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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Schnee
Eingestellt am 27. 02. 2010 21:21


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monday
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Ich gie├če mir einen Becher Kaffee ein und setze mich an den K├╝chentisch. Drau├čen ist es immer noch dunkel, aber es schneit nicht mehr. Gott Sei Dank, habe ich gestern daran gedacht, mir genug Zigaretten zu besorgen: jetzt noch mal raus in die K├Ąlte, das w├Ąre echt das Letzte!
Aber der Kaffee tut gut. Wahrscheinlich auch die Beruhigungsspritze, die mir die Sanit├Ąter im Pr├Ąsidium verpasst haben und die ich nicht abgelehnt habe. Und die von der Polizei waren ja eigentlich auch ziemlich nett. Hab' ich mir echt schlimmer vorgestellt. Dieser Mutzke ÔÇô der Bulle, der geschossen hat ÔÇô hat mich sogar gefragt, wo ich denn jetzt unterkomme, ich k├Ânne doch nicht mehr in die Wohnung zur├╝ck. Das fand ich echt r├╝cksichtsvoll von dem, nach allem, meine ich. Aber ich bin froh, dass ich wieder hier bin. Ist schlie├člich meine Wohnung, verdammt!
Hab' Duffy eben vom Nachbarn geholt (obwohl es so fr├╝h war, war der froh, den Hund loszuwerden). War wie n├Ąrrisch, die Arme. Aber jetzt liegt sie unterm K├╝chentisch und pennt. Ist wahrscheinlich auch froh, dass ich wieder da bin. Dass alles vorbei ist. Ich schiebe meine F├╝├če unter ihren warmen K├Ârper und z├╝nde mir eine Zigarette an.
Das Wohnzimmer haben sie versiegelt. Ist mir auch ganz recht. Wer wird das da drin wohl saubermachen? Ob ich das machen muss? Mann, war der Bulle gr├╝n im Gesicht, als der da rauskam nach den Sch├╝ssen! Und als ich den anderen, den Dicken, regungslos vorm Sofa liegen sah, hab ich zuerst gedacht, der h├Ątte sie beide erledigt. Da habe ich mich dann fast ├╝bergeben, obwohl ich zu dem Zeitpunkt das ganze Blut irgendwie noch gar nicht registriert habe. Aber Henning habe ich nat├╝rlich gesehen: lag ja fast schon in der T├╝r, immer noch die Knarre in der Hand. Und die L├Âcher nat├╝rlich, in seinem K├Ârper. Richtige L├Âcher, gef├╝llt mit kleinen schimmernden Seen aus Blut.
Dass der nicht mitgekriegt hat, dass er nur eine Schreckschusspistole in der Hand hielt! Aber nat├╝rlich war er ja auch ganz sch├Ân dicht (daf├╝r habe ich ja gesorgt) und das Ding f├╝hlte sich ja wirklich fast genauso an wie die Echte. Aber trotzdem: das war ein kitzliger Punkt.
Vorsichtig, damit ich sie nicht wecke, ziehe ich meine F├╝├če unter Duffys K├Ârper vor und gehe ins Bad. Ich lasse die T├╝r auf, damit sie rein kann, und stelle beim Pinkeln fest, dass ich immer noch etwas blute. Vor allem im Hintern tut es echt noch ziemlich weh, wenn ich nicht aufpasse. Aber das geht schon: ist nicht so schlimm wie sonst schon mal. Habe mich ja auch nicht gewehrt diesmal, nachher h├Ątte ich noch irgendwo blaue Flecken gehabt, wo die Bullen sie h├Ątten sehen k├Ânnen (aber die haben des echt gut geschluckt mit dem Psycho-Kram. Stefan, Hennings Bruder, war da eben aber auch eine echte Hilfe. Der hat ja auch genug mitbekommen von den Paranoia, die sein Bruder in der letzten Zeit geschoben hat, und dass Henning pl├Âtzlich nach Spanien auswandern wollte, muss Stefan ja auch ziemlich merkw├╝rdig vorgekommen sein).
Ich ziehe mich aus und werfe den blutigen Slip in den M├╝lleimer neben dem Klo. Und dann dusche ich lange und hei├č, breche sogar das Duschgel von Calvin Clein an, das ich von Simone zu Weihnachten bekommen habe, und seife mich richtig verschwenderisch damit ein. Nachher, nachdem ich mich abtrocknet habe, ziehe ich meinen warmen Flanell-Pyjama an, meinen Bademantel und zwei Paar dicke Socken und gehe zur├╝ck in die K├╝che.
Drau├čen wird es langsam hell. Es hat wirklich richtig viel geschneit heute Nacht und die B├Ąume auf dem Friedhof gegen├╝ber sind dick mit Schnee eingepackt. Wundersch├Ân sieht das aus. Nachher werde ich mit Duffy in den Wald fahren. Wir k├Ânnen um den See spazieren gehen und ich muss sowieso noch Hennings Knarre verschwinden lassen.
Niemals h├Ątte ich dem zugetraut, dass er damit eine Bank ├╝berfallen w├╝rde! Mann, wie der pl├Âtzlich mit der ganzen Kohle nach Hause kam! Und dass er nicht mal erwischt wird! Aber zusammen mit dem Wichser nach Spanien ÔÇô no way!
Ich z├╝nde mir eine Zigarette an. An der Bushaltestelle vor dem Haus stehen die Leute und frieren. Manche kenne ich sogar: den Brose vom Hinterhaus und die Frau Pfl├╝ger unten aus der ersten Etage. Die fahren zur Arbeit wie jeden Morgen. Eigentlich m├╝sste ich jetzt auch da unten stehen und ich denke, ich werde das hier auch noch eine Weile mitmachen m├╝ssen, bevor ich es wagen kann, mich mit der Kohle aus dem Staub zu machen. Vielleicht gehe ich trotzdem nach Spanien. Irgendwie w├Ąre das nat├╝rlich extra cool.
Der Bus kommt und sammelt die frierenden Gestalten da draussen ein. Ich drehe mich um, aber hier drin sieht alles so normal aus, als w├Ąre gar nichts geschehen. Nur die Aufkleber an der versiegelten Wohnzimmert├╝r sind irgendwie strange, st├Âren mich aber auch nicht. Duffy seufzt verschlafen, dann steckt sie sich, wie sich nur Hunde strecken k├Ânnen, hebt den Kopf und sieht mich an.
ÔÇ×Wollen wir fr├╝hst├╝cken?ÔÇť frage ich sie.

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