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Leselupe.de > Humor und Satire
Schlafzimmerschicksal
Eingestellt am 25. 04. 2002 15:41


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Nuwanda
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2002

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Schlafzimmerschicksal

HĂ€tte es in den 70er Jahren zuverlĂ€ssigere VerhĂŒtungsmittel gegeben, wĂ€re ich nie geboren worden. Mit diesem kleinen „Unfall“ im Schlafzimmer meiner Eltern begann mein schicksalhafter Weg durch diese kalte, grausame Welt. Mein „Produktionsort“ , oder wie man es auch nennen möchte, sollte mir spĂ€ter noch einmal zum VerhĂ€ngnis werden. WĂ€re es nicht besser gewesen wenn die Ärzte mich bei der Geburt nicht vor der Nabelschnur gerettet hĂ€tten, die wohl irgendwie ein Eigenleben entwickelt und sich wie eine Schlange um meinen winzigen Hals gewickelt hatte? Diese Ärzte hĂ€tten mein qualvolles Leben schon beenden können bevor es erst richtig begonnen hatte. Haben sie aber nicht!
Außer einem Mordanschlag auf meine drei Jahre Ă€ltere Schwester, wobei ich versuchte ihr mit einem Stift ein Auge auszustechen und einigen UnfĂ€llen, bei denen ich selbst nur knapp dem Tod entkam, verlief meine Kindheit relativ undramatisch.
Dann kam die Schulzeit, in der Grundschule, hatte ich immer ziemlich gute Noten, was ja eigentlich auch keine allzu große Herausforderung war. Bis zur Oberstufe jedoch wurden meine Noten und meine KonzentrationsfĂ€higkeit immer schlechter. Ich mußte mich zahlreichen psychologischen Tests unterziehen, bis die Ärzte endlich die Ursache meines Intelligenz – Verlustes herausfinden konnten. Neben den vielen Kindheits – UnfĂ€llen und dem jahrelangen Alkoholkonsum, der meine Leber schon schwer geschĂ€digt hatte, war die Hauptursache ein Kindheitstrauma. Durch Hypnose kam ans Licht, daß ich als FĂŒnfjĂ€hrige meine Eltern beim Sex erwischt hatte, was ein großer Schock fĂŒr mich war, wobei mein Schicksal mal wieder an meinem „Produktionsort“ bestimmt wurde. (Wieso hatten meine Eltern bloß so oft Sex???) Lange Zeit verdrĂ€ngte ich dieses Erlebnis, hieß es. Doch als ich in ein Alter kam, wo ich anfing, ein eigenes Sexualleben zu entwickeln, ( das ĂŒbrigens nicht zu verachten war) erlebte ich diesen Schock wieder und wieder in meinem Unterbewußtsein , was sich wohl irgendwie negativ auf mein Gehirn auswirkte und diesen Intelligenz – Verlust auslöste.
Die Ärzte empfahlen mir die sogenannte „Anfang – vom – Ende – Methode“: Ich sollte eine Therapie anfangen und das Trinken beenden, was ich auch tat, fĂŒr rekordverdĂ€chtige drei Tage. Ich scheiterte klĂ€glich, weil ich einfach nicht auf mein heißgeliebtes Bier verzichten konnte. Meine Freunde hielten zu mir, sie unterstĂŒtzten mich tatkrĂ€ftig – beim Trinken!
Wie nicht anders zu erwarten, wurde ich von der Schule geworfen, weil ich nur noch betrunken am Unterricht teilnahm und den Lehrern nicht entging, daß ich von Zeit zu Zeit einschlief oder vom Stuhl fiel.
Erst jetzt wurde mir klar daß ich den Traum von einer Karriere als Schriftstellerin vergessen konnte. Das war wieder einer dieser Momente wo ich mir wĂŒnschte meine Eltern wĂŒrden in getrennten Schlafzimmern schlafen.
