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Leselupe.de > Humor und Satire
Schrei
Eingestellt am 04. 11. 2011 12:11


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DocSchneider
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Sie kennen das, so eine Situation im Flugzeug, abends, alle ĂŒbermĂŒdet, piekfeine GeschĂ€ftsleute, wollen nur noch nach Hause, am nĂ€chsten Tag um sieben haben sie schon wieder ein Meeting, braungebrannte Urlauber dazwischen, ein paar Alternativlinge sind auch dabei und dann eine Familie mit vier Kindern.

Die darf ganz nach vorne, pah, immer diese ExtrawĂŒrste, aber da hat sie mehr Platz, vor allem fĂŒr das Kleinste, ein sĂŒĂŸes MĂ€dchen, im Kleid mit BlĂŒmchen, nackte FĂŒĂŸchen, ist ja warm. Der Flug dauert nicht lang, 70 Minuten nur, aber das Kind, dieses sĂŒĂŸe MĂ€delchen, schreit.

Von der ersten Flugminute an.

Es schreit bestĂ€ndig, mal höher, mal tiefer, aber hört nicht auf, die Stimme kiekst, droht sich zu ĂŒberschlagen, fĂ€ngt dann ein paar Töne tiefer wieder an, gibt keine Ruhe, die Eltern können zur Beruhigung machen, was sie wollen. Was willst du uns denn mitteilen mit deinem enervierenden Geschrei? Du hast keinen Bock hier, nachts durch die Gegend zu fliegen, du willst in dein Bett, dein Bauch tut auch ein bisschen weh, hier im Flugzeug ist es hell und laut und Erwachsene schmatzen ihren hochwertigen Bagel weg und schlĂŒrfen ihren Tomatensaft, hĂ€mmern auf ihre Laptops, cremen ihre BrĂ€une ein und schieben den Gedanken weg, dich umzubringen, Kleine, indem dich einfach einer aus dem Flugzeug wirft.

Du nervst, MĂ€del. Halt die Schnauze. Wieso muss man ĂŒberhaupt mit so kleinen Kindern fliegen, jedermann fliegt heute, wirklich jeder, wenn Kinder gebĂ€rmuttermĂ€ĂŸig verpackt sind, ist das ja noch okay, aber doch bitte nicht postnatal, manche Eltern schrecken vor nichts zurĂŒck und handeln unverantwortlich, aber wenn keine Kinder mehr da sind, wer soll dann spĂ€ter fliegen? Nein, die Leute mĂŒssen ja alles mit Kindern zusammen machen, auch das Fliegen und es ist zum VerrĂŒcktwerden, dass dieses Kind immer weiter schreit.

Bald droht das Flugzeug zu landen.

Und dann schreit einer zurĂŒck. Einer, der schon Worte gebrauchen kann.

Verdammte Scheiße hier, dieses Geschrei, hör endlich auf, das geht einem ja furchtbar auf den Sack!

Stille! MĂ€del, er hat dich mundtot gemacht, die anderen Reisenden lachen ĂŒber ihn und ĂŒber dich und ĂŒber sich selbst, weil sie sich nicht getraut haben, irgendwie zu protestieren.

Das sĂŒĂŸe MĂ€delchen schweigt fĂŒr eine Minute und schreit weiter, weiter, weiter, bis zur bitteren Neige, bis auch ihr Gegenschreier aussteigt, der sogar Kinder hat, wie er kundtut - er hat ja gar nichts gegen Kinder - aber so eines hat er nicht, sagt er.

Er hat ein Kind, das nicht schreit, ein perfektes Kind und das Kind darf bestimmt in jedem Flugzeug mitfliegen, bekommt Bonusmeilen, ein stummer Passagier, der schlĂ€ft, isst, trinkt, stumm spielt. Schreien tut er nicht, denn das .... ĂŒbernimmt Papa.

Wunderbar. Ebenso wunderbar wie der Entlassungssatz der Flugbegleiterin, passen Sie auf sich auf, ja, wir passen auf uns alle auf, vor allem auf die Kinder, dass sie schreien oder auch nicht, vor allem aber weil sie die ArbeitsplÀtze in der Luftfahrt von morgen sichern ...

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Architheutis
Guest
Registriert: Not Yet

Lieber Doc,

eine herrliche Episode aus dem Alltag. Dein Eingangssatz sagt es: Es kennt sie jeder, diese Situation. Und Du hast es in einen gefÀlligen Text zur Sprache bringen können.

Besonders gut gefÀllt mir, dass Du nicht versuchst, die Situation zu lösen. Jede Seite hat ihr Anrecht: Die eine auf Ruhe, die andere auf das Schreien. Wenn alle Mittel der BesÀnftigung versagen, was soll man machen?

Die Reaktionen, die Empfindungen, alles Innere der Betroffenen einer solchen Situation hast Du glaubhaft geschildert. Es gibt daran nichts zu mÀkeln.

Fast nichts:

quote:
Du hast keinen Bock hier, nachts durch die Gegend zu fliegen,


Das Komma mĂŒsste hier nach "hier" stehen, gell? Lies den Satz mal laut, dann weisst Du, was ich meine. :-)

Sehr schön.

Gruß,
Archi

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USch
Guest
Registriert: Not Yet

Nachtrag: Passender fÀnde ich den Titel Geschrei! Bei Schrei muss ich eher an so etwas wie das Bild von Munch ŽDer SchreiŽ denken. Schrei ist eher mit einem Schreck oder Angst verbunden oder einer Aufforderung zu schreien (z.B. in einer Therapie oder einer sportveranstaltung.

LG Usch

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Charmaine
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2011

Werke: 10
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Hallo Doc,

zu Uschs Anmerkung zum Titel fÀllt mir ein: wenn Kinder sich auf diese Art bemerkbar machen, hat das schon etwas Halsstarriges an sich. Mir fÀllt dazu der Ausdruck "Schreihals" ein, vielleicht "schreihalsig", wenn das nicht zu sehr auf die lyrische Kante geht.
Der Text gefĂ€llt mir schon, nur fehlt mir fĂŒr eine Satire die letzte Konsequenz, die radikale Klimax.

GrĂŒĂŸe von Charmaine
__________________
Dann eines Tages regt sich dieser gebrechliche Leib in Gottes Bauch. (Marguerite Duras)

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