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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Schlittschuhlaufen
Eingestellt am 23. 04. 2001 19:22


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Kyra
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Mar 2001

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Schlittschuhlaufen

Harras hockte vor Wawa um ihr die Schlittschuhe zuzubinden. Marlies war schon auf dem holprigen Eis des Sees. Wawa beobachtete sie wĂ€hrend Harras versuchte mit kalten Fingern einen Knoten zu lösen. Sie saß auf einer Parkbank am Ufer, dick verpackt in Anorak, Cordhose und Wollstrumpfhosen. Sie schlenkerte ungeduldig mit dem fertig angezogenen Fuß. Marlies hatte große Probleme auf dem Eis, immer wieder ruderte sie mit den Armen um nicht zu fallen. Wawa lachte lauthals als sie schließlich doch hinschlug. Harras hatte den Konten gelöst und band jetzt eine Schleife, nachdem er die ĂŒberlangen SchnĂŒrsenkel zweimal um Wawas dĂŒnne Waden gewickelt hatte. Etwas wacklig stand sie auf, mit einer Hand auf Harras Kopf gestĂŒtzt machte sie den ersten Schritt. Er versuchte den Kopf zu heben um sie anzusehen, dabei rutschte ihre Hand in dem PelzfĂ€ustling auf sein Gesicht. Schließlich löste sie sich von ihm und stakste auf den See. Marlies kam ihr entgegen, die Hand ausgestreckt um sie zu halten. Unwillig schĂŒttelte Wawa den Kopf mit den Zöpfen,
„ich kann das alleine viel besser“.
TatsĂ€chlich war Wawa schon nach wenigen Metern mit der höckerigen EisflĂ€che vertrauter als die Erwachsenen. Einmal fiel sie hin, aber dann hatte sie es begriffen. Sie musste nur schnell sein, so schnell dass sie ĂŒber die Unebenheiten hinweg flog. Ohne sich nach Harras und Marlies umzusehen lief sie ĂŒber den See, die Sonne stand schon tief und es waren kaum noch Kinder auf dem Eis. Einige Erwachsene liefen noch in weiten Bahnen durch die einbrechende DĂ€mmerung. Eine Frau schob einen Kinderwagen ĂŒber das Eis. Ein Paar klammerte sich erst lachend aneinander sah sich dann plötzlich in die Augen und verstummte. Wawa sah es im vorbeilaufen und wurde sehnsĂŒchtig und traurig. Als sie nach ihren Begleitern Ausschau hielt, sah sie die beiden nah am Ufer ungelenk ĂŒber das Eis stolpern. Sie blieb stehen und beobachtete sie einen Augenblick, bevor sie hinlief. Beide hatten sie ihre Knie steif durchgedrĂŒckt, den Oberkörper nach vorne gelegt und die Arme ausgebreitet. Gleich wĂŒrden sie sich auch tief in die Augen sehen. Wawa stieß sich krĂ€ftig ab und rief laut Harras Namen wĂ€hrend sie auf die beiden zu glitt. Ungebremst raste sie zwischen das Paar, klammerte sich an Harras und riss ihn fast um. Ohne Marlies zu beachten versuchte sie Harras Hand zu nehmen, rutschte aber mit ihren FĂ€ustlingen ab. Harras hatte keine Handschuhe an, seine HĂ€nde waren noch blasser als sonst, alles Blut schien aus ihnen gewichen zu sein. Die dicken Adern die sich sonst unter ihrer Haut wölbten, waren fast verschwunden. Wawa liebte diese großen, mageren HĂ€nde. Die meisten MĂ€nner die sie kannte, hatten viel mehr Fleisch und Muskeln an Fingern und HandflĂ€chen. Harras hatte unter seiner jungen Haut die HĂ€nde einer alten Frau. Wieder versuchte sie seine Hand zu greifen aber es wollte ihr nicht gelingen. Schließlich nahm sie seinen Arm zwischen beide HĂ€nde und zog ihn hinter sich her. Über die Schulter rief sie Marlies zu,
„ich bringe erst Harras Schlittschuh fahren bei, dann ihnen“
Harras versuchte sich zaghaft aus dem Griff zu befreien, gab aber rasch nach und rief seiner Verlobten zu, dass sie gleich wieder da wĂ€ren. Wawa zog den schlaksigen jungen Mann hinter sich her ĂŒber das Eis. So gut er konnte versuchte er selber zu laufen, er war dabei auch nicht ungeschickt nur Ă€ngstlich. Wawa lotste ihn um die kleine Insel in der Mitte des Sees herum und blieb dann abrupt stehen. Schnell drehte sie sich zu ihm um und versuchte ihm in die Augen zu sehen. Einen kurzen Augenblick sah er sie an, wendete sich dann aber ab und lief alleine weiter. Wawa sah böse hinter ihm her, aber nahm dann die Verfolgung auf. Vor dem Ende der Insel hatte sie ihn ĂŒberholt und ließ sich vor seine FĂŒĂŸe fallen. Er stĂŒrzte schwer auf das Eis. Mit Ă€rgerlichem Gesicht drehte er sich zu ihr um, als er sagte,
„was ist nur in dich gefahren, du hast mir richtig wehgetan“
Wawa saß neben ihm, hatte den Kopf gesenkt und sah ihn störrisch an.
„Ich wollte ihnen nicht wehtun“
Harras versuchte murrend auf die Beine zu kommen. Wawa boxte wĂŒtend nach ihm als sie viel zu laut sagte
„Entschuldigung, es war keine Absicht“
Sie hatte ihre schwarzen Augenbrauen gesenkt und blickte finster auf die EisflÀche.
Harras musste lÀcheln, als er sie so beleidigt auf dem Eis sitzen sah. Er streckte ihr die Hand hin als er leise sagte,
„komm jetzt, Marlies wartet und du wirst dich erkĂ€lten“
Wawa stieß mit dem Kopf nach vorne und biss in seine Hand. Ihre großen ZĂ€hne hatten sich in seine Daumenwurzel gegraben wĂ€hrend sie fast unverstĂ€ndlich heraus stieß,
„Sehen sie mir in die Augen, richtig in die Augen“
Harras versuchte vorsichtig seine Hand zu befreien, aber sie biss sofort fester zu. Er sah sich vorsichtig um, ob ihn jemand in dieser merkwĂŒrdigen Situation sah. Mit unterdrĂŒckter Ungeduld in der Stimme bat er,
„Wawa, komm sei jetzt vernĂŒnftig, lass bitte los“
Er fĂŒhlte ihr leichtes KopfschĂŒtteln an seiner Hand. Schulter zuckend setzte er sich schließlich zu ihr auf das Eis und sah ihr in die Augen. Sie fĂŒhlte ein leichtes zittern in seiner Hand als er ihren Blick erwiderte.
Wawa fĂŒhlte seine Augen in ihr Inneres eindringen. Sie fĂŒhlte Lust, Sehnsucht und WĂ€rme in der eine Glut verborgen war. Nach einer Minute lockerte sich ihr Mund und ließ ihn frei. ÜbermĂŒtig vor GlĂŒck sprang sie auf und rief ihm im davoneilen zu
„Sie mĂŒssen mich fangen, los!“
Wawa war schon lÀngst bei Marlies angekommen, als Harras sich nÀherte. Jetzt hielt sie die junge Frau am Arm und versuchte ihr zu zeigen wie man Schlittschuh lÀuft.


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innergetic
Guest
Registriert: Not Yet

Ok,

du hast recht, er ist harmloser. Allerdings habe ich immer den anderen Text im Hinterkopf und weiß/denke zu wissen, was kommt. "Die Geister die ich rief..."

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