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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Seelenspiel
Eingestellt am 28. 11. 2008 16:28


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Catweazle
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Seelenspiel

"Hab ich Dich endlich!", sagte sie.
├ťberrascht schaute er in den Spiegel und sah das Gesicht der Friseurin hinter ihm. Die junge Frau starrte ihn entsetzt an, als k├Ânne sie nicht glauben, was sie gerade gesagt hatte.
"Bitte?", frage Paul nicht gerade geistesgegenw├Ąrtig.
Die Frau sch├╝ttelte den Kopf und hielt sich mit der einen Hand erschrocken den Mund zu. In der anderen allerdings hielt sie die funkelnde, spitze Schere, die sie an seinen Hals dr├╝ckte.
Er fand es erstaunlich, wie ruhig er blieb. Er betrachtete die Friseurin noch einmal genauer. Der kleine, schlanke K├Ârper war in ein bauchfreies Top und eine dunkle Jeans gequetscht. Blonde, vielleicht schulterlange Haare waren zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Dazu hatte sie ein nettes, etwas naives Gesicht mit kugelrunden, braunen Augen. Pl├Âtzlich kamen ihm die Augen bekannt vor.
"Hab ich Dich endlich", presste sie zwischen ihren Fingern hervor.
"So lange habe ich gewartet, so viele Leben lang. Und jetzt..."
Fest dr├╝ckte sie ihm die Schere gegen den Hals. Doch ihre Augen zeigten nur Entsetzen. Weit aufgerissen starrte sie ihn an und h├Ątte wahrscheinlich am liebsten geschrieen. Doch aus ihrem Mund kam nur ein gef├Ąhrliches Knurren. Sie schien zerrissen zu sein, zwischen dem, was sie sagte und dem, was sie verstand.
Eigentlich hatte Paul gar nicht vor gehabt zum Friseur zu gehen. Er war in seiner Mittagspause durch die Stadt gehetzt, um ein paar letzte Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Auf dem Weg zur├╝ck ins B├╝ro war er dann an dem Salon vorbeigekommen und stehen geblieben. Durchs Fenster hatte er die junge Friseurin gesehen und das Bed├╝rfnis versp├╝rt, sich von ihr die Haare waschen zu lassen. Er freute sich auf warmes Wasser und die Entspannung. Ein Blick auf die Uhr hatte ihm zwar verraten, dass er sp├Ąt dran war, doch eh er sich versah, hatte er auf dem Stuhl gesessen.
Und nun blickte Paul in ihre Augen. Er war sich sicher dass er sie nicht kannte. Aber in ihren Augen war etwas, das irgendwo tief in ihm einen leichten Ton anschlagen lies. Wie ein fernes Leuten in der Nacht. Lag es in ihren Augen? Oder dahinter?
"Machen sie keinen Quatsch" sagte Paul.
"Legen sie das Ding weg!"
Als Schweiss auf seine Stirn trat, schlo├č er seine Augen. Dann ballte er seine feuchten H├Ąnde zu F├Ąusten und dr├╝ckte sich etwas tiefer in den Stuhl, als ob er dadurch der scharfen und t├Âdlichen Spitze entkommen k├Ânnte.
Er ri├č sich zusammen und sah ihr im Spiegel wieder in die Augen.
Der Ton, der eben in ihm angeschlagen wurde, wurde lauter. Er schwoll an zu einem Klingeln, einem Alarm-Ton, einem Wecker!
Die Schere zitterte in ihrer Hand. Die Frau war offensichtlich nicht mehr Herr ihrer Sinne.
Er kannte sie nicht, da war sich Paul sicher. Doch irgendetwas erkannte er an ihr. Krampfhaft versuchte er sich zu erinnern. Vielleicht war da was in seiner Jugend gewesen? Hatte er sie mal gekannt und dann sitzengelassen? Auf einer Party, ein One-Night-Stand? So aufregend war sein Leben zwar nicht verlaufen, aber das ein oder andere Abenteuer hatte er schon erlebt. Nein, er konnte sich an ihr Gesicht nicht erinnern.
Das Klingeln verstummte. Daf├╝r erwachte etwas in Paul, etwas das geweckt worden war. Er sp├╝rte, wie es langsam und vorsichtig in ihm wuchs, wie es sich in seinem Kopf ausbreitete und ihn in den Hintergrund dr├Ąngte. Dieser Teil von ihm, der schon immer dort gewesen war und nun die Kontrolle an sich riss.
Sein Mund ├Âffnete sich gegen seinen Willen. Die Stimme, die er h├Ârte, klang rau und fremdartig.
"Wieso z├Âgerst Du? Stich zu!"
Paul sah wie ihre Augen blitzten und f├╝hlte, wie sein K├Ârper aus dem Sessel sprang.

