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Leselupe.de > Gereimtes
Schmorbraten
Eingestellt am 10. 02. 2004 17:48


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george
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Schmorbraten

Der Fr├╝hling naht und die Hormone,
die steigen, weil seit Jahren ohne
Ehefrau ich leben muss,
die alte machte viel Verdruss.
Der Drang zum Weibe steigt seit Wochen,
vielleicht, so hoff' ich, kann das Kochen
die Blonde vom B├╝ro erweichen,
mit Essen l├Ąsst sich viel erreichen.

Sie ist zwar schlank, doch isst sie gerne,
so komm ich n├Ąher aus der Ferne,
und s├Ąuselnd frag’ ich, was sie d├Ącht’?
„Schmorbraten“, sagt sie, „w├Ąr’ nicht schlecht!“
Zum ersten Male also Braten!
Das Kochbuch hat mir angeraten,
ich br├Ąuchte Fleisch, dann Sahne, Butter.
Das kann ich, glaub’ ich, ohne Mutter.

Das Fleisch gekauft im Supermarkt,
da ist der Opel leicht geparkt.
Zehn Kilo, denk’ ich, m├╝ssten reichen,
genug, um Erna zu erweichen,
Tomaten, Mehl und Sellerie,
’ne Pizza noch, man wei├č ja nie.
Noch Rotwein brauch’ ich f├╝r die Sauce,
das krieg ich hin, was soll die Chose!

Die M├Ąnner-Vorfahr’n jagten B├Ąren
und mussten sich der Mammuts wehren,
der Supermarkt ist mein Revier,
dort jag’ ich heute das Getier.
Was soll’s, wenn das die Frauen wollen,
dann mach’ ich’s halt, was soll das Schmollen.
Danach, da winkt ’ne tolle Nacht,
dann hat’s das Kochen ja gebracht!

Zum Gl├╝ck besitz’ ich ja Ger├Ąt,
und wenn man dieses Fleisch anbr├Ąt,
da dacht’ ich, hilft der Wasserstoff
vom Schwei├čger├Ąt. Na gut, ’s gab Zoff,
der Nachbar wollte sich erregen
zum L├Ąrm der Hilti und der S├Ągen.
Selbst drei├čig Stunden in der Pfanne
war’s Fleisch noch hart, dann kam die Panne.

Ich wei├č, ich h├Ątt’ das hingekriegt,
fast h├Ątte ich das Fleisch besiegt.
Gerade als der Braten gl├╝hte,
stand Erna da, und sie erbl├╝hte
rot auf als ich mit Saucen-Schaum
vom Feuerl├Âscher mit viel Raum
nicht nur die Pfanne ├╝berf├╝llte,
nein, auch noch Erna wei├č verh├╝llte.

Ich folgte nur dem, was ich las!
Und nach zwei Flaschen Wein im Glas,
da l├Âscht’ ich so den Braten ab
- was des Hormonstaus Ende gab.
Die Erna ging dann doch recht schnelle.
Vorher da rief sie „Fahr zur H├Âlle!“,
grad’ so wie wenn ich Teufel w├Ąr’,
nicht mal mein S├Ąuseln gab was her.

Da sa├č ich nun mit meiner Kunst,
doch sprach ich zu mir mit Inbrunst:
„Im Grunde macht’ ich alles richtig,
und gutes Werkzeug ist auch wichtig.“
Das Walken in Betonmaschinen,
das Fr├Ąsen gegen die Trichinen,
die L├Âcher, so kam’s mir zu Ohren,
f├╝r’n Speck, die kann Metabo bohren!

Die Technik, die war ganz o.k.!
Der Einkauf war’s, wie eh und je!
Am Wein lag’s nicht! Konnt’ ich es wissen?
Der Metzger hat mich nur beschissen!
Die Pizza kauend sag’ ich mir,
„Ich wei├č, es war das falsche Tier!“
Es wird mir klar, ich war ein Tor,
das Fleisch war von ’nem alten Schmor.


