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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Sebastian: Kapitel 10 - Agrigento
Eingestellt am 05. 07. 2002 17:13


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martinsale
M├Âchtegern-Schreiber
Registriert: Jun 2002

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10. Kapitel

Der Engel wusste um Sebastians schwierige Situation und schaffte Abhilfe. Er hatte eine Ma├čnahme vorgesehen, die f├╝r den sexuellen Reifungsprozess seines Sch├╝tzlings von ├Ąu├čerster Wichtigkeit sein sollte. Aufgrund dessen erw├Ąhlte er einen gleichaltrigen Pianisten in spe, auf dass Sebastian nicht abgleite. Au├čerdem war der Bote Gottes der Auffassung, dass ein fast professioneller Klavierspieler imstande sei, seinen Sch├╝tzling dazu anzuhalten, das Spielen eines Instruments zu erlernen, auf dass er eigenh├Ąndig musiziere, anstatt sich nur Vorproduziertes anzuh├Âren. Offensichtlich hatte die Muse der Musik Sebastian noch nicht in ihren Bann gezogen.
Just einen Tag bevor Kiyoko, die schon ihre Reisevorbereitungen traf, nach Japan zur├╝ckfliegen sollte, besuchte Sebastian eine Studentenkneipe, um sich etwas zu zerstreuen. Er hoffte, dass dadurch der herannahende Abschied, den er zwar selbst herbeigef├╝hrt hatte, der aber deswegen nicht weniger schmerzlich war, etwas ertr├Ąglicher werde.
Die D├Ąmmerung war bereits angebrochen, als Sebastian sich unter die G├Ąste mischte. Trotz seiner leichten Bedr├╝cktheit, die sich aus der bevorstehenden Trennung ergab, machte er einen selbstsicheren Eindruck.
An der Theke lehnte ein Junge in seinem Alter und schaute ihn fortw├Ąhrend an. Er ging auf ihn zu und fragte den Burschen, ob man denn irgendwann schon einmal das Vergn├╝gen gehabt habe. Der Angesprochene verneinte dies, aber meinte, dass Sebastian einem gleiche, den er kenne. Noch einige Zeit f├╝hrte man diese seichte Konversation weiter und Sebastian lie├č sich von diesem Burschen, an jenem Abend, nach Hause einladen. Wie sich sp├Ąter herausstellte, hie├č er Max und besuchte das Konservatorium um sp├Ąter einmal Pianist zu werden. Der Abend bei ihm verlief sehr ruhig und Sebastian fing an von der kleinen Japanerin und deren bevorstehender Abreise zu erz├Ąhlen. Gegen Mitternacht fuhr er heimw├Ąrts, denn dort wartete Kiyoko. Als er ins Zimmer kam, lag sie schon, in der ├╝blichen Pose, auf ihrer Matratze. Gro├čes Mitleid empfand er f├╝r sie, aber begab sich dennoch gleich zu Bett, da man am folgenden Morgen, um f├╝nf Uhr aufstehen musste.
Die Sonne ging auf und der Wecker klingelte f├╝r Sebastian und Kiyoko. Die beiden standen auf und wussten, dass es der Tag der Trennung sein w├╝rde. Eine Dusche nahm man und fr├╝hst├╝ckte. Im Radio wurde "Kiss and say goodbye" von den Manhattans gespielt. Zutreffend war dieser Song zwar, aber es machte den Abschied umso schwerer. Um sieben Uhr waren sie so weit und traten hinaus auf den Flur. Am Ende dieses langen Korridors sah Sebastian einen wei├čen Briefumschlag auf der T├╝rmatte liegen. Weit nach Mitternacht musste ihn jemand eingeworfen haben. Er hob ihn auf und stellte fest, dass er an ihn adressiert war. Auf seinen Schreibtisch legte er ihn noch schnell und man begab sich mit dem Bus zum Flughafen Schiphol. W├Ąhrend dieser Fahrt kam der ganze Trennungsschmerz ├╝ber die beiden. An Oxford und an den einj├Ąhrigen Briefwechsel dachte Sebastian. Neben ihm sa├č diese kleine Japanerin, die so zerbrechlich wirkte. Sie hatte die ganze Strapaze dieser Flugreise nach Europa, mit dem Ziel der Eheschlie├čung, auf sich genommen. Jetzt war sie auf dem Weg zum Airport und flog wieder, unverrichteter Dinge, nach Japan zur├╝ck. Welches Los sie dort erwartete, konnte Sebastian nur erahnen. Beide sprachen sehr wenig w├Ąhrend dieser letzten gemeinsamen Fahrt. Am Flughafen umarmte man sich ein allerletztes Mal und Kiyoko ging durch die Zollsperre. Einmal noch drehte sie sich um und Sebastian sah, wie diese kleine, tapfere Frau von der Menschenmenge aufgenommen und fortgetragen wurde. Ein schwerer Abschied war es. ├ťber Paris, Moskau und Tokio w├╝rde sie nach Kioto fliegen. Da es in all diesen St├Ądten jeweils einen mehrst├╝ndigen Aufenthalt gab, w├╝rde sie erst nach sechsunddrei├čig Stunden in ihrer Heimatstadt ankommen. Der blo├če Gedanke schon an diese extrem lange Reisedauer, war f├╝r Sebastian eine fast unertr├Ągliche Vorstellung. Er begab sich auf die Zuschauerterrasse und sah, wie die Maschine aufstieg und mit ihr entschwebte Kiyoko, die Liebe aus Oxford und die "Histoire de l'oeil" langsam in den wolkenlosen Himmel. Zur├╝ck blieb eine grauenvolle Leere. So unwirklich und offen war wieder alles, dass einem, vor lauter Freiheit, schwindlig werden konnte. Niemand war zur Stelle, an den man sich h├Ątte fest halten k├Ânnen. Mit diesem Silbervogel war die ganze Hoffnung auf Ehe und Kinder, f├╝r alle Zeit, in unendliche Fernen entschwunden. Blau strahlte das Firmament, frisch und rein war die Luft an jenem Vormittag im Sp├Ątsommer, aber Sebastian konnte das nicht tr├Âsten. Missmutig und einsam f├╝hlte er sich. Ein Experiment, das all seine Erwartungen erf├╝llen sollte, war misslungen: Aufgegangen in Schall und Rauch.
