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Leselupe.de > Erzählungen
Schwierigkeiten, beim öffnen eines Fensters
Eingestellt am 02. 12. 2016 10:12


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NDQ
Hobbydichter
Registriert: Dec 2016

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Wie öffne ich ein Fenster

Langsam öffnen sich meine verkrusteten Augen. Verdammt, ich bin so müde. Ich atme angestrengt die mich umgebende, kalte Luft ein und spüre geradezu wie meine geteerten Lungenbläschen versuchen mein Blut mit Sauerstoff anzureichern. Dies gelingt aber nicht so gut wie erhofft. Mein Kopf, oder besser gesagt der Inhalt davon, schmerzt unvorstellbar. Um es in Worte zu fassen, es fühlt sich an als befänden sich dicke Würmer darin, die unbedingt an die frische Luft wollten.
Langsam fliest mir warmer Speichel über die Backen und in mein Ohr hinein. Wie gerne würde ich mir diesen aus dem Gesicht wischen, doch meine motorischen Fähigkeiten sind sehr stark eingeschränkt.
Eine lange Nacht habe ich hinter mir, von der ich nicht mehr allzu viel weiß. Was habe ich gemacht, wie komme ich hier her? Wo bin ich?
Ich liege auf einem Boden. Er ist verdammt kalt und ich kann mich nicht bewegen. Und ich sehe ein Fenster. Schöner, morgendlicher Sonnenschein strahlt durch jenes hindurch und brennt auf zärtliche Weise in meinen roten Augen. Ich höre Kinder die sich im freien Amüsieren und fröhlich lachen. Und ich liege hier. Gelähmt. Regungslos. Gebeutelt von einem unerträglichen Kopfschmerz.
Bei jedem Atemzug den ich mache ist ein kleines Rasseln zu vernehmen, dass darauf hindeutet, dass ich zu viel Tabak förmige Genussmittel zu mir genommen habe.
Ich schließe meine Augen und stelle mir vor, wie es ist zu rauchen. Diese unverständliche, menschliche Angewohnheit, die schreckliche Krankheiten mit sich bringt. Ich stelle mir vor wie ich am Morgen eine Kippe rauche. Die erste des Tages.
Während ich euphorisches Kinderlachen vernehme und feststelle wie das Leben um mich herum erblüht, liege ich regungslos auf einem kalten, gefliesten Boden und denke über eines der erheblichsten Laster der Menschen nach. Und mein Speichel fließt weiter in mein Ohr.
Eine Zigarette, das ist etwas feines. Du ziehst sie dir aus deiner frischen Schachtel heraus und wirfst sie dir mit einer lässigen Bewegung in den Mund. Du zündest sie dir an und merkst die Wärme, die von der Glut ausgeht. Und dann der Moment, in dem du den Rauch inhalierst und spürst, dass du deinen Körper eigentlich damit zerstörst, aber auch glücklich machst. Ich rauche eine imaginäre Zigarette.
Ich liege immer noch da und spüre, wie etwas in meiner Hosentasche vibriert. Was passiert mit mir? Sterbe ich gerade?
Es ist mein Mobiltelefon. Ich kann den Anruf aber nicht entgegen nehmen, ich bin ja gelähmt und weiß nicht mal warum. Wahrscheinlich könnte der Anrufer mir diese Frage beantworten aber...
Es klingelt und klingelt, und ich frage mich wie ich so dumm sein konnte und einen derart dummen Klingelton auszuwählen. Einfach dumm. Dieses dumme Handy. Aber es verstummt ziemlich bald. Dieses Handy. Handy. Eines der beschissensten Namen für ein Mobiltelefon überhaupt. Warum? Warum nennt man in Deutschland ein Mobiltelefon Handy? Und das nur in Deutschland? wieso nicht Mobi? Aber Smartphone ist nicht unbedingt besser.
Ich bin immer noch gelähmt. Ich fühle mich wie Stephen Hawking, der aus seinem Rollstuhl geschubst wurde. So liege ich da und kann mich nicht rühren, was zuerst schlimm ist, aber als ich eine fette Fleischfliege bemerke, zum blanken Horror wird. Dieses penetrante Geräusch, den dieses scheiß Insekt von sich gibt macht mich fertig. Ich sehe sie, diese verdammte Aas und Scheiße fressende Scheißfliege, wie sie immer wieder und unaufhörlich gegen die Scheibe fliegt und versucht sich einen Weg in die Freiheit zu ebnen. Immer wieder fliegt sie gegen die Scheibe. Immer und immer wieder. Und ich liege da. Wenn ich doch nur dieses verdammte Fenster öffnen könnte.
