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Leselupe.de > Kindergeschichten
Schlossbeere - Das schwere Geheimnis
Eingestellt am 04. 12. 2004 16:56


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schwarzerpanther
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Nov 2004

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Angus, der Wachhund auf dem Gutshof Schlossbeere wedelte mit dem Schwanz und lief fröhlich bellend auf Julia zu. Das Mädchen kniete sich neben den Hund und streichelte über sein Fell.
„Tut mir leid, Angus! Heute kann ich dich nicht mitnehmen! Du würdest mich nur verraten!“ Julia strich ihm noch einmal über den Kopf und rannte dann schnell zur Hofeinfahrt. Mit einem Ruck zog sie das Tor hinter sich zu, damit der Hund ihr nicht folgen konnte. Schnell eilte sie an der Mauer entlang Richtung Tannenhof. Keiner durfte mitbekommen, dass Angus wegen ihr bellte.
Julia rannte über die Obstwiese und am Tannenhof vorbei zum Lothurdickicht. Am Waldrand bog sie in einen kaum sichtbaren Trampelpfad ein und lief bis zu einer großen hügeligen Blumenwiese.
Im Mittelpunkt dieser kleinen Anhöhe, stand eine Gruppe Bäume. Julia lief auf einen sehr schräg gewachsenen Apfelbaum zu. Am Stamm waren viele knollenartige Beulen – verwachsene Reste von abgebrochenen Ästen - zu sehen. Durch die schiefe Lange des Baumes, konnte Julia leicht auf den Stümpfen bis in die Krone klettern.
„Hallo Philip! Ich habe Äpfel, Kekse und Bonbons dabei!“ Julia setzte sich auf das breite Eichenbrett, das in der Krone des Baumes, zwischen zwei Ästen befestigt als Sitzbank diente.
„Na endlich, Julia! Ich warte schon eine halbe Ewigkeit!“ Philip saß in einer Ecke des Brettes, durch das dichte Blätterdach halb verdeckt.
„Ich musste mich ja Herrauschleichen. So etwas dauert!“ Julia setzte sich, biss in einen Apfel und reichte ihrem Freund ebenfalls einen.
„Hm, du hast Recht! Aber es ist wichtig, dass nur wir davon wissen! Denn, was nützt ein geheimer Treffpunkt wenn jeder davon weiß?!“ Philip biss kraftvoll in seinen Apfel.

Vor ungefähr einem halben Jahr, landete vor Julias Fenster die erste Brieftaube von Philip. An ihrem Fuß hing ein kleiner Zettel mit einer Nachricht von ihrem Freund:

Hallo Julia!
Komm schnell zum Tannenhof! Ich muss dir etwas zeigen!
Grüße Philip


Als Julia am Gutshof ankam, nahm Philip sie bei der Hand und führte sie zu diesem Baum. Per Zufall hatte er ihn ein paar Tage zuvor entdeckt. Seither machten sie fast täglich Termine per Brieftauben aus und trafen sich in diesem Versteck.

„Wie hat dein Vater deine 5 in Mathe verkraftet?“ fragte Julia und warf ihren Apfelknatsch im weiten Bogen auf die Wiese.
„Er kontrolliert jetzt jeden Tag meine Hausaufgaben!“ antwortete Philip und warf wütend den Rest seines Apfels gegen den nächsten Baumstamm.
„Dann hat er es besser aufgefasst als meiner!“ Julia wickelte einen Bonbon aus dem Papier.
„Hausarrest?“ fragte Philip.
„Nein! Aber so lange meine Noten nicht besser werden, darf ich nicht mehr auf Lorena reiten!“
„Das ist wirklich hart!“ Philip biss in einen Keks und fasste hinter sich.
„Ich habe dir auch etwas mitgebracht!“ sagte er und zog ein DIN A4 großes Heft aus seiner Tasche, die er hinter seinem Rücken hervorgezerrt hatte.
„Du hast daran gedacht! Danke, du bist echt lieb!“ Julia schlug das Comicheft auf und überflog die erste Seite. „Das ist bestimmt klasse! Mir hat schon der erste Teil so gut gefallen! Auch wenn du immer meinst, dass diese Comics nichts für Mädchen sind! Ich finde sie toll!“
„Du kannst ruhig schon anfangen zu lesen! Ich habe mir auch eines mitgebracht!“ sagte Philip und zog ein zweites Heft aus seiner Tasche.
„Super! Ich kann es schon gar nicht mehr abwarten!“ Julia lehnte sich gegen das rückwärtig angebrachte Brett das als Lehne diente. Doch leider hatten sie noch nicht ausprobiert ob die Paketschnur, mit der sie die provisorische Bank an den Baum befestigt hatten, auch dem Gewicht eines Menschen standhielt.
Mit einem lauten Schrei stürzte Julia rückwärts von dem Baum. Philip musste sich festhalten, damit er von den folgenden, heftigen Schwingungen nicht auch von dem Brett gerissen wurde.
Bevor ihr Freund wusste was geschehen war, lag Julia auf der Wiese und stöhnte vor Schmerzen.
Zum Glück war das Brett durch die Schieflage des Baumes, nicht mal zwei Meter vom Boden entfernt. Aber auch ein Sturz aus einer solchen Entfernung, kann unglaublich wehtun.

