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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Schmerz-Erfahrungen
Eingestellt am 22. 04. 2016 10:38


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Arno Abendschön
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Er stand im WC neben der SĂ€ule mit den Pissbecken. Krach und Qualm im Lokal vorn hatten ihn hierher vertrieben. Zum GlĂŒck war die TĂŒr zur Bar heute geschlossen und die obere Fensterklappe geöffnet. Neben ihm lehnte ein mittelgroßer, stĂ€mmiger Blonder gegen die Wand und beobachtete ihn unverschĂ€mt. Soweit er sich ein Bild von ihm machen konnte – es war schummerig hier und die Gestalten graue Schemen -, war es ein hĂŒbscher junger Kerl mit Tierblick, wie Cousin Manfred das nannte.

Der andere hob die Bierflasche, die er sonst gegen den Oberschenkel gestemmt hielt, in die Höhe und sagte, damit spĂŒle er seine Nieren, das sei gesund. „Doch es treibt auch. Ich geh hier nur raus, um neues Bier zu holen. Hier geht es schneller zur Sache.“

Darauf fiel Theo nichts ein. Der Blonde fĂŒgte hinzu, wenn er in MĂŒnchen einen anpissen solle, lasse er sich vorher das Bier bezahlen. Nur einmal habe er Leitungswasser akzeptiert. „Das war ein lieber, ein ganz versauter Bursch.“ Er hat wirklich einen Tierblick, gleich leckt er sich noch die Lippen. Es hat etwas AnwĂ€rmendes, aber er soll sich nicht tĂ€uschen: Theo ist das falsche Objekt. Kein Interesse an Wasserspielen.

Ob er auch Motorrad fahre, fragte er ihn, um irgendetwas zu sagen und das GesprÀch in Gang zu halten.

„Gerade nicht. Bin neulich nachts besoffen gefahren, und da haben sie mich erwischt.“ Es stellte sich heraus, er war VerkĂ€ufer im Ersatzteillager eines MotorradgeschĂ€ftes. Die Kundschaft bringe ihn noch um den Verstand. Er rollte die Augen zur Decke, genießerisch, und ließ die freie Hand auf das schwarz glĂ€nzende Leder des einen Oberschenkels klatschen.

Mechaniker habe er gelernt, dann an der Fachhochschule studiert. Und er wolle auch weiter studieren, er wisse nur noch nicht, welches Fach genau. Übrigens kam er aus Augsburg, der Akzent war noch herauszuhören.

„Wie du einen anschaust, das hat so etwas Devotes.“ Theo Ă€rgerte sich gleich. Er verstand ungefĂ€hr, was gemeint war. In einer Gasse daheim, hinter dem Schwarzen BĂ€ren, war lange ein DevotionaliengeschĂ€ft gewesen. Also hatte es etwas mit fromm oder unterwĂŒrfig zu tun oder mit Anbetung, lĂ€cherlich.

Der Blonde weidete sich an seiner Verlegenheit. Er befĂŒhlte durch den Stoff von Theos T-Shirt mit Daumen und Zeigefinger die eine Brustwarze. Es war erst stimulierend, doch dann ließ er ihn plötzlich einen messerscharfen Schmerz spĂŒren. So war es sonst nur, wenn Theo sich beim Rasieren aus Ungeschick die Klinge tief ins eigene Fleisch zum Beispiel der Wange trieb, ein Schock, der auch AufbĂ€umen war und zugleich die Erkenntnis von dessen Vergeblichkeit; die Wunde war tief und klaffend. Der Schmerz wich sofort, als die Hand sich zurĂŒckzog – es sollte nur eine Probe gewesen sein -, doch ließ er auf seinem Grund etwas anderes zurĂŒck, das nicht so rasch abklingen wollte: eine Mischung aus Ekel, Scham und immerhin auch Wut. Er drehte sich abrupt um und ging zur TĂŒr, wobei er sich um Haltung bemĂŒhte. Er hörte noch, wie der Blonde sein fett schmatzendes Lachen lachte.





