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Leselupe.de > Kurzprosa
Schostakowitsch
Eingestellt am 15. 09. 2008 02:57


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Odilo Plank
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2007

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Ich zappe: David Oistrach spielt mit dem Gewandhausorchester ein Mozart – Violinkonzert, schwarz-weiß, wohl in den 60er-Jahren. Oistrach spielt und dirigiert zugleich. Hinter ihm alte MĂ€nner mit ihrer Geige – Mozart.
Ich höre lieber Claudio Monteverdi. Ich schalte nicht um. Das ist Musik, die aus ihrer Zeit entsteht und doch unbegreiflich weit ĂŒber sie hinauswĂ€chst. Ich kann nicht abschalten.
Nach jedem Satz trocknet sich der Meister Stirn und Hals. Die furchtbare Anstrengung, das kostbare Instrument, das nicht feucht werden darf.
Der Applaus von Menschen aus einer fremd gewordenen Zeit.
Ich kann nicht abschalten.
Als Zugabe spielt er etwas von Schostakowitsch. Musikkaskaden.
Es ist weit nach Mitternacht. Ich kann nicht abschalten.
Ich sehe mich als kleinen Jungen, mit meiner Geige; höre mein Gekratze von damals, höre meinen Vater: Das ĂŒbst du hundertmal.
Dieser Oistrach! Er hat die alten MĂ€nner hinter ihm, er hat sogar mein Gekratze geadelt.
Ich schlage nach: Wie schreibt man Schostakowitsch?

__________________
Odilo P.
"Wer ĂŒber sein Leid spricht, tröstet sich bereits." A. Camus

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Lieber Odilo,

gefÀllt mir sehr gut, dieser kurze Plot. Ein Remember-off an die alten Zeiten, wo man noch in Lederhose rumgeschlichen ist.

quote:
Er hat die alten MĂ€nner hinter ihm,

Vielleicht: Er hat die alten MĂ€nner hinter sich. (?)

LG und gern gelesen, Karsten

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

quote:
Ich zappe: David Oistrach spielt mit dem Gewandhausorchester ein Mozart–Violinkonzert, schwarz-weiß was - das stĂŒck, oistrach oder der film?, wohl in den 60er-Jahren. Oistrach spielt und dirigiert zugleich. Hinter ihm alte MĂ€nner mit ihrer Geige nur eine einzige geige? – Mozart heißt die geige wirklich so?.
Ich höre lieber Claudio Monteverdi. Ich schalte nicht um. Das ist Musik, die aus ihrer Zeit entsteht und doch unbegreiflich weit ĂŒber sie hinauswĂ€chst welche - monteverdis oder mozarts?. Ich kann nicht abschalten.
Nach jedem Satz trocknet sich der Meister Stirn und Hals. Die furchtbare Anstrengung geiger, die sich furchtbar anstrengen mĂŒssen, können's nicht. igors und davids schweiß ist der konzentration und der erregung geschuldet, das kostbare Instrument, das nicht feucht werden darf wenn das instrument nicht feucht werden darf, dann mĂŒsste er doch das abtrockenen.
Der Applaus von Menschen aus einer fremd gewordenen Zeit eben hieß es noch, die musik wachse ĂŒber die zeit hinaus - was denn nun?
Ich kann nicht abschalten.
Als Zugabe spielt er etwas von Schostakowitsch. Musikkaskaden.
Es ist weit nach Mitternacht. Ich kann nicht abschalten.
Ich sehe mich als kleinen Jungen, mit meiner Geige(,) höre mein Gekratze von damals, höre meinen Vater: das ĂŒbst du hundertmal.
Dieser Oistrach! Er hat die alten MÀnner hinter sich, er hat sogar mein Gekratze geadelt wenn damit gemeint sein sollte, dass sich der prot damals (vergeblich) an mozart und schostsakowitsch ausprobiert hat - was hÀtte das jetzt mit der hohen kunst oistrachs zu tun?.
Ich schlage nach: Wie schreibt man Schostakowitsch? wie man's spricht - wer also mal noten von ihm gekratzt hat, mĂŒsste es (noch) wissen.

