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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Schneeschmelze (Eine Weihnachtsgeschichte)
Eingestellt am 24. 12. 2003 13:14


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KultUrknall
One-Hit-Wonder-Autor
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Der Schnee schmilzt vor dem Fenster. Das neue Jahr ist da und der Fr├╝hling zu fr├╝h dran. Was gestern noch wei├č war, verschwimmt im grauen Matsch, f├Ârdert allm├Ąhlich die Welt wieder zu Tage. Eigentlich hatte ich die Schmelze schon vor drei Tagen erwartet, als sie im Fernsehen davon geredet haben. Seitdem habe ich kein Auge mehr zugemacht. Nicht, dass ich es nicht versucht h├Ątte, aber die Nervosit├Ąt kratzt mir st├Ąndig im Nacken. Eigentlich wusste ich, dass der Winter, der Schnee nicht ewig bleiben w├╝rde, aber irgendwie hatte ich es wohl gehofft.
Damit ist jetzt Schluss. Endg├╝ltig. Ich sollte aufstehen und etwas unternehmen. Weglaufen vielleicht, oder wenigstens Clarissa anrufen. Sie sollte mittlerweile nach Marokko ├╝bergesetzt haben. Kein Schnee mehr f├╝r Clarissa.
Dabei war es eigentlich alles ihre Schuld. Sie hat den Mann nachts im Wohnzimmer ├╝berrascht. Sie war es, die den Kerzenst├Ąnder gepackt hat, den wir Ostern von meinen Eltern geschenkt bekommen haben. Sie hat ihn genommen und damit zugeschlagen. Einfach so. Mich hat sie erst wach gemacht, als alles vorbei war. Sie h├Ątte ja keine Ahnung gehabt, es sei schlie├člich dunkel gewesen. Immerhin h├Ątte es auch ein Einbrecher sein k├Ânnen, oder? Immer wieder hat sie das gesagt und dabei an ihren Haaren gekaut. Geweint hat sie gar nicht.
Wir haben ihn dann in den blutigen Teppich gewickelt, und in den Werkzeugschuppen gebracht, bevor die Kinder wach wurden. Eine Nacht sp├Ąter habe ich ihn bei den Radieschen vergraben, direkt neben dem Gartenzaun zur Strasse. In derselben Nacht ist der Schnee gekommen und uns hat alles unter sich begraben.
Jetzt sind Clarissa und der Schnee weg. ├ťbrig bleibt das zugeschaufelte Loch, f├╝r alle sichtbar. Ich kann schon die Fragen der Nachbarn h├Âren. Das Tuscheln. Die Mutma├čungen. Gerade bei dem Medienrummel, der nach jener Nacht losgebrochen ist. Alle haben nach ihm gesucht. Die Polizei. Die Zeitungen. Das Fernsehen. ├ťberall die Bilder von ihm. Weinende Kinder. Clarissa ist kurz vor Neujahr gefahren, hat ihre Koffer gepackt und ist zum Flughafen. Als ich mit den Kindern von meiner Mutter zur├╝ckkam, war sie schon in der Luft. Kein Brief. Keine Erkl├Ąrung. Eine Freundin hat mir dann gesagt, wo sie hin ist. Die Druckwelle dieser Winternacht hat sie weggesp├╝lt.
Der Weg vor dem Haus ist schon ganz frei. Erstaunlich, wie schnell der Schnee verschwindet. In ein paar Stunden werden sie das Loch sehen und ich werde immer noch hier sitzen. Warum musste Clarissa damals auch wach werden? Warum unbedingt ins Wohnzimmer schleichen? Alles w├Ąre noch wie fr├╝her, der Schnee k├Ânnte eilig schmelzen und Clarissa w├Ąre dem Weihnachtsmann nie begegnet.

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Gonzo Gonzales
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Mar 2003

Werke: 35
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hi

Erst deine zweite Geschichte hier...
Nun gut. F├╝rs erste kann ich nur sagen - super Einfall, gut ausgearbeitet, sch├Ân geschrieben, nichts zu meckern!
Ausgesprochen unterhaltsam!!!
Freu mich schon auf mehr, bis bald

Markus
__________________
jeder mensch wird als original geboren,
aber die meisten sterben als kopie

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Andrea
???
Registriert: Aug 2000

Werke: 21
Kommentare: 375
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8 von 10 Punkten

Gef├Ąllt mir ausgesprochen gut; nur ganz am Anfang vielleicht ein bi├čchen viel Schneegeschmelze, und dann das Ende.. der allerletzte Teilsatz ist sch├Ân, aber die Fragen davor und wieder der Hinweis auf das eilige Schmelzen sind weniger gelungen. Da m├╝├čtest du ein klein wenig k├╝rzen.
__________________
Andrea Rohmert

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