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Leselupe.de > Ungereimtes
Schlitterpartie
Eingestellt am 20. 07. 2003 22:18


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Rhea_Gift
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Schlitterpartie

Unsicher schlittert der Schritt,
ein sicherer Stand von kurzer Dauer,
ein fester Tritt läßt den Boden splittern,
ein vorsichtiger bringt mich zu Fall -
nur eine Frage der Zeit.

Gallileo hat sich getäuscht,
die Welt ist nur eine Scheibe,
erstarrtes Wasser, erstarrtes Sein,
der Grund verborgen und tödlich -
und jeder schlittert allein.

Ohne Schlittschuhe geboren,
absurder Lauf, absurde Existenz,
vom eisigen Spiegel √ľber die Welt get√§uscht,
ist Reflexion doch alles, was bleibt -
und gebrochenes Licht weist den Weg.

Aus dem Wasser geboren lockt der Grund,
in dessen Tiefe wir einst wieder sinken,
dazwischen eine Schlitterpartie -
seltsam nur, daß die spiegelnde Fläche
uns dennoch zum Laufen verf√ľhrt.


__________________
...Seele, bist du nun erwacht?...Und sie zittert, und sie lacht allen Himmelssternen zu... (Hesse)

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george
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Macht nachdenklich und k√ľhlt gleichzeitig ab in dieser Hitze. Ob der Text wohl in einer anderen Jahreszeit entstanden ist? Wortwahl und Rhythmik sind wohltuend.
Es gibt sie also immer noch, die guten Texte.

Herzliche Gr√ľsse
__________________
¬© J√ľrgen Locke

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Jongleur
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Eis

Mmh ja, hallo Rhea, man liest gern von Eis und Wasser dieser Tage, in denen man sich manchen Schritt erspart, weil zu schweißtreibend
Des Menschen Seele gleicht dem Wasser, Goethe sagt das - und Du sagst, sein Lebem dem Gehen auf Eis. Gef√§llt mir! Ein aussagekr√§ftiges Bild, auch wenn hier nur von "Pflicht" und Schwierigkeiten die Rede ist, nicht von K√ľr, Paarlauf, Tanz. Und das Gedicht einen schwerm√ľtigen bis ans Morbide, Suizidale grenzenden (Aus dem Wasser geboren, lockt der Grund) Charakter hat - der immer sich m√ľhende Mensch, dessen h√∂chste Vervollkommnung, Befriedigung bleiben wird, wenigstens zeitweise auf zwei Beinen aufrecht √ľber gef√§hrliche Gl√§tte zu laufen.
Ich frage mich, nachdem der Text in weiten Strecken allgemeing√ľltig, philosophisch formuliert ist, ob es auch ein Weg w√§re, die letzten "Ich"-Bez√ľge allgemein zu halten - denn dass ein entt√§uschtes, schlitterndes Ich spricht, ist auf jeden Fall durch die [einseitig gewichtete] Sicht der Dinge enthalten.
Unsicher schlittert der Schritt,
ein sicherer Stand von kurzer Dauer,
ein fester Tritt läßt den Boden splittern,
ein vorsichtiger bringt [meist] zu Fall -
nur eine Frage der Zeit.

--
seltsam nur, daß die spiegelnde Fläche
dennoch zum Laufen verf√ľhrt.


Inhaltlich hätte ich anzumerken:
vom eisigen Spiegel √ľber die Welt get√§uscht
Leuchtet mir nicht ein. Wenn ich von vornherein postuliere, dass die Welt eine Scheibe ist mit eisglatter Oberfl√§che, wie kann ich mich get√§uscht f√ľhlen? Es ist ja von keinem "Dahinter" die Rede, das schlitternd unm√∂glich zu erreichen w√§re. - Was spiegelt der "eisige Spiegel" im Text? Allenfalls einen "Himmel", einen Gestirnelauf, Wolkenbilder.
Ich k√∂nnte mir eine offenere Formulierung vorstellen wie "√ľber das Dasein get√§uscht", den "Gang der Dinge" o. √§.
seltsam [nur], daß die spiegelnde Fläche
[uns] dennoch zum Laufen verf√ľhrt.


Und, Kleinigkeit:
Aus dem Wasser geboren lockt der Grund,
in dessen Tiefe wir einst wieder sinken

- scheint mir nicht ganz sauber. Wir versinken in der/die Tiefe des Wassers (bis zum Grund), nicht in die Tiefe des Grundes. Oder? Auch wenn der Grund "tief" liegen mag.

Ohne Schlittschuhe geboren
Ja, das ist vollkommen richtig, ich sehe es vor mir. "Schlittschuhe" ist aber in diesem Eissee-Metaphertext so unendlich konkret - und aus der Realwelt. Könnte da auch etwas weniger Geläufiges stehen? Gleitschuhe??

ist Reflexion doch alles, was bleibt -
Ich verstehe, der Sprachfluss m√∂chte gern dies "doch" im Satz halten. Aber es scheint mir entbehrliches F√ľllselwort, das keinen Sinn transportiert. ist Reflexion letztlich (= am Ende) alles, was bleibt ???

und gebrochenes Licht weist den Weg.
Ist meine Lieblingsstelle! gebrochenes Licht weist den Weg! Schön!

