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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Schuld an eigenen Problemen
Eingestellt am 05. 12. 2000 18:53


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Flori
Hobbydichter
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Das Dunkel

Das Dunkel

Dunkel, kalt und feucht war der Lehm um ihn herum, er schaufelte mit blo├čen H├Ąnden blind und mit der Gewi├čheit, dass er hier von allein nicht raus kommen w├╝rde. Seine Finger pre├čte er zu zwei kleinen Spaten zusammen, sie schmerzten vom Graben. Wie ein Maulwurf, dachte er, wie ein Maulwurf und er versuchte es komisch zu finden.
Aber statt Lachen kroch Entsetzen seinen Hals hinauf. Schnell weitergraben, mit den H├Ąnden, ohne Chance, ganz egal, nur weitergraben ( wie ein Maulwurf)
Es war ein schlechter Witz des Schicksals, dass gerade er hier unten sa├č. Ein grausamer unwahrscheinlicher Zufall. Aber, seine Gedanken stolperten immer wieder dar├╝ber, es war passiert,-lebendig begraben-. Er, der Egoist, der Sp├Âtter war in dieser Lehmgrube metertief unter der Erde versch├╝ttet. Ohne Licht, mit wenig Luft, und es war kalt.
Er h├Ątte es ahnen k├Ânnen als er diesen Weg entlanglief. Wohin hatte er nur gewollt? Aber er, der sich immer geweigert hatte, seinen Anteil f├╝r die Grubenrettung zu entrichten, er, der immer davon gesprochen hatte, wie leicht es f├╝r jeden war, mit ein bi├čchen Vorsicht den Lehmgruben fern zu bleiben, er hatte an diesem Morgen einfach nicht an die Gefahr gedacht.
Er sp├╝rte wie seine F├╝├če froren, sie waren na├č, die dicken Wollsocken sogen Wasser auf wie ein Schwamm. Das Wasser l├Ąuft am Grund der Grube zusammen, dachte er. Das Wasser lief immer am Grund der Grube zusammen! Er stellte sich vor, dass das Wasser gelb war, wie Senf, undurchsichtig und dickfl├╝ssig von all dem Lehm. Seine neuen Schuhe waren jetzt sicher schon gelb besudelt und er musste an einen ertrunkenen Maulwurf denken, den er einst in seiner Goldgrube gefunden hatte. Sein Fell war ganz gelb gewesen.... Weitergraben!
Wieder gruben sich seine H├Ąnde in den kalten Lehm. Langsam kratzte er ihn von der Decke seines Loches ab und lie├č ihn unter sich fallen. Er arbeitete sehr vorsichtig, weil er Angst hatte, die Decke zum Einsturz zu bringen. Noch hatte er wenigstens etwas Luft zum Atmen, aber wenn er ganz von Lehm umschlossen war, beim Einatmen nur Erde im Mund....KLAUSTROPHOBIE... Nein! Noch hatte er genug Kontrolle ├╝ber seinen Kopf um daran nicht zu denken.
Er versuchte sich auf seine Frau zu konzentrieren, aber das machte ihn auch nicht viel gl├╝cklicher. Sie wird keine Witwenrente kriegen von der Genossenschaft, ├╝berlegte er. Nur weil mir diese ewigen Mitgliedsversammlungen immer zu wichtigtuerisch waren.
Sie wird keine Witwenrente kriegen, wiederholte er tonlos. Dieser Satz ging davon aus, dass er schon tot war.
Er bef├╝hlte seine H├Ąnde und versuchte den Dreck unter seinen N├Ągeln raus zu kratzen. Denk nicht an den Maulwurf, sprach er laut, schrie er fast. Dann noch einmal leiser, zitternd, -Maulwurf -. Diese verdammte weiche Pampe, dachte er, und schlug patschend gegen das Lehmwasser um seine F├╝├če.
Es ist so dunkel, was ist, wenn ich verr├╝ckt werde, fragte er sich?
Von Neuem schlug er die H├Ąnde in den Lehm ├╝ber seinem Kopf. Jetzt achtete er nicht mehr auf die nachrutschenden Brocken. Er wollte raus, an die Luft, an das Tageslicht. Seine Faust ballte sich, ohne dass er etwas dazu tun musste. Sie schlug gegen die Erdmassen mit all seinem Hass auf den Lehm und das Dunkel. Alle Kraft seines 40 j├Ąhrigen K├Ârpers lag darin. Es blieb dunkel. Er h├Ârte das Schmatzen von Lehm, der sich l├Âste. Schleimige, kalte Kr├╝mel regneten auf sein Gesicht, auf seinen K├Ârper. Sie fielen platschend ins Wasser, so dass er die Spritzer an seinen H├Ąnden f├╝hlte.
Ein Teil der Decke war eingest├╝rzt. Er sah es nicht, aber er f├╝hlte, dass jetzt etwas mehr Luft ├╝ber seinem Kopf war. Sein K├Ârper war halb von Lehm bedeckt und es kostete ihn M├╝he, sich neu zu orientieren. Unbewusst hob er die Nase und witterte nach dem feuchten Erdreich wie ein Maulwurf. Alles war schwarz.
Seine Gedanken verloren den Halt. Er dachte an die Zeit als er jung gewesen war. Damals als er mit dem Goldsuchen angefangen hatte. Seine H├Ąnde sp├╝rten das rauhe Holz des Spatens. Die Arbeit war ihm hart vorgekommen und das Durchsieben des Lehms war seit damals nicht leichter geworden. Nur die Lehmh├╝gel in der Landschaft waren mehr geworden. W├Ąlder dachte er, hier standen einmal gr├╝ne W├Ąlder!
Er gab sich selbst eine Ohrfeige. Sie schallte ged├Ąmpft in seinem Loch nach. Er f├╝hlte wieder die K├Ąlte. Dass er in eine Traumwelt abgedriftet war erschreckte ihn. Sauerstoffmangel dachte er, und fr├Âstelte.
W├╝rden sie nach ihm suchen? Er zweifelte. Aber man konnte ihn doch nicht krepieren lassen weil er die Beitr├Ąge nicht gezahlt hatte. Er w├╝rde sie ja nachzahlen! Er hatte sich ├╝ber die Grubenretter lustig gemacht, Weicheier hatte er sie genannt, Maulwurfsretter, und Dr├╝ckeberger. Die Worte, wie sie so nacheinander in seinen Gedanken aufleuchteten, erschlugen ihn. Er ha├čte sich selbst. Er begriff, dass auch Worte etwas endg├╝ltiges waren, man konnte sie nicht wieder zur├╝cknehmen.
Wieder l├Âste sich etwas Lehm von der Decke. Mit dem Lehm fiel etwas weiches, behaartes in seinen Scho├č, etwas das Stank. Er griff in die Tasche seiner Jacke und holte ein nasses Feuerzeug heraus. Er wusste dass es leer war, lie├č den Daumen ├╝ber Feuerstein und Gashebel streichen und eine gelbe Flamme erschien. Er guckte nach unten, in seinem Scho├č lag ein toter Maulwurf.