Sie krabbelt nun am Fensterstock herum und scheint sich nun damit abgefunden zu haben nicht hinaus zu können. Möglicherweise hat sie gemerkt, das es einfach nichts bringt mit voller Wucht und Kopf voraus gegen eine Scheibe zu fliegen. Stoisch und immer wieder.
Was denkt wohl so eine Fliege frage ich mich. Ich stelle mir vor ich bin eine Fliege. Eine fette Fleischfliege und wahrscheinlich mit allen möglichen Erregern übersät. Ich will hier raus und fliege immer wieder gegen eine unsichtbare Wand. Ich weiß nicht was das sein soll, ich weiß es nicht. Ich bin kurz davor in die Freiheit zu gelangen und werde dennoch immer wieder zurückgeschleudert. Ich sehe einen Haufen Scheiße, oder ein verwesendes Tier, was meine Leibspeise ist als Fliege, und erreiche es nicht, da sich vor mir eine unsichtbare und unüberwindbare Barriere befindet.
Möglicherweise bin ich momentan in keiner anderen Lage als dieser nervige Gliederfüßer, der immer wieder Kreise in diesem Raum dreht und mit Anlauf versucht, was zuvor gescheitert war. Und ich liege da. Nur meine Blutunterlaufenen Augen bewegen sich, folgen den ruckartigen Bewegungen meines Leidensgenossen.
Ich liege hier nun schon eine ganze Weile und frage mich langsam wo ich mich befinde. Was ist das für ein Ort? Unter dem Brummen und summen meines Kollegen sehe ich mich um, lasse meine Augen kreisen. Ich stelle mit dezenter Erschütterung fest, dass ich mich auf einer Toilette befinde. Auf einer mir gänzlich unbekannten Toilette. Und diese Tatsache beunruhigt mich. Auch dezent. Verdammt, was habe ich gemacht und warum bin ich gänzlich regungslos und warum zur Hölle stört mich das nur dezent? Unter nervösem Blinzeln, was eigentlich meine einzige momentan mögliche Gefühlsregung widerspiegelt, fliegt mir dieses fett, hässliche Vieh auf die Nase. Entsetzt und eben unbeweglich, schiele ich diesem Plagegeist in seine Fassettenaugen. Ich bekomme das Gefühl, dass dieses Tier mir etwas sagen möchte. Möglicherweise so etwas wie interanimale Konversation. Gibt es das Wort interanimal?
Sie Schaut mich direkt an, oder er, mit seinen, ich schätz mal so 300 Augen und will mir etwas sagen.
Langsam bekomme ich es mit der Angst zu tun, ich würde am liebsten aufstehen und weg rennen. Dieses Teil sitzt auf meiner Nase, das kitzelt, und der Speichel, den ich nun schon seit geraumer Zeit verliere, sammelte sich weiter in meinem Ohr.
Könnte ich doch nur aufstehen und dieses Fenster Öffnen, dieses Wesen zurück in die Wildnis schicken und mich in ein Warmes Bett begeben.
Ich versuche mehr zu blinzeln und zucke mit meinem Riechsensor um Bob, ich nenn die Fliege einfach mal Bob, los zu werden. Aber dieser blickt mich weiter ungerührt an.
Was ist das nur für ein Albtraum! Ich liege auf einem fremden Klo und werde von einer Fliege namens Bob fertig gemacht. Wie mich dieser Arsch anschaut, wie er mich durchdringt, als könnte er in die tiefsten Abgründe meiner Seele blicken. So als würde er jedes meiner Geheimnisse kennen. Ich muss ihn los werden. Die Zeit der Abrechnung ist da!
Stoßweise atme ich aus. Ich muss ihn da runter bringen, von meiner Nase. Immer wieder atme ich schnell aus . Immer und immer wieder. Fast wie eine Fliege, die immer wieder versucht durch eine Scheibe zu fliegen.
Und noch ein mal. Doch außer, dass mir Rotz aus der Nase läuft passiert nichts.
Genervt schließe ich meine Augen und versuche mich von dieser Tortour abzulenken. Denk denk denk.
