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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Seelendiebin
Eingestellt am 02. 08. 2002 15:43


Autor
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Conny
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jul 2002

Werke: 12
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Seelendiebin

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Ich wei├č eigentlich nicht mehr, ob ich mich noch unter die Leute mischen darf. Wenn Sie erst erfahren, dass ich eine M├Ârderin bin, werden sie mich verachten. Sie alle, diese glubsch├Ąugigen Wesen, die mich ern├╝chternd anstarren, sind mir noch immer nicht gleichg├╝ltig. Und dabei war es gerade das, was ich mir w├╝nschte. In der Gleichg├╝ltigkeit mein Zuhause finden. Charlene ist nie etwas gleichg├╝ltig gewesen.

Sie hielt mich an F├Ąden und stahl mir meine Gedanken. In meiner Fantasie ist Charlene eine Diebin. Sie stiehlt Seelen wie ein armes Bauernm├Ądchen ├äpfel vom Markt. Ich habe sie nie verstanden. Ich wollte sie auch nie verstehen.

Vielleicht gibt es sie, diese Gleichg├╝ltigkeit in mir, nach der ich mich so sehne. Ich m├Âchte alleine sein, gar nichs mehr denken, und doch haften diese Erinnerungen an mir, und ich werde sie durch nichts los. Auch wenn ich dieses Haus, diese Gegend, dieses Land verlie├če, die Gleichg├╝ltigkeit w├Ąre immer einen kleinen Schritt schneller.

Ach, gib es auf, es lohnt nicht, dar├╝ber nachzudenken. Aber wieso kann ich es nicht? Wieso kann ich nicht aufh├Âren, mich an ihr Gesicht zu erinnern? Ich m├Âchte mich nicht mehr an Ihren Duft erinnern, Rosen oder Veilchen, bei einer Toten macht es keinen Unterschied.
Ihre Haut ist kalt.
Wie der tote Mond mich anl├Ąchelt, ich traue ihm nicht. Genausowenig wie ich den Menschen trauen werde, die mich fragen werden, warum? Ich liebe dieses Wort, warum, es gibt kein einziges Wort, das mehr ausdr├╝ckt in den Momenten des Schmerzes. Charlene, h├Ârst du mich, wenn du erwachst am j├╝ngsten Tag, dann denke an dieses Wort und schreie es hinaus. Warum. So wie ich es tat, als du mich in die Irre gef├╝hrt hattest.

Ich werde nicht mehr an dich denken, ich will es nicht. Ich werde neu beginnen, irgendwo. Ich werde zur Zauberin. Ich werde Liebe mir fangen mit einem Netz. Ich werde keine Motten mehr ins Licht locken, sondern Falter, die mich mit ihren pudrigen Fl├╝geln erheitern. Ich trage noch immer den Mut des ersten Tages in mir. Ich werde deine Leiche, deine Augen, deine noch immer roten Lippen vergessen, diese T├╝r schlie├čen und mich neu erfinden.
Du glaubst mir nicht, Charlene. Ich sp├╝re deine toten Blicke. Du hast einen Geistk├Ârper, der mir folgen will. Doch ich bin dir nicht l├Ąnger untergeben, ich werde mich frei machen von allem. Ich meine, es ist an der Zeit f├╝r eine neue Version des altbekannten Liedes. Ich h├Âre immer noch deine Stimme, glockengleich, rein, fast schwebend. Engel du . Verzeih mir meine Liebe, Charlene.
__________________
"Die H├Ąlfte ist manchmal mehr als das Ganze."

Hesiod

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itsme
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 18
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.....

Gut erz├Ąhlt diese Geschichte, Conny. Gemessen flie├čend, sch├Âne Bilder, Selbstbetrachtung nach der entlastenden Tat ohne Pathos. Der Leser erf├Ąhrt nur wenig ├╝ber die Hintergr├╝nde. In der Beurteilung schwebt die Protagonistin dadurch irgendwo zwischen Verurteilung und Mitgef├╝hl. Es gibt Andeutungen und Hinweise, aber keine Eindeutigkeit. Der Text ist ├╝berhaupt "sperrig", wie es eine gesch├Ątzte Kollegin gerne formuliert.

Im Detail bin ich ├╝ber ein paar Formulierungen gestolpert, beispielsweise:

"... Wesen, die mich ern├╝chternd anstarren,..."

Mir ist klar, was du sagen willst, aber das kannst du besser ausdr├╝cken.

"...Charlene ist nie etwas gleichg├╝ltig gewesen. ..."

"Charlene zeigte nie Gleichg├╝ltigkeit", f├Ąnde ich besser.

