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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Schrankenwut
Eingestellt am 01. 06. 2001 18:59


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Markus Veith
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2000

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Schrankenwut

Mein Bild ist kaputt gegangen. Das von meiner Liebe. Die mit dem Herz in der Mitte.

Kaputt gegangen. Ging einfach. Und war kaputt.

Ich war das nicht!
Es war meine Wut. Genau! Sie war das.
Ich wußte, daß sie wach war. Sie tat doch nur, als ob sie schliefe. Wie trunken und benommen lehnte sie sich die ganze letzte Zeit gegen meine Stimmbänder.
Und dabei juckte sie mir so unter den Zähnen, dass ich den Reiz lieber in Schmerz zerbiß, als weiterhin zu ertragen.

Aber sie mu√üte sich austoben. Fr√ľher oder sp√§ter. Sie reizte mich bis auf's Blut. Und mein Blut presste sich durch meine Liebe mit dem Herz drauf, walgte, rieb die dr√ľckenden W√§nde auf, schleuderte alle Gedanken durcheinander. Du-dumm, Du-dumm, Du-dumm, schob √§rgerlichen Druck vor sich her, lange schon und immer l√§nger, immer weiter vor sich her walgte aller Druck, alles Unangenehme. Alle Gedanken. Alles Aufgestaute. Allen Frust. Der Druck erzeugte irgendwann Gegendruck. Und der Gegendruck, der ... ja, der Gegendruck lie√ü nun mein Bild kaputt gehen.
Ich habe an meinen Schranken gew√ľrgt. Zuerst. Dann auf sie eingeschlagen. Beim ersten Hieb mu√üte ich merken, wie verh√§rtet sie sind. Jetzt tut mir die Hand so weh, da√ü ich sie zur Faust ballen mu√ü. Meine Fingern√§gel vergraben sich in den Handfl√§chen, jagen als Ablenkungsman√∂ver eine Kompanie Schmerz in sie hinein. Doch diese Wut ist unerbittlich. Sie kennt Schmerzen zur Gen√ľge. Funken desertieren vor meinen Augen.

Freunde nehmen mich beiseite. Versuchen, mit ihren gutm√ľtigen Armen das Beben meiner Schultern zu gl√§tten. Sie sagen, Zorn sei ein schlechter Ratgeber.
NA UND !!
Die schlechten Ratgeber sind meine treuesten!
Ich scheiß auf impulsiven Eigentrost! Meine Zähne jucken trotzdem weiter!
Mir ist, als habe mir jemand die Lungen gestohlen! Ich atme nur noch meine Fäuste voll!
Meine Muskeln wollen reißen. Wollen sich lösen! An ihre Grenzen toben!
Ich will Berserker rekrutieren! Mit ihnen die Elefantenherde aus meinem Kopf befreien! Den Wal in meinem Brustkorb ertränken!
Meine F√ľ√üe wollen die wundgeriebenen W√§nde zertrampeln! In befreiter Stampede alles zu Wei√üglut stampfen!
Ich will endlich einen Orkan in meinen Lungen! Einen Zyklon in meinen Augen! Ein Blizzard soll mir die Ohren zerfetzen! Mich in St√ľcke rei√üen und wieder zusammen pusten!
Ich will Wälder pflanzen, um sie herunterzubrennen! Städte bauen und sie dem Erdboden gleichmachen! Völker zeugen, um sie niederzumetzeln! Welten erschaffen! Sie aus den Angeln heben! Die Luft aus ihnen herauslassen, wie einen geballten, prallen, voll Überfluß gefluteten, viel zu großen Ballon zur Explosion treiben! Egal was und wie!
Ich will ans Ende!!
Ich will endlich sagen können, daß ich am Ende bin.

W√ľrde ich sterben, ... diese Wut w√ľrde mich noch einmal aus dem Grabe hebeln.

Ich bin am Ende ...

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flammarion
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es

tut mir leid, ich kann dir nicht folgen. was, bitte, bedeutet deine geschichte? hast du dich ausgetobt oder willst du es erst tun? es ist einiges an potential zu erkennen. √ľbersetz mir doch mal bitte deine geschichte. lg
__________________
Old Icke

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Markus Veith
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2000

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Stille Wut

Hallo, flammarion!
Hab Dank f√ľr deine Kritiken. Beide Texte, dieser und "Was dagegen?" liegen schon lange und in weitaus k√§rglicher Version in meiner Schublade, um zu 'reifen'. Doch bis vor kurzem ist mir nichts weiter dazu eingefallen. Letztens habe ich allerdings von dem F√∂rderpreis des Lit.-Preises NRW Wind bekommen; dessen Themenvorgabe lautet "Der stille Hass". Und ich dachte, hm, k√∂nnte passen.
Ich muß gestehen, ich bin mit beiden noch nicht 100%ig zufrieden. darum habe ich zu Austesten mal hier in die LL gesetzt.
"Schrankenwut" geh√∂rt wahrscheinlich eher unter Poesie. Es ist eben diese unterdr√ľckte Wut, zornige Ohnmacht, Z√§hneknirschen, nur von inneren Schranken zur√ľckgehalten, weil man ahnt: l√§√üt man diese Z√§une hoch, kann man sich nicht mehr unter Beherrschung halten. Man k√∂nnte, wenn man wollte, sicherlich, doch man traut sich nicht, aus Schi√ü vor der eigenen Courage. Vielleicht sollte man es, denkt man sich, aber was bringt es noch. Ein dummer Gedanke, der nichts als Bauchschmerzen macht, den aber sicher jeder kennt und daher sehr menschlich ist.
Mit literarischen Gr√ľ√üen
Markus Veith

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Willi Corsten
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Hallo Markus

Der Text ist ein Feuerwerk an Metaphern und herrlich formulierten Passagen. Kurze Sätze wechseln gekonnt mit längeren Sätzen ab und steigern so nachhaltig die Spannung.
Kompliment!
Viele Gr√ľ√üe
Willi

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Jasmin
Autorenanwärter
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Potential

Hallo Markus!

Da ist sicher einiges Potential in dir und deinem Text. Mein Vorschlag, um daraus eine Geschichte zu machen: Versuche doch das Ganze in einen Zusammenhang zu betten. Warum diese Wut? Woher kommt sie genau? Wer hat sie erzeugt? Wie gehst du damit um? Wohin fuehrt sie? Versuche Dialoge einzubauen, reale oder imaginaere, versuche eine Umgebung zu schaffen und diese zu beschreiben.

Liebe Gruesse

Jasmin
__________________
Jasmin

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flammarion
Foren-Redakteur
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Registriert: Jan 2001

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ja,

lieber markus, diese bauchschmerzen kenne ich recht gut. la√ü sie raus, ehe du platzt, das sag ich zu mir auch immer. du wirst einen weg finden. ganz lieb gr√ľ√üt
__________________
Old Icke

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