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Yossarian
Hobbydichter
Registriert: Oct 2000

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6/10

Die Geschichte is gut geschrieben, nur finde ich wird die Situation zu wenig beschrieben. Ich verstehe zum Beispiel nicht ganz wieso der Typ in einer Lemh├Âhle steckt, ich meine wieso ist auch ├╝ber ihm Lem, wie soll ich mir das ganze Vorstellen ?, Wie ist er da ├╝berhaupt reingekommen ?.
Das alles wird in keiner Silbe geschrieben. Als Aussenstehender bleibt man ziemlich im Regen stehen. Allgemein aber gelungen.

Gr├╝sse, Yossarian

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Flori
Hobbydichter
Registriert: Dec 2000

Werke: 6
Kommentare: 8
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Ich hatte versucht durch die Passage mit dem Goldsuchen anzudeuten, das in dieser Lehmlandschaft viel Bergbau betrieben wird. Bei viel Bergbau dachte ich mir, k├Ânnten dann da so unterirdische Hohlr├Ąume sein in die man reinfallen und dabei versch├╝ttet werden k├Ânnte.

Du hast sicher recht wenn du schreibst, da├č das nicht all zu schl├╝ssig ist. Aber wenn man so ein Ding schreibt und es sich dabei oft durchliest, steckt man so drin, da├č man solche Unklahreiten nur noch schwer erkennen kann.

Au├čer dem kam es mir eigentlich mehr auf die Sittuation an, aber ich glaube die ist auch nicht so r├╝ber gekommen wie ich es mir gedacht hatte.

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