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Leselupe.de > Horror und Psycho
Schwellenangst
Eingestellt am 18. 06. 2007 21:14


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LeoPinkerton
Schriftsteller-Lehrling
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Schwellenangst

Vor kurzem wurde ich durch eine kleine Zeitungsnotiz an ein Ereignis erinnert, das bereits mehr als zwanzig Jahre zur├╝ck liegt. Ein kleines Haus auf einem H├╝gel au├čerhalb meines Heimatdorfes sollte abgerissen werden. Seit mehr als f├╝nfzig Jahren hatte das Haus leergestanden. Es war den Besitzern nie gelungen, einen K├Ąufer daf├╝r zu finden. Etwas Unheimliches haftete dem Haus an und jeder, der seinen Fu├č ├╝ber die T├╝rschwelle setzte, hatte das unwiderstehliche Bed├╝rfnis, das Haus sofort wieder zu verlassen.

Am eigenen Leibe erfuhr ich dieses seltsame Ph├Ąnomen, als ich im Alter von zw├Âlf Jahren in unsere Dorfbande aufgenommen werden wollte. Die Aufnahmepr├╝fung bestand darin, eine Nacht lang alleine in dem Haus auf dem H├╝gel zu verbringen. Es wurde die schlimmste Nacht meiner Kindheit. Zusammengekauert, in eine Wolldecke gewickelt sa├č ich stundenlang im Eingang, denn weiter hatte ich mich ├╝berhaupt nicht vorgewagt. Es schien mir, als atme das Haus. Ein Atmen, das ich heute noch in manchen stillen N├Ąchten h├Âren kann. Vor allem die furchtbaren Schreie, die ich vernahm, machten mir Angst. Sie erinnerten an das Wehklagen von Menschen, die sich ganz in meiner N├Ąhe aufzuhalten schienen. Ich selbst jammerte laut vor mich hin, um die Schreie ├╝bert├Ânen zu k├Ânnen.
Zwei meiner Freunde wollten vor dem Haus Wache halten, damit ich mich nicht heimlich davon stehlen konnte. Beim ersten Sonnenstrahl kroch ich fast auf allen Vieren aus dem Haus. Meine Freunde waren nicht da. Ich war die ganze Zeit alleine an dem schrecklichen Ort gewesen.
Mein Ansehen in der Dorfjugend war schlagartig gestiegen. Ich wurde Anf├╝hrer der Dorfbande. Allerdings brauchte ich erst einmal eine ganze Woche lang, um mich von jener Nacht zu erholen. Fieberkr├Ąmpfe und schlimme Tr├Ąume suchten mich heim. Der Dorfarzt wu├čte keinen Rat und meine Eltern glaubten, ich m├╝├čte sterben. Niemand hatte ihnen von meinem Erlebnis erz├Ąhlt, denn wer das tat, galt als Verr├Ąter. Auch ich schwieg.
Obwohl ich mich dem Haus bis auf eine Entfernung von f├╝nfhundert Metern nicht mehr gen├Ąhert hatte, lie├č mich der Gedanke daran nie wirklich los. Ich glaubte, da├č es ein schreckliches Geheimnis barg, dem noch niemand auf den Grund gekommen war. Als ich sp├Ąter die Dorfbewohner oder meine Eltern auf das Haus hin ansprach, erfuhr ich nicht viel dar├╝ber. Wer es gebaut und bewohnt hatte war in der Gemeinde nicht bekannt, weil die schriftlichen Unterlagen dar├╝ber im zweiten Weltkrieg vernichtet worden waren. Wenn ich nach Ereignissen in Bezug auf das Haus fragte, ich wu├čte, da├č sich darin einmal zwei Wanderer erh├Ąngt hatten, so wollte niemand dar├╝ber reden. Man sagte nur: ÔÇ×Das Haus ist schon sehr alt. Vor dem haben wir uns auch schon als Kinder gef├╝rchtet. Am besten ist, man l├Ą├čt es in Ruhe.ÔÇť Alle sprachen davon wie von einem lebenden Wesen, was ich sehr gut nachvollziehen konnte, da ich sein Wesen in jener Nacht selbst kennengelernt hatte.
Die Zeit verging. Ich dachte schon lange nicht mehr an das Haus auf dem H├╝gel. In der nahegelegenen Stadt war ich seit einigen Semestern Student der Botanik und Zoologie. K├Ąfer und Insekten waren mein Spezialgebiet und ben├Âtigten meine ganze Aufmerksamkeit. Ich befa├čte mich gerade mit der Gattung der Hirschk├Ąfer. Mir fiel ein, da├č es au├čerhalb meines Dorfes im Sp├Ątsommer immer besonders gro├če Exemplare dieser Art gegeben hatte.
