Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5551
Themen:   95236
Momentan online:
598 Gäste und 14 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Humor und Satire
Schule
Eingestellt am 26. 07. 2018 19:04


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Rebecca Sander
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2018

Werke: 6
Kommentare: 7
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Rebecca Sander eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Studiendirektor Lund

Hatte sie wirklich Herrn Lund gesehen? Ihren alten Deutschlehrer aus dem kleinen Michelsberg? Ganz sicher war sie sich nicht - wie so oft, wenn sie meinte, vertraute Gesichter zu erkennen, um dann spÀter festzustellen, dass sie Herrn oder Frau X mit Herrn oder Frau Y verwechselt hatte.
Einige Male schon war Renata fast sicher gewesen, Albert Lund in C. gesehen zu haben. Seine knorrige RĂŒbezahl-Gestalt im modisch gestylten Outfit. Schwarzer Sakko. Anthrazitfarbenes Hemd. Dunkelgraue Hosen. Wie alt er wohl sein mochte? SchĂ€tzungsweise achtzig Jahre.
Warum sollte sich Herr Lund gerade in C. aufhalten? Warum auch nicht? C. war eine Großstadt in der NĂ€he des Harzes, in dem sich prĂ€chtig wandern ließ. Hatte er doch vor langer Zeit, als er noch unterrichtete, einen Wanderclub gegrĂŒndet, in dem er mit seinem Naturkind Brigitte die Natur-Freuden genoss. Aber das war schon lange her. Vor dreißig Jahren wurde er wegen Herzbeschwerden pensioniert.
So hatte es wenigstens Renatas Mutter erzĂ€hlt. In einem kleinen Nest wie Michelsberg sprach sich so etwas schnell herum. Ihr Vater, Patenonkel von Lunds Frau Brigitte, bestĂ€tigte dessen FrĂŒhpensionierung aus besagtem Grund. Warum sollte sie daran zweifeln?
Herr Studiendirektor Lund, der im Deutschunterricht von den weiblichen, Natur-kindhaften Frauengestalten Goethes schwĂ€rmte und sie in diametralen Gegensatz zu Schillers intellektuellen Frauengestalten stellte. Der nebenbei noch RatschlĂ€ge fĂŒrs Leben gab - im Unterricht natĂŒrlich. Dass nĂ€mlich der Mann der Frau in der Ehe geistig ĂŒberlegen sein mĂŒsse. Sonst sei die Ehe zum Scheitern verurteilt. Anscheinend sprach er aus Erfahrung, war ihm doch seine erste studierte Frau davon gelaufen.
Er hatte sich bald mit Brigitte Gelhorn getröstet. Sie war zwanzig Jahre jĂŒnger als er und Stenotypistin. Er hatte sie jedoch nicht als Stenotypistin, sondern als Fastnachtsprinzessin kennen gelernt. Er selbst war, um den kleingeistigen Spießern seinen freien Geist zu beweisen, als Fastnachtsprinz aufgetreten. Kurze Zeit spĂ€ter war Brigitte in anderen UmstĂ€nden und Lund - im Gegensatz zu Faust - heiratswillig. Auch Lunds erste Frau, die Davongelaufene, willigte sogleich in die Scheidung ein. Sie schickte sogar Babysachen zur Hochzeit, zu der auch Renatas Eltern eingeladen waren.
Trotz ihrem Deutschlehrer Albert Lund hatte Renata Germanistik studiert. Wenn auch jener in seinen Kommentaren unter ihren AufsÀtzen ihr ErzÀhl-Talent bescheinigte, so strotzten die Seiten meist von Randbemerkungen wie "Jetzt platzt mir gleich der Kragen".
Was ihn beim Lesen ihrer AufsÀtze in Rage versetzte, wusste Renata
nicht mehr. Vielleicht, weil sie das i-PĂŒnktchen mitunter nicht genau ĂŒber das i, sondern ein paar Buchstaben spĂ€ter oder frĂŒher setzte? Oder doch eher, weil sie es wagte, ihre eigenen Interpretationsversuche zu Papier zu bringen? Anstatt seine eloquenten ErlĂ€uterungen wiederzugeben? HĂ€ufig pflegte er ihre Schrift zu bemĂ€ngeln, wobei er es nicht versĂ€umte, auf die Beziehung zwischen Schrift und Charakter hinzuweisen.
WĂ€hrend ihres letzten Schuljahrs war ihm der Karriere-Sprung vom Oberstudienrat zum Stellvertretenden Direktor gelungen, da er sich fĂŒr den Neubau eines Vollgymnasiums am Ort eingesetzt hatte. Eine wegen ihrer untadeligen Schrift von ihm gerĂŒhmte Klassenkameradin sollte beim ersten Spatenstich ein Gedicht aufsagen. Nicht irgendeines, auch nicht eines von Schiller oder Goethe, sondern ein von Lund selbst verfasstes:
"Freudig, oh Freunde, nun feiert den festlichen Tag.
Da wir nach banger Erwartung Gewissheit nun sehn..."
"Albert von Lund" knurrte Siggi Lagger, als Lund mit ernster Miene die ersten Zeilen in einer Deutschstunde zu deklamieren begann. NatĂŒrlich prustete die ganze Klasse los. Lunds Gesicht wurde kummervoll, wĂ€hrend er das Kinn gegen den dĂŒrren Hals presste. "Kulturbanausen" hörte Renata, die in der ersten Reihe saß, ihn murmeln.
Wenige Wochen spÀter wurde Siggi Lagger zum Direktor zitiert. Warum, wusste niemand so genau. Man munkelte, dass er Kondome in die Schule mitgebracht habe. Ein paar Wochen spÀter flog er dann von der Schule.