Meine Familie wollte bald nichts mehr mit mir zu tun haben, meine Eltern schĂ€mten sich fĂŒr mich, obwohl doch sie an allem Schuld waren. Ich frage mich oft wie mein Leben ohne dieses Sex – Trauma verlaufen wĂ€re. Nachdem mich meine Erzeuger (ich konnte sie von nun an nur noch Erzeuger nennen, weil ich mir unter Eltern etwas anderes vorstellte) vor die TĂŒr gesetzt hatten, bat ich meine Freunde um Hilfe. Anfangs unterstĂŒtzen sie mich noch, doch bald hatten sie genug von mir, ich lebte nur noch auf ihre Kosten und war stĂ€ndig betrunken. Immer hĂ€ufiger mußte ich auf der Straße ĂŒbernachten, mußte betteln um zu ĂŒberleben, doch nur die wenigsten gaben mir Geld. So lebte ich jahrelang. Ich haßte mein Leben mehr denn je, dachte oft an Selbstmord. Meine Höhenangst und die Tatsache daß mir schlecht wird wenn ich Blut sehe hielten mich jedoch davon ab. Mich zu ertrĂ€nken schloß ich sowieso aus, weil ich im Fernsehen gesehen hatte, daß Ertrinken eine sehr qualvolle Art ist, zu sterben. ErhĂ€ngen konnte ich mich nicht, da ich kein geeignetes Seil hatte. Viel weiß ich von dieser Zeit nicht, ich war in einem Zustand den man „Dauer – Filmriß“ nennen könnte. Es gibt viele Dinge auf der Welt, die ich mir nicht erklĂ€ren kann, eines davon ist woher ich das ganze Geld fĂŒr den Alkohol hatte, es muß eine ganze Menge Alkohol gewesen sein, wenn ich mich an mehrere Jahre nicht mehr erinnern kann.
Irgendwie muß es doch so etwas wie einen Schutzengel geben, obwohl ich eigentlich nicht an solche Sachen glaube, denn jedes Mal wenn ich kurz davor bin zu sterben, kommt etwas dazwischen, bei meiner Geburt der Arzt, der ein Meister mit der Nabelschnur – Schere war und nun Egon, ein alter Freund aus der Zeit bevor ich von meinem Trauma wußte. Ich lag gerade halb erfroren auf einer Parkbank, als er vorbeikam und mich erkannte. Er muß wohl Mitleid mit mir gehabt haben, er nahm mich jedenfalls mit nach hause und fĂŒr ein paar Wochen durfte ich bei ihm wohnen. Ich versuchte erneut, vom Alkohol loszukommen, es fiel mir nicht gerade leicht, doch mit Egons Hilfe schaffte ich es nach einigen Monaten in einer Entzugsklinik. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich glĂŒcklich zu leben. Ich bekam sogar einen Job, ich schrieb Kurzgeschichten fĂŒr eine Zeitung, wobei mir Egon natĂŒrlich ein wenig half, da ich wegen des Intelligenz – Verlustes die Rechtschreibung nicht mehr allzu gut beherrschte. Meine Phantasie jedoch hatte ich nicht verloren, die Leser waren begeistert von meinen Kurzgeschichten. Bald konnte ich mir eine eigene Wohnung leisten.
Doch vor lauter Freude ĂŒber mein neues Leben verdrĂ€ngte ich den immer schlimmer werdenden Zustand meiner vom Alkohol geschĂ€digten Leber. Bald konnte ich diese stechenden Schmerzen weder vor mir selbst noch vor Egon verstecken. Egon mußte mich regelrecht zwingen mich untersuchen zu lassen. Der Arzt war geschockt von meiner Leber. Er sagte er hĂ€tte nie zuvor eine solch kranke Leber gesehen. Er gab mir noch drei Monate zu leben.
Heute ist mein 29. Geburtstag, ich liege hier (wie sollte es auch anders sein) in meinem Schlafzimmer und zĂ€hle die letzten stunden meines kurzen Lebens, bald ist meine Todesfrist abgelaufen. Wieso muß ich ausgerechnet jetzt sterben, wo ich so glĂŒcklich bin, ich hab tolle Freunde, einen tollen Job, noch dazu ein Angebot fĂŒr die Verfilmung meines Lebens. Ich bin noch dabei darĂŒber nachzudenken. Ich glaub ich werde es machen, dann hatte mein Leben wenigstens einen Sinn, wenn sich andere Menschen daran erfreuen. Sie haben mir vorgeschlagen, meinen Tod live zu filmen. Das ist zwar irgendwie sehr makaber aber ich glaube auch das werde ich tun. NatĂŒrlich fĂŒr sehr viel Geld und das wird Egon dann nach meinem Tod an alle Obdachlosen der Stadt verteilen. Also ihr Obdachlosen, freut euch, daß VerhĂŒtungsmittel doch noch manchmal versagen!

