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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Schwierigkeiten
Eingestellt am 27. 04. 2002 08:37


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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Schwierigkeiten?

„Du solltest mir schon alles sagen!“ Sie sa├č an seinem Bett, wie stellte sie sich das vor?
Ihr alles sagen, das hie├če die Anderen verraten, die ihm t├Ąglich vor der Schule auflauerten. Sie w├╝rde nicht locker lassen, immer wieder w├╝rde sie in ihn eindringen, bis es endlich heraus war, das, was er f├╝r sich behalten wollte und ihn so qu├Ąlte. „Lieber ersticke ich daran, als ausgerechnet ihr das zu sagen!“ beschloss er f├╝r sich. Er kniff die Augen zu, stellte sich schlafend.

Mutter wusste schon, dass Daniel hier eine Schau abzog, aber was wollte sie machen. Sie kannte ihren Jungen und wusste, da stimmt was nicht. Hoffentlich war er nicht in irgendwelche krummen Gesch├Ąfte verwickelt. Mit einem Trick wird er es mir vielleicht erz├Ąhlen, ├╝berlegte sie, doch was, wenn es ihm leid t├Ąte. Nein, er musste es ihr schon freiwillig gestehen, was ihn so beunruhigte. Sie sah es doch an seinen Noten, die waren um Klassen schlechter geworden! Es bedr├╝ckte ihn etwas und zu gerne h├Ątte sie herausgefunden, was es war.

Daniel hatte es am Morgen sehr eilig zur Schule zu kommen. Er packte sein Br├Âtchen unbelegt in die Tasche und sah recht blass aus.

Frau Hiller wollte ihrem Sohn unauff├Ąllig folgen, so ginge es nicht weiter. Mit dem Fahrrad war das am besten m├Âglich, sie hatte es schon bereit gestellt.

Sie brauchte nicht lange radeln, als an der n├Ąchsten Hausecke schon drei Jugendliche Daniel den Weg versperrten und mit ihm zur Schule gingen. „Mein Gott! Kann ich da nicht einschreiten?“ dachte sie bei sich, aber sie hatte es sich selbst verboten, etwas zu unternehmen. Daniel sollte freiwillig zu ihr kommen und sich ihr offenbaren.

„Ich werde es nicht k├Ânnen!“ sagte sie auf dem Nachhauseweg zu sich. Er wird es mir nicht sagen, seine Angst ist zu gro├č.
Die drei Burschen ├╝berragten Daniel um eine Kopfl├Ąnge und waren mindestens zwei Klassen ├╝ber ihn. Sie rauchten, w├Ąhrend sie mit ihm den Weg zur Schule nahmen. Im Augenblick sah alles noch relativ harmlos aus, doch das war es gewiss nicht, denn von diesen drei Mitsch├╝lern hatte der Junge noch nie etwas erz├Ąhlt und so weit kannte sie ihren Sohn: Er schien vor Angst zu beben.

Was sie unterwegs beredeten, h├Ątte seine Mutter gerne gewusst, doch das ging sie nichts an. Es war reine M├Ąnnersache und ein Mann war Daniel schon, wenn auch ein kleiner, den man eigens f├╝r bestimmte Zwecke brauchte. Ja, der sogar sehr wichtig war f├╝r gewisse Dinge, die ohne ihn oder seinesgleichen kaum machbar waren.

Diesmal wartete nach der Schule ein Auftrag auf ihn, den auszuf├╝hren nat├╝rlich Ehrensache war. Wie sonst sollte man durch das Kellerloch in die Wohnung einsteigen? Jedenfalls nicht, wenn man die Gr├Â├če der drei Auftraggeber erreicht hatte. In dem Alter war es zu sp├Ąt. Sie versuchten zwar immer noch, ihn von der Schule fern zu halten, doch damit hatten sie keinen Erfolg, doch wenigstens das Versprechen in der Tasche, es gleich nach dem Unterricht zu versuchen.

Nerv├Âs sah Daniel auf seine Armbanduhr, denn in wenigen Minutenw├Ąre sein Schulende abzusehen. Es dr├╝ckten ihn heftige Bauchschmerzen und er sah aus, als m├╝sse er sich jeden Moment ├╝bergeben. Kaum verlie├č er seine Klasse, standen die drei Freunde schon vor der Turnhalle bereit, um ihn abzuholen. Sie h├Ątten normalerweise noch keinen Schulschluss, doch sicherlich schw├Ąnzten sie die Schule und hatten schon alle Vorbereitungen f├╝r den Bruch getroffen. Noch einmal bekam der Junge seine Instruktionen: ÔÇ×Du kletterst durch dem Kellerschacht hinein, versuchst die T├╝r zu ├Âffnen oder ein Fenster und den Rest erledigen wir. Du kannst gleich verschwinden!ÔÇť ÔÇ×Ja, klar!ÔÇť war alles, was Daniel darauf antworten konnte, denn es w├╝rgte ihn schon.

Als er mit beiden Beinen im Keller des fremden Hauses stand, musste er sich gleich ├╝bergeben. Die Ger├Ąusche, die er dabei verursachte lockten sogleich die Katze herbei, die mit ihren gr├╝nen Augen auf den w├╝rgenden Jungen sahen. Er erschreckte sich leicht und zuckte zusammen, doch er musste sich beeilen, die drei Auftraggeber da drau├čen w├╝rden langsam ungeduldig sein.

Leise stieg er die Kellertreppe hinauf, mit seinen ├ärmeln die Reste seiner Spuckerei wegwischend und versuchte die T├╝r zu ├Âffnen. Das klappte allerdings nicht und er schlich zum besagten Fenster. So schnell wie er es ├Âffnete sprang er auch schon hinaus und rannte in Windeseile nach Hause.

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