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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Schwarzer Krauser
Eingestellt am 17. 05. 2001 20:46


Autor
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Dulcinea
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2001

Werke: 5
Kommentare: 10
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Montag Nachmittag 16.30 in O.

Wenn so ein Schwarzer in den Laden kommt, Neger darf man ja nicht mehr sagen, und es soll ja jetztsogar Diskussionen ├╝ber die Umbenennung der Negerk├╝sse oder Mohrenk├Âpfe geben, also wenn so ein Schwarzer in den Laden kommt, dann drehen schon sehr viele Leute den Kopf entweder zu ihm hin aus Neugier oder von ihm weg, wer wei├č warum. Und viele fragen sich dann sicherlich, was der Schwarze hier im Laden will, denn wahrscheinlich ist das ein Asylant oder ein Asylbewerber, das darf man ja nicht in einen Topf werfen, und was will der schon in einem Buchladen? Und wenn der dann nur einen Stadtplan kauft, dann tuscheln hinten in der Ecke bestimmt wieder welche, die genau wissen, da├č das ja nur ein Drogendealer ist, der den Stadtplan f├╝r seine Gesch├Ąfte braucht, denn womit kann so ein Schwarzer denn hier schon seinen Lebensunterhalt auf ehrliche Art und Weise verdienen. Das fragen sich einige, und einige wissen darauf auch eine Antwort. Aber wenn dieser Schwarze dann ein normales Buch kauft, also eines, in dem man richtig lesen kann, dann staunen auch einige, weil die dann nicht verstehen k├Ânnen, was der Schwarze mit dem Buch will. Und auch dann, wenn der Schwarze keinen Stadtplan gekauft hat, den er ja f├╝r das Auffinden seiner Drogenumsatzpl├Ątze braucht, also wenn dieser Schwarze ein richtiges Buch gekauft hat, sogar eines in normaler deutscher Sprache, dann dr├╝cken sie ihre Nasen platt an der Scheibe und wundern sich trotzdem, weshalb der Schwarze auf ein Fahrrad steigt, nicht in einen Jeep oder einen ├Ąhnlichen Zuh├Ąlterwagen. Und dann tuscheln sie und sind sich ziemlich schnell einig, da├č das Fahrrad geklaut und au├čerdem nur Tarnung ist. Und sie fragen sich in dieem Zusammenhang auch, warum man die Goldkettchen und die Rolex nicht gesehen hat, als der Schwarze im Laden war, und sie fragen mich, ob ich denn nichts gesehen habe, und sie vergessen nicht zu fragen, was f├╝r ein Buch der Schwarze denn gekauft hat.

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leonie
Guest
Registriert: Not Yet

Hi Dulcinea

Du beschereibst treffend, wie schnell Menschen in ihrer ├ťberheblichkeit, mit Vorurteilen und manchmal besch├Ąmender Neugier reagieren. Sie kennen einen nicht,aber wissen alles.
Das hat mir gut gefallen.
liebe Gr├╝├če leonie

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Renee Hawk
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 17
Kommentare: 1142
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Hallo Dulcinea,

also wenn ich die Vermutung anstelle, warum ein Schwarzer ein Buch in deutscher Sprache kauft, w├╝rde ich mir selbst die Antwort geben: "Rene├Ę - du Dappes, er liest das Buch." Also ich fand die Geschichte sch├Ân anschaulich, was doch so in den K├Âpfen einiger Menschen vor geht, wissen wir aber leider nicht genau, und ich denke, das du durch Beobachtung genau das zum Vorschein gebracht hast.

Liebe Gr├╝├če
Rene├Ę

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
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auch

mir gef├Ąllt die geschichte sehr gut. ich habe ├╝brigens einen spruch an der wand: "Der liebe Gott sieht alles, die Nachbarschaft noch mehr". ich finde solche leute zum kotzen. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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Neziri
Festzeitungsschreiber
Registriert: Dec 2000

Werke: 8
Kommentare: 120
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H├Ątt' ich's nicht schon am eigenen Leib erfahren, h├Ątt' die Geschichte f├╝r mich vielleicht sogar ein Schmunzeln in der Hinterhand gehabt, es auf meine Lippen gezaubert und mich wohlwollend nicken lassen.
So aber kann ich nur sagen, da├č du eine treffende Beschreibung der breiten Masse geliefert hast, ohne dabei zu l├Ącheln, denn Erinnerungen sind oft bitter. Sch├Ân durchgezogen der Stil, solide Qualit├Ąt. Gute Geschichte, gut geschrieben, und leider nur all zu wahr.
__________________
Aslan Neziri
'Beware the fury of a patient man.' (John Dryden)

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