Er machte sich wieder auf den Weg nach Hause. Dort, auf seinem Schreibtisch, sah er jenes wei├če Couvert. Er ├Âffnete es und war v├Âllig ├╝berrascht. Ein Brief von Max, dem angehenden Pianisten, war es. Er bat Sebastian, ihn noch am selben Abend zu besuchen, es sei dringend. Vollkommen ersch├Âpft war Sebastian und legte sich erst einmal aufs Bett. Nach einigen Minuten schon fiel er in einen tiefen Schlaf. Kiyoko erschien ihm im Traum, aber weder als fern├Âstliches Sexualobjekt, in das er unz├Ąhlige Male eingedrungen war noch als griechische Statue, sondern als gef├Ąhrliche Racheg├Âttin, die voller Zorn auf ihn herniedersah und mit furchtbarer Vergeltung drohte. Nicht mehr den japanischen F├Ącher, sondern ein flammendes Schwert hielt sie in der Hand, den wehrlosen Sebastian, wegen seiner auf sich geladenen ├╝bergro├čen Schuld, zu durchbohren. Schwei├čgebadet erwachte Sebastian und wusste, dass es nur ein Traum war.
Gegen Abend begab er sich mit dem Fahrrad zu Max. Mit einer Freundin, mit der er eine platonische Beziehung unterhielt, teilte dieser sich eine Zweizimmerwohnung. Sebastian klingelte und trat ein. In bester Verfassung traf er Max an. Dieser entschuldigte sich zun├Ąchst f├╝r seinen spontanen Brief. Vielleicht sei er doch mit diesem Schreiben etwas zu aufdringlich gewesen, meinte er. Schlie├člich kenne man sich noch keine vierundzwanzig Stunden. Sebastian war noch so unter dem Eindruck von Kiyokos Abreise und seinem Traum, dass er Fetzen nur von dem auffing, was Max erz├Ąhlte. Im Laufe des Abends spielte Max noch irgendeine Et├╝de von Chopin auf seinem Piano. Etwas Kurzes, Romantisches war es. Dies aber erreichte Sebastian kaum noch.
Gegen vierundzwanzig Uhr entschied man sich, die Nacht gemeinsam zu verbringen, entkleidete sich und legte sich aufs Bett. Die Haut des anderen ber├╝hrte man und die Flammen der Liebe loderten auf. F├╝r Sebastian existierte nur noch dieser eine K├Ârper, dieses eine leuchtende Augenpaar und sie verschmolzen ineinander. Max drehte sich um und spreizte den nackten Hintern Sebastian woll├╝stig entgegen. Diese ihm so unvermittelt dargebotenen wei├čen W├Âlbungen lie├čen Sebastian vor lauter Vorfreude erschaudern. Voller Begierde ber├╝hrte er sie. Dieses verlangende Loch w├╝rde seine Sehnsucht stillen! Erst einen, dann zwei und schlie├člich drei Finger steckte er hinein. Die Erregung steigerte sich. Auf Dr├Ąngen von Max hin, stie├č er den Schwanz in die manuell vorbereitete ├ľffnung. Mit ungeheurer Wucht spritzte er seinen Samen in Max hinein.
Regelm├Ą├čig sah man sich jetzt. In ihrer Beziehung wurde der Beischlaf zum Mittelpunkt des Geschehens. Auch die H├Ąmorrhoiden am Arsch von Max betrachtete Sebastian im Laufe der Zeit eher wohlwollend, als eine Bereicherung der Wollust. Sie st├Ârten ihn keineswegs. Eigentlich bewirkten diese knotenartigen Venenausst├╝lpungen geradezu eine Steigerung des Wunsches, durch dieses, manchmal blutige, fleischliche Gestr├╝pp hindurch, doch eindringen zu wollen. Max hatte die au├čergew├Âhnliche Gabe und das gro├če Talent, den sch├Ânen, festen Arsch so zu pr├Ąsentieren, dass die Erektion und der Klimax von selbst kamen. Eine herrliche Zeit erlebte Sebastian.
Das Studium begann Ende September wieder. F├╝r Sebastian war das nicht mit gro├čen Schwierigkeiten verbunden. Das Wichtigste f├╝r ihn war Max und dessen strammer Arsch. Darauf freute er sich jedes Mal aufs Neue.
Wie im Fluge vergingen die Monate. Im Sommer, als Sebastian gerade das vierte Semester beendet hatte, machten sie eine gemeinsame Italienreise. Florenz war ihre erste Station. Entz├╝ckt war Sebastian. Vor allem die Piazza della Signoria beeindruckte ihn tief. Einen solch harmonischen Platz hatte er niemals vorher gesehen. Diese architektonische Ausgewogenheit war einzigartig. Den grandiosen David von Michelangelo bewunderte er, dort, am Eingang zum Palazzo Vecchio. Dieser wohl geformte K├Ârper und diese nackte Kraft, eingefangen in fast wei├čem Marmor, waren atemberaubend.
