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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Schönheitsschlaf
Eingestellt am 15. 11. 2011 18:56


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Olgeke
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2011

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Ich kann echt zufrieden sein. Ich habe einen guten Job, einen tollen Wagen, eine schöne Wohnung und ich habe die beste Freundin die man sich nur wünschen kann. Sie ist klug, humorvoll und bildhübsch. Nach all den Jahren liebe ich sie wie am ersten Tag. Ich könnte sie ewig anschauen, wenn sie so daliegt und schläft. So ruhig und friedlich.
Wir hatten bisher natürlich auch schlechte Zeiten erlebt, aber die haben wir immer gemeinsam überstanden. Höhen und Tiefen eben. Wie das in einer Beziehung eben so ist.
Doch die Höhen überwiegen. Wir hatten uns auch schon des öfteren heftig gestritten, doch wir rauften uns immer wieder zusammen. Wir konnten bisher immer alles wieder klären und vertrugen uns immer wieder recht schnell.
Der letzte Streit ist noch gar nicht so lange her. Aber auch das haben wir ein für allemal geklärt und alles ist wieder so wie es sein soll. Besser sogar. Seitdem wir diesen blöden Streit beendet hatten und uns wild knutschend in den Armen gelegen hatten, ist alles noch harmonischer als vorher.
Zurückbetrachtet, nach allem was wir bis zum heutigen Tage erlebt haben, kann ich nur sagen, dass wir füreinander bestimmt sind. Wir werden für immer beisammen sein.
Der letzte Streit hätte da beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht, aber dazu gleich mehr. Es ging da um einen anderen Kerl und so, doch erst möchte ich von einigen schönen Dingen berichten. Unser erster gemeinsamer Urlaub zum Beispiel.

Ich war gerade achtzehn geworden, und ihr siebzehnter stand kurz bevor. Es waren nur noch knapp zwei Wochen. Wir beschlossen Urlaub zu machen, und ihren Geburtstag irgendwo fernab des Familientrubels zu feiern. Nur wir zwei. In glückseliger Zweisamkeit. Und reichlich alkoholisiert. Da wir zu der Zeit ständig knapp bei Kasse waren, blieb uns nur die alte Klapperkiste, die ich zum Geburtstag bekommen hatte, mein Zelt und ein Campingplatz unserer Wahl. Wir fanden das eigentlich nicht übel. Schön gemütlich zu zweit in den Schlafsack gekuschelt und dem Wind lauschen, oder so.
Und so war es dann auch. Alles rein in mein Anfängermobil, ein alter Ford Fiesta, und für drei Wochen rüber nach Holland. Auf dem Campingplatz fanden wir schnell Anschluss, und der Urlaub wurde zu einer einzigen großen Party, von der wir uns aber oft genug losrissen, eben wegen der romantischen Zweisamkeit.
Die Tage bestanden aus tagsüber Strandleben, Sonnenschein, Musik und Alkohol, und Nachts aus entweder wildem und zügellosen oder aus liebevoll zärtlichem Sex. Einige male nüchtern, öfters jedoch alkoholisiert. Von leicht angetrunken bis volltrunken war alles dabei. Wobei man bei volltrunken gar nicht mehr von Sex reden kann, eher von dem missglückten Versuch des Beischlafs. Wir hatten jedenfalls eine tolle Zeit. Wir sind völlig pleite zurückgekommen. Sogar das gar nicht mal so mickrige Urlaubsgeld, welches uns mein Vater damals dazusteuerte, konnten wir mühelos vernichten. Ein super Urlaub.

