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Leselupe.de > Ungereimtes
Schlafen
Eingestellt am 18. 07. 2006 10:07


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malashon
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An einem Siebentag des Morgens
höre ich dich im Blute atmen:
Die Augen zu, dann seh’ ich nicht; von
deinem Röcheln nimmt mich jeder Friede.

In dieser Siebenstund’ des Tages
will ich nicht bei dir sein, mit keinem
StĂĽck dich bei mir haben, wo ich bin,
da kannst du mich nicht ĂĽberleben.

Zu einer Siebenzeit des Lebens
ist mir von dir nichts mehr als Sterben,
fĂĽr mich an dich kein Mitleidsregen,
dreh’ ich mich um und laß dich schlafen.

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Waldemar Hammel
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Irgendein anonymer Schwachkopf

hat den Text mit "2" gewertet, dies zeugt von Unverstand oder Desinteresse. (... natĂĽrlich sind auch die Anonymen hier letztlich systemisch nĂĽtzlich, wie die Bakterien in unserer Umwelt, was dennoch kein Kompliment sein soll.)

Es ist kein freundlicher Text, zugegeben, aber wo steht, dass nur "erbauliche" Texte gute seien und nicht auch "ab-bauliche"?

Meine erste Fantasie war hier der TBC-Einschlaftod als noch gnädigste Variante des qualvollen Erstickungs-Sterbens an dieser scheußlichen Krankheit. Und diese Gnade unter der Regie der immerhin positiv-magischen Siebenzahl (eigentlich würde man hier ja die dreifache "666" erwarten, was allerdings dann vielleicht ein wenig zu dick aufgetragen wäre)

Im Folgenden wĂĽrde ich so tun:

[An einem Siebentag des Morgens
höre ich dich im Blute atmen:
Die Augen zu, dann seh’ ich nicht; von
deinem Röcheln nimmt mich jeder Friede.]

In dieser Siebenstund’ des Tages
will ich nicht bei dir sein, mit keinem
StĂĽck dich bei mir haben, wo ich bin,
da kannst du mich nicht ĂĽberleben.

Zu einer Siebenzeit des Lebens
ist mir von dir nichts mehr als Sterben,
fĂĽr mich an dich kein Mitleidsregen,
dreh’ ich mich um und laß dich schlafen.

Hach, das ist einfach schön zu lesen, auch wegen der extraordinären Idee, die dahintersteht ..., auch "von
deinem Röcheln nimmt mich jeder Friede" = "es interessiert mich nicht die Bohne" = sehr gekonnt.

Und eine erweiterte Fantasie von mir (excuse, ich bin ein wenig pervers):
Da ist also jemand, der/die lässt seinen/ihren Partner kalten Blutes an einem Wochenende = einem Sonntag per Einschlaftod abnippeln und hat dabei sogar noch Muße, sich in bestens abgemessenen Sprachpirouetten zu ergehen. Das hat was! Vielleicht ist sonntägliche Ambulanz zu teuer?, gerade heute im Rahmen der Gesundheits"reformen"?, oder es steckt was Persönliches dahinter = Rache per TBC?
(natürlich kann "Blutverröcheln" auch vielerlei hübsche andere Ursachen haben).

Inhaltlich kann solches durchaus als "gereimt" erscheinen, je nach dem weiligen Zusammenhang, der hier unbekannt bleibt, formal ist der Text jedoch an keiner Stelle ein "Reim-Gedicht". Somit steht er hier -lässlich- in der wohl falschen Rubrik?



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malashon
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Waldemar?

Das Gedicht ist fast so gemeint. Und soll doch von Liebe sein. Was alleine darauf hindeutet? Der letzte Satz:

Denn wenn sich jemand schlafen legt und schlafen darf, dann ist es immer Claudius, der mir in den Sinn kommt:

...
"Verschon uns Gott mit Strafen
und laĂź uns ruhig schlafen
und unser'n kranken Nachbarn auch."

Es ist bloĂź ein Hinweis. Ich muĂź weg. Vielen Dank fĂĽr jede Deiner Anmerkungen.

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Waldemar Hammel
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@ malashon

Ich dachte auch beim Lesen u.a. an den Text von Claudius, und an: "Wer schläft sündigt nicht". Der "Nachbar" von Claudius röchelt allerdings kein Blut, sondern da geht es so friedvoll zu wie in den Bildern von Spitzweg.
Im Claudiustext ist der Friede optimal ausgedrückt, allerdings - und dies meine späte Kritik daran, denn Claudius lebte in einer mittlerweile untergegangenen Welt - um den Preis einer in sich geschlossenen Welt, einer in sich verkrochenen Seins-Erlebensweise ("Spießertum"), letztlich also massive Angst im Hintergrund solch "losgelösten" Friedens.
Ich sehe bei Claudius' Texten immer schon die "dräuende" Gewitterfront am Horizont, obwohl dies explizit in den Texten nie auftaucht. Immer so das Gefühl bei Claudius gehabt: "Hm..., schönes Bild, und was (Schlimmes) kommt jetzt?", aber es kommen immer nur neue, schöne Bilder, und das behagt mir nicht, weil irreal. Die Claudius-Texte sind insofern nicht ungefährlich.

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ENachtigall
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Hallo malashon,

Ich finde es sehr gekonnt formuliert. Das feine Spiel mit den Siebenern gibt dem Gedicht - dank des Fantasiereichtums - auch inhaltlich einen Sympathiebonus.

Herzlich grĂĽĂźend

Elke

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malashon
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Bei Dir, Elke, kann ich mich bloĂź, und das soll gar nicht wenig heiĂźen, bedanken.

Und Waldemar? Ich muĂź Deine Worte sowieso noch auseinandernehmen und wieder fĂĽr mich zusammenfĂĽgen, aber Matthias Claudius war doch vor jeder Biedermeierzeit und kennst Du sein Kriegsgedicht? Oder das vom Tod?

"Ach, es ist so dunkler in des Todes Kammer,
tönt so traurig, wenn er sich bewegt,
und nun aufhebt seinen schweren Hammer
und die Stunde schlägt."

Ich habe ein kleines Büchlein von ihm. Darin ist lauter Schönes! Aber dennoch hat es wenig Naives. Ich werde dazu ein anderes Mal noch schreiben.

Vielen Dank!

malashon

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Waldemar Hammel
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M.Claudius war kein "Biedermeier",

aber die Welten, die er so gekonnt schilderte, waren historisch betrachtet buntschillernde Seifenblasen, die dem "Licht" nicht standhielten.

Es wäre sehr interessant, die (verwendeten) Ästhetiken bei Claudius unter die Lupe zu nehmen.

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