Zum Schwimmen und Zelten fuhr man weiter nach Bolsena, an den See. Hier, wo dieses Wunder von der blutenden Hostie, vor mehr als sieben Jahrhunderten, geschehen war, fingen alle Probleme an. ├ťber Lappalien, die fr├╝her nicht einmal der Rede wert gewesen w├Ąren, wurde jetzt heftig gestritten. Zu einer qualvollen H├Âlle wurde das Leben dieser beiden Liebenden, ohne dass sie in der Lage gewesen w├Ąren, der Situation eine positive Wendung zu geben. Unaufhaltsam wuchs die gegenseitige Abneigung. Der k├Ârperliche Kontakt fiel ganz weg. Es gab keine Rettung mehr. Max litt genauso wie Sebastian und man entschloss sich die Italienreise abzubrechen. Sie fuhren gemeinsam im Auto nach Holland zur├╝ck. Es war eine fast ├╝bermenschliche Tortur. Die Trennung ging mit uns├Ąglichen Schmerzen einher.
Im September fing Sebastian mit dem f├╝nften Semester an. Den Stoff saugte er f├Ârmlich in sich hinein. Daneben meldete er sich zu vielen sportlichen Aktivit├Ąten an. Zur Ert├╝chtigung des K├Ârpers und Entlastung des Geistes sollten sie beitragen. Fr├╝hmorgens, noch bevor die Seminare und Vorlesungen begannen, spielte er, mehrmals w├Âchentlich, Tennis. Sp├Ątabends ging er, fast t├Ąglich, zum Schwimmen und schlie├člich nahm er jeden Freitagabend an der Gymnastikstunde teil. Au├čerdem besuchte er die Volkshochschule und lernte Neugriechisch. Einerseits litt er unter dem Bruch mit Max, andererseits aber hatte er jetzt wieder viel mehr Zeit f├╝r sein Studium. Gegen Ende des f├╝nften Semesters nahm er wieder Kontakt zu Max auf. Sebastian ├Ąu├čerte den Wunsch den Beziehungsbruch von einem Psychologen untersuchen zu lassen. Max war damit einverstanden und sie begaben sich zur psychologischen Beratungsstelle der Universit├Ąt und meldeten sich zu einem Vorgespr├Ąch an. Max zeigte sich kooperativ. W├Âchentlich fanden die Sitzungen statt. Dabei waren zwei Psychologen anwesend. Man grub in ihrer Vergangenheit und suchte Ursachen, die eventuell zu dem Bruch gef├╝hrt haben k├Ânnten. Die Therapie hatte nur das eine Ziel, die Gr├╝nde der Trennung aufzudecken und nicht die Beziehung wieder zu leimen. Max zog sich nach einigen Monaten schon aus der Behandlung zur├╝ck, weil er sie nicht mehr als sinnvoll empfand. Aber Sebastian war fest entschlossen weiterzumachen und kam deswegen in eine Gruppentherapie. Zehn Studenten, die allesamt abgebrochene Beziehungen hinter sich hatten, nahmen daran teil. Das therapeutische Ziel bestand darin, diese Menschen wieder funktionsf├Ąhig zu machen. Lernen sollten sie die gescheiterten Beziehungen zu verarbeiten um sich wieder neuen Partnerschaften ├Âffnen zu k├Ânnen. Diese w├Âchentlichen Zusammenk├╝nfte genoss Sebastian, da er dann alles erz├Ąhlen konnte, was er in den vorhergehenden Tagen als st├Ârend oder unangenehm empfunden hatte. Sein Herz konnte er erleichtern. Die Probleme konnten in der Gruppe deponiert werden, ohne dass einer Ansto├č daran genommen h├Ątte. Nur die Beichte aus Sebastians Kinderzeit war sch├Âner. Seine Seele sch├╝ttete man aus und war von aller Schuld befreit. Der Unterschied zum Beichten aber bestand darin, dass man in den Gespr├Ąchsgruppen ├╝ber seine Unzul├Ąnglichkeiten reden konnte und eine Stellungnahme erhielt. Dahingegen gab es bei der regul├Ąren Beichte nur die Absolution und die einem auferlegten S├╝hnegebete, aber das Zwiegespr├Ąch fehlte.




Im siebten Semester war Sebastian jetzt schon. Alles verlief nach Wunsch. Die Therapie war ihm eine gro├če Hilfe und gab ihm viel Kraft. In jenem Winter heiratete der dritt├Ąlteste Bruder von Sebastian. Er war bereits dreiunddrei├čig und seine Frau hatte es schwer, denn sie wurde von Sebastians Familie nicht akzeptiert, weil sie schon einmal geschieden war. Allem anpassen wollte sie sich, aber es half nichts. Gleichg├╝ltig lie├č es Sebastian, da er mit anderen Dingen besch├Ąftigt war. Um die Therapie und das Studium drehte sich sein Leben.
Der Engel war der Auffassung, dass sein Sch├╝tzling jetzt erneut mit der Sexualit├Ąt konfrontiert werden m├╝sse, damit ihn das Debakel, das sich aus der Beziehung zu Max ergeben hatte, nicht unn├Âtig noch l├Ąnger belaste.
Den Versuch, Sebastian an die Instrumente heranzuf├╝hren, auf dass er selbst musiziere, betrachtete der Bote Gottes vorerst als gescheitert. Er war zu der Einsicht gelangt, dass Maxens Klaviermusik wohl nicht der richtige Einstieg gewesen sei. M├Âglicherweise k├Ânne ein neuer Anlauf, in einigen Jahren vielleicht, zu einem besseren Ergebnis f├╝hren. Der Engel konnte indes wohl feststellen, dass Sebastian die ihm dargebotene Musik und den Gesang in zunehmendem Ma├če genoss. Konzerte, Opern und Liederabende besuchte er sooft es nur ging. Den lieblichen Kl├Ąngen zuzuh├Âren und sich von ihnen forttragen zu lassen, bereitete ihm gro├čes Vergn├╝gen. Er fand darin angenehme Erholung, wohl tuende Zerstreuung und erfrischende Inspiration. Dies stimmte den Engel zufrieden. Zun├Ąchst aber k├╝mmerte er sich wieder um die Kontinuit├Ąt der geschlechtlichen Entwicklung seines Sch├╝tzlings, auf dass er in dieser Hinsicht keine Sch├Ąden davontrage. Um sein Vorhaben zu verwirklichen, suchte er sich einen f├╝nfundzwanzigj├Ąhrigen Kommilitonen und einen drei├čigj├Ąhrigen S├╝dl├Ąnder aus.
