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Schwestern der Angst - eine Stalkergeschichte - nicht für Leser mit schwache Nerven
Eingestellt am 11. 11. 2011 16:07


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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Schwestern der Angst - eine Stalkergeschichte - nicht für Leser mit schwachen Nerven

Rezension zu:

Lydia Mischkulnig, Schwestern der Angst, Haymon 2010, ISBN 978-3-85218-642-9


Das ist kein Buch für zartbesaitete Seelen. Der neue Roman von Lydia Mischkulnig zeichnet das Psychogramm einer verhängnisvollen Schwesternbeziehung nach. Dabei beginnt alles recht harmlos.

Da ist Renate, die im übrigen uns die ganze Geschichte aus ihrer Sicht erzählt, was sie von Seite zu Seite nicht nur authentischer macht, sondern auch beklemmende und stellenweise regelrecht verstörende Gefühle auslöst, wenn man nämlich den psychotischen Gedankengängen Renates beim besten Willen nicht mehr zu folgen vermag.

Aufgewachsen bei den Großeltern in einem kleinen Ort in Osteuropa, holt die schon vor Jahren nach Österreich ausgewanderte Mutter Renate zu sich, als sie heiratet. Als kurz danach die kleine Marie geboren wird, gibt Renate all die Liebe, die sie selbst ihr ganzes Leben schon vermisst hat, an ihre Schwester. Schon an dieser Stelle wird deutlich, wie schräg und besessen von ihrer Idee der Fürsorge Renate handelt.

Solange Marie klein ist, kann sie sich nicht wehren, genießt die Hege durch ihre ältere Schwester auch zeitweise. Doch mit dem Älterwerden fühlt sie sich mehr und mehr eingeengt. Renate ihrerseits spürt, wie Marie sich selbständig machen möchte und reagiert panisch, entwickelt nun regelrecht psychotische Verhaltensweisen, die sich noch steigern, als Paul in das Leben von Marie tritt.

Renate, die selbst mit Paul geliebäugelt hatte, kann nunmehr in Paul nun noch den sehen, der Marie vergewaltigt, und vor allen Dingen sie ihr wegnimmt. Und nun beginnt eine Stalkergeschichte übelster Sorte. Auch das gerichtlich angeordnete Verbot, sich ihrer Schwester näher als 30 Meter zu nähern, hält Renate nicht davon ab, sich immer radikalere Methoden auszudenken.

Lydia Mischkulnig ist insbesondere durch die Entscheidung für die Form der oft beklemmenden Ich-Erzählung ein literarisches Meisterwerk gelungen, das mich von der ersten bis zur letzten Seite nicht losgelassen hat. Sie fühlt sich genial in die Gedanken- und Seelenwelt einer psychotischen Stalkerin ein, erzählt von einer verhängnisvollen Schwesternbeziehung in einer beeindruckenden Mischung aus Thriller und psychologischer Studie.

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