Also begab ich mich mit den n├Âtigen Instrumenten auf eine Exkursion. Ich war lange nicht mehr in den umliegenden Feldern und Wiesen des Dorfes gewesen. Die Stille der Landschaft wirkte beruhigend auf mich. Ich bewegte mich in einem Umkreis von einem halben Kilometer um das kleine Haus auf dem H├╝gel. Erinnerungen an meine Kindheit wurden wach, als ich es sah. Ich stellte mir vor, wie die heutigen Kinder darin eine Nacht verbrachten, laut jammernd, um die Schreie im Haus zu ├╝bert├Ânen. Ich am├╝sierte mich ├╝ber mein damaliges Verhalten. Wie leicht ist es doch, Kinder zu ver├Ąngstigen, da sie noch nicht in der Lage sind, Gespenstergeschichten dem Ursprung einer zu bl├╝henden Phantasie zuzuschreiben, dachte ich.
Innerhalb weniger Minuten f├Ąrbte sich der Himmel pl├Âtzlich grau. Dunkle Wolken zogen heran. Ich sah das Unwetter direkt auf mich zukommen. Ohne zu ├╝berlegen rannte ich auf das kleine Haus zu. Die ersten, dicken Tropfen ├╝berfielen mich zweihundert Meter davor. Heftiger Wind zerrte an meiner Ledertasche. V├Âllig durchn├Ą├čt erreichte ich den Unterschlupf. Ich st├╝rmte hinein und stand im Trockenen.
Alte M├Âbel standen herum, zum gr├Â├čten Teil schon verrottet. Holzwurm und Schimmelpilz hatten ihr Bestes gegeben. Auf seltsame Art empfand ich beinahe ein beruhigendes Gef├╝hl, in dem Haus zu sein. Meine Angst von damals erschien mir nur noch l├Ącherlich. Es hatte mich schon immer interessiert, wie das obere Gescho├č aussah, deshalb stieg ich vorsichtig die morsche Treppe hinauf. D├╝sternis umfing mich. Ich tastete mich im Halbdunkel weiter. Oben angekommen, fiel mein Blick zuerst auf einen T├╝rspalt, durch den ich in einen Raum hineinsehen konnte. Neugierig ging ich darauf zu. Drau├čen tobte mittlerweile ein Sturm, der wahrscheinlich Schlagzeilen machen w├╝rde. Das kleine Haus auf dem H├╝gel, das in mir stets nur Angst und Schrecken ausgel├Âst hatte, bot mir nun Schutz; ja ich empfand sogar eine gewisse Geborgenheit.
Ich betrat den Raum. Im glei├čenden Licht eines Blitzes wurde das Zimmer f├╝r den Bruchteil einer Sekunde taghell erleuchtet. Augenblicklich erfa├čte ich, was sich in dem Zimmer befand. Dem Blitz folgte ein ohrenbet├Ąubender Donner. Ich war starr vor Schreck. Im selben Moment drehte ich mich auch schon um, rannte los und prallte gegen die T├╝r. Sie war verschlossen. Ich griff nach der Klinke, r├╝ttelte daran, doch die T├╝r lie├č sich nicht ├Âffnen. Ich trommelte mit den F├Ąusten dagegen. Es war vergeblich. Fassungslos starrte ich auf das Holz, das als einziges im Haus nicht vom Holzwurm befallen zu sein schien. Ich sackte in mir zusammen wie damals, als ich jene Nacht unten im Eingang verbracht hatte. Vor meinen Augen erschien das Bild, das ich im Licht des Blitzes gesehen hatte.
Der Fu├čboden war ├╝bers├Ąt mit menschlichen Knochen. Angsterf├╝llt drehte ich mich um. Es war nicht dunkel im Zimmer. Ein winziges Fenster gab dem Raum etwas Licht, gerade so gro├č, da├č ein Hund bequem hinaus‑ und hineingelangen konnte. Angewidert bewegte ich mich durch die vielen Knochen auf das Fenster zu, darauf bedacht, nicht auf die Gebeine zu treten. Durch das Fenster sah ich drau├čen im Tal den Sturm w├╝ten. Ich drehte mich um.
Langsam wurde ich ruhiger. So ist das also, dachte ich. Wer sich nicht ├╝ber den Eingang hinauswagt in dein Inneres, wird dich auch niemals betreten. Aber wer dir n├Ąher kommt, den lockst du bis hierher. Ist er einmal in der Falle, schnappt diese zu. Dein Opfer wird dich nie wieder verlassen k├Ânnen.
Jedes Donnern, das direkt ├╝ber mir wie ein Peitschenschlag nieder ging, lie├č mich zusammenzucken. Ich sagte mir: Dreh nicht durch. Dies hat nichts mit Geistern und D├Ąmonen zu tun. Ich fragte mich, warum sich die T├╝r nicht ├Âffnen lie├č. Wahrscheinlich war der nach oben stehende Hebel auf der anderen Seite von selbst eingerastet, als die T├╝r zufiel. So sa├č ich in der Falle fest. Ich fragte mich, ob ich nun wie all die anderen elend verhungern m├╝├čte. Die Wahrscheinlichkeit, da├č jemand kam, um mich zu retten, war so gering, wie vom Blitz erschlagen zu werden. Niemals hatte sich irgendwer, den ich kannte, so weit ins Haus vorgewagt, und die es doch getan hatten, waren darin umgekommen.
