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Leselupe.de > Humor und Satire
Schlussverkauf
Eingestellt am 23. 05. 2001 19:31


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hades
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Nov 2000

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Schlussverkauf

Man sagt von mir, ich sei tollpatschig und ich glaube, dass ich tats├Ąchlich eine gewisse Affinit├Ąt zu Missgeschicken habe. Es ist nicht so, dass ich anderes tue als meine Mitmenschen, bei mir entwickeln sich nur die Ereignisse nicht wie bei ihnen.
Schlussverk├Ąufe waren f├╝r mich bisher kein Thema, schon deshalb, weil ich in der Regel den Beginn dieser Veranstaltungen verschlafe und bekannter Weise ist am zweiten Tag ist das Beste bereits verramscht.
Doch dieses Mal wollte ich ganz vorne dabei sein. Stunden vor der Er├Âffnung stand ich bereits vor dem gr├Â├čten Kaufhaus am Ort. Zweiunddrei├čig weibliche Schn├Ąppchenj├Ąger warteten schon vor der geschlossenen Eingangst├╝r. Als ich mich dieser n├Ąhern wollte, stie├čen sie die Ellbogen nach hinten, um den von ihnen eingenommen Platz zu verteidigen. Kurz vor ├ľffnung des Kaufhauses befand ich mich mitten in einer dr├Ąngelnden, dichten Traube von Winterschlusseink├Ąufern. Der Druck von hinten wurde so gro├č, dass ich trotz der wehrhaften Ellbogen von vorne bis an die Eingangst├╝r geschoben wurde. Diese bog sich unter der Last bereits gef├Ąhrlich nach innen.
Punkt neun erschien ein mutiger T├╝rschlie├čer. Kaum war die T├╝r entriegelt, wurde ich vom Druck der Kaufw├╝tigen in den Laden getrieben. Eine Weile noch klebte mir der d├╝rre T├╝rschlie├čer am Bauch, dann fiel er r├╝cklings zu Boden. Ich stolperte noch ├╝ber seine ausgebreiteten Arme, als ich sein Gesicht unter mir verschwinden sah.
Auch ich drohte unter den Dr├Ąngelnden den Halt zu verlieren, erreichte aber mit letzter Kraft den ersten Krabbeltisch mit B├╝stenhaltern. Ich warf mich auf den Tisch und verkrallte mich in die Ware. Neben mir und auf mich st├╝rzten schwitzende Weiber mit roten K├Âpfen; dann lie├č der Druck etwas nach und ich bemerkte, wie drei oder vier Frauen von verschiedenen Seiten an den der W├Ąsche zerrten, die ich verkrampft festhielt. Nun ergriff auch mich das Jagdfieber und ich wollte mir um keinen Preis die Beute entrei├čen lassen. Die kampflustigen Frauen zogen mich an den B├╝stenhaltern aus dem W├╝hltisch heraus. Ich stemmte mich mit w├╝sten Beschimpfungen dagegen. Ich hatte Gl├╝ck, dass je zwei Gegnerinnen auf entgegengesetzten Seiten zogen; so konnte ich zun├Ąchst mit Unterst├╝tzung der links ziehenden Frauen das rechte B├╝ndel erobern. Anschlie├čend lockerte ich links f├╝r einen Augenblick scheinbar den Zug, um im n├Ąchsten Moment die K├Ąmpferinnen mit einem Ruck in meine Richtung zu zwingen. Als sie an mir vorbeist├╝rzten, hebelte ich ihnen die Beine weg. W├Ąhrend sie zu Boden fielen, l├Âsten sie ihre Klauen aus der Beute.
Mit einem B├╝ndel BHs in beiden H├Ąnden rannte ich zur Kasse. Ich konnte dreiundzwanzig hin├╝berretteten. Verschwitzt und ersch├Âpft, aber gl├╝cklich, verlie├č ich das Kaufhaus. Um einen Mantel, den ich eigentlich kaufen wollte, mochte ich nicht mehr k├Ąmpfen.

Auf dem Weg nach Hause verlie├č mich der Stolz des J├Ągers. In meinem Arbeitszimmer versteckte ich die Beute in einem Geheimfach meines Schreibtisches. Der Frage meiner Frau, was ich mit so vielen B├╝stenhaltern verschiedener Gr├Â├čen, Formen und Farben beabsichtige - zumal sie selbst keine trug ÔÇô wollte ich mich nicht mehr stellen.

┬ę Erich Romkberg, Mai 2000

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