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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Schrödingers Katze
Eingestellt am 01. 01. 2010 10:27


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Hedwig Storch
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Heute ist der 1. Januar 2010. In einer Woche feiert Professor Hawking seinen 68. Geburtstag. Wer ist das? 1993 hat der englische Physiker Stephen W. Hawking seine Autobiographie "Einsteins Traum. Expeditionen an die Grenzen der Raumzeit" vorgelegt. Nein, es ist keine richtige Biographie. Das ist eine Sammlung von 12 Essays und einem BBC-Interview. Alles falsch, es ist ein populärwissenschaftliches Buch. In dem wird erklärt, wie Einstein sich in jene Sackgasse verrannte, aus der Hawking heraus möchte.
Sei es, wie es ist. Jetzt will ich Ihnen nicht die Allgemeine Relativitätstheorie erläutern (unter uns gesagt, ich verstehe sie nicht). Aber Hawking tut genau das und noch viel mehr. Dieser Theoretische Physiker hat in dem Buch seine sogenannte String-Theorie, die um Schwarze Löcher kreist, mit Stories aus seinem Leben lesenswert verpackt. Lesen Sie bitte! Und Sie werden mir hoffentlich Recht geben - die Verpackung stimmt. Aber dann, wenn Sie ausgepackt haben, kommt die Bescherung: Eine schwer verständliche Theorie für den unbedarften Laien, zusammen mit Geschichten - z.B. der tierschutzfeindlichen von Schrödingers Katze - durchmischt.
Werfen wir nur mal einen kurzen Blick in eines der Kapitel des Buches: "Ist alles vorherbestimmt? Die Zukunft des Universums". Hawking gibt in dem genannten Kapitel eine geradezu lächerlich anmutende Tatsache zu: Die Physikergemeinde ist heute noch nicht sehr weit. Nur das Zweikörperproblem (zwei Punktmassen wechselwirken im Vakuum, wenn Sie wissen, was ich meine) ist exakt mathematisch lösbar. Nimmt die Zahl der Teilchen zu, sind an die Nerven gehende Näherungsverfahren erforderlich. Also kann z.B. die menschliche Hirnaktivität wegen der immensen Anzahl der beteiligten Neuronen keinesfalls vorauskalkuliert werden. Tja, so geht das in dem Buch. Ich höre jetzt lieber auf damit.

Warum biete ich Ihnen heute mal einen reinen Naturwissenschaftler an? Ganz einfach, weil mich die Person des Autors fasziniert. Schon die Mitschüler in der St. Albans School riefen Stephen Einstein. Später, gegen Ende seines Physikstudiums in Oxford, mußte er promovieren, um seine Verlobte heiraten zu können. Hawking brauchte nämlich für das Vorwärtskommen unbedingt eine gesellschaftliche Stellung. In diese Zeit fällt auch der Beginn seiner Erkrankung. Der Physiker ist an den Rollstuhl gefesselt; leidet an der unheilbaren Charcot-Krankheit (amyotrophe Lateralsklerose). Nach einem Luftröhrenschnitt konnte Hawking nicht mehr sprechen. Cambridger Wissenschaftler unterstützten den erkrankten Wissenschaftler mit einem Sprachsynthesizer. Hawking forschte weiter; schrieb weiter. Das bewundere ich an ihm - daß in dem Buch ein Mensch zu uns spricht, der nicht aufgibt. Aufhören? Im Gegenteil, Hawking schreibt über seinen Gesundheitszustand, über die Philosophen und über seine Kollegen, die Theoretischen Physiker.

Ich weiß, mancher mag von Theoretischen Physikern nichts hören. Da war doch etwas. In den 50er Jahren, nach dem Kriege, die Zündung der ersten Wasserstoffbombe und so weiter. Das haben doch diese Intelligenzler mit verschuldet. Oder? Hawking jedenfalls war es nicht. Der war damals bei der ersten Zündung gerade 12 Jahre alt geworden. Aber immerhin - er ist ein Theoretischer Physiker, der in seinem Buch ein Gedankenexperiment beschreibt, in dem eine Katze gequält wird.

Für das zähe Durchhalten der Plage zum Trotz ist Professor Hawking ein treffliches Beispiel. Warum? Die Antwort folgt aus der Lektüre des Buches, das ich Ihnen gerade anpreise: Hawking ist grundehrlich. Sein Charme hat etwas Entwaffnendes. Dazu gehört, er verachtet die Heuchler.

Der englische Physiker Stephen William Hawking wurde am 8. Januar 1942 (genau 300 Jahre nach dem Tode Galileis) in Oxford geboren. Hawking ist Träger des Ritterordens "The Most Excellent Order of the British Empire".

Quelle
Stephen W. Hawking: Einsteins Traum. Expeditionen an die Grenzen der Raumzeit.
Deutsch von Hainer Kober
Rowohlt Verlag 1993. 190 Seiten,
ISBN 3-498-02919-3 (Aufl. 2005: ISBN 3-499-62023-5)
(Original: "Black Holes and Baby Universes and Other Essays", 1993)
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Hedwig

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jon
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Gut. Die Rezi puzzelt recht erfolgreich den Teil raus, der das Ganze überhaupt lesenswert zu machen scheint. (Ich kenne zwar nicht dieses Buch aber ein anderes, von dem (auch) behauptet wird, Hawking erkläre darin "anschaulich und für jeden verständlich" die Relativtitätstheorie – ein massiver Irrtum (um es nicht gleich "Lüge" zu nennen).)

Das verstehe ich nicht:
"Für das zähe Durchhalten der Plage zum Trotz ist Professor Hawking ein treffliches Beispiel. Warum? Die Antwort folgt aus der Lektüre des Buches, das ich Ihnen gerade anpreise: Hawking ist grundehrlich. Sein Charme hat etwas Entwaffnendes. Dazu gehört, er verachtet die Heuchler."
Der erste Satz sagt, Hawkings ist ein Beispiel für's Durchhalten. "Warum?" ist dabei eine dumme Frage (auch wenn es dumme Fragen ja nicht geben soll): Jeder, der ein Bild zu "Hawkings" hat – der Typ, die wie leblos in seinem Rollstuhl hängt und trotzdem "putzmunter" ist, weiß, warum er als Beispiel mehr als taugt.
Und: "Er taugt als Beispiel fürs Durchhalten, weil er grundehrlich und charmant ist und Heuchler verachtet." – ???


Inhaltlich stieß mir der Schlenker mit der Atombombe auf. Mit dieser Logik müsste man auch Chemiker verdammen, andere als Theoretische Physiker, Ingenieure, Ärzte praktisch jeder Fachrichtung, mit Blick auf heutige Umweltschäden Landwirte, Forstleute … Dass Hawkings da erst 12 war, ist eine bittere Ausrede – es macht ihn nicht zum besseren Menschen, dass er "zu spät" geboren wurde.
Ebenfalls sauer aufgestoßen: Es macht ihn nicht zu einem schlechten Menschen, dass er ein Gedankenexperiment beschreibt, das Schröderinger 1935 anstellte (mit dem ausdrücklichen Hinweis darauf, dass es eine "burleske" (http://de.wikipedia.org/wiki/Schrödingers_Katze) Illustration eines quantenphys. Problems ist) und das sich (eben wegen dieses "Irrwitzes") als Formel für das Problem ein den Sprachgebrauch eingebrannt hat.
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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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