre gewaltigen Kauwerkzeuge wiesen daraufhin, dass sie eine Soldatin der K√∂nigin war. „Was hat es Dir gebracht?“
„Wir haben Euch besiegt,“ sagte die kleine Rote, die aber nicht minder gef√§hrlich war, weil sie zur Einheit der Artilleristinnen geh√∂rte und mit Ameisens√§ure schoss.
Die Schwarze l√§chelte k√ľhl. „Wie Sieger seht Ihr nicht aus.“ Sie gab dem vor ihr liegenden Brustpanzer einen Tritt.
„Willst Du jetzt behaupten Ihr h√§ttet gewonnen?“ fragte die Rote bitter. Ihr Blick schweifte dabei Richtung Horizont.
„Ja, das will ich,“ sagte die Schwarze erbost.
„Ah, ja klar,“ erwiderte die Rote ironisch.
„Wenn Du frech wirst bring ich Dich um,“ h√∂hnte die Schwarze.
„Und warum tust Du das nicht?“ stichelte die Rote zur√ľck.
Die Schwarze zuckte mir drei Paar Schultern.
Eine Weile schwiegen sie sich an, dann sagte die Schwarze:
„Ich hatte Dich gar nicht gefragt, was es Euch gebracht hat, ich fragte was es Dir gebracht hat.“
Die Rote legte den Kopf schief und antwortete ohne den Kopf von Schlachtfeld ab zu wenden.
„Lass mich √ľberlegen: mein gesamtes Volk ist gestorben, nicht nur die Soldaten, sondern auch die Arbeiterinnen, der Ameisenbau ist zerst√∂rt und begrub alle Ammen unter sich. Die K√∂nigin ist tot oder liegt im Sterben.
Aber mir geht’s prima. M√∂chtest Du mich nicht vielleicht doch umbringen?“
„Nein danke, ich verzichte,“ sagte die Schwarze seufzend.
„Mein Leben ist ein Tr√ľmmerhaufen,“ stellte die rote Ameise fest.
„Ein Schlachtfeld,“ gab die Schwarze zur√ľck.
„Wir werden verhungern nicht wahr?“ fragte die Rote.
„Das scheint mir wahrscheinlich.“
„Es hat uns nichts gebracht, oder?“
„Im Gegenteil!“
„Ja, im Gegenteil!“
„Es war falsch, oder?“
„Zu sp√§te Einsicht, mein Freund.“
„Besser sp√§t als nie...“

Als der Abend kam saßen zwei leere Chitinpanzer neben einander auf einem Stein. Die leeren Facettenaugen auf das Schlachtfeld ihres Lebens gerichtet und die Köpfe an einander gelehnt.
Aber mit einem Lächeln auf den Lippen, weil sie begriffen hatten, worum es wirklich ging.


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Ralph Ronneberger
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Hallo Muffin,

also die Idee finde ich Klasse! Damit eine richtig gute und sogar mitrei√üende Geschichte daraus wird, m√ľ√ütest Du aber noch mal dr√ľber gehen.
Der Einstieg ist dir - finde ich - sehr gut gelungen. (allerdings quillten die Eingeweide nicht - sie quollen)
Im ersten Moment hielt ich die "freche Morgensonne" f√ľr unangebracht, weil ich zun√§chst an ein wirkliches mit menschlichen Gliedma√üen bedecktes Schlachtfeld glaubte. Dann kam der √úberaschungseffekt und die "freche" Sonne stimmte wieder.
"Ameisens√§ure √§tzte sich durch ein erloschenes Facettenauge. Ein loser F√ľhler bewegte sich im Wind."
sehr schön.
"Den Abhang hinunter rollte ein gelöster Kopf gegen den dazugehörigen Körper."
Nicht so ganz gelungen - meine ich.
(Das sind nur Beispiele)

Den Dialog der beiden Überlebenden könntest Du vielleicht noch ein wenig lebendiger gestalten. Aber "Die Schwarze zuckte mir drei Paar Schultern." fand ich herrlich.

Wie gesagt; da kann was richtig Tolles draus werden.

Gruß Ralph


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Muffin
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Hallo Ralph,

danke f√ľr Dein Lob! Es freut mich, dass es Dir gef√§llt.

Deine Verbesserungsvorschl√§ge werde ich beim Berichtigen, ber√ľcksichtgen.
Bis auf eines, wo ich Dir leider widersprechen muss. Der Dialog zwischen den beiden Ameise ist absichtlich nicht lebendig, weil alles in der Geschichte tot ist, auch der Dialog
Er ist so richtig nebenher geredet, ohne irgendwelche Gef√ľhle dabei als M√ľdigkeit und Trotz.

Wie auch immer...

Mit nur einem Paar Schultern zuckend

Muffin

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Ralph Ronneberger
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Hallo Muffin,

ich habe deine Geschichte nun zum vierten oder f√ľnften Mal gelesen. Wahrscheinlich hast Du - was den Dialog angeht - sogar Recht. Aber ich wei√ü nicht - irgend etwas scheint da noch zu fehlen. Ich w√§re nicht b√∂se, wenn hier andere Leser mal ihre Meinung √§u√üern w√ľrden. Au√üerdem f√§nde ich es schade, wenn der Text so sang- und klanglos auf Seite zwei rutscht.

Gruß Ralph
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GabiSils
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Hm. Haben Ameisen Lippen?

Das aber nur, damit ich auch etwas kritisiert habe. Wenn das "quillten" noch berichtigt ist, ist es top - un der Dialog ist klasse!


Gruß
Gabi

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Muffin
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Nein Ameisen haben nat√ľrlich keine Lippen, aber
Lächeln auf den Beißzangen hörte sich so doof an.

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