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Leselupe.de > Fremdsprachiges und MundART
Schöne Menschen aus der Hauptstadt in Bewegung
Eingestellt am 16. 05. 2006 08:55


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giovanino
Festzeitungsschreiber
Registriert: May 2006

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Als Tölzer im Exil hält man an gewissen Ritualen fest, besonders an solchen die durch die Ortsverschiebung begünstigt werden. Was weiß ich, vielleicht ist es ja auch gar kein Tölzer Sommerritual mehr, obwohl ich schon öfter bekannte Gesichter treffe auf dem Weg zum Röhrlmoos Alm. Gesichter mit unnatürlicher Färbung zwar, aber bekannt. Man grüßt wie das so üblich, je nach zur Verfügung stehender Luftreserve mit servus, seas, sss oder einem Nicken und gut isses. Nicht so neulich, als ich meinen vom Wohlstand geplagten Leib hinaufschund und just da, wo es am gemeinsten ist, mich mit forschem Tritte ein Pärchen überholte. Wie einem Lifestylemagazin entsprungen, geschmackvoll, edel Karbon von unt bis oben, schöne Menschen aus der Hauptstadt in Bewegung.

Diejenigen, die jetzt glauben wollen, das Ganze entwickle sich in die Richtung -bauernschlaue Landpomeranze erringt Taktiksieg gegen Münchner Stadtpreusse abwarten, es kommt anders.

Ich freundlich, freigeistig, grüße mit einem \"seas\", er vorbei, sie vorbei, der Blick in die Ferne.
Sauber, denk ich mir, verwerfe ob der schnell größer werdenden Distanz jeden Kampfgedanken, drädl (volkstümlich für trödeln, treten) weiter meinen Stiefel.
Eine Minute drauf ein dejavu diesmal sie brünett vorher blond, sonst alles identisch samt Grußversuch (sss, weil ganz steil).
So, denk ich mir, wahrscheinlich die Schmakerltour in der Bike oder ein Geheimtipp im SZ-Magazin. Schaue sinnend hintendrein und möchte wetten, Medienbranche, Mitte dreißig, verheiratet, double income no kids. Am Parkplatz Cayenne, X5 oder ein fetter Volvokombi.

Oben an der Röhrlmoosalm angekommen, hab ich meine bösen Gedanken vergessen, stell mir wie jedes Mal vor, dass genau hier das Paradies sein muss, das der Brandnerkaspar bei seinem Ausflug ins Jenseits hat sehen dürfen und bin fest davon überzeugt, wenn es dereinst so weit ist, wird der Boandlkramer zur Tür rein luren und mit der Stimme vom Toni Berger sagen \"geh weider hansi, boshafter deife, auf geht\"s. Beseelt von solch heimatdammischem Gedanken, radl ich zurück bis zur Kappelle und lass es gemach hinabrollen.

Als es wiederum surrt und Pärchen eins vollgefedert an mir vorbeipfeift.

Was soll ich sagen, drei Minuten später treffen wir uns wieder, unten wo die Felder anfangen.
Sie verduzt, ratlos er mit Radl umgedreht auch ratlos - Platten.

Ich, sagen wir mal, etwas beschwingt, bremse und grüße, diesmal sehr volkstümlich.
\"Griaseng feid wos ?\"
\"ja -hallo, ich glaub ich hab nen Platten\"
\"Auweh, und hosd koa fligzeig\"
\"Wie, nee wir ham gedacht, is ja alles Teer\"
\"Wos brachstn füran schlauch franzesisch oder auto\"
\"Wie\"
\"S\' ventui\"
\"achso, autoventil\"
\"Schod. i hab nur franzesich\"
In dem Moment brennt der weibliche Teil von Pärchen zwei vorbei, wie gehabt kein Blick.

Kurz darauf hör ich das Männchen anrollen - stell mich in die Mitte des Weges und frag:
\"he wart amoi, gherds es ned zam\"
\"Nein, wieso\"
\"So - a wuaschd - hast du a flickzeig dabei\"

\"ja klar\"
Ich steig auf
\"pfundig na huifsd du eam weida\"
grüß schön in die Runde und fahr davon.Vorbei an Weibchen zwei, das mich garnicht freundlich anschaut, aber immerhin.

Und die Moral von der Geschicht, liebe Münchner, immer schön grüßen und vergeßts das Flickzeug nicht.

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flammarion
Foren-Redakteur
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Registriert: Jan 2001

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neckisch.

aber wenn das andere paar auch nur französisches flickzeug hat, dann möcht es wenigstens zu einer neuen freundschaft reichen zwischen leuten, die nicht grüßen.
das ist ohnehin ein phänomen: hier in berlin sagte man früher guten tag, heute reicht hi, was überhaupt keine ähnlichkeit mit dem ursprung hat.
lg
__________________
Old Icke

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