Die letzte Strophe habe ich wiederholt gelesen. Nachdem ich zuerst den Eindruck hatte, dass die "Sinnfrage" seltsam ... an den Schluss geh√∂rte, also erst die "Verf√ľhrung" zum Laufen, dann die Schlitterpartie. Aber je √∂fter ich es lese, kommt der Text mir logisch vor im Ablauf.

Gr√ľ√üe vom Jongleur, heute durch schw√ľle Luft schlitternd. Geht nicht? Naja eigentlich nicht, k√§me man gleich zu Fall. Aber es gibt so 'ne wundersch√∂ne Gedichtzeile "Ich setze meinen Fu√ü in die Luft" o. √§. von Rose Ausl√§nder.

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Rhea_Gift
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Hi George,

danke, freut mich, daß Dir mein Gedicht gefällt!

LG, Rhea


Hi Jongleur,

danke f√ľr die intensive Auseinandersetzung mit dem Gedicht. Wie schon erkannt, ist es sehr doppeldeutig/vielschichtig.
Zu Deinen Anmerkungen:
Es gibt zwar allgemein-phil. Aussagen im Gedicht, dennoch ist es sehr subjektiv geschrieben, daher soll das Ich auch deutlich erscheinen - kann ja nicht anderen meine Sicht, die auch nicht immer so negativ ist, aufdr√ľcken.
Das Gedicht ist ein konkretes Bild f√ľr einen abstrakten Sinn, daher find ich die Schlittschuhe nicht verkehrt - Gleitschuhe w√§re eine k√ľnstliche Wortkreation, die ich in dem ansonsten im Wortsinn nicht k√ľnstlichen Gedicht verkehrt f√§nde - sie w√ľrden auch den Sinn verfehlen, schlie√ülich schlittert das Ich und gleitet eben leider nicht*seufz*.
Interessant eigentlich, da√ü die Dinger, mit denen es erw√ľnscht w√§re zu gleiten, Schlitt-Schuhe hei√üen - ob der Namensgeber eine √§hnliche Phase der Weltsicht hatte wie ich??? Ebenso der Schlitten - hei√üt auch nicht Gleiter

Die Welt als Spiegel, wir nehmen die Reflexion wahr, nicht das darunter=dahinter, den Grund (im dreifachen Wortsinn!), erst nach dem Tod=Einsturz nehmen wir vielleicht anderes wahr - aber dann sind wir nicht mehr Mensch. Wir sinken (bewu√üt so gemeint) IN den Grund - er beginnt unter der Spiegeloberfl√§che, unter der √ľblichen Wahrnehmung ( bzw. √ľber, siehe Para-psychologie, etc.), und wir vereinen(=einsinken) uns mit dem Grund (der Sch√∂pfung/dem All/was auch immer der Grund IST).
Achja, das "doch" ist kein F√ľllsel, nat√ľrlich ist es fraglich, ob Reflexion alles ist - manchmal GLAUBT man DOCH mehr wahrzunehmen und f√ľr wahr zu nehmen, als die Sinne es erm√∂glichen - daher ist das "doch" dazu da, aus der Aussage eine bezweifelnswerte Behauptung zu machen, quasi das Fragezeichen.

S√∂dele, hoffe, damit genug erkl√§rt - eigentlich ein Fehler, man sollte dem Leser die Deutung √ľberlassen, er kann sich ja auch gern was anderes daraus herauslesen. Andererseits schade, da√ü man tote Dichter z.B. nicht mehr fragen kann, wie sie was meinten...

Ich w√ľnsche noch einen guten Lauf, wenns ein Tanz wird, um so besser!

LG, Rhea


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Jongleur
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Schliddern, Gleiten - bis zum Grund ;)

Liebe Rhea,
danke f√ľr Deine Antwort.
S√∂dele, hoffe, damit genug erkl√§rt - eigentlich ein Fehler, man sollte dem Leser die Deutung √ľberlassen, er kann sich ja auch gern was anderes daraus herauslesen. Andererseits schade, da√ü man tote Dichter z.B. nicht mehr fragen kann, wie sie was meinten
Jaja, das Problem kenne ich auch gut. Man wägt halt im Einzelfalle ab ...