Ich ├╝berlegte, wie ich mich aus meiner mi├člichen Lage befreien konnte. Das Einzige, was ich bei mir trug, war meine Ledertasche, in der sich drei tote Hirschk├Ąfer befanden, sowie die kleinen Pr├Ąparierinstrumente, die ich bei Exkursionen brauchte. Ich untersuchte die Ger├Ąte genau. Aber ich konnte damit nicht viel ausrichten. Das einzige, das halbwegs brauchbar war, war mein Taschenmesser. Zuerst dachte ich daran, die Holzt├╝r zu bearbeiten, aber ich fand keine Stelle, an der ich ├╝berhaupt richtig ansetzen konnte. Also entschied ich, mich mit dem Fenster zu besch├Ąftigen. Drau├čen hatte sich der Sturm beruhigt.
Ich begann mit meinem kleinen Messer an dem Gem├Ąuer herum zu stochern. Ich hatte Gl├╝ck, denn das Haus war aus Sandstein gebaut wie man es hierzulande noch lange nach der Jahrhundertwende getan hatte. Es war eine m├╝hsame Arbeit, die wahrscheinlich tagelang dauern w├╝rde. Ich hatte Hunger und vor allem Durst. Als es bereits dunkel war, arbeitete ich im Licht des Mondes weiter. Irgendwann in der Nacht begann ein Ger├Ąusch meine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Ich wu├čte, da├č ich es schon einmal geh├Ârt hatte; damals als Kind unten im Eingang. Es war das Atmen des Hauses. Doch als ich es jetzt h├Ârte, klang es schwer und laut. Und dann setzten die Schreie ein, die ich damals durch mein eigenes Wimmern versucht hatte zu ├╝bert├Ânen. Diesmal schrie ich selbst, denn das Wehklagen war n├Ąher als fr├╝her. Ich wu├čte, es kam aus diesem Raum selbst. Ich hielt mir die Ohren zu und kauerte mich unter dem Fenster zusammen. So verharrte ich die restliche Nacht, bis es d├Ąmmerte. Ersch├Âpft schlief ich irgendwann ein.
Als ich erwachte, begann ich sofort fieberhaft mit der Bearbeitung des Fensters. Mehrmals schnitt ich mich dabei. An meiner rechten Hand bildeten sich Blasen, und ich mu├čte die linke nehmen. Meine gr├Â├čte Sorge bestand darin, da├č mir das Messer abrutschen k├Ânnte und nach drau├čen in die Tiefe fiel. Immer ├Âfter mu├čte ich eine Pause machen, weil meine Kr├Ąfte nachlie├čen. Dann lag ich auf dem Boden und betrachtete die vielen Knochen vor mir. Ich versuchte anhand meiner rudiment├Ąren Anatomiekenntnisse die einzelnen Knochen zusammenzuf├╝gen, um festzustellen, wieviel Menschen hier bereits ihr Leben hatten lassen m├╝ssen. Ich gab es schlie├člich auf, da stets Knochen ├╝brigblieben.
Ich entdeckte, da├č ich nicht das einzige Lebewesen in diesem Zimmer war. Dicke Wanzen huschten ├╝ber den Boden. Mein Magen knurrte laut. Wieder kam eine Nacht, in der ich nicht schlafen konnte, weil die unertr├Ąglichen Schreie zur├╝ckkamen, um mich zu qu├Ąlen. Diesmal schrie ich nicht, sondern sagte: ÔÇ×Du bekommst mich nicht.ÔÇť Damit meinte ich das Haus, von dem ich mittlerweile glaubte, da├č es von Eindringlingen seinen Tribut forderte.
Der n├Ąchste Morgen brachte Regen. Ich hatte seit zwei Tagen nichts getrunken. Geistesgegenw├Ąrtig hielt ich mein Unterhemd aus dem Fenster, bis es durchtr├Ąnkt war von Regenwasser. Gierig saugte ich daran, um meinem K├Ârper die lang entbehrte Fl├╝ssigkeit zuzuf├╝hren. Dann machte ich mich daran, Wanzen zu fangen. Sie waren die einzige Nahrungsquelle, die mir zur Verf├╝gung stand. Es kostete mich einige ├ťberwindung, das Getier in den Mund zu stecken. Es knirschte unangenehm zwischen den Z├Ąhnen, als ich darauf bi├č. Ich mu├čte mich zusammenrei├čen, meine Mahlzeit nicht gleich wieder auszuspucken. Doch meine Vernunft sagte mir, da├č ich nur so ├╝berleben konnte, bis ich mir selbst oder jemand anderes hier heraus helfen konnte.