Zun├Ąchst beendete Sebastian das achte Semester. Bisher war das Studium so verlaufen, wie er sich das vorgestellt und erhofft hatte.
Zu Beginn der Semesterferien trug er sich mit dem Gedanken erneut nach Italien zu reisen um sich dadurch v├Âllig von Max zu befreien. Alleine wollte er aber nicht dorthin fahren.
Sebastian machte sich also auf die Suche nach einem passenden Reisegef├Ąhrten. Als Erstes versuchte er sich nun vorzustellen, welcher seiner Kommilitonen als Begleiter f├╝r eine solche Tour in den S├╝den infrage kommen k├Ânnte. Bereits schnell hatte er sich f├╝r den blonden Alexander entschieden. Mit ihm verstand er sich gut. Zurzeit hatte dieser keine feste Partnerin und st├╝nde daher zur Verf├╝gung. Er war sportlich und spontan. Mit ihm hatte Sebastian h├Ąufig Kontakt. Auch besuchte man sich regelm├Ą├čig. Alexander stammte aus Maastricht und war zweisprachig. Seine Mutter war Holl├Ąnderin und sein Vater geb├╝rtiger Deutscher. Mit Alexander sprach Sebastian ausschlie├člich Deutsch. Auch die gleiche Sprache war es, die sie verband. Beide wohnten sie in jenem riesigen Studentenkomplex. Eines Abends begab sich Sebastian von der siebzehnten zur f├╝nften Etage, wo Alexander wohnte. Er klingelte und ihm wurde Einlass gew├Ąhrt. Alexander bat ihn auf sein Zimmer und Sebastian kam schnell zur Sache. Seinen Reisevorschlag legte er ihm vor und dieser war sofort damit einverstanden. Das Zelt sollte Alexander mitnehmen und Sebastian die Reiseroute festlegen. Die beiden einigten sich innerhalb k├╝rzester Zeit. Eine dreiw├Âchige Bahnreise nach Sizilien sollte es werden. Sebastian plante die Route ├╝ber Heidelberg, Luzern, Como, Florenz, Sorrent, Taormina und Agrigent. Zur├╝ck sollte die Reise ├╝ber Venedig, Peschiera und Mailand f├╝hren. In den ersten Tagen des Augusts machten die beiden Studenten sich auf den Weg. F├╝r Italien hatte man sich um allzu hohe Kosten zu vermeiden eine Bahnnetzkarte f├╝r vierzehn Tage gekauft. Bis Heidelberg kamen sie am ersten Tag. Auf einem Campingplatz, am Ufer des Neckars, schlugen sie ihr Zelt auf. Das alte Schloss, das jetzt schon seit fast dreihundert Jahren als m├Ąchtige Ruine den Fluss bewachte, sahen sie. ├ťber den Philosophenweg, am Fu├če des Heiligenbergs, der schon so manchen Poeten inspiriert hatte, wanderten sie ein St├╝ck. Die bewaldeten H├╝gel von Heidelberg waren bezaubernd romantisch. An das Lied der Gro├čmutter: "Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren, in einer lauen Sommernacht", erinnerte sich Sebastian. In ihren letzten Lebensjahren sang sie aber h├Ąufiger dieses wehm├╝tige und sehnsuchtsvolle Lied von der holden G├Ąrtnersfrau, dessen Melodie genauso melancholisch war wie der Text. ├ťberh├Âhte Preise und unz├Ąhlige Touristen gab es in dieser traditionsreichen Studentenstadt.
Nach drei Tagen zog man weiter nach Luzern. Hier, am Ufer des Vierwaldst├Ątter Sees, fiel Sebastian die Geschichte von Wilhelm Tell wieder ein. Am anderen Ufer lag K├╝ssnacht und dort w├╝rde sich auch diese hohle Gasse befinden, wo der legend├Ąre Wilhelm sich hinter einem Holunderstrauch, damals, vor vielen, vielen Jahren, versteckt hatte, um den tyrannischen Landvogt aus dem Hinterhalt mit einem spitzen Pfeil zu durchbohren.
In die alte Stadt Como, an den gleichnamigen See, ging die Reise weiter. Etwas au├čerhalb der Stadt, am Gebirgsrand, lag der Bahnhof. Alexander stie├č einen stummen Seufzer aus. Mit einer leichten Ironie in der Stimme meinte er, man w├Ąre jetzt - endlich - in dem Land, wo die Zitronen bl├╝hten und die Gold-Orangen gl├╝hten. Von Marmorbildern und Maultieren faselte er etwas. Mignon und Goethe w├Ąren ihm schon immer das Liebste gewesen. Gleichzeitig f├╝gte er aber geschwind hinzu, dass er es vorgezogen h├Ątte, in den herrlichen Bergen der Schweiz geblieben zu sein. Aber da er sich mit der Reiseroute von Sebastian einverstanden erkl├Ąrt hatte und dieser ihn noch einmal kurz daran erinnerte, verschwand seine leichte Missstimmung nach wenigen Minuten schon. Auf dem Weg bereits, hinunter an das Ufer des Sees, hatte er das Land der Eidgenossen schon fast vergessen, da es auch hier tannenbedeckte Berge gab.
