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Leselupe.de > Horror und Psycho
Schwarzer Lidstrich
Eingestellt am 24. 11. 2002 12:59


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bluesnote
One-Hit-Wonder-Autor
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Schwarzer Lidstrich


Nona hatte genug. Die Natur stattete sie aus mit einem koketten, stupsn├Ąsigen Gesicht und einem K├Ârper, der … Begierden weckte.
Zumeist Begierden der m├Ąnnlichen Kundschaft in dem Eiscafe, das Nona als Serviererin besch├Ąftigte.
Der letzte Gast zog die Schleife ihrer Sch├╝rze auf.
Es reichte...!

Es reichte soweit, das sie ihren angestammten Pub unter der Woche aufsuchte und Whiskey on the Rocks bestellte, ...den zweiten!
Und das mu├čte f├╝r heute der letzte sein, den sie vertrug nicht viel. Ab 13 Uhr hatte sie Mittwochs frei, sie sa├č ganz hinten am Tresen in der einsamen Kneipe, drehte ihr Glas, das Eis schmolz ...wenn das auch ihre Wut tun w├╝rde!
Nur..., sie tat es nicht und sie w├╝rde heute den dritten Whiskey bestellen und morgen verkatert zum Dienst erscheinen. Nona stand auf, warf eine M├╝nze in die Juke-Box. Norah Jones sanfte Stimme brachte – Come away with me. Smooth!

> Ich wei├č deine Gedanken, Nona! <

Nonas Drink war erst zur H├Ąlfte geleert und sie h├Ârte bereits Gespenster, sie suchte im D├Ąmmerlicht die Sitzreihen ab.
Gr├╝n├Ąugige Katze, schwarzes Haar, schwarzes Leder. Vamp voller Klischees – das tue ich nur f├╝r dich, Nona!

Die Frau, die in der Ecke vor einem Stormy Eagle sa├č, bewegte ihre Lippen nicht, und trotzdem verstand das junge M├Ądchen.
Konnte das sein? Nona war’s im Moment egal, die Erscheinung faszinierte.
Die Katze in Leder stand auf, nahm ihr Glas mit der nachtblau schimmernden Fl├╝ssigkeit und kam geschmeidig auf das M├Ądchen in Jeans zu.

> Schwarzer Lidstrich, bleiche Wangen...<
> d├╝stere Gedanken nehmen mich gefangen! <

Nona vollendete die Zeile. Gr├╝n funkelte auf, der Vamp zeigte auf ihren Hals, > du tr├Ągst das Zeichen. Wir m├╝ssen uns unterhalten! <

- Was soll das, hier im Dienst legst du so was ab!
Das verkehrt herum an der Kette baumelnde Kruzifix war immer schon ein Dorn im Auge ihres Chefs. Und so sollte es kommen.
Er war auch einer dieser Grapscher ...wenn seine Frau nicht hinsah!

Viel zu tun im Cafe. Nona bemerkte es nur fl├╝chtig, aber ihr Chef sortierte an der Ladentheke h├Âlzerne Spie├če. Ein Anruf hielt ihn auf.
Nona nahm eine Bestellung auf und ging dann zu den Spie├čen, die sie verteilten, damit die G├Ąste Fr├╝chte aus ihren Cocktails fischen konnten.
Sie nahm die s├Ąmige Kirschso├če – tu es – , fl├╝sterte eine leise Stimme in ihr. Als w├Ąre es nicht sie selbst, schaute sie zu, wie ihre Hand nach der Karaffe griff. Ein dunkler Fleck ergo├č sich auf den Boden. Der Inhaber kehrte zur├╝ck.

Nona konnte wegen der Kunden nicht immer darauf achten, ein irrer Schrei hinter ihrem R├╝cken. Sie eilte zu ihm, der Delinquent lag am Boden, ein Spie├č steckte gef├Ąhrlich tief in seinem rechten Auge. Rot flo├č zu Rot! ...sieh meine Rache.

Wochenende! Das Grau wird abgewaschen.
Nona stieg aus der Dusche. Sie besa├č ein Faible f├╝r dunkle Szenerien.
Schwarzer Lidstrich, schwarz die Lippen. Ihr Gesicht schminkte sie bleich und dann hinein in die schwarzen Klamotten.
Es war ein Unfall, hatten sie gesagt. Nona l├Ąchelte.

