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Leselupe.de > Humor und Satire
Schönredner (aus der Schreibwerkstatt)
Eingestellt am 03. 10. 2001 16:05


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Willi Corsten
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Schönredner von Beruf
Eine Satire
von Willi Corsten

Ich war lange Zeit Politiker, doch dann entschloss ich mich, etwas für die Menschheit zu tun. Um den Übergang ins Arbeitsleben verträglich zu gestalten, nahm ich zunächst an einer zweijährigen Umschulung teil. Eine unnötige Maßnahme zwar, aber nun darf ich mich wenigstens offiziell Schönredner nennen. Der neue Beruf ernährt seinen Mann, wirft jede Menge Geld ab - und müde wird man davon eben so wenig, wie von der früheren Tätigkeit.
Gestern wurde ich zu einem Herrn gerufen, der das Meckern seiner Frau nicht mehr ertragen konnte. Der etwa vierzigjährige Mann war untröstlich über seine Glatze und begriff nur allmählich, dass diese segensreiche Fügung endlich den Friseur ersparen würde. Vollends überzeugte ihn jedoch erst mein Computerausdruck, den ich ihm spottbillig für dreißig Mark unterjubelte. Darauf stand geschrieben: ‚Glatzen schützen ein für alle mal, vor ungeliebtem Haarausfall.‘
An dieser Stelle mischte sich die Ehefrau ins Gespräch und beklagte lautstark den Bauchumfang ihres Gatten. Ich schickte ein Stoßgebet zum Himmel, fluchte leise über die Dummheit des gewöhnlichen Volkes und sagte: „Gnädige Frau, die enorme Leibesfülle ihres Mannes zeugt vom seinem unbändigen Fleiß, denn eines steht wohl fest: Nur wer sich pausenlos durchs Leben futtert, hat rund um die Hüfte etwas zu bieten. Außerdem schont der Bauch Wurzelbürste und Schuhcreme, weil er gnädig die ungeputzten Stiefel verdeckt.“
„Aber was mache ich mit den Augen“, stotterte der Mann und starrte hilflos den Küchenschrank an. Diesmal war ich verwirrt und erkannte erst nach geraumer Zeit, dass sein Scharfblick mir gegolten hatte. Dann fing ich mich wieder und sagte mit honigsüßer Stimme: „Schielen bedeutet innige Zuneigung. Ihre Äuglein lieben sich abgöttisch und können den Blick nicht von einander lassen. Danken sie dem Herrgott für das vermeintliche Missgeschick, denn so dürfen sie das Liebesspiel der Augen Tag für Tag hautnah beobachten und können nebenher ihren Gesprächspartner total verwirren.“
Als ich den Herrn endlich ins seelische Lot gebracht hatte und ungeduldig auf die Uhr schaute, fing die Alte erneut zu keifen an. Einem tosenden Wasserfall gleich redete sie vom knarrenden Holzbein ihres Gatten und von seinem klappernden Gebiss. Doch das bekam der Mann zu meiner großen Erleichterung nicht mit, weil er gerade sein Hörgerät suchte, das in den abscheulich brodelnden Suppentopf gefallen war. Derweil kassierte ich mein bescheidenes Honorar von 500 Mark, rieb mir vergnügt die Hände und machte mich auf den Weg zum nächsten Kunden.

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eufemiapursche
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Lieber Willi,

nach dem ich den Beitrag deiner Lesung bereits original hören durfte, auch hier nochmal ein dickes Lob für die Geschichte!

Lediglich an der Stelle:

"Als ich den Herrn endlich ins seelische Lot gebracht hatte und ungeduldig auf die Uhr schaute, fing die Schlampe erneut zu keifen an...."

würde ich den Begriff "Schlampe" - wie während der Lesung vorgeschlagen - nicht verwenden.

Wie gefällt dir stattdessen: der Besen, der Drachen, seine bessere Hälfte, die Alte,......

Lieber Gruß

Femi

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Willi Corsten
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Liebe Femi,
vielen Dank fürs aufmerksame Lesen. Deinen Vorschlag setze ich gleich in die Tat um. Die Schlampe ist also verbannt, hat sich vielmehr in eine Alte verwandelt.
Ist wirklich besser so.
Es grüßt Dich ganz lieb
Willi

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eufemiapursche
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Lieber Willi,

ich freue mich schon auf neue satirische Ergüsse aus deiner Feder!!!

winke winke von Schreibtisch zu Schreibtisch

Femi

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Willi Corsten
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Liebe Femi,
Du sitzt am PC? Prima! Wenn Du ein wenig Zeit hast, könntest Du vielleicht einmal in die Schreibwerkstatt wechseln. Dort wartet mein Räuber Ruprecht auf den Feinschliff. Er soll für die nächste Anthologie druckreif gestaltet werden. Dein Urteil ist mir sehr wichtig.
Liebe Grüße
Willi

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eufemiapursche
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hüpf

Lieber Willi,

ich hüpf gleich mal rüber und melde mich dann vor Ort...
Femi

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