... Gleitschuhe w√§re eine k√ľnstliche Wortkreation, die ich in dem ansonsten im Wortsinn nicht k√ľnstlichen Gedicht verkehrt f√§nde - sie w√ľrden auch den Sinn verfehlen, schlie√ülich schlittert das Ich und gleitet eben leider nicht*seufz*.
Mmh, ich meine mich zu erinnern, dass zu Goethes Zeiten und sp√§ter auch mit Gleitschuhen auf Seen und Fl√ľssen "gelaufen" wurde , mir ist dies Wort irgendwo in der Literatur schon einmal begegnet, kein Kunstwort - ein flaches, kurzbrett√§hnliches Teil, keine Kufen - auch auf alten Gem√§lden habe ich solche untergeschnallten, um die Schuhe geschn√ľrten Teile gesehen.
... neugierig habe ich gerade gegoogelt: es gibt solche Teile tatsächlich auch heute noch.
Aber wenn sie Dir nicht behagen im Gedicht ... Sind im Ende Deine Worte und Bilder , meins ist nur Lesernachfrage, Anregung.
Interessant eigentlich, da√ü die Dinger, mit denen es erw√ľnscht w√§re zu gleiten, Schlitt-Schuhe hei√üen - ob der Namensgeber eine √§hnliche Phase der Weltsicht hatte wie ich??? Ebenso der Schlitten - hei√üt auch nicht Gleiter
Spannende Frage. Hat mich neugierig gemacht. - Etymologisch hat sich das Wort im Lauf der Jahrhunderte ver√§ndert, es (Schlitten) stammt letztlich vom indogermanischen Wort f√ľr "schl√ľprig, gleiten" ab ... Und der "Schlittschuh" wurde dem "Schlitten" sprachlich nachgebildet. Also war bei unseren sprachlichen Urv√§tern das Verb "gleiten" enthalten, nur wir wissen es heute nicht mehr, und man kann dem Wort seine Wurzeln nicht mehr ansehen.

Die Welt als Spiegel, wir nehmen die Reflexion wahr, nicht das darunter=dahinter, den Grund (im dreifachen Wortsinn!), erst nach dem Tod=Einsturz nehmen wir vielleicht anderes wahr - aber dann sind wir nicht mehr Mensch. Wir sinken (bewu√üt so gemeint) IN den Grund - er beginnt unter der Spiegeloberfl√§che, unter der √ľblichen Wahrnehmung ( bzw. √ľber, siehe Para-psychologie, etc.), und wir vereinen(=einsinken) uns mit dem Grund (der Sch√∂pfung/dem All/was auch immer der Grund IST).
Ah, so hast Du es gemeint! Solch ein Austausch ist interessant! - Dennoch, siehe oben, ich, Leser, lese das nicht heraus. Es ist mir sehr kompliziert - und da Du in derselben Gedichtzeile den "Grund" als "verborgen" und als "t√∂dlich" benennst - spricht mir das f√ľr die reale Bedeutung Eis / Wasser / (fester) Grund. Die Erkl√§rung "Vereinen mit Grund = Sch√∂pfer" leuchtet mir nicht ein, wenn im selben Atemzug von "t√∂dlichem" Grund die Rede ist. Das Vereinen mit dem Grund im christlichen Sinne m√ľsste meines Erachtens dem Erl√∂sungs- und Auferstehungsglauben folgen und "belebend", lebendig-machend nach dem Ende, dem Sinken sein.

Lieben Gruß vom Jongleur

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Rhea_Gift
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Hi Jongleur,

danke f√ľr die Aufkl√§rung bez√ľglich der Gleitschuhe. Aufgrund des schlitternden Ichs bleib ich bei den Schlittschuhen.
Zum Grund: Wie gesagt, dreifacher Wortsinn. Vordergr√ľndig der Tod, daher t√∂dlich. Wohin der Tod f√ľhrt, ist verborgen, in was wir einsinken zumindest mir unbekannt, da ich nicht an den christlichen Gott glaube - daher nix mit Auferstehung. Denke, das sich unsere Energie nach dem Tod mit dem All vereint, wohin sie dann geht, werd ich sehen oder eben nicht - ist mir auch egal...
Dennoch setzt ich mich mit der Frage, gibt es mehr als wir wahrnehmen (ja) auseinander, im Leben ists schwer, anders als wie gewohnt wahrzunehmen, dennoch halte ich es potentiell f√ľr m√∂glich(siehe Parapsychologie). Und eventuell wird nach dem Tod unsere Wahrnehmung ja vielleicht anders. Und wir erfahren dann vielleicht auch den Grund von Allem, indem wir es, wie auch immer, wahrnehmen - vielleicht bleibts auch verborgen...

Nochmals danke f√ľr die Auseinandersetzung mit dem Text, jeder kann etwas Einfaches daraus herauslesen, andere vielleicht auch die kompliziertere Schicht - wie Belieben.

LG, Rhea
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Jongleur
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tiefgrundig ...

Hi Rhea,
mit und ohne Schlittschuhe, schön die Arme zum Balancieren nehmen ... hoffe ich, Du und ich, wir schlittern ohne einzubrechen mutig und munter weiter!

Gr√ľ√üe vom Jongleur,
heute ist es abgek√ľhlt hier, man kann sich wieder einen Winter mit Eis vorstellen ...

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