hallo @odilo,

erschrick bitte nicht, wenn dir dein text mit diesen korrekturen und anmerkungen vorgehalten wird, aber oistrach, das gewandhausorchester, mozart und monteverdi haben's alle miteinander verdient, finde ich, dass man sie spielt, und nicht kratzt.

eigentlich mĂŒsste die gute idee, die du da hattest, wesentlich mehr hergeben als die paar banalitĂ€ten, die du uns reichst. leidet der prot noch unter der knute des vaters, die einen unbegabten zum meister machen wollte? dann passt die exegese ĂŒber "zeit und musik" nicht, und "geadelt" wird erst recht niemand, sondern auf seinen platz verwiesen, von dem er's nicht mal mehr bis zum abschaltknopf schafft.

offenbar ist dem prot die musik nicht ganz gleichgĂŒltig. er mĂŒsste daher, wenn er selbst sich vordem vergeblich an ihr abgemĂŒht hatte, ganz andere gefĂŒhle haben (oder ĂŒberhaupt welche). die gehörten besser beschrieben. nur zu wiederholen, man "könne nicht abschalten", ist a bissl arg dĂŒnn.

tipp: mach was aus der idee. schreiben ist wie musik machen.

liebe grĂŒĂŸe aus mĂŒnchen

bluefin


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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

was mich ein bisschen wundert, @penelopeia, ist, dass du zwar im wesentlichen das wiederholst, was @odilo und @waldemar entegengzuhalten war, dann aber doch in den gleichen fehler verfÀllst wie diese: publikum und verpackung mit der musik selbst zu verwechseln - als ob es der auf die zuhörerschaft ankÀme. "gute" musik richtet sich an die seele, nicht an dein outfit, deinen geldbeutel oder deine elitÀre gesinnung. wer mit "klassischer musik" nichts anfangen kann, ist nicht zu dumm dazu, sondern nur zu faul. sie verlangt nÀmlich, wie eine gut erzÀhlte geschichte, dass du ihr zuhörst. sonst verlierst du den faden und den peil.

eine sinfonie beethoves, mahlers oder bruckners, paul mccartneys "help!", die "satisfaction" der stones, brubecks fĂŒnfvierteltakt, nonos "letze briefe" oder schönbergs "metamorphosen" auf "hĂ€nschen klein" reduzieren und behaupten zu wollen, den rest mache die zeit dazu, ist (entschuldige den ausdruck, @penelopeia) so dĂ€mlich wie die behauptung, goethes "faust", manns "buddenbrooks", millers "wendekreis des krebses" und sĂŒĂŸkinds "parfum" wĂ€ren eigentlich nur tinte und das alphabet, den rest habe "die zeit" vollbracht.

ich weiß natĂŒrlich nicht, ob du selbst musik machst oder auf andere weise besonders mit ihr verbunden bist. aber ich glaub's eher nicht, denn:

quote:
Der Hinweis auf Feuer, Leidenschaft, dionysisch-orgiastische Enthemmungen, VerrĂŒcktheiten, Entartungen im Bereich klassischer Musik ist goldrichtig und mĂŒsste all den ernst-andĂ€chtigen Liebhabern sogenannter klassischer Musik ins Ohr gebrĂŒllt werden. (Aber die sind meist eh taub fĂŒr ehrliche Meinungen.)
enthĂ€lt ein maß an ptöpotenter intoleranz, die jenen fehlt, die mehr auf eine tastatur tippen können als nur "hĂ€nschen klein".

natĂŒrlich ist alles nur ein missverstĂ€ndnis, wirst du jetzt sagen, deine sĂ€tze relativieren und rasch ein anderes thema eröffnen.

