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Leselupe.de > Horror und Psycho
Schlaflos
Eingestellt am 12. 04. 2013 00:10


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Steewee
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2013

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MĂŒde. Ich bin so unendlich mĂŒde. KĂ€mpfe pausenlos mit dem Wegdriften, dem Ausblenden, Verblassen. Auf Arbeit, Unterwegs, zu Hause. Nur Schlafen kann ich nicht. Es ist Folter, Fluch, SĂŒhne. Nur fĂŒr was? Ich bin gut zu meiner Frau, zu meinem Kind, zu meinem Hund. Freunde habe ich nicht. Ich rede nicht viel. Auf Arbeit nicht, Unterwegs nicht, zu Hause nicht. Aber es war gut so. Ich war gut so.
Das sonore Brummen des Motors zieht mir die Lider hinunter. Sekunden gebe ich mich dem seeligen Dunkel hin, bis mir der Verstand die Augen auf und den Wagen wieder in die Fahrbahnmitte reißt.
Fest fixiere ich zwei rote Punkte, die vor mir in die Nacht tanzen. Die Augenhöhlen, in denen sie glĂŒhen, versuche ich auszublenden, auch das bleckende Grinsen darunter. Als die Fratze nĂ€her zu kommen scheint, löst der Schreck meinen Fuß vom Gas und ich lasse alle Fenster surrend nach unten. Eisiger Nordwind peitscht kleine Kristalle durch den Wagen. Das hilft mir, mich auf die RĂŒcklichter meines Vordermannes zu konzentrieren.
Holzkreuze fliegen an mir vorbei. Kerzen. Blumen. Stofftiere. Ich erinnere mich an den furchtbaren Unfall vor knapp einer Woche. Der Fahrer war eingeschlafen. Er und sein Sohn waren sofort tot. FĂŒr einen Moment bin ich hellwach.
Mein unbekannter FĂŒhrer hĂ€lt immer noch seine Laternen in die Dunkelheit. Das Ortseingangsschild schĂ€lt sich aus der Finsternis. Jetzt ist es nicht mehr weit. Die alte Transitstrecke bis zu dem verwitterten WartehĂ€uschen, das schon dreimal gebrannt hatte. Ein Wunder, das jedesmal die alte Eiche direkt daneben verschont wurde.
Die Kreuzung ist zwar unĂŒbersichtlich, aber um diese Zeit ist in dieser Gegend niemand mehr unterwegs. Ausser ich. Und er.
Vorsichtig in die Kurve. Das Schlackepflaster ist zu dieser Jahreszeit die blanke Schmierseife. Gerade möchte ich mich bei meinem nÀchtlichen Begleiter lichthupend bedanken, als auch er in die Allee zu unserer, zu meiner Reihenhaussiedlung biegt. Wen er wohl besucht?
Als ich die ersten HĂ€user passiere, drossel ich die Geschwindigkeit. Wie auch der Wagen vor mir. Aus irgendeinem Grund möchte ich nicht, dass der Fahrer mich sieht, wenn ich aussteige. Ich nehme mir vor, die kleine Schlippe zum Hintereingang unseres Hauses zu nehmen. Etwas eng fĂŒr den 6er, aber es wird schon gehen. Was kĂŒmmert mich der Lack, ich will nur noch ins Bett.
Ich verliere meinen Vordermann erfreulicherweise
aus den Augen, biege in die Schlippe und da ist er wieder. In meiner Schlippe, auf dem Weg zu meinem Hintereingang. Niemand sonst wohnt hier hinten.
Ich bremse und er biegt unbeirrt in unseren Hof. Ich steige aus und laufe die wenigen Meter bis zur Einfahrt. Niemand zu sehen. Er muss also schon im Haus sein.
Meine Frau hat mir nichts von Besuch erzĂ€hlt. Vielleicht ein Vertreter? Aber sie wĂŒrde keinen von denen so schnell in unserer Haus bitten. Nicht einmal unser Hund hat angeschlagen. Ich suche nach ihm. Nichts.
Auf der Treppe finde ich mal wieder meine SchlĂŒssel nicht. Als ich klingeln will, öffnet sich die TĂŒr einen Spalt. Langsam drĂŒcke ich sie auf und sehe meinen Sohn auf dem Flur. Ich will ihn fragen, warum er um diese Zeit noch wach ist, aber er hĂ€lt einen Finger vor den Mund. Vielleicht hat der Fremde meine Frau in seiner Gewalt?!
Ich zeige meinem Sohn mit dem Finger auf meinem Mund, dass ich still sein werde und schiebe langsam die WohnzimmertĂŒr auf. Dort sitzt meine Frau wie selbstverstĂ€ndlich neben dem schwarz gekleideten Fremden und blĂ€ttert schweigend in einer Art Katalog. FĂŒr SĂ€rge.

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