Wie bin ich hier hergekommen, wo bin ich? Wurde ich entführt? Ich liege auf dem Boden einer verdammten Toilette und kann mich nicht bewegen?! Was ist das hier? Ich bin hier allein mit Bob! Und das ist eine Fliege. Werde ich wahnsinnig?
Ich höre wieder das lachen von kleinen Kindern, die sich vergnügt austoben und ab und zu erklingt der sonore Ton eines Autos, das irgendwo in der Nähe vorbei fährt. Und ich bin hier, allein mit meinem Gehirn und Bob. Die Sonne scheint mir durch das Fenster ins Gesicht, als würde sie sich über mich und meine momentane Situation lustig machen.
Diese scheiß Sonne, einhundertfünfzigmillionen Kilometer von der Erde entfernt und lacht mich aus. Ihre ausgesendeten Photonen brennen sich in meine Netzhaut. Scheiße.
Und doch macht sich bei mir Erleichterung breit, als Bob meine Nasenspitze verlässt und einen neuen versuch startet nach draußen zu gelangen. Immer und immer wieder knallt er mit seiner ganzen Masse gegen das Glas. Immer und immer und immer wieder. Aber wenigstens lässt er mich in Ruhe und durchbohrt mich nicht mit seinem unheimlichen Blick. Doch meine Misere ist immer noch die selbe und so langsam bekomme ich Durst. Wahrscheinlich bin ich durch meinen andauernden Speichelverlust dehydriert. In diesem Moment ist wieder meine Fantasie gefragt und die scheint zum jetzigen Zeitpunkt grenzenlos zu sein. Wie wärs den so mit einer Wüste, so wie die Sahara eine ist. Ich wandere geschwächt in ihr umher, unwissend wie ich hier hergekommen bin. Das passt ja ganz gut. Ich habe so einen Durst, meine Zunge klebt mir am Gaumen. Ich wandere in sengender Hitze, es ist mindestens sechzig Grad Heiß und nirgends wird der Anschein erweckt, dass es etwas zu trinken gibt. Ich wandere und wandere und laufe. Der heiße Sand sammelt sich in meinen kaputten Schuhen, die ich schon seit mehreren hunderten Kilometern mein eigen nenne. Geschwächt und kraftlos falle ich in den Dünen umher und das Ende scheint nah zu sein. Unausweichlich der Tod durch verdursten und unumgänglich das Ende in der Ödnis zu finden, würde ich hier sterben. Während die Sonne unerbittlich auf mich herabsträhle und meinem temporären Dasein auf dieser schönen Erd ein jähes ende bereiten täte, befände sich ein ach so prunkvoller Getränkestand in meiner unmittelbaren Nähe. Eingebettet in einen künstlich erzeugten und kühlen Schatten, würde eine wohlgeformte Maid, mir ein Schälchen von delikatem und kühlem Nass gereichen und es mir in meinen Ausgetrockneten Leibe gießen. Doch der unstillbare Durst meiner Selbst, wäre nicht getilgt in einem winzgen Tropfen feinen Wassers. Ein kühles Bier, das lob ich mir, vor allem in der Wüst, wo die Hitz regierend ist. Es sei den in der Nacht, da hat die Kält die Übermacht.
Oh man! Wenn ich mich nicht bald wieder regen kann, dann werde ich hier auf diesem fremden Klo verdursten. Bob wäre wahrscheinlich froh daran und würde Eier in meinen Kadaver legen. Vorausgesetzt er ist ein Weibchen, was ich nicht mit Sicherheit sagen kann. Ich kenn mich einfach nicht so gut aus mit Fliegen.
Wie lange bin ich schon hier? Bin ich gestorben und das hier ist die Hölle? Ich muss hier weg...
Schweißgebadet schrecke ich auf, als ich das Klopfen an der Tür vernehme. Ich bringe meinen Oberkörper in eine senkrechte Position und freue mich darüber, die Kontrolle zurück erlangt zu haben.
„Was machst du denn da drin“, höre ich eine Stimme. „Würdest du bitte auf machen?“
Ich bin verwirrt, wem gehört diese Stimme? Sie ist rauchig, staubig und ausgebeint, der von Bonnie Tyler nicht unähnlich. Oh mein Gott, mir wird immer mehr bewusst. Dieses Klo, ich war tatsächlich noch nie hier und die Dame dort draußen, die wie verrückt an die Tür hämmert möchte hier herrein.