„Julia! Um Himmels Willen! Geht es dir gut!“ Philip stieg so schnell er konnte den Baum hinunter und rannte zu seiner Freundin.
„Aua! Mein Hintern tut so weh!“ Julia versuchte aufzustehen, musste sich aber an Philip festhalten, um nicht vor Schmerzen wieder umzufallen.
„Oh Nein! Was machen wir jetzt nur!“ Philip raufte sich mit seiner freien Hand ratlos in den Haaren.
Das Mädchen lief einen Schritt und hielt sich an einem Ast fest.
„Lass uns ein bisschen warten und vielleicht geht es mir dann besser!“ Julia stützte sich eine Hand in ihr Kreuz.
„Das glaubst du doch selber nicht! Das waren fast zwei Meter! Vielleicht hast du dir ja sogar etwas gebrochen!“ Philip fing langsam an in Panik zu geraten. „Ich hole Hilfe!“
„Nein!“ Julia streckte ihren Arm aus und versperrte dem Jungen damit den Weg. „Wenn du das machst, wissen doch alle von unserem Versteck! Und meine Mutter wird mich nie wieder hierher lassen, aus Angst dass mir wieder etwas zustößt!“ Julia zog ihren Arm zurück
„Aber du brauchst Hilfe! Was willst du erzählen, falls wir es tatsächlich bis Schlossbeere schaffen?“
„Ich sag einfach, dass ich von einem Baum gestürzt und auf den Hintern gefallen bin!“ Julia warf Philip einen flehenden Blick zu. „Welcher Baum ist doch egal! Mutter weiß, dass ich gut klettern kann! Bitte!“
„Na gut! Ich möchte ja auch, dass unser Versteck geheim bleibt! Aber meinst du, dass du den Weg schaffst?“ Philip warf seiner Freundin einen mitleidigen Blick zu.
„Ja! Ich denke schon! Hilf mir mal!“ Julia stützte sich auf Philips Schulter ab. Mit schmerzverzerrtem Gesicht ging sie die ersten Schritte.
Nach einer Stunde hatten sie es endlich geschafft. Mehrere Pausen hatte Julia gebraucht, um den Weg durchzustehen aber kein einziger Schmerzenslaut war aus ihrem Mund gedrungen.
„Viele Jungs die ich kenne, hätten jetzt schon längst das Flennen angefangen!“ sagte Philip bewundernd und nahm seinen Arm von Julias Taille.
Sie standen am Tor des Bauernhofes und das Mädchen klammerte sich am Griff fest.
„Der erste Schmerz ist schon wieder vorbei! Ich glaube ich kann jetzt schon alleine weiterlaufen!“
„Bist du sicher? Ich kann dich auch noch bis zur Haustür bringen, bevor du noch hinfällst!“ Philip sah seine Freundin besorgt an.
„Nein! Ich sagte doch, es ist schon viel besser! Ich schicke dir später Agnes mit einer Nachricht rüber!“ Julia lächelte tapfer.
Die beiden verabschiedeten sich und das Mädchen öffnete die Pforte.
Sofort kam Angus angerannt und wollte an Julia hochspringen. Nur mit Mühe konnte sie ihn davon abhalten. Brav machte er anschließend neben ihr sitz.
„Guter Junge!“ raunte sie ihrem Hund ins Ohr und streichelte seinen Nacken.
Julia hatte das Gefühl Stundenlang gelaufen zu sein, bis sie endlich die erlösende Klinke in der Hand hielt.
„Mama!“ schrie Julia als sie in der Eingangshalle stand. „Mama! Komm schnell!“
Von weitem hörte sie jemanden Treppenstufen herunterbrennen „Was ist denn los Julia? Ich komme!“ rief ihre Mutter und tauchte im Türrahmen auf.
„Mein Hintern tut so weh! Ich bin von einem Baum gefallen!“ Julia stützte sich an der Wand des Treppenhauses ab.
„Ach Liebes! Ich habe dir schon immer vorhergesagt, dass so etwas passieren wird! Tut es sehr weh?“ Mutter ging um ihre Tochter herum und warf ihrer einen mitleidigen Blick zu.
„Ja! Ich kann bestimmt wochenlang nicht sitzen!“ Julia seufzte.
„Komm mal mit! Ich schmiere dir eine Salbe darauf und verbinde dich!“ Frau Schmunzel führte Julia in das Badezimmer.

