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Leselupe.de > Kurzprosa
Schlange
Eingestellt am 08. 07. 2008 23:31


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Joh
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3. Version


Schlange



Er war aus ihrer Zweisamkeit herausgestiegen in Labyrinthe, eng begrenzte Denkwelten. Er wirft nur noch mit Splittern, sie sollen Regeln zerschneiden, doch es ist das Bild, dem man folgen k├Ânnte. Zu oft, hat er sie laut und weit unter seine F├╝├če zu sto├čen versucht. Sie mu├č sich Fl├╝gel wachsen lassen - zu seinem Hochmut, zu seinem selbstgestrickten Wolkenturm, mit den Beinkammern, in denen Einsamkeit und selbstgespr├Ąchiger ├ťberdru├č verstauben.

Er soll daran ersticken, an seinem Eigenleben, in dem nur andere Wolkenfenster gesehen werden, ohne Einblick - f├╝r sie. Die er Wort f├╝r Wort in die Ecke gedr├Ąngt hat, zum schweigenden Bewundern, den Mund mit Worten gefesselt, die eigene Gedanken, Gef├╝hle einsperren sollen, und doch nicht fest genug, f├╝r ihr Aufbegehren, ihre Einladung zu N├Ąhe.
Nun ist sie es, die in seine erstaunte T├╝r ihre Worte wirft, mit einem Schl├╝sselklirren auf dem Wohnzimmertisch zerspringen l├Ą├čt und dieses Leben in Koffer stopft. Damit entflohen in neue Zimmer, in die sie die Einsamkeit neben ihm mitgenommen hat und nun in einem Grautuch eingewickelt absitzt.

An die kahle Wand geheftete Blicke, die nichts von der Befreiung sp├╝ren, sondern sich mit Tr├Ąnen um das Verlorene f├╝llen, das sie zu dem K├╝chenabfall in die Tonne geworfen hat.

W├Ąnde an denen noch die Eint├Ânigkeit der Vormieter klebt, vergilbt, abgebl├Ąttert von den Fenstern, die sich h├Ątten ├Âffnen k├Ânnen, um vom Neuen den Mief vertreiben zu lassen. Blindfenster, durch die die Welt nur noch in Graut├Ânen und dem Gef├╝hl des Tuches auf ihren Schultern wahrgenommen wird.

Die Mieter haben ihr Leben, die alten Fenster in Hoffnung verpackt, und in die n├Ąchste Wohnung getragen. Eine Schlange von Einsamkeit, verlorenen W├╝nschen, Gef├╝hlen, Begehren, sich durch die Stadt windend, w├Ąchst stetig in die aufgegebenen Ein├Âden

H├Ąuserfronten grau
- hinter den Fenstern
Zwischentonleben
Kontraste und Buntes
leuchten aus Medienkisten
hinter abgestumpften Augen
verzehren eingeimpfte
W├╝nsche
Gef├╝hle
- unerreichbare
L├╝gen
in ihnen bleibt es
grau


Fr├╝haufstehen, sie ist auf die Stra├če gefl├╝chtet. Am Morgen schon grauverbrauchter Himmel, in dem die Tauben auf Stra├čenlampen den Autol├Ąrm verschlafen. Sie hastet an alltagsverd├Ąmmerten Gesichtern vorbei, verglaste Ladenstra├če, die den Verkehr in die Schlucht zur├╝ckwirft. R├╝ckzug in ein Bistro, in dem Kaffeedunst dem F├╝hlen auf die Spr├╝nge helfen soll. Sie pickt aus den Stimmen, ertrinkt in Banalgespr├Ąchen, sie rauschen durch den Raum, geschlagene Zeit, in Leerh├╝lsen verpackt, die unter den Tischen zwischen unruhig scharrenden F├╝├čen knirschen.

R├╝ckkehr in die eigenen Zimmer, in denen noch immer keine hellen Worte wachsen wollen. Einrichten mit ans Fenster ger├╝cktem Tisch, Computer und einem Stuhl. Auf der Fensterbank ein dicker Papierstapel, zum halten der Gedanken, Geschichten, des wieder Eigenen. Verwahren, was nicht flie├čen will, sich unter einer grauen Decke regt, aber die Schwere nicht abwerfen kann. Blick in den Hinterhof mit Baumkronen vor einem St├╝ck Wolkenverhangen.

