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Leselupe.de > Horror und Psycho
Schulfreund
Eingestellt am 14. 11. 2004 18:35


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Isa
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2004

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Schulfreund

Ich sehe Leute n├Ąher kommen. Schnell verschwinde ich im hohen Gras des aufgesch├╝tteten Walls. Mein Atem geht schneller, als ich die Gesichter der Menschen n├Ąher sehe. Es sind ihre Freunde. Was sie wohl sagen werden, wenn sie erkennen, was ich getan habe?
Es sind drei Jugendliche, zwei M├Ądchen und ein Junge. Er hat eine Bierflasche in der Hand, die er jedoch geschickt festzuhalten wei├č, als er den beiden M├Ądchen hilft ├╝ber den Zaun zu klettern. Nach einigem Gewackel und Gel├Ąchter stehen sie am Eingang der Kompostieranlage.
Ich wische mir den Schwei├č von der Stirn, bald werden sie es merken, doch es ist noch nicht so weit.
Ich kenne ihre Namen. Einmal Karl, der Junge, f├╝r den sie so geschw├Ąrmt hat. Ein Anflug von Neid ├╝berkommt mich, denn er sieht wirklich gut aus. Breite Schultern, durchtrainierter, muskul├Âser K├Ârper, dazu jedoch blondes Haar und so sanfte Gesichtsz├╝ge, dass man ihn f├╝r einen tapferen Ritter aus alten Sagen oder M├Ąrchen halten k├Ânnte. Sie hat mich wegen ihm nie beachtet, ich selbst bin einfach zu unscheinbar.
Karola ist auch dabei. Sie ist von kleinerem Wuchs als das andere M├Ądchen. Dadurch wirk ihr K├Ârper und ihr gesamtes Erscheinungsbild zerbrechlich, doch habe ich schon an eigenem Leib erfahren, dass dieser Schein tr├╝gt. Ihre braunen Augen und die zerzauste Kurzhaarfrisur zeugen von einer schlecht unterdr├╝ckten Aggressivit├Ąt. Ich wei├č, dass sie Karola daf├╝r bewundert hat. Diese St├Ąrke hat sie sich immer gew├╝nscht, obwohl ich sie doch viel mehr f├╝r ihre eigenen St├Ąrken bewundert habe, die sie nie selbst erkannt hat.
Das letzte M├Ądchen kenne ich nur fl├╝chtig, es ist eine ihrer Cousinen. Ich habe sie nur ein Mal mit ihr gesehen. Ihr Name ist Tabea oder vielleicht Theresa, ich bin mir nicht so sicher.
Mittlerweile sind sie weitergegangen. Karl hat ein Lied angestimmt, doch der Text dringt nicht zu mir herauf, doch erkenne ich die Melodie. Die beiden M├Ądchen lachen, als er den Ton nicht halten kann und somit eine Dissonanz zu h├Âren ist, die in ein so einfaches Lied nicht passt.
Mein Atem beginnt sich zu beruhigen und auch der Schwei├č auf meiner Stirn trocknet. Ich bin nun ruhig und folge dem Geschehen. Nur mein Herz beginnt schneller zu schlagen. In meinen Gedanken male ich mir das folgende Szenario aus und meine Mundwinkel ziehen sich zu einem sp├Âttischen Grinsen nach oben.
Karola macht den entscheidenden Schritt und die anderen folgen ihr. Karl hat inzwischen sein schl├╝pfriges Lied beendet und ich bin ihm dankbar. Es h├Ątte die kommende ├ťberraschung nicht w├╝rdevoll eingeleitet. Ich wei├č, was sie angelockt hat, warum sie sich dem Container n├Ąhern. Wahrscheinlich sind Karola die Unmengen an Fliegen aufgefallen, die sich ├╝ber dem Beh├Ąlter sammeln. Durch sie wei├č ich, dass Karola Insekten absto├čend findet und sie jede Gelegenheit nutzt sie zu zerquetschen.
Sie gehen langsam auf den Container zu und ich kann die Aura der Angst, die sie umgibt, beinahe sehen. Die Cousine klammert sich ├Ąngstlich an Karl. Sie ist mit ihm zusammen, eine Fernbeziehung. Als sie es erfahren hat, war sie tagelang betr├╝bt gewesen.