Genauso unvergesslich ist für mich die Zeit unserer ersten gemeinsamen Wohnung.
Wir verdienten ja nun beide Geld, und wir hatten einen riesigen Spaß in den umliegenden Möbelhäusern. Schnell stellten wir fest, dass unsere Geschmäcker gar nicht mal so verschieden waren.
Ein ebenso unvergessliches Kapitel unserer Beziehung war das Hundebaby, das wir uns zulegten. Der Welpe war ein ebenso schöner, wie auch trauriger Abschnitt in unserem Leben, denn er wurde nach ungefähr fünf Monaten von einem ausgewachsenen Rottweiler beim Spaziergang regelrecht zerfleischt. Wir sahen ihn erst als es zu spät war. Er kam von hinten angerannt. Als mir klar wurde, was da gerade von hinten an mir vorbei gerannt war, war es auch schon zu spät. Es folgte eine lange Zeit der Traurigkeit, doch wir überstanden auch dass. Genauso wie den letzten Streit. Der einzige Streit den wir hatten, bei dem unsere Beziehung ernsthaft in Gefahr war.
Eigentlich ist es schnell erzählt. Ich dachte sie würde mich betrügen, wir stritten uns und sie zog zu einer Freundin, wir hatten die folgenden fünf Tage keinen Kontakt.
Am sechsten Tag war ich bereit ihr zu verzeihen, denn ich merkte dass ich ohne sie nicht leben konnte. Ich schickte ihr eine SMS und sie willigte ein, dass wir noch mal in Ruhe über alles reden wollten. Den folgenden Tag kam sie zurück zu unserer Wohnung, und wir redeten. Erst ganz vernünftig, doch als sie immer noch behauptete, ich würde mir alles nur einbilden, rastete ich aus. Sie begann ebenfalls mich anzubrüllen und wollte wutentbrannt die Wohnung verlassen. Doch ich packte ihren Arm und hinderte sie daran.
Ich hatte wohl in meiner Wut sehr feste zugepackt, denn sie schrie vor Schmerzen.
Sofort begann sie auf mich einzuschlagen, und stach mir mit einem Finger ins Auge.
Ich löste meinen Griff und fasste mir mit beiden Händen ins Gesicht, und nun schlug sie mit beiden Fäusten auf mich ein. Da ich vor Tränen kaum richtig sehen konnte, und sie nicht aufhörte mich mit Schlägen zu bearbeiten, hatte ich nur eine Wahl. Ich schlug zurück. Ich schlug und schlug und schlug. Immer fester. Bis sie auf dem Boden lag und winselte. Ich starrte auf sie hinab, und Wut wich blankem Entsetzten. Was hatte ich getan? Ich liebte sie doch. So durfte es einfach nicht enden. Ich musste etwas unternehmen. Und das schnell, wenn ich wollte, dass unsere Liebe erhalten und sie bei mir bleibt. Und sie blieb bei mir.
Wir schafften es wahrhaftig, die Geschichte aus der Welt zu räumen. Es war zwar ein hartes Stück Arbeit, aber es hat sich gelohnt. Es stellte sich sogar noch heraus, dass sie die Wahrheit gesagt hatte. Sie hatte mich nicht betrogen. Ich war überglücklich, und damit wir das Ganze einfacher vergessen konnten, zogen wir um in eine andere Stadt. Wir starteten einen Neuanfang.
Und so leben wir nun seit ungefähr einem Monat liebend und friedlich in unserem angemieteten kleinen Häuschen am Walrand, etwas abgelegen vom Trubel der Stadt.
So haben wir auch genügend Ruhe für uns.
Und jetzt stehe ich hier schon seit einigen Minuten, und schaue ihr beim schlafen zu.
Ich sollte mich auch langsam schlafen legen, denn es ist doch schon reichlich spät.
Dabei könnte ich mich ewig an ihrer Schönheit erfreuen, und diese wohlige Wärme genießen, die vor lauter Liebe zu ihr meinen Körper durchströmt. Es ist einfach schön anzusehen, wie sie daliegt. Auf Ewig schön, auf Ewig mein. Ach ich liebe sie ja so sehr. Aber sie nimmt schon ganz schön viel Platz in Anspruch. Es ist kaum noch genug Platz um einen anständigen Vorrat an Lebensmitteln einzufrieren. Ich sollte mir wohl eine zweite Gefriertruhe zulegen.

__________________
Olgeke

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