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Leselupe.de > Gereimtes
Schlingensiepe und die Halbwertzeit
Eingestellt am 30. 11. 2011 22:55


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Walther
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Schlingensiepe und die Halbwertzeit


Schlingensiepe, ganz ernĂŒchtert,
Vor der Diskussion verschĂŒchtert,
Hat die Hose richtig voll.
Himmel, es steht nicht so toll

Um den Euro und das Alter.
Um das Haus weht schon ein kalter
Wind von Schicksal und von Angst.
Wenn Du um Dein Sparbuch bangst,

Um das, was zurĂŒckgelegt,
Wenn sich nichts mehr schmerzlos regt,
Was an Körper ist geblieben,
Bist Du durch die Zeit getrieben,

Hast das Leben recht genossen
Und Dein Pulver fast verschossen,
Sehnst nach Stille Dich und Ruh,
Machst bald Deine Augen zu:

Dann wird’s Zeit, um sich zu sorgen,
Weiß er, ernsthaft um das Morgen.
Halber Schein ist ganzer Schein,
Ist der Schein auch noch so klein.

Lieber als den blöden Euro,
Den man tituliert als Teuro,
Möchte er die D-Mark haben,
Die mit ihren milden Gaben,

Die hat Omma schon gespart.
Sie war sicher, sie war hart.
Das gab damals richtig Zinsen,
Denkt er und muss dabei grinsen.

Heute aber gibt’s nur Steuern,
Die das Leben stets verteuern.
Und die Nachbarn schlemmen heftig,
Finanzieren dieses krÀftig

Stapelweis mit neuen Schulden.
Er muss sich jedoch gedulden,
Bis nach jenen ollen Griechen
Auch noch andre furchtbar siechen.

Schluss mit dieser Halbwertzeit!
Er ist die Debatten leid.
Mögen sie auch noch so lÀstern,
Er will schnell zurĂŒck ins Gestern,

So als wÀr mit den Chinesen
Und den Indern nichts gewesen,
Als wÀr alles wie vor Jahren,
Wo wir die Weltmeister waren

In Export und Produktion.
Ist vorbei, wen juckt das schon:
Ihm ist das doch schnurz wie Piepe,
Denkt vernagelt Schlingensiepe.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Bernd
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Registriert: Aug 2000

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Das Gedicht ist ein halbes Jahr alt, aber seine Halbwertszeit ist lÀnger.

Es fasst ein wichtiges Problem an, man könnte es mit dem Seerosenteich vergleichen.

ZunÀchst gibt es Wachstum, sogar exponentielles Wachstum mit Zins und Zinseszins.

Wenn die Kurve in den SĂ€ttigungsbereich ĂŒbergeht, stagniert das Wachstum.

Aber es scheint - oberflÀchlich - noch mit einer Art Halbwertzeit versehen zu sein.

Doch muss man das stark bezweifeln, es geht nicht nach der Gaußkurve (wie ein Modell ohne Schranken), sondern es zeigt chaotisches Verhalten. Beim chaotischen Verhalten bewirken kleine Änderungen der Parameter wie beim Wetter starke Schwankungen der Ausgangswerte, es sind eben keine voneinander unabhĂ€ngige Zufallswerte, sondern miteinander verkoppelte Zufallswerte.

Schlingensiepe hing der deterministischen Anschauung eines stationÀren bzw. wachsenden Zustandes an, die nun zusammenbricht.

Und das macht ihn hilflos, traurig und wĂŒtend.

__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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Walther
Routinierter Autor
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Lb. Bernd,

Du hast das StĂŒck Zivilisationskritik, das in diesen Versen steckt, gut herausgearbeitet. Wir neigen gerne dazu, das Gestern zu ĂŒberhöhen, ins Heute zu verlĂ€ngern und dann diesen Trend in die Zukunft zu projizieren. Dabei vergessen wir, daß sich die Zeiten Ă€ndern und damit auch der Rahmen des Handelns/Lebens.

Ebenso vergessen wir gerne, daß das Gestern nicht ideal war, sondern mindestens so unvollkommen wie das Heute. Es ist sehr wahrscheinlich, daß das Morgen kein StĂŒck anders aussieht, was diesen Teil der Wirklichkeit angeht.

Mein Alter Ego spießt solche UmstĂ€nde auf. Danke, daß Du diesen Text wieder nach vorne gehoben hast.

LG W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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