„Unser Kletteraffe ist doch tatsächlich vom Baum gefallen!“ Papa lachte und strich seiner Tochter über den Kopf.
Julia lag mit einem dicken Verband in Bauchlage auf der Küchenbank und lächelte.
„Das kann auch dem besten Kletterer passieren! Sag mal, ... du hast nicht zufällig eine sehr strapazierfähige Schnur? Sie soll viel aushalten können!“ Julia warf ihrem Vater einen unschuldigen Blick zu.
„Das hat doch nichts mit deinem Sturz zu tun, oder?“ Herr Schmunzel lächelte wissend und Julia versuchte einen besonders erstaunten Eindruck zu machen.
„Aber nein! Es ist für ein Schulprojekt!“
„Ah! für die Schule! Na dann!“ Papa schmunzelte und strich seiner Tochter eine Strähne aus dem Gesicht. „Ich bring dir später eine Schnur vorbei! Solange du damit keinen Elefanten in den fünften Stock ziehen willst, hält die Bombenfest!“
„Danke Papa!“ Julia gab ihrem Vater einen Kuss auf die Wange und stand auf.
„Wo willst du denn hin?“ Mutter war in die Küche gekommen und sah es gar nicht gerne, dass ihre Tochter schon wieder herumlief.
„Ich habe mein Tagebuch offen auf dem Bett liegen lassen und möchte nicht, dass es jemand liest!“
Julia fühlte sich miserabel bei dieser Notlüge aber bei jeder anderen Antwort, hätte Mutter ihr vorgeschlagen es für sie zu erledigen.
„In Ordnung! Aber langsam, sonst fällst du noch hin!“ Mutter ging zurück in die Speisekammer.
„Schnell kann ich im Moment sowieso nicht.“ murmelte Julia und stieg die Treppe hinauf in ihr Zimmer.

Das Mädchen stieß einen lauten Pfiff aus. Mit leisem Flügelschlag landete Agnes auf dem Fensterbrett. Julia schrieb eine kleine Nachricht auf einen Zettel:

Hallo Philip!
Alles in Ordnung! Mir geht es schon besser! Unser Versteck im Warzenbaum bleibt unser Geheimnis! Ich bekomme eine stabile Schnur von meinem Vater. Dann fällt bestimmt keiner mehr runter!
Grüße Julia


Julia fand immer, dass der Baum mit seinen vielen Beulen aussah, als hätte er Warzen. Deshalb hatte ihr Versteck eines Tages diesen Namen bekommen.
Das Mädchen war stolz auf sich. Ja! Sie musste ein paar Notlügen gebrauchen. Und das hatte sie nicht gerne gemacht! Obwohl! Richtige Lügen waren es ja gar nicht! Sie war tatsächlich von einem Baum gefallen und die Briefchen an Philip waren für sie wie ein Tagebuch.
Julia stieg die Treppe hinunter, legte sich wieder auf die mit Kissen überhäufte Küchenbank und nahm sich noch einen Apfel.
Auch wenn der Schmerz nicht gerade angenehm war, etwas Gutes hatte die ganze Sache! Sie wurde von allen verhätschelt und verwöhnt! Daran konnte Julia sich gewöhnen und das Reitverbot ließ sich auch viel leichter ertragen, wenn man nicht mal mehr sitzen konnte!

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