Kurz darauf beugte sich Pauls K├Ârper ├╝ber den leblosen K├Ârper der jungen Frau. Nur ein kleiner Blutstropfen in ihrem Mundwinkel zeigte an, dass sie nie wieder atmen w├╝rde.
Seine fremde Stimme sagte: "Du warst schon wieder zu langsam. Immer wieder bist Du zu z├Âgerlich. Du h├Ąttest mich direkt erledigen sollen."
Er wischte sich die H├Ąnde ab.
"3:0", murmelte er. "Das Roulette der Wiedergeburt. Wir sehen uns wieder. Irgendwann..."
Damit verschwand es aus Paul und lies ihn fassungslos ├╝ber der Leiche stehen, bis kurz darauf die Polizei eintraf.



Version vom 28. 11. 2008 16:28

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Rumpelsstilzchen
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B├╝schen blass um die Nase ist das Textlein. Ein paar zus├Ątzliche Informationen zu dem einen oder anderen der f├╝nf Ws (Wer? Was? Wann? Wie? Warum?) k├Ânnten f├╝r gespannte Rotb├Ąckchen sorgen. So bleibt das eine Szenenskizze, ohne Thrill und Zusammenhang.

Wusst' nicht hin noch her und versank im Nimmermeer

__________________
Ich glaube
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Catweazle
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Hallo Multimind,

erstmal vielen Dank f├╝rs Lesen. Ich freue mich, dass Dir der Text und die Idee dahinter gefallen hat. Ist ja sonst bisher nicht so toll angekommen.
Ich werde mich sicherlich dann noch mal drangeben und versuchen ihn zu straffen (wobei dein Vorredner ja meinte, der Text w├Ąre zu d├╝nn...?)

quote:
"Der kleine, schlanke K├Ârper war in ein bauchfreies Top und eine dunkle Jeans gequetscht"
wenn der K├Ârper schlank ist, ist er eher nicht "gequetscht"

jaaaa.... das stimmt. auf jeden Fall ist alles irgendwie eng. Muss ich dr├╝ber nachdenken.
quote:
"Blonde, vielleicht schulterlange Haare" - vielleicht passt hier nicht, da der Betrachter es ja genau sieht, wie lange sie sind.
Auch hier muss ich dir Recht geben. Ich dachte, da die Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden sind, sieht man eben nicht, wie lang sie sind. Aber man kann es sich wohl denken....

quote:
"Pl├Âtzlich kamen mir die Augen bekannt vor." Perspektiven-Wechsel, den ich nicht verstehe.

Ja. Falsch. Ganz klar. Hatte den Text aus der Ich-Perspektive begonnen, dann aber die Perspektive irgendwann ├╝ber den Haufen geworfen. Das ist ein ├ťberbleibsel davon gewesen. Habs ge├Ąndert. Danke f├╝r den Hinweis.

quote:
Die Frage w├Ąr nat├╝rlich, welches Genre das ist / werden soll. Kurzgeschichte im Fantasy- oder Science Fiction-Bereich? Bin mir nicht sicher. Finde schr├Ąge Genre-├ťberschneidungen immer spannend.

Puh. Genrefragen finde ich immer schwierig. Ich w├╝rde eher Fantasy sagen... oder "Phantastik". Aber Science-Fiction ist das eher nicht. Oder?

Nochmals Danke

Catweazle

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