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Leselupe.de > Kurzprosa
Schlaflos
Eingestellt am 03. 10. 2007 22:45


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Anysa
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Schlaflos

Da lieg ich nun und horche auf seine Atmung. Ja, jetzt! Jetzt ist endlich ruhig. Ich mach die Augen zu und drehe mich in meine Prima-Einschlaf-Position. Meine Atmung verlangsamt sich und ich döse ein.

Dann ist es wieder da. Mit einem Ruck öffne ich die Augen und bin wieder hell wach.
„Das kann doch nicht wahr sein“, schimpfe ich leise. Ich setzte mich auf und blicke zu dem Unruheherd. Der Mann, der gerade ein ganzes SĂ€gewerk beschĂ€ftigt, schlĂ€ft selig ruhig. Beim einatmen gibt er ein tiefes Grollen von sich. Es klingt wie ein kaputter Auspuff, wenn zuviel Gas gegeben wird. Seine Nasenlöcher ziehen sich zusammen, so dass seine Knollnase noch eigenartiger wirkt. LĂ€ĂŸt er die Luft wieder hinaus könnte man denken, eine Dampflokomotive habe gerade ihren Signalton von sich gegeben. Die NasenflĂŒgel beben ehrfĂŒrchtig, bevor sie sich wieder mit aller Macht zusammen ziehen.
In ruhiger Eintönigkeit schaue ich mir dieses Schauspiel eine Weile an. Dann beschließe ich, etwas zu unternehmen. Zuerst halte ich ihm die Nase zu. Es geschieht in den ersten Sekunden gar nichts. Dann kommt aber plötzlich seine Hand hervorgeschnellt und schlĂ€gt meinen Arm beiseite. Schmatzend beschwert er sich ĂŒber diese Ruhestörung, dreht sich auf den Bauch und schlĂ€ft weiter.

„So ein Mist“, fluche ich, dreh mich um und versuche erneut zu schlafen. Meine Atmung wird flacher, die Glieder werden schwerer und ich entschwinde allmĂ€hlich in einen Traum. Kaum bin ich eingeschlafen, ist das Grollen wieder da. Sofort öffne ich die Augen und setze mich wĂŒtend hin. Du Arsch, denke ich nur und schĂŒttle ihn.
„He, was soll das?“, bekomme ich als Antwort. „Du schnarchst. Hör sofort auf damit.“
„Ich habe noch nicht einmal geschlafen“, klingt es gedĂ€mpft unter der Decke hervor. Mein Herzschlag beschleunigt sich, Wut steigt in mir hoch.
„Doch, hast du. Du schnarchst, das sich die Balken biegen!“
„Wir haben gar keine Balken“, klingt es schlĂ€frig von der anderen Seite des Bettes.
„Das meine ich nicht“, antworte ich ihm erbost. „Du schnarchst so laut, das ich nicht schlafen kann.“
„Du kannst auch nicht schlafen, wenn ein Floh hustet oder ein Staubkorn zu Boden fĂ€llt. Also beschwer dich nicht bei mir!“
„Also...“, ist alles, was ich darauf sagen kann. Er dreht sich zu mir um. „Schlaf jetzt und mach nicht die Nacht zum Tag.“
Darauf gibt es fĂŒr mich nichts zu erwidern. Wie lange mach ich das jetzt schon mit? Auf jeden Fall zu lang. Manche NĂ€chte sind ja weites gehend sĂ€gewerkfrei. Aber diese Nacht nicht.
Er deckt sich zu und schlĂ€ft wieder ein. Ich sitze eine Weile im Bett, um mich wieder zu beruhigen. Sein gleichmĂ€ĂŸiger Atem ist fast gerĂ€uschlos. Über Minuten hinweg ist kaum etwas zu hören. Ja, das ist vielleicht meine Chance.