Devot – allein kommt er nicht ohne weiteres darĂŒber hinweg. Devot? Man schĂ€tzt ihn wieder einmal falsch ein. Das passiert ihm hier in der Stadt ziemlich oft. Sie werden ihn noch kennenlernen. Wenn er schon halb und halb dazu gehört, will er sich seine Rolle hier doch selbst aussuchen, und es ist gar keine Frage, welche das sein wird. Das Gemenge aus Wut, Scham und Ekel macht nun ganz anderen GefĂŒhlen Platz: Da ist beinahe so etwas wie Vorfreude, Gefallen an sich selbst und EinverstĂ€ndnis – womit eigentlich? Ohne sich darĂŒber klar zu werden, fĂŒhlt er sich auf einmal ernst genommen, seit er entschlossen ist, selbst die Rolle des Augsburgers zu ĂŒbernehmen.


Theo war höchstens eine Stunde fortgewesen und stand jetzt wieder allein im Village. Inzwischen war die Bar ĂŒberfĂŒllt, doch LĂ€rm und GedrĂ€nge störten ihn nicht mehr. War es gut gewesen, gerade eben mit dem Kleinen aus Hannover? Er wusste es nicht. Die Erinnerung an ihn war ungewöhnlich schnell verblasst, schon auf seinem RĂŒckweg in die Bar. Es lohnte sich nicht einmal, sich seinen Namen zu merken. Er war nur eine Nummer gewesen, vorbei, aus dem GedĂ€chtnis zu streichen.

Wie war jetzt der Stand der Dinge bei Theo? Anfangs hatte es ihn bloß mitgerissen. Er spĂŒrte die EindrĂŒcke, die er von anderen empfing. Alles war nur eine Frage der Sympathie, ĂŒber deren Ursachen er natĂŒrlicherweise nicht nachdachte, und dann noch des physischen Genusses, den er sich versprach. Jetzt, nach einem Dutzend NĂ€chten hier, begann er Vergleiche anzustellen. In seiner Erinnerung bildete er eine Reihe und war schon so weit, sich selbst als handelndes Subjekt zu betrachten. Er setzte sich selbst ins VerhĂ€ltnis zu den anderen und versuchte in AnsĂ€tzen, Kritik zu ĂŒben, auch sich selbst gegenĂŒber. Je mehr er sich eingewöhnte, umso deutlicher stellte sich fĂŒr ihn die Frage nach seiner Rolle. Damit wurde er sich selbst problematisch. Dieser Prozess beschleunigte sich, als er zunehmend auf MĂ€nner mit sehr spezialisierten Verhaltensweisen stieß. Wie reagieren, wenn er weiter mit Lust bei der Sache sein wollte? Und wie wurde sein Auftreten von anderen gesehen? Welches Bild machte man sich von ihm? So klar stellten sich diese Fragen fĂŒr Theo allerdings nicht, er empfand sie mehr, als dass er sie durchdachte, und er versuchte sie zu lösen, indem er von einem Versuch zum anderen ĂŒberging.

Der Kleine aus Hannover schien devot genug, um es mit ihm zu probieren. Der andere wollte ihn nur auf sein Zimmer mitnehmen. Das kleine Hotel lag nahe beim Hauptbahnhof und war, obwohl allein fĂŒr diese Art von Kundschaft bestimmt, bloß sauber und ordentlich und nichtssagend in seiner Einrichtung. Er muss ihn dort geschlagen haben, sicher hat er ihn vermöbelt, es ist ja von ihm erwartet worden. Nur seltsam, dass er, Theo, sich jetzt an Einzelheiten kaum erinnern kann. Er versucht vergeblich, sich vorzustellen, dass er brutal gewesen ist und dass es ihm und dem anderen Spaß gemacht hat. Er weiß nur noch, dass dessen Gesicht, dass dieses glatte Durchschnittsgesicht sich auf dem Zimmer völlig verĂ€nderte. Die Mimik zerfiel in unzusammenhĂ€ngende Bestandteile, es war bald nur noch ein zuckender Brei; war hĂ€sslich anzusehen, er erinnert sich ungern. Vielleicht sehen wir alle so aus, tief in unserem Leib, in unseren Eingeweiden. Er kannte Bilder vom Inneren des Magens, der GedĂ€rme. Und dann hat er ihn umgedreht und schnell gefickt – was wohl das Beste gewesen sein dĂŒrfte.

