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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Schneewittchen?
Eingestellt am 23. 02. 2018 09:21


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flammarion
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Schneewittchen?

In der gut besuchten Senioren Begegnungsstätte sitzt Frieda neben der Heizung und friert: „Mir is kalt! Besonders die Beene“. – „Zieh dir warme Socken an oder haste etwa keene?“ – „Nee, Mensch, wenn ick Socken anziehe, denn passn doch de Schtiebeln nich mehr, denn friern de Beene ja noch mehr!“ – „Denn koof dir de Schtiebeln ne Nummer jrößa u nd nerv uns nich!“ Eine andere Seniorin, die Ingelore, nuschelt kaum hörbar: „Alte Hexe!“ und setzt sich an die andere Ecke.
Nach einer Weile geht die Tür auf – jemand hat eine Frage und bleibt natürlich in der offenen Tür stehen. „Tür zu!“, jault Frieda. „Mir friert! Hältst de etwa den Januar für n Sommermonat, det de de Dür offen lassen kannst?“ Erschrocken tritt der Besucher näher und schließt die Tür. Kaum ist sie zu, kommt die Küchenfrau mit einer vollen Stiege wunderschöner Äpfel: „Wer möchte einen Apfel essen?“ Wieder bleibt die Tür offen und Frieda keift ihren Spruch. Alwine, eine weitere Seniorin, staunt: „So viele schöne Äppel! Wat wolln wa damit bloß machen, die sind ja zu schade zum Verbacken oder gar für Appelmuuß zu nehm“. Ingelore meint: „Da machen wa Schneewittchen. Die Schtiefmutta braucht ja ne Kiepe Äppel, damit se det Meechen den vajifteten untajubeln kann. Und du (sie zeigt auf Frieda) du bist die böse Alte“. Während Frieda überlegt, was sie darauf Giftiges antworten könnte, fährt Ingelore fort: „Uff Schneewittchens Hochzeit muss ja die Olle uff jlühende Pantoffeln tanzen, da haste denn endlich warme Beene!“
Frieda japst nach Luft, stimmt aber doch in das allgemeine freundliche Gelächter ein.
Allmählich treffen alle ein, die Mittagessen bestellt hatten und man unterhält sich: „Es ist ja nun doch ziemlich kalt geworden, wie es sich für Ende Januar nun mal gehört“. – „Ja, ja, kalt in Deutschland. Und in Europa solls kaum anders sein, hab ick jehört“. – „Bei mir sind 20 Grad . . . unter de Bettdecke“. – „Ja, ja, schon durch die lauen Winde, wa?“
„Wir sind als Kinder immer zum gleichen Friseur gegangen, manchmal sogar zum selben“.
„Am Sonntach bin ick uff n Alex jefallen“. – „Und, was habt ihr dann gemacht, du und der Alex?“
„Jede Nacht hab ick Wadenkrämpfe!“ – „Wadenkrämpfe? Habe ich nur einmal im Monat“. – „Was denn, hat sich deine Mensis in die Wade verkrümelt?“
„Ich habe mir eine Packung Schweineohren gekauft. Die sind aus Italien!“ – „Ja, Dahlien kann man jetzt vermehren, einfach die Knollen teilen und einpflanzen, das wird im Sommer so eine Pracht!“ – „Na jut, kann ick ja mit die Schweineohrn mal versuchen“. – „Was soll denn diese Anspielung – du hörst ja auch nicht viel besser!“
Für das Gedächtnistraining am Nachmittag hat sich die Betreuerin, Frau S., diesmal etwas Einfaches ausgedacht: „Ich stehe jetzt mal in der Küche und will was kochen und ihr sagt einfach drauflos, was euch in dem Moment zum Thema Passendes einfällt. Also ich setze mir ne Kochmütze auf . . .“ Sofort beginnt Alwine zu singen: „Es war einmal ein dicker Koch, habt ihr ihn nicht gekannt? Mit Gulaschsupp und Paprika . . .“
Frau S. blickt verdutzt: „Ja, singen ist auch gut. Also es soll eine Hühnersuppe geben . . .“ Otto kräht: „Ich wollt, ich wär ein Huhn . . .“ Maria weist ihn zurecht: „Willst du etwa in die Nudelsuppe rein?“ Dazu kennt Alwine auch ein Lied: „Aus Apfelkernen und Nudelsternen hast du mir eine kleine Kette mitgebracht . . .“
Katharina wirft ein: „Salzburger Nockerln . . .“
Charlotte verdreht die Augen: „Ach, du mein Stern der angebrannten Nudelsuppe!“
Gisela meint: „Brühnudeln kann man auch mit Schweinebauch kochen“, worauf Hermann intoniert: „Mein idealer Lebenszweck ist Borstenvieh und Schweinespeck . . .“
Frau S. unterbricht: „Was kommt noch in die Suppe?“ Maria weiß es und singt: „Petersilie, Suppengrün wächst in unsrem Garten, und die kleine Rosalie muss nicht lange warten . . .“
Frau S. lächelt: „Ich will aber auf das Wichtigste hinaus, was man unbedingt braucht, wenn man irgend etwas kochen möchte, egal, ob Suppe oder Kaffee, was braucht man unbedingt?“
Emil grinst: „Kaffee? Aber bitte mit Sahne!“ und Helga trällert: „Es ist noch Suppe da!“
Maria rügt: „Nun seid doch mal ernsthaft! Frau S. meint wahrscheinlich Wasser“.
Fröhlich schmettert Otto: „Wasser ist zum Waschen da, valleri und vallera . . .“ Mehrere Senioren fallen ein: „Auch zum Zähneputzen kann man es benutzen! Selbst die Feuerwehr benötigt Wasser sehr“.
Hermann verzieht das Gesicht: „I, Wasser! Ich trinke lieber Wein“. Und sofort singt Alwine: „Sieben Fässer Wein können uns nicht gefährlich sein . . .“
Frau S. unterbricht: „Noch sind wir beim Essen . . .“ und wird unterbrochen: „Wenn meine Frau sagt Is was?, dann tu ich das, dann ess ich was . . .“
Frau S.: „Gut, und was kann noch in die Suppe rein?“
Hannelore: „Vielleicht Entenklein?“
Hermann piepst: „Alle meine Entchen . . .“
Maria unterbricht: „Gänseschmalz?“
Otto trötet: „Ein Jäger aus Kurpfalz, der reitet durch das Gänseschmalz und bricht dabei den Hals . . .“ Johanna fällt ein: „Steht ein bucklig Männlein da, hat mein Töpflein brochen . . .“
Frau S. seufzt: „Ist ja hier der reine Hexenkessel. Da wollen wir doch lieber vom Kuchenbacken reden“. Sie hat es kaum ausgesprochen, da singen schon alle: „Ja, wenn man so einen Eierkuchen bäckt, dann ist alles wie genudelt, dann ist alles wie geleckt!“ und im Anschluss den alten Schlager: „Oh, wie bist du schön . . .“
Frau S. stimmt zu: „Besonders mit Schokolade, was?“, worauf sich Maria bemüht, wie Trude Herr zu klingen: „Ich will keine Schokolade . . .“ und Alwine winkt ab: „Ja, ja, du willst lieber warme Beene“.










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