"... Ich meine, es ist an der Zeit f├╝r eine neue Version des altbekannten Liedes. ..."

Kann der Leser diesen Satz verstehen?

Deine Interpunktion und deinen Umgang mit den Zeiten finde ich manchmal etwas eigenwillig.


Gr├╝├člinge
itsme
__________________
Life is too short to paint a single kiss

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Conny
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jul 2002

Werke: 12
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Hallo!


Vielen Dank f├╝r deine Kritik. Deine Tipps gefallen mir. Du hast recht mit der Einsch├Ątzung meines Textes, genau diese Schwachpunkte sind mir auch aufgefallen. Danke, dass du dir Zeit genommen hast, ihn zu kommentieren.

__________________
"Die H├Ąlfte ist manchmal mehr als das Ganze."

Hesiod

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Concorde
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2002

Werke: 6
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Sehr gute Beschreibung von obsessiver Selbstaufgabe und der zerst├Ârerischen Explosivkraft der Liebe, Sezierung einer Beziehungen zwischen zwei Menschen. Nachvollziehbar die Verzweiflung und Hilflosigkeit jemanden bis zum Hass zu lieben.
Erinnert mich allerdings sehr an Anne-Sophie Brasme "Dich schlafen sehen" nicht nur, weil die Protagonistin dort auch Charl├Ęne hei├čt.

Eine liebe Kollegin sagte mir k├╝rzlich, ein guter Text m├╝sse auch unterhalten ;-) und dies ist eine gute Kurzgeschichte!

lieben Gru├č Concorde


__________________
Der Weg ist das Ziel....

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Conny
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jul 2002

Werke: 12
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Dich schlafen sehen

Hallo!

Vielen Dank f├╝r deinen Kommentar. Ich freue mich, dass dir meine Geschichte gefallen hat.

"Erinnert mich allerdings sehr an Anne-Sophie Brasme "Dich schlafen sehen" nicht nur, weil die Protagonistin dort auch Charl├Ęne hei├čt."

Tats├Ąchlich lese ich gerade das Buch und habe mir die kleine Aufgabe gestellt, ├╝ber ein M├Ądchen zu schreiben, dass gerade seine Freundin ermordet hat.
Sch├Ân, dass es dir aufgefallen ist. Ich fasse es mal als ein Lob auf :-)


Herzliche Gr├╝├če

Conny
__________________
"Die H├Ąlfte ist manchmal mehr als das Ganze."

Hesiod

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Pasta
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2002

Werke: 11
Kommentare: 36
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Neugierig geworden

Hallo Conny,

zun├Ąchst einmal hat mich dein Text neugierig gemacht auf den Roman "Dich schlafen sehen", und das meine ich als Kompliment an deinen Text! (Vielleicht schreibst du ja auch noch eine Fortsetzung, dann spare ich es mir, "Dich schlafen sehen" zu lesen )

Gerade weil er etwas "sperrig" ist, kommt man so schnell nicht von ihm los. Man f├Ąngt an zu ├╝berlegen, was da geschehen sein mag und ger├Ąt automatisch in Konflikt mit seinen Gef├╝hlen: Einerseits sollte man doch einen M├Ârder/eine M├Ârderin moralisch verurteilen, aber das gelingt hier nicht so ganz. Zum einen weil man nicht genau wei├č, was vorgefallen ist und zum anderen, weil aus der Perspektive der M├Ârderin erz├Ąhlt wird, die nun ihrerseits Opfer ist oder sich zumindest so f├╝hlt, denn sie f├╝rchtet nun die Verachtung durch ihre Mitmenschen.

Ich finde dieses moralische Dilemma, in das du uns bringst, gut konstruiert. Es fordert zu einer Auseinandersetzung mit der Opfer/T├Ąter-Thematik auf: Wer ist denn nun Opfer und wer T├Ąter? Findet ein Rollentausch statt und die Gesellschaft wird zum T├Ąter und der T├Ąter zum Opfer? Und ist er nicht schon l├Ąngst Opfer seiner eigenen Gef├╝hle, seiner eigenen Obsession?

Damit kann ein so "kleiner" im Sinne von kurzer Text eine gro├če Diskussion ausl├Âsen! Finde ich prima!

Einzig der Ausdruck "glubsch├Ąugige Wesen" finde ich schlecht; irgendwie will er nicht recht klingen im Text; vielleicht ist er zu banal oder trivial. Was du meinst, verstehe ich schon, aber vielleicht findest du daf├╝r noch ein sch├Âneres Bild?

Herzliche Gr├╝├če,
Pasta
__________________
Lasst Euch die Kindheit nicht
austreiben! (Erich K├Ąstner)

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