Wer ist sie und wie sieht sie aus? Wie heißt sie?
„Hey, ist was passiert“, fragt sie.
„Ich...“
„Mach doch bitte die Tür auf“
Angestrengt fahre ich mir mit der Hand durch mein vom Speichel aufgeweichtes Gesicht und seufze.
Energisch schlägt die geballte Faust fortwährend auf das hellbraune Holz der Tür und erinnert mich an Bob, der durch ein Fenster möchte.
„Gleich, ich....“
Vorsichtig stehe ich auf und bekomme mich selbst im Spiegel zu sehen. Knallrote Augen blicken mich aus zwei Schlitzen an. Ich bin immernoch verwirrt, aber das Rätsel um meinen Aufenthaltsort lüftet sich so langsam. In meinem Schmerzerfüllten Kopf verbinden sich immer mehr Puzzle-teile zu einem Ganzen. Ich erinnere mich, wie ich hierher kam, auf diese Toilette und pissen wollte. Ich war auf jeden Fall sehr betrunken, das bemerke ich, als ich die gelbe Lache vor der Schüssel sehe, in die wohl sehr wenige Tropfen ihren Weg gefunden haben.
„Hey was ist den los da drin?“
Diese Stimme! Ich versuche ihren Tonfall einer Person zuzuordnen, aber das Ergebnis ist einfach nicht befriedigend. Das heißere Rasseln, als wäre eine dicke Schicht Dreck auf ihren Stimmbändern und diese kalte, mitleidlose Art ihre Worte aus zudrücken, machten mich wahnsinnig. Verschwommene Bilder des Vorabends spielen sich auf meinem Inneren Auge ab und mir wird Mulmig zumute. Ich sehe eine Dürre Frau, der ich meine Zunge tief in den Rachen stecke, als wollte ich ihren Mageninhalt probieren. Der imaginäre Geschmack von kaltem Tabakrauch durchzieht meinen Mundraum und verbindet sich mit dem Bild das ich von dieser Person habe, sodass mir unweigerlich schlecht wird.
Es wird weiter geklopft an der Tür, ich muss nun reagieren.
„Ich komm gleich mir geht’s nicht so gut“
„Das glaub ich“, sagt sie und dass völlig humorlos. Ich wollte das nicht! Sie ist an allem selbst schuld und hätte mich ja nicht mitnehmen müssen. Scheiße, ich werde nie wieder Alkohol zu mir nehmen. Ich nehme ein Handtuch, das an einem Heizkörper hängt und vernichte die Sauerei die ich hinterlassen hatte. Als ich alles aufgewischt habe und den Stück Stoff wieder aufhänge, da hoffe ich nur, dass ich diese Person nie wieder zu Gesicht bekomme.
Als ich die Tür öffne, da fährt mir der Schock auf einmal in alle Glieder und bekomme das Gefühl jeder Zeit wieder Ohnmächtig zu werden. Vor mir steht eine Frau, circa 25 Jahre alt, mit verpickeltem Gesicht und nur leicht bekleidet. Sie ist so dürr und blass und hässlich. An ihrer Hüfte und an ihren Schultern, stehen die Knochen hervor, als würden sie die dünne weiße Haut in Kürze durch bohren. Würde man einen BH und einen Slip an einen Besenstiel hängen, würde das glatt als ihre Schwester Durchgehen.
Wie versteinert stehe ich vor ihr und starre auf ihren fahlen gefühlskalten Gesichtsausdruck.
„Ich muss aufs Klo“, fiest sie mich an und geht an mir vorbei.
Wie ferngesteuert gehe ich, immer noch leicht schwankend in das Schlafzimmer nebenan. Ich muss mir etwas anziehen und dann verschwinden. Am besten das Land verlassen und einen Neustart wagen. Vielleicht in Kanada, oder am Pazifik. Genau, der Stille Ozean wird mir helfen über das alles hinweg zu kommen, da man davon erzählt, er habe keine Erinnerung. Ich geh einfach da hin, wo der eine von Die Verurteilten war. Andy Dufrain.