Version vom 26. 07. 2018 19:04
Version vom 17. 08. 2018 20:49

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Rumpelsstilzchen
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Sep 2003

Werke: 30
Kommentare: 966
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Rumpelsstilzchen eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Rebecca Sander, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Schön, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem Maße an neue Mitglieder richtet. Hier klicken

Ganz besonders wollen wir Dir auch die Seite mit den hÀufig gestellten Fragen ans Herz legen. Hier klicken


Viele GrĂŒĂŸe von Rumpelsstilzchen

Redakteur in diesem Forum

Bearbeiten/Löschen    


Ilona B
AutorenanwÀrter
Registriert: May 2014

Werke: 7
Kommentare: 121
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ilona B eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Rebecca,
herzlich willkommen in der Leselupe. Ich hoffe die Kommentare helfen dir weiter und deine Meinung zu unseren BeitrÀgen wird neugierig gelesen.
Ich muss zugeben, so ganz bin ich hinter den Sinn deiner ErzÀhlung nicht gekommen. Soll es einfach eine Personenbeschreibung sein?
Am Anfang wunderst du dich Herrn Lund schick angezogen in einer Großstadt zu sehen. Warum wundert dich das? Wandern wird er jedoch nicht, weil es eben eine Großstadt ist und in dieser Kleidung wird bestimmt auch nicht gewandert.
Der letzte Satz passt meiner Meinung nach gar nicht dazu. Was Siggi Lager passiert kannst Du in eine andere Geschichte stecken, hier fehlt jeder Zusammenhang mit dem restlichen Inhalt.

Ein Schreibfehler.

quote:
Kurze zeit spÀter war Brigitte in anderen UmstÀnden und Lund

Ich bin schon gespannt auf deinen nÀchsten Beitrag.


__________________
Herzliche GrĂŒsse Ilona

Es gibt Wichtigeres im Leben, als bestÀndig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.(Mahatma Gandhi)

Bearbeiten/Löschen    


Rebecca Sander
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2018

Werke: 6
Kommentare: 7
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Rebecca Sander eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Schule

Hallo Ilona B.,
entschuldige, dass ich jetzt erst auf deinen Beitrag antworte. Aber wie sagt der EnglÀnder? Better late than never!
Jedenfalls danke ich dir fĂŒr deine Fragen und Anregungen.
Zur Intention meines Textes: Ich wollte nur eine satirische Charakterskizze schreiben.

Herzliche GrĂŒĂŸe
Rebecca

P.S. Du hast geschrieben, du seist gespannt auf meinen neuen Beitrag.Ich habe bereits vier weitere veröffentlicht: zwei unter Lyrik-Foren und zwei unter Prosa-Foren

Bearbeiten/Löschen    


Arno Abendschön
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2010

Werke: 291
Kommentare: 1265
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Arno Abendschön eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ja, Rebecca, jetzt muss man nicht mehr rĂ€tseln. Der Leser kann sich natĂŒrlich fragen, ob zwischen Siggis Rauswurf und seiner unerwĂŒnschten Kritik ein Zusammenhang besteht - bei dem gezeichneten Charakterbild des verehrten Lehrers wohl vorstellbar -, aber das kann ruhig offenbleiben.

Beim Lesen fĂŒhlte ich mich an Lehrer erinnert, die wir damals hatten, nur an einzelne, nicht den Durchschnitt. Und die Details waren auch andere.

Freundlichen Gruß
Arno Abendschön

Bearbeiten/Löschen    


Rebecca Sander
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2018

Werke: 6
Kommentare: 7
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Rebecca Sander eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Schule

Hallo Arno,
es freut mich, dass dich die korrigierte Version meines Textes anscheinend angesprochen hat.

Freundlichen Gruß

Rebecca Sander

Bearbeiten/Löschen    


4 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Humor und Satire Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung