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Leselupe.de > Kurzgeschichten
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Eingestellt am 18. 02. 2004 11:48


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jane-schubat
???
Registriert: Feb 2004

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Sie hatte sich angewöhnt, seinen Bemerkungen keine allzugroße Bedeutung mehr beizumessen. Doch diese am gestrigen Abend war allumfassend und bedrohlich gewesen. Sie nahm ihr auf zynische Art das, worauf sie die letzten Monate gebaut hatte – die Hoffnung nĂ€mlich sich endgĂŒltig von ihm lösen zu können. Sie, Lena, wĂŒrde nie in der Lage sein, ein eigenstĂ€ndiges und von ihm unabhĂ€ngiges Leben zu fĂŒhren, hatte er gesagt. Und dabei lag in seinem Blick jene Ignoranz, gegen die sie sich seit Jahren vergeblich zu wehren gesucht hatte.
An diesem Morgen stand Lena vor dem Spiegel und betrachtete nachdenklich ihre Gestalt. Unentschlossenheit lag in allem. Das Gesicht zweifelnd und die zierliche Figur irgendwie in sich zusammengesunken. Es hilft nichts, seufzte sie. Sie mußte sich ihm endlich entgegenstellen. Entschlossen kehrte sie dem Spiegel den RĂŒcken und lief ins Schlafzimmer. Die Sachen waren schnell gepackt, doch Sekunden spĂ€ter kehrte ein GefĂŒhl von Unentschlossenheit zurĂŒck. Sollte sie ihm vielleicht ein paar Zeilen hinterlassen, besser noch einen Brief, der alles erklĂ€rte. Sie könnte ihn damit zwingen ihr zuzuhören. Doch wĂŒrde er es tun? War nicht wahrscheinlicher, daß er einfach abwartete. Wartete bis sie trĂ€nenĂŒberströmt wieder vor der TĂŒr stand. Lena schĂŒttelte den Kopf und lief zur WohnungstĂŒr, öffnete sie und trat in den Treppenflur hinaus. Heftig zog sie die TĂŒr hinter sich ins Schloß. Sie erschrak etwas vor dem lauten GerĂ€usch, das sie verursacht hatte.
Ihre Freundin, bei der sie etwa eine halbe Stunde spĂ€ter auftauchte, nahm sie behutsam in den Arm. Warm und wohltuend schlugen Wellen der Anteilnahme ĂŒber Lena zusammen. Ich kann, sagte Lena spĂ€ter im GesprĂ€ch, nicht verstehen, wieso es mir so ungeheuer schwer gefallen ist ihn zu verlassen.
Sie hatten einen wunderschönen Tag zusammen, Lena und ihre Freundin. Gemeinsam schlenderten sie durch die Straßen und plauderten. Jugenderinnerungen tauchten wieder auf, denn sie hatten gemeinsam die Schule besucht. Auch das spĂ€tere Studium an unterschiedlichen UniversitĂ€ten, Familie und Alltag hatten sie nicht wirklich voneinander trennen können. Nur in einem hatte ihre Freundin sie nie verstanden. Und das betraf ihn, den Mann, an dem Lena nun schon seit Jahren kettete. Abends saßen die beiden Frauen im Arbeitszimmer der Freundin und redeten. Sie redeten ĂŒber alles, Musik, Literatur und ĂŒber das Leben ĂŒberhaupt. Sie lachten, waren sich in vielen Dingen mal wieder erstaunlich einig und als der Mann der Freundin den Kopf zur TĂŒr hereinsteckte, warfen sie ihm Kissen an den Kopf. Dann stand Lena auf. Ein Hauch von Traurigkeit ĂŒberzog ihr Gesicht. „Ich muß es ihm erklĂ€ren.“, sagte sie. „Ich will es ihm nur noch erklĂ€ren.“

__________________
Ich lebe in höheren SphĂ€ren,weil ich mich vor dem Absturz fĂŒrchte.

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Monfou Nouveau
???
Registriert: Aug 2003

Werke: 2
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Hallo jane-schubat,


dein Text ist eine sprachlich gute, kleine Geschichte mit Humor, wie ich finde. Manche SĂ€tze sind wirklich gelungen, dann gibt es aus meiner Sicht aber auch einige Vagheiten.

Gefallen hat mir die Art folgender SĂ€tze:

Ihre Freundin, bei der sie etwa eine halbe Stunde spĂ€ter auftauchte, nahm sie behutsam in den Arm. Warm und wohltuend schlugen Wellen der Anteilnahme ĂŒber Lena zusammen. Ich kann, sagte Lena spĂ€ter im GesprĂ€ch, nicht verstehen, wieso es mir so ungeheuer schwer gefallen ist ihn zu verlassen.
Hier setzt du keine AnfĂŒhrungszeichen, obwohl es wörtliche Rede ist. WĂ€hrend du am Schluss die wörtliche Rede in AnfĂŒhrungszeichen stellst.

Etwas schwieriger dagegen diese Stelle:
An diesem Morgen stand Lena vor dem Spiegel und betrachtete nachdenklich ihre Gestalt. (Betrachtet sie wirklich ihre Gestalt? Das Wort klingt zudem in diesem Zusammenhang etwas gehoben. Vielleicht betrachtet sie eher ihr Spiegelbild; das Bild, das der Spiegel ihr insgesamt zeigt) Unentschlossenheit lag in allem. Das Gesicht zweifelnd und die zierliche Figur irgendwie in sich zusammengesunken (Es ist etwas schwer vorstellbar, dass die Figur "irgendwie" in sich zusammengesunken ist. Jedenfalls wirkt es stark gezeichnet, da die Protagonistin hier direkt vor dem Spiegel steht, so dass das "Zusammengesunkensein" etwas Konkretes hat, als lÀge da jemand schon förmlich am Boden.)


Die Schilderung der gemeinsamen Vergangenheit (Schule ect.) scheint eher allgemein. Als Leser erwartet man vielleicht etwas mehr Spezifisches. Ein Kunstgriff wÀre es (wenn die Geschichte dazu den Raum hergibt), einfach durch eine prÀgnante kleine Begebenheit, die man schildert (etwa ein gemeinsames Erlebnis der Freundinnen in der Vergangenheit), deren Beziehung etwas zu erhellen, anstatt einfach Stationen des Lebenslaufs zu nennen.

Der Schluss hat was!
Ein Hauch von Traurigkeit ĂŒberzog ihr Gesicht. "Ich muß es ihm erklĂ€ren [[Der Punkt fĂ€llt hier weg]]", sagte sie. "Ich will es ihm nur noch erklĂ€ren."


Beste GrĂŒĂŸe

Monfou
PS: Der Titel könnte vielleicht noch zugkrÀftiger werden, mir scheint er jetzt eher ironisch.

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