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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Schrottreif? (Beitrag zum Thema "Freundschaft")
Eingestellt am 12. 08. 2001 11:48


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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

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(Hallo ihr! Willis "Auto-Geschichte" hat mich animiert, hier einen Text rein zu setzen, der eigentlich nur als ├ťbung gedacht war. Zeilenm├Ą├čig streng begrenzt, soltte man sich eine Mini-Geschichte zu einem Foto einfallen lassen, auf dem ein alter Golf zu sehen war, der mit einer ge├Âffneten T├╝r verlassen am Stra├čenrand stand.)



Schrottreif?

"Halt, Yvonne! Lauf doch bitte nicht weg! Du kannst mich doch auf dieser gottverlassenen Landstra├če nicht so allein zur├╝ck lassen!"
Sie h├Ârt mich nicht. Wie auch? Autos haben keine Stimme. Das qualvolle Aufheulen geschundener Motoren, das ├Ąngstliche Klappern brutal durchgesch├╝ttelter Karosserien, das alamierende Quietschen der Reifen - nur wenige Menschen verstehen unsere Art, sich ihnen mitzuteilen. Du jedoch hast mich immer verstanden und stets gesp├╝rt, wenn ich an die Grenzen meiner Belastbarkeit geriet. Oft hatte dein Griff zum Lenkrad etwas von einem sanften Streicheln, das mich die beginnende Altersschw├Ąche glatt vergessen lie├č.

Doch eben warst du ganz anders. "Mistkarre!" hast du gerufen und meinem Kotfl├╝gel einen heftigen Tritt verpa├čt. Oh, das tat weh. Ich habe dich noch nie so w├╝tend gesehen. Lag dir wirklich soviel daran, p├╝nktlich zu deiner Verabredung mit diesem hochn├Ąsigen J├╝ngelchen zu kommen? Glaub mir, der ist nichts f├╝r dich. Wie abf├Ąllig der mich neulich angeschaut hat!
"Die olle Kiste ist doch l├Ąngst schrottreif", hat er behauptet und dich zu einer Spritztour mit seinem nigelnagelneuen Cabrio-Verschnitt eingeladen. Seine Eltern haben ihm dieses teure Auto geschenkt - einfach so. F├╝r dich reichte es damals nur zu einem Gebrauchten.
"Solange Du studierst, mu├č er aushalten", hat dein Vater gesagt. Und weil du mir sofort sympathisch warst, nahm ich mir fest vor, diese Erwartung auch zu erf├╝llen. Sag selbst, habe ich dich nicht immer sicher an dein Ziel gebracht?

Und jetzt dieser Tritt! Nur weil mal der Z├╝ndverteiler streikt. Eine Kleinigkeit und bestimmt rasch zu beheben. Aber du bist weggerannt. Hast dir wahrscheinlich ein Taxi genommen, nur um den Treff mit diesem feinen Bubi nicht zu verpassen. In deiner Eile hast du dir nicht einmal die Zeit genommen, alle T├╝ren zu schlie├čen. Nun saugt mir die Deckenbeleuchtung die letzte Energie aus der Batterie.

Aber vielleicht ist das ganz gut so. Wenn sie leer ist, sp├╝re ich wenigstens nichts mehr. Ich werde das Bewu├čtsein bereits verloren haben, wenn ich zwischen den t├Âdlichen Klauen der Schrottpresse mein Autoleben aushauchen mu├č.
Oh, Yvonne! Wie gern h├Ątte ich dich noch als frisch gebackene Absolventin von der Uni nach Hause gebracht. Das war mein letzter gro├čer Traum. Aber nun bleibt mir nur noch, dir vorzeitig Lebewohl zu sagen. Es war eine sch├Âne Zeit mit dir, und den Tritt habe ich dir l├Ąngst verziehen.