Mit meinem Messer hatte ich noch nicht viel an der Fenster├Âffnung verbreitert. Wenige Zentimeter nur waren es. Ich fragte mich, wie lange ich mich wohl von K├Ąfern und Regenwasser ern├Ąhren mu├čte. Am schlimmsten waren die Schwindelanf├Ąlle, die mich pl├Âtzlich ├╝berfielen. Meine H├Ąnde waren voller Blasen und Schnittwunden. Aber ich lie├č nicht von meinem Tun ab, immer wieder das Messer in den Stein zu bohren.
Am vierten Tag endlich hatte ich die Fenster├Âffnung so weit vergr├Â├čert, da├č ich meinen Oberk├Ârper hinauslehnen konnte. Aber mit den H├╝ften blieb ich in der ├ľffnung h├Ąngen. Ich mu├čte mindestens noch zwei weitere Tage damit verbringen, den Stein abzutragen. Ich machte mich wieder auf die Jagd nach Wanzen. In der Zwischenzeit waren auch die drei Hirschk├Ąfer in meinem Magen gelandet. Und dann passierte es. Das, wovor ich mich so gef├╝rchtet hatte. Beim Bearbeiten des Fensters rutschte ich mit dem Messer ab. Ich schnitt mir so tief dabei in die Hand, da├č ich es fallen lie├č. Lautlos fiel es in die Tiefe. Ich dachte, jetzt ist alles aus. W├╝tend richtete ich mich auf und begann das Haus zu verfluchen. Ich schrie so laut, da├č ich vor meiner eigenen Stimme erschrak.
Voller Verzweiflung trat ich immer wieder mit dem Fu├č gegen das Gem├Ąuer. Mit lautem Get├Âse brachen einige Steine heraus und fielen nach unten. Verbl├╝fft starrte ich auf die ├ľffnung. Sie bot mir gen├╝gend Platz, aus dem Fenster zu gelangen. Unter mir befand sich ein Abgrund von mehreren Metern. Ich wu├čte, da├č ich mir beim Aufprall s├Ąmtliche Knochen brechen konnte. Ich lie├č mich einfach fallen. Ersch├Âpft blieb ich liegen. Dann wurde ich bewu├čtlos.
Als ich aufwachte, lag ich in einem Bett. Meine H├Ąnde waren mit Mull verbunden. Neben mir sa├č meine Mutter. Sie l├Ąchelte. Ich bin entkommen, dachte ich nur.
Kinder hatten mich gefunden. Ich hatte recht mit meiner Vermutung, da├č die T├╝r von selbst zugeschlagen war. Aber die Knochen, die ich erw├Ąhnte, waren nirgends zu finden gewesen. Statt dessen lagen auf dem Fu├čboden des Zimmers zahlreiche, vom Holzwurm zerfressene Balken, die tats├Ąchlich ├ähnlichkeit mit menschlichen Knochen hatten. Die Ger├Ąusche des Hauses, das Atmen und die Schreie schrieb man meiner Angst zu. Wer vier Tage und drei N├Ąchte lang in einem Zimmer eingesperrt sei ohne Nahrung und Wasser, neige dazu, halluzinogene Wahnvorstellungen zu entwickeln.
Ich selbst aber glaubte daran, da├č ich die Erscheinungen im Haus tats├Ąchlich gesehen und geh├Ârt hatte. Wochenlang versuchte ich, jeden davon zu ├╝berzeugen, da├č ich nicht Opfer meiner Angst gewesen war. Ich wurde aus der Klinik entlassen mit dem Rat, so bald wie m├Âglich einen Psychotherapeuten aufzusuchen. Vernunftgem├Ą├č gab ich den ├ärzten recht, da├č dies n├Âtig war. In meinem tiefsten Innern aber war der Gedanke fest verwurzelt, da├č das Haus lebte.
Es kam der Tag, an dem das Haus abgerissen werden sollte. Ich lie├č es mir nicht nehmen, als Zuschauer daran teilzuhaben. Aufgeregt wie ein kleiner Junge und mit einer gewissen Genugtuung erwartete ich die Zerst├Ârung des Ungeheuers, das mich beinahe umgebracht hatte. Wie in Zeitlupe bewegte sich die riesige Eisenkugel des Baggers auf das kleine Zimmer zu, in dem ich gefangen gewesen war. Die Wand mit dem von mir vergr├Â├čerten Fenster brach in sich zusammen. Es war, als tr├Ąfe mich selbst die Kugel mit ihrer ganzen Wucht. Ein zweites Mal schlug sie zu. Die Wand fiel. F├╝r einen Sekundenbruchteil blieb die Zeit stehen. Dann folgte ein Geschrei und Wehen, wie ich es in jenen N├Ąchten vor langer Zeit vernommen hatte. Ich drehte mich um und rannte den kleinen H├╝gel hinunter immer weiter ohne anzuhalten. Ich hielt mir die Ohren zu, aber die Schreie verfolgten mich bis in den hintersten Winkel meiner Seele. Ich stolperte, raffte mich auf, stolperte wieder, bis ich nicht mehr in der Lage war, mich zu bewegen.