Am n├Ąchsten Tag reisten sie nach Florenz. Diesen wundersch├Ânen Platz mit dem kr├Ąftigen, nackten David aus Marmor sah Sebastian wieder. In der N├Ąhe des Piazzale Michelangelo, auf einem Campingplatz, schlugen die beiden ihr Zelt auf. Das Gel├Ąnde lag auf einer Anh├Âhe und man hatte einen herrlichen Blick auf diese toskanische Stadt. Die mit roten Dachziegeln bedeckte, imposante W├Âlbung der Domkuppel und den gem├Ąchlich dahinflie├čenden Arno verliehen dieser Aussicht eine gro├če Ruhe und einen Zipfel der Unendlichkeit. Zweiundsiebzig Stunden sp├Ąter bereits eilten sie ├╝ber Rom weiter nach Neapel. Dort nahmen sie die Circumvesuviana nach Sorrent. Neapel wollte Alexander nicht besichtigen. Er war, vor vielen Jahren, mit seinen Eltern einmal dort gewesen und f├╝r ihn war es seitdem immer noch eine schmutzige Stadt. In Sorrent blieben die beiden einige Tage. Eine herrliche Touristenstadt war es, mit all den Bergh├Ąngen. In der Ferne sahen sie das viel besungene Capri und die kleinen Schiffe, die, unten vom Hafen aus, zu dieser kleinen Insel hin und her pendelten. Auch die m├Ąchtigen Flanken des Vesuv bewunderten sie. Auf dem St├╝ckchen Erde befanden sich die beiden Reisenden, das so vielen schon Tod und Verderb gebracht hatte. Vor fast zweitausend Jahren hatte der m├Ąchtige Vesuv f├╝rchterlich getobt. Damals, neunundsiebzig Jahre nach der Geburt des Herrn, hatte dieser Feuer speiende Riese eine bl├╝hende Stadt v├Âllig ausgel├Âscht. Sebastian kam ein wenig ins Gr├╝beln, obwohl er nicht in den Ruinen von Pompeji stand, sondern auf einem Berg in Sorrent, aber doch hatte dieser Vulkan seine Fantasie angeregt. Auch kam ihm diese sch├Âne, dunkelhaarige Bauernmagd aus seiner Kinderzeit in den Sinn. Er erinnerte sich an dieses Liedlein vom sch├Ânen Neapel und an die Worte, die sie sprach: Napoli w├Ąre eine Stadt in Kampanien an einem Feuer speienden Berg.
Mit einigen Umwegen ging es nach Kalabrien, zum Hafen von Villa San Giovanni. Das wei├če Schiff, das die beiden Freunde ├╝ber die Meeresstra├če zu dieser gro├čen, hei├čen Insel bringen sollte, von der man sagte, sie sei die Brutst├Ątte der Mafia, war schon fast abfahrbereit. Der Zug fuhr, ohne dass man sein Abteil h├Ątte verlassen m├╝ssen, auf die F├Ąhre. F├╝r Sebastian war es eine sensationelle Erfahrung. Auf Sizilien ratterte er wieder in den Bahnhof von Messina ein. Fast unertr├Ąglich h├Ąsslich war diese Stadt. Dadurch, dass sie einmal durch ein Erdbeben zerst├Ârt worden war, gab es fast nur Neubau. Bauwerke ohne Stil waren es. In dieser Stadt herrschte eine kalte Atmosph├Ąre. Dieses negative Gef├╝hl konnten auch die angenehmen Temperaturen nicht wegnehmen.
Weiter reisten sie und jetzt versehentlich nach Catania. Dort stieg man nur kurz aus und schon ging es mit dem n├Ąchsten Zug wieder nach Messina zur├╝ck. Mittlerweile war die Morgend├Ąmmerung ├╝ber Sizilien hereingebrochen und Sebastian konnte, vom Zug aus, sehr sch├Ân den langsam aufsteigenden Rauch des ├ätna sehen.
Von Messina fuhren die beiden nach Agrigent.
Agrigento, du Stadt der St├Ądte!
In Agrigento war so viel schon geschehen. Die Griechen waren dort gewesen und hatten diese wunderbaren Tempel gebaut, von denen einer nur, unbeschadet fast, die Jahrtausende ├╝berstanden hatte. Die Stadt an sich war ein Touristenort. Aber dieser Tempel von Agrigento lie├č das Herz von Sebastian h├Âher schlagen. Auch Alexander, ohne es jemals gewusst zu haben, brachte Sebastian, in Agrigento, das Paradies ein St├╝ckchen n├Ąher. Abends kamen Sebastian und Alexander in Agrigento an. Sie suchten keinen Campingplatz mehr, sondern nahmen ein Hotel im Zentrum der Stadt. Ihnen wurde ein sehr ger├Ąumiges Zimmer mit komfortablem Doppelbett, eigener Toilette und gro├čem Bad zugewiesen. Es war sehr hei├č, an jenem Abend, in Sizilien. Sebastian und Alexander legten ihre Rucks├Ącke ab und schauten sich in der luxuri├Âsen Bleibe um. Der Zimmert├╝r gegen├╝ber befand sich ein gro├čes Doppelfenster. Von dort aus hatte man einen wundersch├Ânen Blick auf den Piazzale Roma. Sebastian ├Âffnete einen Fl├╝gel und eine schwache Brise drang in den Raum. Das L├╝ftchen bewegte die Gardinen, die bis zum Fu├čboden reichten, leicht.