Dann erinnert er sich doch noch an das Vorspiel. Er hatte bemerkt, dass der andere unter seiner Chaps eine Gummihose trug. Das sah nicht schön aus, so wĂŒrden schwarze Windeln aussehen. Doch dann war es sehr erregend, seinen Leib durch dieses ĂŒberaus dehnbare Material zu betasten, zu untersuchen, womöglich zu verĂ€ndern. Es war ihm schon, als wĂŒhlte er in seinen Eingeweiden. Sein Gekröse war ihm preisgegeben, seinem Zugriff, seiner Macht, seinem Willen, der vernichten wollte. Er fĂŒhlte es und erschrak darĂŒber nicht. War das schon Sadismus? Jedenfalls wird er diesen einen starken Eindruck behalten. Der Rest: geschenkt. Oder zurĂŒckĂŒbersetzt in Theos Sprache: fĂŒr den Arsch.

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petrasmiles
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Lieber Arno,

bisher bin ich noch gar nicht dazu gekommen, Dir auf diesen Text zu antworten, der mir bis heute nicht aus dem Kopf gegangen ist.

Was mich daran beschĂ€ftigt, ist die gefĂŒhlte Diskrepanz zwischen der Ebene der GefĂŒhle und des Getriebenseins einerseits und die starke Reflexion des LyrIs auf der anderen Seite.
Man könnte es ein absichtsvolles oder zumindest bewusstes Getriebensein nennen.
Was mich stört - aber nur auf persönlicher Ebene und nicht an Deinem Text - ist das Benutzen von Sex als Selbstausdruck, der meines Erachtens schon ein Zeichen fĂŒr eine Störung im unbeschwerten Selbstausdruck ist und den anderen automatisch zum Objekt macht.
Ich will jetzt gar nicht ĂŒber Sex im Allgemeinen diskutieren oder in Abrede stellen, dass dies unter Heteros etc. nicht auch vorkommt und etwas bewerten. Es will mir nur scheinen, als sei dieses LyrI zuallererst in seinem SelbstwertgefĂŒhl gestört und wĂŒrde mit Sex kompensieren. Da es sich um homosexuellen Sex handelt, höre ich da zwischen den Zeilen, 'wenn ich schon schwul bin, dann aber bestimmt nicht fĂŒr BlĂŒmchensex', also eine tiefe, innere Unzufriedenheit mitschwingen.

quote:
Wie war jetzt der Stand der Dinge bei Theo? Anfangs hatte es ihn bloß mitgerissen. Er spĂŒrte die EindrĂŒcke, die er von anderen empfing. Alles war nur eine Frage der Sympathie, ĂŒber deren Ursachen er natĂŒrlicherweise nicht nachdachte, und dann noch des physischen Genusses, den er sich versprach. Jetzt, nach einem Dutzend NĂ€chten hier, begann er Vergleiche anzustellen. In seiner Erinnerung bildete er eine Reihe und war schon so weit, sich selbst als handelndes Subjekt zu betrachten. Er setzte sich selbst ins VerhĂ€ltnis zu den anderen und versuchte in AnsĂ€tzen, Kritik zu ĂŒben, auch sich selbst gegenĂŒber. Je mehr er sich eingewöhnte, umso deutlicher stellte sich fĂŒr ihn die Frage nach seiner Rolle. Damit wurde er sich selbst problematisch. Dieser Prozess beschleunigte sich, als er zunehmend auf MĂ€nner mit sehr spezialisierten Verhaltensweisen stieß. Wie reagieren, wenn er weiter mit Lust bei der Sache sein wollte? Und wie wurde sein Auftreten von anderen gesehen? Welches Bild machte man sich von ihm? So klar stellten sich diese Fragen fĂŒr Theo allerdings nicht, er empfand sie mehr, als dass er sie durchdachte, und er versuchte sie zu lösen, indem er von einem Versuch zum anderen ĂŒberging.
Teilweise liegt die Diskrepanz aber auch an solcher Art gestalteten AbsĂ€tzen, wo der Autor fĂŒr sein LyrI reflektiert ..