8.2.2004
__________________
┬ę J├╝rgen Locke

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snow
Guest
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Super !
ruft
Snow

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Herr M├╝ller
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Da wird ja der Hund in der Pfanne verr├╝ckt

"Jemanden schmoren lassen", da bringst Du uns aber diesen Satz herrlich nahe lieber george. Du scheinst momentan in Hochform zu sein, so wie Du uns bekochst in letzter Zeit

Herr M├╝ller weichgekloppt

quote:
Das kann ich, denkÔÇÖ ich, ohne Mutter.

Das Fleisch gekauft im Supermarkt,
da ist der Opel leicht geparkt.
Zehn Kilo, denkÔÇÖ ich, m├╝ssten reichen,

einmal reicht denk┬┤ ich

wie w├Ąr┬┤s denn mit folgender PoEnte
Es wird mir klar, ich war ein Tor,
sie mag kein Fleisch vom alten Schmor.

__________________
Wer das Wort sucht, wird den Reim ernten.

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Schakim

Wird mal Schriftsteller

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Ach, georgy-boy! Das ist ein Braten!
Der ist Dir wirklich gut geraten!
Das liest sich durch schnell bis zum Ende
und f├╝llt ja ganze Ofenw├Ąnde -
Ich meine diese B├╝chermeilen,
die gerne ├╝berm Ofen weilen ...
Die Kunst mit den Rezeptgallerien,
die oft vor Kochbanausen fliehen ...

Denn nimmt man so ein Buch zur Hand,
klatscht bald ein L├Âffel an die Wand:
Die Zwiebeln sind nicht abgel├Âscht,
die Pilze noch nicht rausgefischt ...
Kartoffeln sind nicht abgesch├Ąlt,
weil das die Finger zu sehr qu├Ąlt ...
Der Braten ist nicht speckgespickt,
weil man die Sache nicht durchblickt!

Ach, georgy-boy! Du bist ein Wunder!
Ich f├╝hl' mich platt als kleine Flunder!
Bist Du im Kochen nicht geschickt,
so ist Dir doch Dein Vers gegl├╝ckt!
Denn stell' Dir vor, Du schriebst nicht hier,
es fehlte uns das Wundertier,
das mit viel Freude und viel Lust
ein Zwinkern schickt in Alltagsfrust!



LG
Schakim
__________________
┬ž┬ž┬ž> In jeder Knospe zeigt sich ein kleines Wunder beim Aufbl├╝hen <┬ž┬ž┬ž

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george
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Hallo snow,
danke f├╝r den Beifall. Du hast ihn ├╝berall in meiner Umgebung in Wei├č hinterlassen. Dass mein Text eine solche Wirkung, die ich besender un schippender Weise beseitigen muss, hat, dachte ich nicht.

Gru├č J├╝rgen
__________________
┬ę J├╝rgen Locke

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george
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Lieber Herr M├╝ller,

der Schmor ist eine Hunderasse? Dann bin ich ja froh, dass das Experiment schief ging. Normalerweise esse ich alles, sofern es sich im Mund nicht mehr bewegt, aber f├╝nf Kilo Hund (die Portion war ja f├╝r zwei Personen gedacht) krieg' ich nicht rein.

Danke f├╝r den Hinweis aufs Denken. Hat es eine tiefe Symbolik, wenn man das Denken durch Hoffen und Glauben ersetzen muss?

Ob es Hochform ist, wei├č ich nicht. Ich brauchte etwas Abwechslung vom Schreiben eines immer l├Ąnger werdenden Artikels in anderer Sache.

Deinen letzten Korrekturvorschlag, dass "sie kein Fleisch vom alten Schmor mag" kann ich nicht ├╝bernehmen. Der Sinn w├Ąre anders. Die Idee ist gut, aber mein Protagonist hat ja den alten Schmor nicht absichtlich eingekauft, sondern vermutet, dass der Metzger ihn beschissen h├Ątte. Auch das ist allerdings eher eine Vermutung des hormongesteurten Kochanf├Ąngers, weil der Schmor selbst nach drei├čig Stunden Braten nicht weich wurde. Es k├Ânnte ja auch sein, dass der Schmor erst durch das Braten so "alt" wurde.

Herzliche Gr├╝├če
J├╝rgen
__________________
┬ę J├╝rgen Locke

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