dummer weise gibt's aber wirkungen, die sind unumkehrbar. pass auf, ich erzÀhl dir eine wahre geschichte:

ich war ungefĂ€hr vier jahre alt, da durfte ich mit einer tante in den zirkus (eltern hatte ich keine). in der mitte der arena war der raubtierkĂ€fig aufgebaut, in dem tiger und löwen unter peitschnegeknalle herumposierten, wĂ€hren rechts und links, außerhalb des kĂ€figs, jongleure ihre kunststĂŒcke zeigten. diese artisten haben mich so lange hingerissen, bis mich die tante (ich glaube, sie hieß "pia") bei den haaren nahm und meine kopf zum raubtierkĂ€fig drehte. "da schau'n wir hin!", sagte sie.

an diese geschichte musste und muss ich immer denken, wenn mir jemand von oben herab erzÀhlt, was die richtige sicht der dinge wÀre.

sowas muss bekÀmpft werden, findest du nicht auch?

nichts fĂŒr ungut und liebe grĂŒĂŸe aus mĂŒnchen

bluefin

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Joh
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Hallo Odilo

Was ich an Texten wie diesem schĂ€tze, ist die sparsame Sprache, die leisen Hinweise, sie lassen mir den Raum und die Zeit, in dem sich die Szenerie entfalten kann. Ich genieße gern StĂŒck fĂŒr StĂŒck, wĂŒrde mir so einen Text nur sehr ungern zerreden lassen. FĂŒr mich ein wunderbares StĂŒck Prosa.

LG Johanna

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gareth
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Was mich angeht, odilo plank, empfehle ich,

und zwar allen, außer waldemar hammel selbstverstĂ€ndlich :o), sich daran zu erinnern, dass es eigentlich um einen text geht.

Und ich muss sagen, dass mir die gefĂŒhlsintensitĂ€t dieses textes einfach zu arg ist.

Nach jedem Satz trocknet sich der Meister Stirn und Hals. Die furchtbare Anstrengung, das kostbare Instrument, das nicht feucht werden darf.

Es ist warm und anstrengend. ja. man wischt sich den schweiß ab. ja. aber dann kommt noch die furchtbare verantwortung fĂŒr das entsetzlich kostbare Instrument und weil es ja nicht feucht werden darf.

Also, ich weiß nicht, odilo plank.

Aber du weißt sicher, was ich damit sagen will.

Dann das publikum aus einer fremd gewordenene zeit und der erzĂ€hler kann drei mal nicht abschalten. eigentlich will er ĂŒberhaupt nicht abschalten (weder das gerĂ€t noch seine aufmerksamkeit). Eigentlich will und kann er sich einfach nicht lösen von dem was er da sieht und hört. Aber das sagt er nicht.

Und wenn mir, lieber odilo plank, im angesicht und unter dem ungeheuren eindruck der hochklassigen Interpretation tatsĂ€chlich mein kratzen auf der geige vor ewigen zeiten einfĂ€llt (mir schiene das eher ein Hinweis auf eine geringe Konzentration auf das eigentlich wesentliche d.h. ein abgelenktsein, hinzudeuten), dann ist es umso unglaubwĂŒrdiger, dass ich mich unmittelbar danach mit der schreibweise eines russischen namens befasse, den ich zu allem ĂŒberfluss gerade kurz vorher bereits einmal in der ĂŒblichen deutschen Art, also landlĂ€ufig gesagt: richtig hingeschrieben habe.

Nicht ganz vergessen sein sollen auch die von bluefin bereits zusammengetragenen grammatikalischen schwÀchen.

Nur meine Meinung.
gareth

__________________
Wie hÀsslich ist ein schrÀges Treiben,
da lob ich mir mein trÀges Schreiben.

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Franka
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Feb 2006

Werke: 208
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Moderation:

Wenn ich mir die Kommentare so ansehe, vor allem die von mir ausgeblendeten, wobei ich da sehr großzĂŒgig war, hĂ€tte dieses Werk schon lange ins Lupanum verschoben werden mĂŒssen.
Also noch einmal die "Arbeitsanleitung" lesen und dann erst den Kommentar veröffentlichen.

LG Franka

__________________
Man probiert. Vielleicht klappt es. Wenn nicht, dann probiert man was Neues. (frei nach Antje Joel)

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