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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Schreiberblut
Eingestellt am 29. 03. 2000 00:00


Autor
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Nathalee
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2000

Werke: 43
Kommentare: 19
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Sie schluckte.
Verdammte Schei├če noch mal!
"Tschuldigung", antwortete sie sich selbst laut und fuhr mit der Hand ├╝ber die Tastatur wie ├╝ber ein Klavier.
Die wei├čen Pixel des begonnenen Dokuments schienen sie, jedes einzeln, h├Ąmisch anzulachen.
Sie l├Âschte die sinnlose Buchstabenreihe wieder.
Alles lief verkehrt, stellte sie in Gedanken fest.
Der Cursor blinkte ver├Ąchtlich herausfordernd.
Job, Freizeit, Freunde, Liebe. Nichts war, wie sie es sich w├╝nschte.

Bisher waren solche Situationen kein Problem f├╝r sie. Es gab ja noch ihre poetische Ader, wie sie es nannte. Die war es, die sie in solchen Zeiten, in denen der Himmel auf ihre schaumfestigerreiche Frisur zu fallen schien, anritzte, wie andere Leute ihre Pulsadern mit der Rasierklinge. Dann lief mit den Gedanken alles heraus, der Schmerz, die Entt├Ąuschung, die Wut, die Trauer. Ihr Blut.
Doch heute schien alles zu einer festen Masse geronnen, die sich nicht mit den schnellen Bewegungen ihrer Finger auf den Bildschirm ├╝bertragen und in festen Dateiformaten festpressen lie├č.
Kein passendes Wort fiel ihr ein, nicht eine treffende Metapher, selbst kein trockenes Verb, was die Leere ausdr├╝ckte.

"Es reicht!" zischte sie den Monitor an, dr├╝ckte brutal auf den Off-Knopf ihres Computers und eilte ins Bad. Dort kramte sie eine scharfe Rasierklinge hervor.
Wenn ihre poetische Ader schon eine Krativit├Ątssperre hatte, dann sollte wenigstens ihr reelles Blut flie├čen. Sie hatte genug vom Leben.
Gerade in dem Moment, als sie das hauchd├╝nne Metall mit zitternden H├Ąnden auf ihre wei├če Haut aufsetzen wollte, klingelte es an der Haust├╝r.
So sp├Ąt noch? Sie runzelte die Stirn.
Schlie├člich hastete sie herunter und ├Âffnete.
"HI Schatz, du, ich wollte mich bei dir entschuldigen. Es war falsch, was ich gestern zu dir gesagt habe. Es tut mir leid."
Es war ihr Freund, er versteckte sich mit einem schiefen Grinsen hinter einem riesigen Strauss Rosen.
Als sie nicht gleich reagierte, betrat er die Wohnung und schloss die T├╝r hinter sich.
"Dein Agent hat ├╝brigens bei mir angerufen. Er sagte, er erreiche dich ├╝ber deine Nummer nicht. Wahrscheinlich ist dein Akku wieder leer. Er wollte dir mitteilen, dass der Verlag dein Buch doch genommen hat. Zum vereinbarten Preis."
Sie reagierte nicht. Sie stand nur da und starrte ihn fassungslos an.
"Hey Darling. Was ist denn? Bist du immer noch sauer auf mich?"
Sie machte auf dem Absatz kehrt, wetzte an den Computer und startete ihn erneut. Als er sich endlich hochgefahren und sie ein neues Dokument begonnen hatte.

Diesmal l├Ąchelten die Pixel freundlich an und der Cursor musste nicht lange warten, bis er bewegt wurde.
Sie schrieb den Titel ihres neuen Buches nieder: "Die Bluttransfusion"


(├ťbernommen aus der 'Alten Leselupe'.
Kommentare und Aufrufz├Ąhler beginnen wieder mit NULL.)

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