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Sommersprossenelfe
???
Registriert: Mar 2002

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fiktiv oder wahr?

FĂŒr den ersten Moment, nachdem ich die Geschichte gelesen habe, war ich erschĂŒttert und habe gedacht - ist das fiktiv oder ist das wahr? - schreibt der Autor von sich und seinem Leben? Habe sofort nachgesehen unter Deinem Namen und auch die anderen Texte von Dir gelesen (Herzlich willkommen bei der Leselupe ).
Dieser Text ist so erschĂŒtternd, weil er so realistisch klingt und weil ich weiß, daß die RealitĂ€t durchaus solche Schicksale kennt - aber ich komme nie persönlich damit in BerĂŒhrung.
Auf der anderen Seite muß ich schmunzeln ĂŒber die Auswirkungen dieses Schlafzimmerschicksals - dieser zwei Ereignisse, so unschuldig und natĂŒrlich - so fatale, schicksalshafte Folgen.
Freue mich mehr von Dir zu lesen!

Liebe GrĂŒĂŸe
Sommersprossenelfe
__________________
Lausche mit dem Herz,
dann wirst Du verstehÂŽn.

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Nuwanda
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2002

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fiktiv

Liebe Sommersprossenelfe,
danke fĂŒr deine antwort. Freut mich, dass meine kleine Geschichte so realistisch klingt. keine angst, es ist wirklich nur Fiktion, das meiste davon jedenfalls. Ein kleines bißchen autobiographisches steckt glaube ich in jeder geschichte.
liebe grĂŒĂŸe
Nuwanda

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Nuwanda
Festzeitungsschreiber
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AusbaufÀhig?

Glaubt ihr, bzw. glaubst du, Sommersprossenelfe, dass diese Geschichte noch ausbaufĂ€hig ist, sprich mit mehr Details, Dialogen, Handlung, Charakteren usw.? Ich habe nĂ€mlich vor, in nĂ€chster Zeit eine lĂ€ngere Geschichte zu schreiben.Ist dieser "Lebenslauf" evtl. fĂŒr soetwas geeignet.
Ich wĂŒrde mich freuen, wenn ihr mir eure Meinung mitteilen wĂŒrdet, mir Tips gebt, usw.
Liebe GrĂŒĂŸe Nuwanda

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

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nuwanda,

das ist eine super-geschichte! da ist alles dran und drin. einzig die rechtschreibung wĂ€re zu ĂŒberarbeiten, ansonsten halte ich sie fĂŒr druckreif. das beste, was ich bisher von dir gelesen habe. ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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Sommersprossenelfe
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 13
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Du hast recht, in jedem Text steckt immer etwas vom Autor mitdrin - vielleicht nicht immer etwas von der eigenen Biographie, aber immer etwas GefĂŒhl - eigene Beobachtungen etc.
Deine Geschichte ist bestimmt ausbaufÀhig. Man könnte die Personen, die in dieses Schlafzimmerschicksal unmittelbar verwickelt sind, nÀher ausleuchten. Wichtige, wegweisende Dialoge und Begegnungen der Hauptperson schildern - auch aus der Psychotherapie z.B. Szenen als Alkoholikerin, die auf der Parkbank schlÀft wÀren zu schildern. Usw.
WĂ€re ne dĂŒstere Geschichte, aber lesenswert!
Wenn Du sie fertig haben solltest, hoffe ich, sie lesen zu dĂŒrfen!!

Liebe GrĂŒĂŸe,
Sommerprossenelfe
__________________
Lausche mit dem Herz,
dann wirst Du verstehÂŽn.

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