Schnell lege ich mich hin, ein paar Zentimeter weiter entfernt vom Unruheherd. Ich lege die Decke ĂŒber meine Ohren, mache die Augen zu und versuche zu schlafen. Doch jetzt bin ich nicht mehr mĂŒde. Zu sehr lausche ich auf seine Atmung, warte auf das Grollen eines Auspuffs und das Signalhorn einer Lokomotive.
„Das kann doch nicht wahr ein“, fluche ich leise, wieder und wieder. Immer mehr steigere ich mich hinein und Ă€rgere mich ĂŒber meinen Partner. Er kann schlafen und ich nicht.

Irgendwann kann ich nicht mehr liegen, stehe auf und gehe in die Stube. Dort nehme ich mir ein Buch und beginne zu lesen. Am Morgen danach kommt der Störenfried zu mir und reibt sich die Augen.
„Was machst du hier?“ will er wissen. Ich lege das Buch beiseite und schaue ihn grimmig an. „Was wohl, lesen.“
„Und warum schlĂ€fst du nicht?“ Zornesröte steigt mir in das ĂŒbermĂŒdete Gesicht. Die HĂ€nde zu FĂ€usten geballt atme ich ruhig durch, bevor ich ihm antworte.
„Rate mal. Weil du geschnarcht hast.“
„Hab ich nicht.“
„Hast du doch. Du hast einen ganzen Wald umgelegt.“ Er schaut sich um. Seine Augen bleiben an dem kalten Kamin hĂ€ngen.
„Ich sehe aber kein Holz hier, sonst hĂ€ttest du schon mal den Kamin anmachen können.“
Verwirrt schaue ich ihn an. „Was?“
„Naja, das Holz. Du weißt doch, Kamin und Holz ergibt WĂ€rme. Und wenn ich soviel Holz gesĂ€gt hĂ€tte, wie du gesagt hast...“
„Weißt du was, du bist ein Arsch!“ fahr ich ihm ins Wort. WĂŒtend stehe ich auf und gehe an ihm vorbei.
„Ich weiß“, höre ich aus der Stube klingen, bevor ich ins Bad gehe.
Im Spiegel schaue ich mich an. Die Schatten unter den Augen sind mit etwas Make Up zu beseitigen. Aber die ÜbermĂŒdung, die meine Körper schlaf und gebeugt aussehen lĂ€sst, kann ich nicht mehr ĂŒberdecken. Mir fehlt jegliche Kraft, Antriebslosigkeit ist mein stĂ€ndiger Begleiter. Zuviel schlaflose NĂ€chte habe ich bereits hinter mir und bin nun an einen Punkt angelangt, wo es kein zurĂŒck mehr gibt.
Wie stark unsere Beziehung ist wird sich zeigen, wenn wir zukĂŒnftig getrennt schlafen. Nur so gibt es eine Lösung fĂŒr mich und auch fĂŒr unser Zusammenleben. Mit neuem Optimismus schau ich mich im Spiegel an und nicke mir zu.
„Zieh es durch und es geht dir besser“, muntere ich mich selber auf.
Ich verlasse das Bad und begebe mich ins Schlafzimmer.
„Schatz, ich muss mit dir reden“, sage ich ernst. Er schaut mich fragend an.
„Ja?“

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Orangekagebo
Guest
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Das mit dem Schnarchen, okay, aber das Dein Prot. als Antwort bis frĂŒh halb sieben liest, nein.
Auch die Dialoge in der Nacht, wo sie ihn rĂŒttelt, sind unwahrscheinlich.
Da ist er schlaftrunken, lallt irgendein zusammenhangsloses Zeug, ist aber keineswegs zu vollwertiger Konversation in der Lage.
Auch seine garstigen Reaktionen glaube ich nicht. MÀnner, die schnarchen, wollen das selbst nicht verstehen. Entschuldigen sich und stammeln vielleicht ein bisschen herum. Aber wenn er so reagiert,wie von Dir beschrieben, wÀre er geradezu boshaft.
Auch Deine Beschreibung von dem Mann, ... so dass seine Knollnase noch eigenartiger wirkt ... zielt nicht auf Liebe hin.
Schnarchen kommt nicht von der Nase. Ist ein bronchiales Problem.
Der Plot mit der Beschreibung seiner sich zusammenziehenden NasenflĂŒgeln ist nicht echt. Davon kommt Schnarchen nicht.