Aber zuerst brauch ich frische Luft und gehe an das Fenster um es zu öffnen. Langsam spannt sich mein Bizeps an und zieht meine Hand nach oben. Mein Finger spreizen sich vom Ballen ab und kommen dem Griff immer näher. Vorsichtig berühre ich das kalte Metall und umschließe es sanft. Als ich es fest halte drehe ich mein Handgelenk zur Seite und drehe den Griff um Neunzig Grad nach Rechts. Ein stilles Klacken vergewissert mir nun, das ich das Fenster nun öffnen kann. Ich ziehe es zu mir her und bekomme eine sanfte Brise ins Gesicht. Der lauwarme Wind fegt mir über meine Nase und meine Lippen und lässt mich das geschehen fast vergessen. Ich höre die Schreie der Vögel im Wind und sehe dicke weiße Wolken, die gemächlich ihre Bahnen ziehen und vernehme wieder einmal den Klang vergnügter Kinder. Da frage ich mich wiedereinmal wo ich bin, während ich angestrengt durchatme und meine geschundene Lunge mit Luft fülle. Da spüre ich plötzlich die Nähe dieser Person hinter mir. Als ich mich umdrehe, betritt sie gerade den Raum und macht mir Angst. Wie sie langsam auf mich zu kommt, diese Mensch-Besen-Chimäre. Wenn sie noch ein Pfund mehr hätte, wer weiß, dann wäre sie bei der Miss Äthiopien Wahl vorn mit dabei. Ein kalter Schauer wandert an meinem Rücken herunter und sämtliche Haare stehen mir zu berge, als ich die blauen Äderchen an ihrem ganzen Körper sehe. Sie kommt immer näher und ich versuche den Raum hinter mir auszunutzen und ihr zu entfliehen, als ich mich auf die Fensterbank setze. Sie kommt näher und näher und ich weiß nicht was ich machen soll. Als sie ihre Arme auf meinen Beinen ablegt, schubse ich sie reflexartig von mir und komme gewaltig aus dem Gleichgewicht. Ich versuche mich mit meiner Linken an der Gardine fest zu halten und rudere mit der anderen wie verrückt, doch dies war alles ohne nutzen. Sie versucht mich an den Beinen fest zu halten, aber eine Frau mit 45 Kilo hat wahrscheinlich Probleme eine Zigarette an den Mund zu führen, und so falle ich mit der Gardine in der Hand in die unheilvolle Tiefe. Ich sehe noch, wie sie mir verwundert hinterher blickt und wie Bob an ihr vorbei in die Freiheit schwirrt.
Langsam frage ich mich ob ich immer noch Träume.
Wie in Zeitlupe falle ich rückwärts dem Boden entgegen und....

The Aftermath

Vorsichtig öffne ich die Augen. Alles ist verschwommen. Ab und zu höre ich ein Piepen, aus meiner Nase kommt ein leichtes Pfeifen wenn ich einatme, aber sonst war da nichts!
Wo bin ich?
Ich bin aus dem Fenster gefallen, so viel ist Klar! Und dann?
Ich bin im Krankenhaus! Langsam erlangen meine Augen ihre Sehfähigkeit wieder zurück und mein Verdacht wird bestätigt. Ich liege in einem Krankenhaus und kann mich nicht bewegen!
Schläuche kommen aus meiner Nase heraus und andere führen in meine Arme hinein, an deren anderen Ende sich irgendwelche Flaschen befinden, mit irgendwelchen Flüssigkeiten. Und ich bin nicht allein. Ein anderer Patient liegt links neben mir und wird künstlich beatmet. Demnach geht’s mir scheiße, aber nicht so scheiße. Aber warum kommt den kein Arzt oder so, ich bin doch so allein und weiß nicht wo ich bin. Frustriert und erschüttert zugleich, drehe ich meine Augen nach rechts und bemerke ein großes Fenster, das mir einen zaghaften Blick nach draußen gewährt. Leichter Regen prasselt an die Scheibe und läuft in Schlangenlinien an ihr herunter. Ein starker Wind peitscht ein paar Bäume hin und her und lässt die Kulisse wild und unbändig erscheinen. Der krasse Gegensatz zu hier drin. Doch plötzlich wird die Stille, abgesehen von den Geräuschen der Maschinen, durchbrochen von einem aufdringlichen Summen.
Eine fette, bläulich schimmernde Fleischfliege fliegt an mir vorbei und knallt gegen das Fenster, immer und immer wieder. Und ich frage mich wieder einmal, wie öffne ich dieses Fenster.




__________________
NDQ

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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

Werke: 65
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