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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Schreiben heißt Leiden
Eingestellt am 07. 07. 2007 17:03


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Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

Werke: 857
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Liebe Leidensgenossinnen und Leidensgenossen,

ja, Schreiben ist Leiden – und nicht selten ein zwanghaftes. Jedenfalls müssen das unvor-eingenommene Zuhörer annehmen, wenn ihnen mit gequältem Gesichtsausdruck und unter Stöhnen einer der Unseren gesteht, er schreibe übrigens. Kann natürlich auch eine Drohung sein: „Pass auf, meiner Lieber, in meiner nächsten Satire könnte ich dich zum Spott meiner zahlreichen Leserinnen und Leser machen!“
Das folgende ist ein offenes aber von Betroffenen bestens gehütetes Geheimnis, denn nicht nur der schriftstellernden Profi, nein, auch der Amateur und selbst der Hobbyautor benötigt ein gehöriges Maß an Selbstbewusstsein, um an seinen stets unmittelbar bevorstehenden Bucherfolg zu glauben.
Unter Psychologen gilt der Lehrsatz, weniger selbstbewusste Menschen neigen zur Über-kompensation. Daher tragen bedauerliche selbstunsichere Zeitgenossen unverkennbar ein Übermaß an Selbstsicherheit zur Schau.
Vielleicht treten deswegen so viele SchriftstellerInnen in der Öffentlichkeit eher unsicher und bescheiden auf, werden aber in Autorengruppen, wenn es um die Verteidigung ihrer Texte geht, zur unnachgiebigen Löwenmutter ihrer lyrischen, satirischen und anderen Literatur-gattungen zuzurechnenden Schöpfungen aus Buchstaben und Satzzeichen.
Mit mächtigen und gezielten Tatzenhieben (schlagenden Argumenten und Schlagworten) versuchen sie, den die besondere literarische Qualität ihrer kunstvoll verschachtelten und selbstverständlich immer sofort druckreifen Sätze anzweifelnden Schreibleidensgenossen in die Flucht zu schlagen und möglichst zum endgültigen Schweigen zu bringen, auf dass der Geschlagene umgehend erkenne, er habe eigentlich noch nie wirklich schreiben und deswegen auch noch nie echte Literatur beurteilen können und verschwinde daher am besten umgehend und endgültig als Konkurrent von diesem und allen anderen Schreib-turnierplätzen.
Natürlich ließe sich der vorangegangene Satz noch um Wesentliches verlängern und weiterer Unverständlichkeit entgegen treiben. Als Verfasser bliebe mir dann wenigstens die Gewissheit, nur ich allein könne ihn verstehen und die Intelligenz aller Leserinnen und Leser reiche nicht an die meine heran und dazu, aus dem Labyrinth meiner komplizierten aber eigentlich durchaus nachvollziehbaren Gedankengängen herauszufinden.
Im Übrigen: Wahre Genies werden in der Regel erst nach ihrem Tod erkannt, und Schreiben ist nun einmal Leiden, und selbstverständlich auch das Leiden unter dem eigenen Genius, aber vor allem unter der (vermeintlichen) Dummheit potentieller Leserinnen und Leser.

Hätten alle mein Niveau, wäre ich längst Bestsellerautor!

Mit Hochachtung für alle, die es wagten, in AutorInnengruppen, „Literaturwerkstätten“ und Literaturforen die ungewöhnlich hochwertigen Texte ihre Kolleginnen und Kollegen zu kritisieren

Ein Mitleidensgenosse

__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

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