Sie z├Âgern, als sie die Leiter sehen. Ich kann auf die Entfernung den Gesichtsausdruck nicht deutlich genug sehen, doch ich vermute, dass letztendlich Karola sich aufraffen und die Stufen nach oben steigen wird. Meine Hand tastet das Gras neben mir ab. Erleichtert atme ich auf, es ist noch da. Bald werde ich es brauchen.
Nun dauert es Karola zu lange und sie steigt die Leiter hinauf. Sie ist wackelig und rostig. Auch ich war vor einiger Zeit dort oben gestanden. Meine Hand hat es nun fest umklammert und ich ziehe es an mich heran, Karola nicht aus den Augen lassend.
Ein Schrei unterbricht die Stille und ich sehe, wie Karola blasser wird und schwankt. Das habe ich vorausgesehen, sogar fest damit gerechnet. Dieser Schrei bedeutet, dass ich meine Arbeit gut getan habe.
Ich sehe, wie Karola f├Ąllt. Karl reagiert unglaublich langsam, doch schafft er es noch rechtzeitig, sich von seiner Freundin loszurei├čen, und Karola aufzufangen. Ich entsichere und warte auf weitere Reaktionen. Karl ist mit Karola besch├Ąftigt, er wird hoffentlich nichts merken. Seine Freundin steht weiterhin wie angewurzelt da und r├╝hrt sich nicht. Ich lege an und kurz erscheint ihr Bild vor meinem Innerenauge. Danach w├Ąre sie wieder frei gewesen. Ich dr├╝cke ab. Kurz darauf f├Ąllt Karls Freundin auf den schlammigen Boden.
Karl f├Ąhrt herum und rennt auf seine Freundin zu. Er ist zu sp├Ąt, ich bin ein guter Sch├╝tze. Karola sitzt wie benommen auf dem Boden und starrt ins Leere. Ich lege erneut an und wieder habe ich ihr Bild vor Augen. Nun l├Ąchelt sie sogar. Mein Finger kr├╝mmt sich und gibt dem Drang nach. Ein weiterer Schuss f├Ąllt und mit ihr der aufrechte Oberk├Ârper Karolas.
Karl zuckt wieder herum. Schade, dass ich sein Gesicht jetzt nicht sehen kann. Die vielen Male, die er mich so sch├Ąbig behandelt hat, als sei ich weniger Wert, als der Dreck unter seinen Fingern├Ągeln. Nun machen sich die vielen Stunden im Sch├╝tzenverein bezahlt. Wie sehr sie doch ├╝ber mich gelacht haben, als sie es herausgefunden haben. Er allen voran. Nun sitzt er im Dreck, ├╝berschwemmt von Panik und Angst und ich habe die Macht ├╝ber ihn. Er wei├č es nicht und diese Ungewissheit muss ihn bestimmt rasend machen.
Ich lege ein letztes Mal an. Danach wird alles vorbei sein. Normalerweise mag ich es nicht, auf unbewegliche Ziele zu schie├čen, doch dieser Fall ist eine Ausnahme. Schneller als zuvor dr├╝ckt mein Finger den Abzug durch. Ein letztes Mal sehe ich ihr Gesicht. Sie l├Ąchelt und streckt mir auffordernd ihre Hand entgegen. Dann ist sie verschwunden und Karl schwankt und f├Ąllt.
Meine Aufgabe ist beinahe erledigt. Ich werde sie noch wegr├Ąumen m├╝ssen. Sie sollen kein so sch├Ânes Bett bekommen, wie sie. Ihre Freunde haben es nicht verdient so sanft gebettet zu werden. Ich laufe den H├╝gel hinunter, mein Gewehr geschultert.
Dann schleife ich einen nach dem anderen zur Jauchegrube. Mit einem lauten Platschen versinken drei K├Ârper in der tr├╝ben, braunen Fl├╝ssigkeit. Ein letztes Mal beschlie├če ich sie mir anzusehen. Meine Beine steigen sicher die wackeligen Stufen der Leiter nach oben und ich sehe hinab. Dort liegt sie. Gebettet auf Rosen und Lilien. Man k├Ânnte glatt meinen, sie w├╝rde nur schlafen, w├Ąre da nicht das Loch in ihrer Stirn.

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Claudia Donno
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Mar 2004

Werke: 7
Kommentare: 20
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Hallo Isa

eine eindr├╝cklich Geschichte hast du da geschrieben.
Nur an einer Stelle hast du ein Wort zuviel (Nun hat dauert es Karola zu lange und sie steigt die Leiter hinauf.

gr├╝sse Claudia

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