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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Schneeverwehungen
Eingestellt am 05. 01. 2007 18:52


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gerian
Festzeitungsschreiber
Registriert: Oct 2006

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"Ich komm hier nicht weiter!"
Stecken geblieben, im Schnee.
Ich schrie.
H├Ârte mich denn keiner?
M├Ąchtiger br├╝llte der Sturm.
Zerrte w├╝tend an der Westplanke des Bergmassivs.
Schleuderte mir eisige Schneekristalle entgegen.
Ich sehnte mich nach W├Ąrme.

Nachdem, vor einigen Stunden, der Schneesturm immer heftiger geworden war, brachen wir den Aufstieg ab und kehrten am Hang zur├╝ck. Die Sicht immer schlechter, kaum die Hand vor Augen.
Orientierungslos!
Die beiden Bergf├╝hrer holten Karte und Kompass hervor: Die H├╝tte lag nicht mehr fern.

Wir setzten unseren Abstieg fort, in gr├Â├čeren Abst├Ąnden zu einander. Verzweifelt stemmten wir uns gegen grimmige Barrieren. Jeder auf sich allein gestellt. Ich fror.
Meine Stimmung auch. Sie sank unter Null.

H├Ątte ich doch nur auf ihn geh├Ârt! Als Ludger gestern Nachmittag von der Bergtour zur├╝ckkam, brummelte er mir zu:"Margrit, das g┬┤fallt mir net, da drau├čen, ich bleib in der H├╝tt, Morgen!"
Na ja, eines hab ichihm dann doch nachgemacht: Alles angezogen, was da war!

Und nun steckte ich fest.
War hilflos den Naturgewalten ausgeliefert.
Da sah ich einen Schatten aus der Nebelwand n├Ąher gleiten kommen. Felix, unser Bergf├╝hrer.
"Was hasts?", fragte er. Ich zeigte auf die eingebrochenen Schneeschuhe.
Er steckte mir die Hand entgegen.
Als ich zugreifen wollte, riss mir der Faden.
Etwas unerh├Ârt Starkes bem├Ąchtigte sich meiner, lie├č mich erschauern vor der totalen Finsternis. Todgeweiht, abgehoben in schwerelose Sph├Ąren getragen, ├╝berlie├č ich mich unfreiwillig, doch hoffnunsvoll, dem h├Âheren Geschehen. Dann st├╝rzte ich, st├╝rtze ich massenweise mit den anderen Massen schneeverbunden, als Teil des Ganzn gefangen, in endlose Tiefengr├╝nde.

Die Schneebrettlawine am Bergmassiv hatte niemand h├Âren k├Ânnen. Sie hatte sich mit heimt├╝ckisch mit den anderen Orkangewalten verbr├╝dert, wie ein Raubtier sich zum Sprung geduckt und dann gnadenlos alles verschlungen, was sich ihr in den Weg stellte.
Dann riss sie mich.
Auf einmal war ich weg.

Ich st├╝rzte immer tiefer.
Halbbesinnungslos landete auf etwas Weichem.
Dumpfe Stille. Totenstille!
Keine Luft zum Atmen.
"Ich ersticke!"
"Nein, ich will nicht sterben!"
Ich lebte mich in den Massen bewegungslos.
"Wie halte ich das nur aus?"
Ich atmete Partikelschen Sauerstoff im Schnee.
"Keine Panik, ganz ruhig!"
"So m├╝de!"
"Ich sterbe!"

"Lasst mich in Ruhe, ich will schlafen!"
Ich f├╝hlte unangenehmes Kribbeln am rechten Bein.
"Was tun die da mit dem rechten Bein?"
Dann d├Ąmmerte es mir: Lawinensonden!

Gestern hatten wir noch den Ernstfall mit den Sonden ge├╝bt, wie in einem Lawinenungl├╝ck.

"Sie haben mich gefunden!", jubelte ich leise.
"Wie lange halte ich es hier noch aus?"

Sie hatten das rechte Bein abgetastet, von unten noch oben, dann wu├čten sie es, wie ich lag, zwei Meter unterm Schnee.

Da, sah ich Licht, glei├čend hell, geblendet atmete ich Luft, so viel Luft, mir war so schwindelig.
Dann sah ich Ludger, wie er sich ├╝ber mich beugte. Er hatte mich freigeschaufelt, mit blo├čen H├Ąnden.

Als ich im Bett lag, konnte ich endlich weinen.

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