Jemand erwartete sie. Aber das M├Ądchen ging nicht mehr zum Friedhof. Nona ging schon lange nicht mehr dorthin. All die bleichen Gesichter, die wie in einem Kasperletheater hier und dort ├╝ber einen Grabstein auftauchten, t├Ârnten sie nicht mehr an.
Nona erwartete von nun an mehr. Die Wohlgef├Ąlligkeit der H├Âlle und ihr Lob. Sie kannte jetzt jemanden, der ihr das erm├Âglichen konnte. Oh Nona!

> Oh Nona! Einen Tropfen dunkles Blut aus unseren Adern. Und wir machen jeden Mann untertan. Niemals lassen wir zu, das sie uns ├╝berlegen sind! <
Ihr Treffpunkt war das Gel├Ąnde einer Industrieruine; eines Konzerns, der wie alle anderen auch erst am Arbeiter verdiente und ihn dann im Stich lie├č. Gruben und Kan├Ąle durchzogen wie wild gewachsene Kapillare die Erde. Rostiger Stahl ragte in die runde Scheibe des Mondes.
> La├č mich deine Mutter sein. Deine F├╝hrerin durch die dunklen Seiten der Welt! Hilf mir und la├č uns hier die neue Stadt Selene gr├╝nden! < Nona sagte zu, ein herber Bi├č besiegelte ihr Schicksal. Oh Nona!

Der s├╝├če Schmerz lie├č sie stranden, nein, nicht am Rande dieses Universums. Inmitten der Dunkelheit wurde sie unter einem anderen Stern wieder geboren. Ach was, nein.
Das Gef├╝hl dabei konnte sie nicht beschreiben. Es war ihr nicht m├Âglich, eine Metapher heraus zu suchen, wie ein Kleid aus dem Schrank. Verwandelt waren sie in Panther, die Erde war diese eine Nacht ihr h├Âllisches Paradies, bedeutete ihnen soviel wie der Garten Eden Adam und ...?
Zwei Raubtiere striffen durch die Nacht, rissen Einsame und Verirrte; legten Bi├č f├╝r Bi├č den Grundstein f├╝r die Wiederauferstehung der Stadt Selene.

Bericht aus dem Ruhrblitz:

Meldungen ├╝ber Vermi├čte nehmen zu

Laut einem Bericht der Polizei nehmen die ├Ârtlichen Vermi├čtenf├Ąlle ( RB berichtete ) in den letzten Tagen weiter zu.
Wie ein Polizeisprecher mitteilte, gibt es bisher noch keine hei├če Spur...

Bei dem Begriff „Spur“ erwachte Nona aus dem Traum.
Mittwoch. Zeit, zur Arbeit zu gehen.
Sie war auf dem Weg zum Cafe, alles nur getr├Ąumt? Sie mu├čte sich beeilen, m├╝├čig, sich jetzt Gedanken ├╝ber irgend etwas zu machen.
Nona schritt an ihrem Pub vorbei – schwarze Katze, bleib hinter deinem Fenster! Das Gr├╝n einer Ampel reflektierte im Glas.
Pl├Âtzlich blieb sie stehen. Woher kannte sie diesen Namen. Den Namen dieser Stadt – Selene?
> Moin Nona – Schatz! Nimm dieses P├Ąckchen mit. Es ist f├╝r dich hier abgegeben worden. < Der Wirt sprach das M├Ądchen an.
- F├╝r meine Freundin Nona - , stand darauf zu lesen. Die Neugier siegte, um die Ecke stand eine Bank f├╝r die Alten. Sie w├╝rde zu sp├Ąt kommen, doch Nona wollte schauen, was ihr irgend wer schenkte.
Folgendes war in dem Paket enthalten:

Eine kleine Glocke aus fein ziselierten Kristallglas, ├╝beraus kunstvoll gefertigt.
Eine in Zinn gegossene Szene. Ein Tiger, der am Herzen eines jungen M├Ądchens kratzt.
Dann war da noch eine Karte, darauf stand geschrieben:

Gru├č. Die gr├╝n├Ąugige Katze

P.S.: Bis heute Nacht, wenn ich dich dann hole!