Sebastian erbat sich die Seite des Doppelbettes, die dem Fenster am n├Ąchsten war, auf dass er ab und zu ein wenig frische Luft schnuppern k├Ânne. Alexander machte keine Einw├Ąnde. Des Weiteren einigte man sich dahingehend, dass Alexander als Erster ein Bad nehmen w├╝rde. Er hatte viel geschwitzt, denn er musste immer den schwereren Rucksack tragen, weil das Zelt sich darin befand. Seiner Kleider, bis auf die Unterhose, entledigte sich Alexander und begab sich ins Bad. Sebastian h├Ârte das Pl├Ątschern des wohl tuenden Wassers und wie Alexander, voller ├ťbermut, ein Liedchen pfiff. Als er nach einer Weile wieder aus dem Badezimmer kam, war er v├Âllig nackt. Sebastian sa├č auf dem Bett und konnte seinen Augen kaum glauben. Ihn faszinierte dieser schlaffe Schwanz. Alexander l├Ąchelte ihn an und begab sich zu seinem Rucksack. G├Âttlich war dieser nackte Alexander. Am liebsten w├Ąre Sebastian aufgesprungen und h├Ątte sich vor ihm, voller Ehrfurcht, niedergekniet, den Schwanz ber├╝hrt, der so viel Kraft und fruchtbaren Samen erahnen lie├č und ihm in die Unendlichkeit seiner blauen Augen geschaut. Der marmorne David von Florenz war Fleisch geworden. Unwillk├╝rlich musste Sebastian an Lawrence, Genet und Bataille denken, denn diese begnadete Dreifaltigkeit imponierte ihm noch immer. Die weithin leuchtende Kraft ihrer Werke begleitete ihn jetzt schon seit mehr als f├╝nf Jahren.
Die Sehnsucht nach dem Unm├Âglichen, das Erregende der Erotik, der unwiderstehliche Wunsch nach Sex und die todbringende Eruption wurden eins. Alexander kramte seine Kleider aus dem Rucksack und begann, sich anzuziehen. H├Ątte er doch das starke Verlangen von Sebastian gesp├╝rt! Jetzt nahm Sebastian sein Bad und war noch v├Âllig benommen von dem Anblick des entbl├Â├čten Alexanders. Diese geballte Kraft in ├Ąu├čerster Unschuld war fast unertr├Ąglich.
Nach dem Baden ging man hinaus in die Stadt, um noch etwas zu essen. Agrigento, diese ehemals griechische Stadt auf Sizilien, machte Sebastian zum Sklaven seiner Lust. Er dachte an die wilde Maria seiner Kindheit und an die zierliche Kiyoko aus dem Land der Tennos. An den liebevollen Paul und an den willigen Araber aus Jerusalem erinnerte er sich. Der Piano spielende Max, dessen fast undurchdringliches H├Ąmorrhoidengestr├╝pp ihn immer wieder aufstachelte und der starke amerikanische Soldat aus den Blue Ridge Mountains kamen ihm in den Sinn. Die Welt fing an, sich zu drehen und alles war voll der sch├Ânsten Farben. Die Fleisch gewordene Sehnsucht war der blau├Ąugige Alexander, den es unbedingt zu unterwerfen galt. Kaum noch einen klaren Gedanken konnte Sebastian fassen. Das Geringste h├Ątte gereicht ihn explodieren zu lassen.
Fiat voluntas tua, Domine!
Gegen Mitternacht kehrte man ins Hotel zur├╝ck. Sebastian und Alexander entkleideten sich und begaben sich zu Bett. Die Hitze machte beiden schwer zu schaffen. Da lagen sie nun, in Agrigento, im gro├čen Doppelbett; einmal mit und einmal ohne Laken wegen der W├Ąrme. Von einer Seite auf die andere w├Ąlzte sich Alexander. Sebastian versuchte, Schlaf zu finden, aber aufgrund der hohen Temperaturen war das fast unm├Âglich.
Im Laufe der Nacht lag Sebastian zum wiederholten Male auf seiner rechten Seite, mit dem R├╝cken zum Fenster. Alexander, in seiner Verzweiflung, in Orpheus' Armen Ruhe zu finden, drehte sich wieder um und lag nun mit dem Gesicht zur T├╝r. Schon lange bedeckte das wei├če Bett-Tuch nicht mehr seinen athletischen K├Ârper. Die breiten Schultern, den R├╝cken, die schneewei├čen, muskul├Âsen Arschbacken und die kr├Ąftigen Beine sah Sebastian. Diesen durchtrainierten K├Ârper von Alexander betrachtete er ohne ihn ber├╝hren zu k├Ânnen. Neben ihm lag er, so nah, aber ohne M├Âglichkeit, ihn jemals zu erreichen. An den florentinischen David aus hartem, fast wei├čem Marmor musste Sebastian denken. Neben ihm lag das Fleisch gewordene Verlangen, das seit ewigen Zeiten die sehnsuchtsvollen Herzen der Menschen zu unsagbaren Taten befl├╝gelte. Alexander verk├Ârperte, hier in Agrigento, alle Sehns├╝chte der ganzen Menschheit. Die Erinnerung an jenen Ex-Soldaten aus den Blue Ridge Mountains dr├Ąngte sich Sebastian immer mehr auf. Ihm kam es vor, als w├Ąren es die gleichen K├Ârper: Der eine war Student und Holl├Ąnder und der andere ehemaliger K├Ąmpfer in Vietnam und Amerikaner. Was w├╝rden ihre W├╝nsche sein? In ihren Tr├Ąumen w├╝rden gewiss unterschiedliche Bilder und Geschichten vorkommen. An die Augen des Ex-Kriegers dachte Sebastian, die f├╝r ihn eine un├╝berwindbare Barriere darstellten. Er sah jetzt diesen g├Âttlichen Adonis an seiner Seite ohne dessen Augen sehen zu k├Ânnen. Die Erregung stieg. Wenn Sebastian seinen Arm ausgestreckt h├Ątte, w├Ąre er genau da gelandet, wo er glaubte, seine Sehnsucht stillen zu k├Ânnen. So greifbar nah neben ihm lag dieser makellose K├Ârper. Die aufreizende Spalte, von der er wusste, dass sie die Verhei├čung, die sie suggerierte, auch erf├╝llen k├Ânnte, betrachtete er. Friedlich und ruhig schlief der sch├Âne Alexander. Fast unh├Ârbar war sein Atmen. Er zog ein Knie etwas, in Richtung auf die Brust, an. Die Ritze ├Âffnete sich ein wenig und Sebastian war v├Âllig erregt. Er nahm seinen Schwanz in die Hand und es kam zur Explosion. Gro├če M├╝he kostete es ihn, diese Erregung, so lautlos wie m├Âglich, zu einem guten Ende zu bringen. Der kraftvolle Alexander schlief weiter, ohne je auch nur geahnt zu haben, dass er in jener Nacht, in Agrigento, das Paradies Sebastian fast offen gelegt h├Ątte. Ersch├Âpft und mit einigen Schuldgef├╝hlen schlief Sebastian ein.
