Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5538
Themen:   94766
Momentan online:
328 Gäste und 11 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Schweineliebe
Eingestellt am 01. 06. 2017 15:03


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Astoria
Nennt-sich-Schriftsteller
Registriert: Oct 2014

Werke: 13
Kommentare: 3
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Astoria eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Jolanda und Max

Max, das hervorragende, mit zahlreichen Diplomen ausgezeichnete erfolgreiche Zuchtschwein, der edle Eber und uneingeschr├Ąnkter Herrscher ├╝ber alles S├Ąue des Hofes, das m├Ąchtige Tier, wuselt gen├╝sslich brummend und schnarchend durch den selbstgemachten Mist vor sich hin. Er ist sich seiner St├Ąrke und seines Standes der Vorherrschaft voll bewusst, genie├čt dies und f├╝rchtet sich vor Nichts. Mit Feingef├╝hl und auserlesenem Geschmack sp├╝rt er die Leckerbissen im ├╝belriechenden Gemenge auf, das ihm andere Schweine wohlwollend hinterlassen haben. Noch hat er nicht die Unruhe mitbekommen, die sich unter seinen S├Ąuen breitmacht. Die jagen aufgeregt und quiekend kreuz und quer ├╝ber den Hof. Er ist viel zu sehr auf die leckeren Feinheiten im Mist Duft fixiert, als das ihn der normale allt├Ągliche Hausschweinl├Ąrm st├Âren k├Ânnte.
Da vernimmt er pl├Âtzlich das an die Nieren gehende m├╝tterliche Wimmern von Jolanda und den anderen S├Ąuen, die sich solidarisch deren wehleidigem Gesang angeschlossen haben. Gefahr im Umfeld? Das sch├Ąrft seine Herrschersinne.
Er wendet sich ihnen zu und begreift sofort, das entsetzliche Szenario das sich f├╝r ihn schon so oft vor seinen Augen zugetragen hat. Das Herausrei├čen der J├╝ngsten aus dem liebgewordenen Kreise der Familie, das herzzerrei├čende Zerst├Âren der zarten Bindungen die sich zwischen den Eltern, den Geschwistern, den Tanten und Onkels und all den anderen Verwandten entwickelt haben.
"Komm her Jolanda" grunzt er laut. "Schau nicht hin. Kannst das Massaker ohnehin nicht verhindern. Es ist nun mal so des Schweinelebens Lauf. Dazu sind wir geboren worden."
"Ja, aber die s├╝├čen, zarten, rosigen Kleinen, ohne Mutter. Werden sie sich zurechtfinden in der Fremde?"
"Die brauchen sich in der Fremde nicht mehr zurechtfinden, sich um Nichts mehr k├╝mmern.ÔÇť Schnarcht Max erz├╝rnt. ÔÇ×Das K├╝mmern, machen andere. Die hei├čen Metzger oder Fleischer. Auf alle F├Ąlle sind es gemeine, bedenkenlose Kerle die r├╝cksichtslos, gef├╝hllos ihr Werk verrichten. Ich hoffe nur, sie merken nicht allzu viel davon, unsere Kleinen. Noch nicht einmal eigene Namen haben wir ihnen geben k├Ânnen. ├ärgerlich!"
"Wei├čt du was aus unseren lieben, kleinen Kinderchen werden wird?" Fragt Jolanda weinerlich ihren Herrscher.
"Der Bauer hat gestern gesagt die Menscher wollen ein gro├čes Fressfest feiern und sich dabei die B├Ąuche mit zartem gut gew├╝rztem Spanferkelfleisch vollschlagen. Dazu brauchen sie mehrere auf einem Spie├č, sch├Ân braun gebratene Schweinekinder. Heul nicht Jolanda. Wir machen einfach Neue."
"Ja, aber weh tut es doch. Das war nun schon der f├╝nfte 11er Wurf. Ich kann nicht mehr."
ÔÇ×Na gut, dann setze dich zur Ruhe wie die Traudel, die Grete und die Else. Es gibt noch mehr S├Ąue. Mal sehen, wie es mit Frieda klappt."
"Und du schaffst das noch?"
"Na klar, ich schaffe alle. Du bist doch erst die neunte Sau, die ich regelm├Ą├čig begl├╝cke. Ich f├╝hle mich jetzt so richtig dicke im Saft. Und Spa├č machtÔÇÖs doch auch."
"Mir doch auch!" Schnorchelt Jolanda traurig versch├Ąmt und voller Sehnsucht vor sich hin.
"Ich komme darauf zur├╝ck, meine Liebe, du Sch├ÂneÔÇť und rubbelt seinen fetten Bauch gen├╝sslich an ihrem. Aber heute werde ich mich erst mal nach Frieda umsehen. Vielleicht ist sie in Stimmung und m├Âchte eine Familie gr├╝nden. Wird sich freuen, die Jungfrau."
Und so war wieder einigerma├čen Frieden hergestellt auf dem Hofe. Die S├Ąue hofften auf eine lustvolle Begegnung mit dem starken Max und gaben sich der gewohnten Besch├Ąftigung hin, dem Schn├╝ffeln und Suhlen im ├╝belriechenden Schlammloch des Hofes.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Wipfel
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Feb 2008

Werke: 58
Kommentare: 726
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Wipfel eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Astoria,
kann es sein, dass du Vegetarierin bist? Deine Geschichte ist ja fabelhaft. Und noch dazu eine, die mit erhobenen Zeigefinger daherkommt. Im Unterschied zu Äsop. Hier eine feine von ihm:

Rabe und Fuchs


Ein Rabe hatte einen K├Ąse gestohlen, flog damit auf einen Baum und wollte dort seine Beute in Ruhe verzehren. Da es aber der Raben Art ist, beim Essen nicht schweigen zu k├Ânnen, h├Ârte ein vorbeikommender Fuchs den Raben ├╝ber dem K├Ąse kr├Ąchzen. Er lief eilig hinzu und begann den Raben zu loben: ┬╗O Rabe, was bist du f├╝r ein wunderbarer Vogel! Wenn dein Gesang ebenso sch├Ân ist wie dein Gefieder, dann sollte man dich zum K├Ânig aller V├Âgel kr├Ânen!┬ź

Dem Raben taten diese Schmeicheleien so wohl, dass er seinen Schnabel weit aufsperrte, um dem Fuchs etwas vorzusingen. Dabei entfiel ihm der K├Ąse. Den nahm der Fuchs beh├Ąnd, fra├č ihn und lachte ├╝ber den t├Ârichten Raben.

Gr├╝├če von wipfel

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Werbung