Im Westen, die Nacht zum 24 November 2002




Das ist nicht das Ende. Bis zum Morgengrauen, dann mu├č dieser Teil der Geschichte geschrieben sein.
Dieses Limit hatte ich mir gesetzt. Die „Fachleute“ unter uns werden vielleicht ( wenn ich gut genug war ) eine Hommage an Paul Feval und dessen Vampirstadt Selene in den Text erkannt haben. Und den Hinweis auf eine D├Ąmonin, ├╝ber die ich immer schon schreiben wollte. Welche – Raten!
...und noch etwas, ich sollte beim Schreiben nicht mehr soviel Malzbier trinken!

Viele Gr├╝├če, Udo.






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Tekky
Festzeitungsschreiber
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Hi Udo,

erstmal ein paar Bemerkungen:

quote:
Sie nahm die s├Ąmige Kirschso├če – tu es – , fl├╝sterte eine leise Stimme in ihr. Als w├Ąre es nicht sie selbst, schaute sie zu, wie ihre Hand nach der Karaffe griff. Ein dunkler Fleck ergo├č sich auf den Boden. Der Inhaber kehrte zur├╝ck.

Nona konnte wegen der Kunden nicht immer darauf achten, ein irrer Schrei hinter ihrem R├╝cken. Sie eilte zu ihm, der Delinquent lag am Boden, ein Spie├č steckte gef├Ąhrlich tief in seinem rechten Auge. Rot flo├č zu Rot! ...sieh meine Rache

Ich finde diese Passage sehr interessant, allerdings noch nicht richtig ausgefeilt. Es wird nicht klar (mir zumindest), warum Nona die Karaffe nimmt und Kirschso├če auf den Boden sch├╝ttet. Und die Hornhaut der Augen ist ziemlich z├Ąh - ich wei├č nicht, ob man einem Mann so einen kleinen Plastikspie├č (oder ist es eher ein Zahnstocher?) ohne Weiteres ins Auge stechen kann, ohne dass sich dieser wehrt. Und ob er dann wirklich tot ist, bezweifle ich (in der Regel sterben sie dadurch, dass das hinter dem Auge ligenede Gehirn verletzt wird).

Dann
quote:
Zwei Raubtiere striffen durch die Nacht, rissen Einsame und Verirrte; legten Bi├č f├╝r Bi├č den Grundstein f├╝r die Wiederauferstehung der Stadt Selene.

Ich glaube, "striffen" gibt es nicht und es m├╝├čte "streiften" heissen.

Paul Fevals Vampirstadt Selene ist mir unbekannt, aber ich behaupte auch nicht, JEDE VampirStory zu kennen. Werde mal ein bisschen nachforschen und vielleicht Vers├Ąumtes nachholen .

Insgesamt gef├Ąllt mir Deine Story gut und ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Gruss
tekky





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Wenn es Sinn hat, etwas zu machen, dann hat es auch Sinn, es schlecht zu machen.(Gilbert Keith Chesterton)

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bluesnote
One-Hit-Wonder-Autor
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Nachbesserungen also notwendig

Hallo tekky
Vielen Dank f├╝r deine Anregungen.
Nach Durchsicht des Textes wurde mir bewu├čt, ich habe den provozierten Unfall nicht deutlich genug gezeigt.
Der Wirt hantiert weiter mit den Spie├čen, rutscht aus auf der Kirschsosse und einer der Spie├če ( nat├╝rlich aus extra langen Hartholz ) sticht ihm das Auge aus.
Symbolisch sollte hier Nonas neue Freundin als Helfer der Rache eingef├╝hrt werden. Praktische M├Âglichkeiten so eines Unfalles waren mir jetzt nicht so wichtig.
Im Nachhinein gef├Ąllt mir „streiften“ besser und richtiger.
Sieh bitte im Vampir Lexikon von Erwin J├Ąnsch nach.
Henry Ellender ergeht es oben im Zitat ├╝brigens auch nicht besser als mir: Seine gelben, "stumpfen" Augen gl├Ąnzten!
HHRR Udo

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