Am n├Ąchsten Morgen packten die beiden ihre Rucks├Ącke, nahmen den Bus hinunter nach San Leone, zum Campingplatz am Strand und bauten ihr Zelt auf. Den Tempel von Agrigento hatten sie schon w├Ąhrend der Busfahrt gesehen. Er befand sich auf halbem Wege.
Sie schwammen im blauen Meer und freuten sich des Lebens. Am Strand wurde Sebastian von einem Italiener aus Mailand angesprochen, der in Agrigento, bei seiner Mutter, die Ferien verbrachte. Um die drei├čig war dieser geb├╝rtige Sizilianer und sehr charmant. Sebastian lud er ein den Tempel am Abend zu besichtigen. Sebastian sagte, dass sein Freund, Alexander, dann auch mitkomme, aber dem Italiener aus Mailand machte das nichts aus. Man badete noch weiter bis zum Sp├Ątnachmittag. Im Wasser kam es bereits zu ersten Intimit├Ąten mit diesem S├╝dl├Ąnder. Was ihn im griechischen Tempel von Agrigento erwartete, wusste Sebastian also schon. Von dem Rendezvous und den Liebesbezeugungen im lauen Meereswasser mit diesem sizilianischen Italiener hatte Sebastian dem verst├Ąndnisvollen Alexander ausf├╝hrlich berichtet. F├╝r Alexander war das kein Hindernis, wenn er nur in Ruhe den "Tempio della Concordia" besichtigen k├Ânne. Dieser lateinische Name sei ├╝brigens nicht der urspr├╝ngliche. Deswegen komme es gelegentlich auch vor, dass man diese einstige Kultst├Ątte schlicht und einfach Tempel "F" nenne. Dieser Buchstabe habe aber keine weitere Bedeutung. Hiermit werde nur eine alphabetische Reihenfolge angedeutet, in die man diesen Tempel und die ├╝brigen antiken Ruinen hineingepresst h├Ątte, um ihrer habhaft zu werden. Alexander hob hervor, dass er unbedingt die vierunddrei├čig dorischen Au├čens├Ąulen nachz├Ąhlen wolle, denn diese seien noch vollst├Ąndig erhalten. Sebastian fragte ihn noch kurz, was "Au├čens├Ąulen" eigentlich seien. Etwas entr├╝stet erwiderte Alexander, dass es sich dabei nat├╝rlich um die Kolonnade an der Au├čenseite handle. Offensichtlich hatte er bereits den bunten Hochglanz-Prospekt des Verkehrsvereins aufmerksam gelesen. Vollst├Ąndigkeitshalber f├╝gte er noch schmunzelnd hinzu, dass "dorisch" von den "Doriern" abgeleitet sei. Dies wiederum sei ein Stamm, der im alten Griechenland beheimatet gewesen sei. Sebastian h├Ârte sich Alexanders kleinen Diskurs an, ohne sich anmerken zu lassen, dass ihn die Geschichte der antiken Baukunst zum jetzigen Zeitpunkt nicht sonderlich interessierte. Seine Gedanken waren schon ein wenig berauscht von dem, was im Tempel, hinter den S├Ąulen, geschehen w├╝rde.
Mit dem Auto kam dann abends der Italiener und holte die beiden ab. Man fuhr die kurze Strecke vom Strand hinauf zum Tempel von Agrigento. Alexander besichtigte das ehemalige griechische Heiligtum der Eintracht und Sebastian begab sich mit seinem Sizilianer, seitlich der m├Ąchtigen S├Ąulen, ins Geb├╝sch. Direkt lie├č der Italiener seine Hose herunter und Sebastian musste sich seines Schwanzes erbarmen, sowohl oral als auch manuell. Schon nach k├╝rzester Zeit spritzte der Italiener und Sebastian ging leer aus. Seinen gespreizten, sizilianischen Arsch streckte er Sebastian zwar noch entgegen, aber es half nichts. Sie gingen in den Tempel zu Alexander. Er berichtete, dass die Anzahl von vierunddrei├čig stimme. Gleichzeitig f├╝gte er aber hinzu, dass das Z├Ąhlen ihn gelangweilt habe, da jede S├Ąule der anderen gleiche. Nach seiner Berechnung m├╝sse sich die Gesamtzahl der S├Ąulen einst auf achtundsiebzig belaufen haben, wenn man davon ausgehe, dass der ganze Raum mit S├Ąulen gef├╝llt gewesen sei.