... so wie auch am Schluss
quote:
Dann erinnert er sich doch noch an das Vorspiel. Er hatte bemerkt, dass der andere unter seiner Chaps eine Gummihose trug. Das sah nicht schön aus, so wĂŒrden schwarze Windeln aussehen. Doch dann war es sehr erregend, seinen Leib durch dieses ĂŒberaus dehnbare Material zu betasten, zu untersuchen, womöglich zu verĂ€ndern. Es war ihm schon, als wĂŒhlte er in seinen Eingeweiden. Sein Gekröse war ihm preisgegeben, seinem Zugriff, seiner Macht, seinem Willen, der vernichten wollte. Er fĂŒhlte es und erschrak darĂŒber nicht. War das schon Sadismus? Jedenfalls wird er diesen einen starken Eindruck behalten. Der Rest: geschenkt. Oder zurĂŒckĂŒbersetzt in Theos Sprache: fĂŒr den Arsch.

Ich halte das fĂŒr heikel, es wĂ€re besser, einen Weg zu finden, wo das LyrI selbst in seinen Worten seine GefĂŒhle benennt. Da ist mir zuviel Autor drin - Jetzt hab' ich's - und er versperrt den Zugang zum LyrI.

Ansonsten mag ich Deine Sprache sehr und finde es beachtenswert, sich in dieses Umfeld einzufĂŒhlen.

Liebe GrĂŒĂŸe
Petra
__________________
Nein, meine Punkte kriegt Ihr nicht ... ! Gegen Bevormundung durch Punktabzug fĂŒr Gutwerter!

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Arno Abendschön
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Liebe Petra,

großen Dank fĂŒr deine ausfĂŒhrliche und sorgfĂ€ltige BeschĂ€ftigung mit dem etwas bedenklichen Text. Ja, das hast du ganz richtig gesehen, das SelbstwertgefĂŒhl der Hauptperson ist fragil. Ich stimme dir auch darin zu, dass das "Benutzen von Sex als Selbstausdruck" problematisch ist. Wenn man darin schon eine Störung sehen möchte, so ist es allerdings eine weit verbreitete, und die hier dargestellte Figur soll weder vorbildlich noch sonderlich sympathisch wirken.

Dann die Sache mit der ErzĂ€hlperspektive. Du hast richtig erfasst, dass der Text abwechselnd im personalen und im auktorialen ErzĂ€hlstil verfasst ist. Das habe ich hier und bei einer Reihe weiterer Texte aus demselben Themenkreis bewusst so gehandhabt. Die Figur sollte abwechselnd von innen und von außen dargestellt werden. Dass es dich beim Lesen stört, muss ich akzeptieren. An eine Umarbeitung des Ă€lteren Textes will ich mich nicht mehr machen. Zum einen scheue ich die damit verbundene Arbeit und zum anderen ist mir dieser Themenkreis insgesamt schon zu fremd geworden. Ich kann nur versuchen, mich mit folgendem Wikipedia-Zitat ein wenig zu entlasten (aus "Typologisches Modell der ErzĂ€hlsituationen"):

Die Typen sind als deskriptiv (beschreibend) und analytisch zu verstehen, nicht als normativ oder vorschreibend, das heißt, nicht wie ein Ideal, dem einzelne Texte mehr oder weniger genĂŒgen, sondern als Werkzeug zur Analyse von Texten. Individuelle ErzĂ€hlungen können von den Idealtypen mehr oder weniger abweichen und durchaus auch Abwandlungen und Mischformen von Typen aufweisen. Die Abweichung ist also nicht negativ zu bewerten, sondern zeigt die Vielfalt von ErzĂ€hlsituationen auf.

(Zzt. lese ich wieder Gaddas Roman "Die grĂ€ssliche Bescherung in der Via Merulana", ein gutes Beispiel fĂŒr hĂ€ufigen Wechsel der ErzĂ€hlperspektive.)

Schönen Nachmittagsgruß
Arno
__________________
Gegen Gleichmacherei - nein zur Ehe fĂŒr alle!

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