Innehalten unter dem Schwefelhimmel. Regenduft weht durch den Fensterspalt, l├Âst die Gedanken einatmend, die ruhenden Finger von den Tasten, w├Ąhrend die Augen sich an den im Wind schwankenden B├Ąumen schwindelig sehen. Vereinzelt nasse F├Ąden ziehen Bahnen durch den Scheibenstaub, eine gestreifte Amsel fliegt durch das Rechteck ÔÇô ein Knall, ein Zusammenfahren des K├Ârpers, der Himmel zerbricht und die Welt verschwimmt im Rauschen der Regenst├Ąbe - aufatmen.

Es regnet noch, als sie wieder hinausgeht. Die gewaschene Welt tr├Âpfelt langsam in sie hinein, schwemmt bei jedem Schritt die Farben frei. ├ťber ihr fliegen M├Âwen um den Mittagsmond, Kleing├Ąrten flie├čen ├╝ber Balkongitter, zwischen den Plastersteinen wuchernde Wildnis, die gelbe Bl├╝ten gegen das Grau h├Ąlt. Der Gipssatyr raunt vom Sims herunter einem Atlant zotige Geschichten ins Ohr, Durchg├Ąnge in alten H├Ąuserfronten aus denen gr├╝ne Inselwelten mit schreienden Gummistiefelkindern in den Seitenblick wachsen - sie schl├╝pft . . .





Johanna Pless
8.7.2008



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Version vom 08. 07. 2008 23:31
Version vom 09. 07. 2008 21:13

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Franka
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Liebe Johanna,

mir ist dieser Text zu ÔÇ×├╝berladenÔÇť, er l├Ąsst sich dadurch schwer lesen und wirft mich immer wieder hinaus. Er enth├Ąlt viele sch├Âne Bilder, aber leider ein ÔÇ×ZuvielÔÇť davon. F├╝r mich w├Ąre hier weniger mehr. Ich kann deinem roten Faden folgen, deine Idee erschlie├čt sich mir (denke ich jedenfalls), aber leider nicht jedes deiner Bilder. Sie brechen wie eine Flut ├╝ber mich hinein, und ich habe M├╝he mit dem Kopf ├╝ber dem Wasser zu bleiben.
Z.B.

quote:
Gegeizt fragmentierte Labyrinthe, er wirft nur mit Splittern deiner Denkwelten, sie sollen Regeln zerschneiden, doch es ist das Bild, dem man folgen k├Ânnte.
Oder dies:
quote:
Sie m├╝├čte sich die gestutzten Fl├╝gel wachsen lassen - zu seinem Hochmut, zu seinem selbstgestrickten Wolkenturm, mit den jammernden Beinkammern, in denen Einsamkeit und selbstgespr├Ąchiger ├ťberdru├č verstauben.
Dieses ist sehr sch├Ân:
quote:
Sie hat seine Worte mit einem Schl├╝sselklirren auf den Wohnzimmertisch zerspringen lassen und dieses Leben in die Koffer gestopft.
Dieses auch:
quote:
Am Morgen schon grauverbrauchter Himmel, in dem die Tauben auf Stra├čenlampen den Autol├Ąrm verschlafen.

Lieben Gru├č
Franka

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Joh
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Hallo Franka,

erst einmal Danke f├╝r deinen Kommentar. Ich habe mir vorher schon eine andere Meinung geholt, die jedoch auf das selbe hinausl├Ąuft. Es ist wohl so, da├č ich den Leser ├╝berfordere, schade. Ich habe gestern noch einmal eine zweite Version geschrieben, von der ich hoffe, da├č sie besser/anders lesbar ist.

LG Johanna

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Joh
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W├Ąre nett, wenn Ihr was dazu sagen w├╝rdet, mir liegt an der Geschichte und um zu wissen, was nicht schmeckt, braucht man Kommentare

ein Gru├č, Johanna

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