Man fuhr zur├╝ck zum Campingplatz. Anschlie├čend machte sich der hei├čbl├╝tige Mail├Ąnder, im wahrsten Sinne des Wortes, aus dem Staub. Er gab Vollgas und die R├Ąder seines Autos verursachten eine derartige Sandwolke, dass man fast ein Taschentuch ben├Âtigt h├Ątte, um sich vor den aufwirbelnden feinen K├Ârnchen zu sch├╝tzen.
Nach einigen Tagen verlie├čen Sebastian und Alexander Agrigento. In dieser Stadt hatte Sebastian die ganze Welt in ihrer unaussprechlichen Pracht und Vielfalt erlebt. Alle Gef├╝hle und Neigungen hatte er gesp├╝rt. Die ganze Menschheit war an ihm vorbeigezogen. Manches von dem, was er sich vorstellte, glaubte er, tats├Ąchlich erlebt zu haben. Im Louvre w├╝rde die mysteri├Âse Mona Lisa weiter schmunzeln. In Agrigento ist sie vielleicht einmal gewesen, vor vielen, vielen Jahren und ihr L├Ącheln barg m├Âglicherweise das wundervolle Geheimnis von Agrigento.
Man begab sich nach Taormina. Diese Stadt lag auf steilen Klippen. Einen wundersch├Ânen Blick hatte man auf das bl├Ąulich schimmernde Mittelmeer. W├Ąhrend des Spaghetti-Essens in Taormina fand eine R├╝ckblende statt. Es war zur Mittagszeit, in einem Gartenrestaurant, im Zentrum. Unter den Bl├Ąttern der Weinst├Âcke sa├č man, wegen des k├╝hlenden Schattens. Tief unten h├Ârte man das unaufh├Ârliche Rauschen des Meeres. Sebastian tr├Ąumte beim Essen schon wieder von Agrigento. Was war bei diesem Burschen aus Milano so anders gewesen? Warum hatte es nicht geklappt? Diese Fragen blieben f├╝r Sebastian unbeantwortet. Von Taormina ging es wieder nach Messina, in diese furchtbare Stadt, die Sebastian so unendlich hasste. Mit dem F├Ąhrboot begab man sich zum Festland und dann setzte man, fast ohne Unterbrechung, die Zugreise ├╝ber Ancona nach Venedig fort. Dort, in Venezia, der viel besungenen Lagunenstadt, besuchten Sebastian und Alexander den Markus-Dom. Als sie durch diese byzantinische Kathedrale schritten, hatten sie das Gef├╝hl, auf einem Schiff zu sein, denn der Fu├čboden war so furchtbar uneben und schief. Es waren eigentlich unregelm├Ą├čige W├Âlbungen, ├╝ber die man fortw├Ąhrend stolperte.
Von Venedig ging es dann nach Peschiera. Dort, am Gardasee, schlugen sie ihr Zelt auf. Einmal machten sie einen kurzen Ausflug nach Verona, zu einer Opernvorstellung in der dortigen Arena. Man sah "La Traviata", eine Oper von Giuseppe Verdi, der auch schon "Falstaff" unsterblich gemacht hatte.
Die Geschichte "La Dame aux Camelias" von Alexandre Dumas wurde ihnen arienm├Ą├čig dargeboten. Letztendlich starb die Mitleid erregende Kameliendame Violetta an Schwindsucht. Bevor diese Lebedame aber die Gelegenheit bekam, das Diesseitige mit dem Jenseits zu vertauschen, fing es in Verona an zu regnen. In diesem riesigen r├Âmischen Amphitheater war die Stimmung au├čergew├Âhnlich beeindruckend. Irgendwo, aus der Ferne, h├Ârte man die Musik und den Gesang. Fast war es den H├Ârs├Ąlen in Aachen vergleichbar, nur dass man hier, in der Stadt von Romeo und Julia, wirklich ein Fernglas ben├Âtigte. Bei Sebastian kamen aus unerkl├Ąrlichen Gr├╝nden weihnachtliche Gef├╝hle hoch. Diese Massenhysterie und das Zusammenh├Ârigkeitsgef├╝hl, von dem die Gro├čmutter w├Ąhrend der Bombenn├Ąchte erz├Ąhlte, konnte man ganz deutlich sp├╝ren.
Von Peschiera reiste man nach Mailand. Einige Stunden nur blieb man in dieser stolzen lombardischen Stadt. Das Wunder von Milano war die Kathedrale. Die beiden Studenten begaben sich dorthin, und Sebastian musste sich, vor lauter Faszination, an einem Laternenpfahl fest halten. Dieses prachtvolle Geb├Ąude mit den unz├Ąhligen, fast wei├čen Marmort├╝rmchen, ├╝berw├Ąltigte ihn derma├čen, dass er gew├╝nscht h├Ątte, eine l├Ąngere Zeit dort, vor dem Dom, zu verweilen. Aber der Fahrplan lie├č es nicht zu. Noch schnell schaute man sich das Hauptportal mit diesen zig in Stein gemei├čelten Fig├╝rchen an. Sebastian strich mit den Fingerkuppen ├╝ber deren Relief. Er sp├╝rte die Liebe, die von den Handwerkern beim Einmei├čeln und Eingravieren, damals vor mehr als f├╝nfhundert Jahren, dort hineingelegt worden war. Schnell begab man sich wieder zu diesem bombastischen, mussolinischen Hauptbahnhof und reiste ohne Unterlas, ├╝ber die Alpen nach Holland. Eine H├Âllenfahrt war es. Ende August kamen Sebastian und Alexander, v├Âllig ersch├Âpft, in Utrecht an. F├╝r Sebastian hatte sich die Reise gelohnt, denn jene eine Nacht in Agrigento war so honigs├╝├č. Von alledem aber ahnte Alexander nicht das Geringste.

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