Anysa, hier musst Du noch arbeiten, wenn der Plot glaubhaft werden soll.

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Orangekagebo
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Anysa,

nicht gleich ĂŒberarbeiten, bloß weil ich rumnörgle.
Wenn es genau so war, wie Du beschreibst, dann liege ich wohl falsch, aber dann liebt Deine Prot. ihren Mann nicht - so wie er beschrieben wird. Wahrscheinlich ist er dann auch nicht zum lieben und Deine Prot. sollte das VerhĂ€ltnis einfach mal ĂŒberdenken (und Konsequenzen ziehen)

LG und Gute Nacht sagt Karsten

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Franka
Foren-Redakteur
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Liebe Anysa,

ich finde den Text recht unterhaltsam, finde, dass nicht alles logisch sein muss, auch wenn eine wahre Begebenheit zugrunde liegt.
Besonders gefĂ€llt mir die Stelle mit dem Kamin. Was ich jedoch empfehlen ist, den “Schatz” aus dem Text zu nehmen. Sie benehmen sich beide in dieser Nacht nicht so, dass dieser Begriff angebracht wĂ€re.
Ansonsten gern gelesen.

Lieben Gruß
Franka

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Orangekagebo
Guest
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Das mit den getrennten Betten ist doch eine gute Idee, finde ich.

Am Ende so ungefÀhr:

Diesmal wĂŒrde ich es durchziehen.
Getrennte Betten.
Selbst wenn das weitere Liebe kosten wĂŒrde.

Nur so Gedanken.

LG, orangekagebo

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Anysa
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Hallo Orangekagebo,

habe deinen Ratschlag durchdacht. Meine Ende ist nun nicht mehr ganz so böse. Entspricht auch der Wahrheit. Die Bettentrennung war wirklich die Lösung. Und zum GlĂŒck hatte er auch VerstĂ€ndnis dafĂŒr.

LG
Anysa

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Anysa
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Hallo Frank und Orangekagebo,

habe mir ein neues Ende ĂŒberlegt und hoffe, das ich die Geschichte damit zum Abschluß bringen kann.
Stell mein neues Ende erst einmal hier online und warte auf eure Kritik.

quote:
„Ich weiß“, höre ich aus der Stube klingen, bevor ich ins Bad gehe und mich fĂŒr den Tag zurecht mache.

Dies wĂŒrde ich nur ein wenig Ă€ndern, um den Satz anzupassen:
quote:
„Ich weiß“, höre ich aus der Stube klingen, bevor ich ins Bad gehe.
Das Ende wĂŒrde wie folgt aussehen:
quote:
Im Spiegel schaue ich mich an. Die Schatten unter den Augen sind mit etwas Make Up zu beseitigen. Aber die ÜbermĂŒdung, die meine Körper schlaf und gebeugt aussehen lĂ€sst, kann ich nicht mehr ĂŒberdecken. Mir fehlt jegliche Kraft, Antriebslosigkeit ist mein stĂ€ndiger Begleiter. Zuviel schlaflose NĂ€chte habe ich bereits hinter mir und bin nun an einen Punkt angelangt, wo es kein zurĂŒck mehr gibt.
Wie stark unsere Beziehung ist wird sich zeigen, wenn wir zukĂŒnftig getrennt schlafen. Nur so gibt es eine Lösung fĂŒr mich und auch fĂŒr unser Zusammenleben. Mit neuem Optimismus schau ich mich im Spiegel an und nicke mir zu.
„Zieh es durch und es geht dir besser“, muntere ich mich selber auf.
Ich verlasse das Bad und begebe mich ins Schlafzimmer.
„Schatz, ich muss mit dir reden“, sage ich ernst. Er schaut mich fragend an.
„Ja?“


GefÀllt mir etwas besser.

LG
Anysa

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