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Leselupe.de > Gereimtes
Schnittpunkt
Eingestellt am 08. 02. 2010 15:35


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Walther
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Schnittpunkt


Du denkst, das bisschen Leben endet hier,
Und willst es irgendwie zu Ende bringen.
Du hörst die Wintervögel fröhlich singen
Und w√ľnschtest, du w√§rst auch ein Federtier,

Das singt und frisst, um sich dann aufzuschwingen,
Die Himmel hoch, das jauchzt und jubiliert,
Die Tore weit, bis es erstarrt, erfriert,
Als Eiseshände es dann doch bezwingen.

Es dächte nicht und kennte auch kein Sehnen,
Es hätte Worte nicht, es zu erwähnen.
Ein leichtes Leben, einfach federleicht:

Es meinte nicht, sich w√ľtend aufzulehnen.
Die Welt ist jetzt ganz m√ľd. Der Mond will g√§hnen.
Der Schnittpunkt allen Seins ist hier erreicht.

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Version vom 08. 02. 2010 15:35

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Walther
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Lb. Rhea-Gift,

das "Enden" ist in der Tat und absichtlich doppelt. Man hätte in der Tat auch dies schreiben können:

quote:
Du denkst, das bisschen Leben endet hier,
Und willst es irgendwie zum Abschluß bringen.
Das ist aber nicht ganz das Gleiche. Denn ein Abschluß ist kein richtiges Ende.

Es mag in dieser Strophe noch eine zweite Formulierung geben, die sich nicht so einfach daherliest: die Verse
quote:
Du hörst die Wintervögel fröhlich singen
Und w√ľnschtest, du w√§rst auch ein Federtier,

Diese könnte man auch so formulieren:
quote:
Du hörst die Wintervögel fröhlich singen
Und w√ľnschst, du w√§rest auch ein Federtier,
Aber das ist auch nicht genau das Gleiche. In meiner obigen Variante ist der Konjunktiv verdoppelt, also der Inhalt noch relativierter formuliert.

Ich habe mir beide anderen Formulierungen innerlich angeh√∂rt und sie dann zugunsten der jetzt hier aufgef√ľhrten verworfen. Die Gr√ľnde daf√ľr habe ich gerade genannt.

Danke f√ľr Deinen Hinweis und lieber Gru√ü W.


__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Rhea_Gift
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verstehe... und genau die Holperzeilen meinte ich - verstehe aber die Gr√ľnde.

Aber wie wärs in den ersten beiden Zeilen mit:

du denkst, das bisschen Leben läuft hier aus
und willste es irgendwie zu Ende bringen

Was meinste?

LG, Rhea
__________________
...Seele, bist du nun erwacht?...Und sie zittert, und sie lacht allen Himmelssternen zu... (Hesse)

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Walther
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Lb. Rhea_Gift,

das w√ľrde sicherlich gehen, g√§be es nicht das Thema "Reim". So aber funktioniert die Idee leider nicht.

LG W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Vera-Lena
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Lieber Walther,

"Der Schnittpunkt" ist eine große Sache und ich tatste Deinen Text ab, um herauszufinden, was genau hier in einem Punkt zusammentriftt, um anschließend wieder jedes seinen eigenen Weg zunehmen.

Da ist also der Mensch, und erst bei Beschreibung des Tieres kriegt man mit, was ihn ausmacht, nämlich ein Sehnen, eine Fähigkeit, dieses Sehnen in Sprache zu bringen und die Fähigkeit, sich Gedanken zu machen.

Auf der anderen Seite erf√§hrt man als Leser etwas √ľber die Leichtigkeit des Vogels, der weder denken, noch formulieren muss, sondern (wie ihm der Schnabel gewachsen ist) einfach seine Lebensfreude in die Welt hinausjubiliert. (Ich hatte mal einen sehr begabten Kanarienvogel. Wenn der die Nachtigall nachgeahmt hat, weil ich sie ihm per CD vorgespielt habe, dann zitterte er am ganzen K√∂rper, auch Tiere erleben eine innere Bewegtheit, wenn auch unbewusst nur)

Mensch und Tier ist gleichermaßen das irdische Ende bestimmt. Hier scheint mir der Schnittpunkt zu liegen. Das haben sie kongruent gemeinsam.

Zum Schluss nimmst Du noch das Ende alles Irdischen mit hinein. "Der Mond will gähnen".

Dar√ľber hinaus lie√üe sich dann noch sagen, dass die Welt momentan an einen Punkt gekommen ist, wo bei aller M√ľhe und allem ehrlichen Sehnen, sich keine L√∂sungen mehr finden lassen und deshalb dann Mensch Vogel und Welt im M√ľdesein und Erstarren einen gemeinsamen Schnittpunkt haben.

Ich lese die letzten Zeilen als zeitkritische Anmerkung, wobei sie sehr behutsam und gut versteckt daherkommt. Ich weiß nicht, ob das Deine Absicht war.

"Du willst es irgendwie zu Ende bringen", kenne ich zur Zeit von mindestens zwei Menschen, die durch das unverantwortliche Handeln Anderer in deratigs Neuland hineingeworfen sind, dass sie sich darin √ľberhaupt nicht zurecht finden.

Also schon diese Textstelle könnte man eigentlich zeitkritisch lesen.

Ich bin jetzt mal gespannt auf Deine Antwort.

Ganz liebe Gr√ľ√üe
Vera-Lena


__________________
Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Walther
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Lb. Vera-Lena,

das Gedicht "Schnittpunkt" bearbeitet die Erkenntnis, da√ü alles von einem Punkt ausgeht und einem weiteren Punkt, dem Endpunkt, zustrebt. Das LyrIch steht vor einem solchen Ende. Dieses mag das (meta)physische Ende sein; jedenfalls ist es ein harter Schnittpunkt, ein Abschied mit Endg√ľltigkeitscharakter.

Das LyrIch will in der Tat diesen Abschnitt "irgendwie" ehrenhaft zu Ende bringen. In dieser hoffnungslosen Selbstdiagnose erlebt er die Winterv√∂gel, die fr√∂hlich zu sein scheinen, aller Unbill zum Trotz, deren Leben sich in den Grundfunktionen zu bewegen scheint, die sich keine Gedanken machen m√ľssen - und auch keine machen.

Und wenn die Eiseshand kommt, dann kommt sie. Es gibt kein bewußtes Sehnen, kein Aufbegehren. Es gibt ein fröhliches Sichdreinschicken, das kein Fatalismus ist, weil auch dieser ja Denken und Erkennen voraussetzt.

Der Winter ist die manifstierte M√ľdigkeit der Natur, und wenn der Mond matt durch den winterlichen Hochnebel scheint, dann ist er erm√ľdet und "g√§hnt".

Letztlich will dieser Text erinnern, wie relativ das Dasein ist. Und der Schnittpunkt aller Möglichkeiten und gegangenen Wege, das Ende, der Abschied, eben unausweichlich.

Nun kann man in der Tat daran ein kritisches Hinterfragen des neuzeitlichen Hypes des Hier und Jetzt erkennen. Man kann daraus schlie√üen, der Autor meinte, man solle sich im Angesicht des Unausweichlichen weniger wichtig und etwas zur√ľcknehmen. Man kann zur Einsicht kommen, das Federvieh h√§tte vielleicht das bessere Ende abbekommen; denn manchmal ist zuviel des Gr√ľbelns und des Wissens eventuell hinderlich f√ľr das kleine Bi√üchen (Gl√ľck im) Leben.

LG W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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