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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Schneefall
Eingestellt am 20. 12. 2009 12:00


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Gernot Jennerwein
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Es war am Weihnachtstag, ein kalter Abend. Ich verbrachte meine Zeit in einer GastschĂ€nke, bis sie gegen zweiundzwanzig Uhr geschlossen wurde. Eigentlich war ich mit meinem Leben als EinzelgĂ€nger zufrieden. Nur zu Weihnachten ĂŒberkam mich manchmal ein wenig die Melancholie, aber nach ein paar GlĂ€sern Bier verschwand sie wieder. Ich habe mich schon damals in meinen jungen Jahren nicht besonders viel mit anderen Menschen abgegeben. Den GrĂŒnden dafĂŒr bin ich bis heute nicht nachgegangen. Vielleicht fĂŒrchtete ich etwas um meine Freiheit.
Ich wĂŒnschte dem Wirt noch frohe Weihnachten und trat auf die Straße hinaus. Es schneite bereits seit Stunden. Ich schaute in eine richtige Winterlandschaft. Die Straßenlaternen leuchteten schwach und die Schneeflocken fielen dick und gemĂ€chlich durch das weiche Licht. Als ich so dahin ging, wurde mir nach einer Weile eigenartig zumute. Ich dachte an meine Kindheit zurĂŒck und spĂŒrte, dass ich mich ein bisschen nach einer Hand sehnte. Widerwillig schĂŒttelte ich den Schnee von meinem Kopf und ging mit etwas schneller Schritten weiter.
Ich war steif und kalt, als ich nach einiger Zeit an der Mauer des Friedhofs vorbei kam. Der Weg durch den Friedhof bedeutete eine AbkĂŒrzung zu meiner Wohnung. Ich war nie Ă€ngstlich, also bog ich ab und trat durch das geöffnete Tor.
Eine berĂŒhrende Stille lag ĂŒber dem Friedhof. Meine Schritte waren im frisch gefallenen Schnee nicht zu hören. Auf den GrĂ€bern brannten Kerzen, ĂŒberall leuchtete es ein wenig, beinahe feierlich kam es mir vor.
Ich glaubte mich allein auf dem Friedhof, jedoch sah ich nach einigen Schritten eine Gestalt an einem Grab stehen; einen Àlteren Herrn erkannte ich beim NÀherkommen. Er musste schon lÀngere Zeit so da stehen. Auf seinem etwas armseligen Mantel lag bereits eine Menge Schnee. Sein Hut war beinahe nicht mehr zu erkennen.
Bis heute weiß ich nicht, weshalb mich dieser alte Mann neugierig gemacht hatte, jedenfalls tat ich so, als besuchte ich das Grab direkt gegenĂŒber von ihm. Eine Zeit lang blieb ich so da und betrachtete ihn unauffĂ€llig. Er war noch Ă€lter als es erst den Anschein auf mich gemacht hatte. Etwas gebĂŒckt und bewegungslos stand er da. Seine HĂ€nde lagen wie zum Gebet gefaltet ineinander. Irgendwie tat er mir leid, aber ich wusste nicht warum.
Ich wollte mich schon abwenden und weitergehen, als er mit seiner ruhigen, etwas rauen Stimme fragte, ob ich Feuer hĂ€tte. Etwas ĂŒberrascht bejahte ich seine Worte und ging zu ihm hinĂŒber. Er holte einen Sternspritzer, eine Wunderkerze, oder wie man die Dinger nennt, aus seiner Manteltasche hervor und hielt sie mir mit zitternden Fingern entgegen. Ich nahm meine Streichhölzer aus der Hosentasche, riss eines an und hielt die Flamme an seine Wunderkerze.
Als sie brannte, hob er sie ĂŒber das Grab und sagte leise: „Wissen Sie, Martha mochte die Wunderkerzen sehr am Weihnachtsabend.“
Wir schwiegen eine Weile und dann bat ich ihn um eine Wunderkerze. Abwechselnd zĂŒndeten wir eine nach der anderen an, bis alle aufgebraucht waren. SpĂ€ter nahm er mich mit zu sich nach Hause. Er erzĂ€hlte mir von Martha und seinem Leben mit ihr und ich hörte ihm zu.




Version vom 20. 12. 2009 12:00
Version vom 20. 12. 2009 15:02
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Version vom 20. 12. 2009 19:42
Version vom 23. 12. 2009 04:55
Version vom 24. 12. 2009 16:39
Version vom 29. 12. 2009 12:43

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Mandelbaum
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Hallo Gernot,
die Geschichte berĂŒhrt mich sehr, schön geschrieben, sicher hört der Protagonist eine ganz besondere Lebensgeschichte, sicher auch Liebesgeschichte - wir leider nicht.

Den Satz:
Irgendwie tat er mir leid, aber ich wusste nicht warum.
wĂŒrde ich einfach streichen, denn er stimmt m.E. inhaltlich nicht. NatĂŒrlich weiß der Leser genau, warum der alte, einsame Mann Mitleid erweckt. Sein Schicksal hat ihn einsam gemacht, indem der Tod ihm seine LebensgefĂ€hrtin genommen hat.

Der Protagonist ist einsam, weil er das so will. Er genießt sogar seine Einsamkeit. Das ist also eine ganz andere Situation.

Vielen Dank fĂŒr die Geschichte.

Liebe GrĂŒĂŸe,
Mandelbaum
__________________
"Poesie tritt oft durch das Fenster der Unwesentlichkeit ein." M.C. Richards

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gerian
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Schneefall

Hallo Gernot,

du hast hier eine stimmungsvolle ErzÀhlung eingestellt, denn du lÀsst deinen "Ich-ErzÀhler" zu Wort kommen.
Es gelingt dir immer wieder, Bilder aufzuzeigen, die in der Reflexion zum Protagonisten stehen.
Doch erst in der Friedhofzsene beginnt deine ErzÀhlung Konturen zu bekommen, allerdings wenig Spannungsbogen.
Der Schluss fĂŒhrt den Leser weder in einen offenen noch pointierten. Daher schlage ich vor, die beiden letzten SĂ€tze zu streichen.
Fazit: Eine stimmungsvolle ErzÀhlung, doch keine Kurzgeschichte

LG
Gerian

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Gernot Jennerwein
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hallo gerian

ja, vielleicht ist es mehr eine ErzÀhlung, aber was soll's.

Ich geb dir auch Recht mit den beiden letzten SĂ€tzen. Eigentlich wollte ich sie zuerst nicht schreiben, aber es ist eine Weihnachtsgeschichte und es ist fĂŒr mich, wie ein happy end . Weißt du, bei mir sterben sie meistens, die Teilnehmer, wurde mir schon öfters vorgeworfen, ich möcht auch Mal, dass sie sich gerne haben und sich wohl fĂŒhlen in meinem Text.

schöne GrĂŒĂŸe
und willkommen auf der Lelu
Gernot

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