Die Schreie h├Âre ich immer noch. Sie verfolgen mich ├╝berall hin. Sogar bis in diesen Raum, in den man mich eingesperrt hat. Manchmal versuche ich, mit ihm zu reden, aber das Haus existiert nicht mehr. Man hat es zerst├Ârt. Fr├╝her, als seine Mauern noch standen, da h├Ątte es mir vielleicht geantwortet. Doch ich habe es nie nach seinem Schmerz gefragt. Nun bleibt mir keine andere M├Âglichkeit, als das Schreien zu ├╝bert├Ânen, indem ich selbst schreie. Niemand ist da, um mich zu h├Âren, denn mein Schreien schl├Ągt jeden in die Flucht. Etwas Unheimliches scheint mir anzuhaften und jeder, der auch nur einen Fu├č ├╝ber meine T├╝rschwelle setzt, hat das unwiderstehliche Bed├╝rfnis, mich sofort wieder zu verlassen.
__________________
Sich an die Zukunft zu erinnern, hei├čt, Gegenwart in Vergangenheit zu verwandeln. Leo Pinkerton

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Rumpelsstilzchen
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Tach Leo!

Nach kurzem Zwiegespr├Ąch zwischen Kurzgeschichtenredakteur und Horrorverweser (kurzer Dienstweg, da beider Sitz in einer Hirnschale) kamen wir ├╝berein, Deinen Horror Letzterem in Obhut zu geben.

Will Dich auch gleich das F├╝rchten lehren:

So r├╝cksichtsvoll wie Du eingestiegen bist, kommst Du mit dieser Pointe aus der Geschichte nicht raus.
Also entweder schmei├čt Du die Zeitung weg oder die Pointe. Meine Empfehlung w├Ąre die Zeitung weg zu werfen. Die ist morgen eh' von gestern.