Doch halt! Was ist das? Da kommt ein gelbes Auto! Und es h├Ąlt an. Ich werd' verr├╝ckt! Yvonne, ist es wahr? Du hast mich nicht vergessen? Da ist ja auch ein Monteur! Komm, Junge! Schau unter meine Motorhaube. Ja, genau dort liegt das ├ťbel. Hast es sofort erkannt!
"Werden Sie ihn wieder hinkriegen?" Das ist Yvonnes Stimme.
"Na klar. Da hat sich nur ein Kabel gel├Âst. Kein Problem. Das haben wir gleich."
"Ein Gl├╝ck, den Wagen brauche ich wohl noch sehr lange."

__________________
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ex-mact

???

Registriert: May 2001

Werke: 2
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Moin,

dieser Text gef├Ąllt mir sehr gut - das Klischee, da├č Freunde auch nach einem Streit f├╝r einen da sind, wird aus einer ungew├Âhnlichen Sichtweise nachvollziehbar dargestellt. Ganz pers├Ânlich st├Ârt mich die Personifizierung eines Autos, das ich nicht mit einem "positiven Ding" in Verbindung bringen kann - aber das hat nichts mit Text, Form oder Inhalt zu tun.

Drei Kleinigkeiten sind mir beim ersten Lesen aufgefallen:

> In deiner Eile hast du dir nicht einmal die Zeit genommen,
> um alle T├╝ren zu schlie├čen.

Das "um" w├╝rde ich streichen.

> Es war eine sch├Âne Zeit mit dir, und ich verzeihe dir den
> Tritt

Ich schlage vor: "Den Tritt habe ich dir l├Ąngst verziehen"

> Ein Gl├╝ck. Ich brauche n├Ąmlich den Wagen. Ich brauche ihn
> noch lange

Ich schlage vor: "Ein Gl├╝ck, den Wagen brauche ich wohl noch sehr lange".

"Ich brauche n├Ąmlich den Wagen" legt, finde ich, den Schwerpunkt zu sehr auf "ich", wichtig ist hier der Wagen. Und da├č der "Bubi" Yvonne offensichtlich entt├Ąuscht hat, kann man vielleicht mit einem "wohl noch" mit einem virtuellen Seufzer untermalen.

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leonie
Guest
Registriert: Not Yet

hallo ralpf

Diesmal komme ich zu sp├Ąt, mact hat schon alles gesagt, und mehr kann ich nicht hinzuf├╝gen. eine sch├Âne idee eine freundschaft zu beschreiben. diese schreib├╝bung kenne ich auch. bei mir sa├č ein junge in dem Wagen, der in seiner fantasy mit dem Auto nach Australien geflogen ist.
ganz liebe gr├╝├če leonie

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Hi Ralph,

Du hattest die Schreibaufgabe nicht nur gut umgesetzt, nein, Du hattest auch mit diesem Text mein Mechanikerherz h├Âher schlagen lassen.

@mact
sag nie mehr, dass Dich die Personifizierung eines Autos st├Ârt. (Waren die Erfahrungen so schlecht?)
Du glaubst gar nicht wie sehr man ein Auto oder einen Motor personifizieren kann. Ich kann das wunderbar und ich leide sehr wenn andere oft ihre "Kiste" h├Âllisch qu├Ąlen.

Gruss
RS

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Willi Corsten
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Apr 2001

Werke: 87
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Hallo Ralph,
eine r├╝hrende kleine Geschichte, fabelhaft erz├Ąhlt.
Mit wenigen S├Ątzen weckst du das Interesse an diesem liebenswerten T├Âff-T├Âff.
Die Monteurkosten h├Ąttest du allerdings sparen k├Ânnen; unser Freund Rote Socke h├Ątte die Reparatur kostenlos ausgef├╝hrt.
Einen Fehler hat die Geschichte dennoch: Man kann kaum etwas daran verbessern. Ist einfach zu gut.

Lieb gr├╝├čt dich
Willi

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Willi,

unsere Antworten hatte sich gerade ├╝berschnitten.

Jaaaaaaaaaa, ich h├Ątte alles kostenlos gemacht.

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