Wenn Dir dann noch ein halbwegs gescheiter Titel einfiele, br├Ąuchte der Psycho in mir nicht l├Ąnger mit dem Idioten zu hadern, der einen so bl├Âdsinnig betitelten Text freigeschaltet hat... (kurze Nachricht an mich, dann ├Ąndere ich das Schild)

Du verstehst doch hoffentlich?
Herzlich willkommen ;-)

Schluss mit Maulen, muss Kater kraulen


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Rumpelsstilzchen
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Okay.
Vergiss den Schwachfug mit dem Titel.
Der Idiot in mir w├Ąre klar im Vorteil, wenn er seine m├╝hsam antrainierten F├Ąhigkeiten gelegentlich nutzte. Zum Beispiel zu lesen. MIT BRILLE!

Sorry.

Hat die Brille und der Schwellenangst den Horror genommen
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Marcus Richter
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Hallo Leo,

ganz netter Einstand, w├╝rde ich sagen, auch wenn die Geschichte noch etwas blass erscheint. Das Thema des Geisterhauses ist ja nun auch sone ganz alte Geschichte. Aber deshalb ja nicht schlechter als andere. Dass der Protagonist am Ende immer verr├╝ckt wird und in der Irrenanstalt landet, kennt man auch zur Gen├╝ge. Allerdings denkst du am Ende eine ganz gute Idee an(kam mir jedenfalls gleich in den Sinn, also glaube ich, dass du das auch im Kopf hattest), n├Ąmlich, dass das, was vorher in dem Haus war, am Ende im Protagonisten ist. Das nenne ich eine gruselige Idee; dass der Protagonist wei├č, dass das Haus jetzt in ihm ist.

Nat├╝rlich darf er so nicht einfach inner Klapse landen, bums aus. Da muss was kommen, irgendwas, ich wei├č nicht was. Sowas richtig gruseliges jedenfalls. Ich glaube, die Antwort darauf, steckt in der Geschichte selbst.

Beste Gr├╝sse,
Marcus
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Rumpelsstilzchen
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Armer Pinkerton.

Hast Dich in meinen Worten verfangen und wei├čt nichts damit anzufangen?

quote:
So r├╝cksichtsvoll wie Du eingestiegen bist, kommst Du mit dieser Pointe aus der Geschichte nicht raus.
Also entweder schmei├čt Du die Zeitung weg oder die Pointe. Meine Empfehlung w├Ąre die Zeitung weg zu werfen. Die ist morgen eh' von gestern.
Naja, ich geb's zu, ist Hochstilzisch.
Noch mal auf Deutsch:
Dein Einstieg ├╝ber einen durch Zeitungslekt├╝re inspirierten R├╝ckblick passt nicht zu dem mindestens potentiell (Marcus hat Recht, mach' was daraus!) dramatischen Ende. Der gelassene Erz├Ąhler zu Beginn ist am Ende ein traumatisiertes H├Ąufchen in der Psychopathenverwahranstalt, ohne dass es w├Ąhrend seiner Schilderung der Ereignisse eine Entwicklung dorthin gegeben h├Ątte.

Reicht das als R├Ątselhaftentlassungschein?

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LeoPinkerton
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Nachgedacht

Hi,

komme erst heute dazu, eure Kommentare zu kommentieren ;o)

Ich gebe zu, der Einstieg in die Geschichte - ist sehr einfach gestrickt - und liest sich im Vergleich zum Schlu├č tats├Ąchlich recht einfach. Vielleicht halte ich mich auch zu lange mit der Vorgeschichte des Protagonisten auf, statt gleich zum Kern der Sache zu kommen. Da kann sicher auch eine Menge gek├╝rzt werden.

Was den Schlu├č betrifft, so war dieser die schnellste und auch einfachste L├Âsung, die mir einfiel. Ich habe noch eine Variante im Kopf, die ich jetzt, nachdem ihr mich dazu angeregt habt, versuchen werde, zu Papier zu bringen. Das ist dann die echte Horrorvariante, Marcus.

Danke und bis dann, Leo
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Sich an die Zukunft zu erinnern, hei├čt, Gegenwart in Vergangenheit zu verwandeln. Leo Pinkerton

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