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Leselupe.de > Fantasy und M├Ąrchen
Seelenwanderung
Eingestellt am 15. 09. 2019 16:09


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simbad
Hobbydichter
Registriert: Sep 2019

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Das ist ein missgl├╝ckter Versuch eines Beitrags bei einem Kurzgeschichten-Wettbewerb. Habe noch nie eine andere Meinung als die meiner Frau dazu geh├Ârt, die mich auch bei der Rechtschreibung tatkr├Ąftig unterst├╝tzt hat. Ich hoffe das ist nicht zuviel.

Er hatte sich unter einem Pilz schlafen gelegt, der seinen Hut Richtung Osten, dem Sonnenaufgang entgegen gewandt hatte, in der Hoffnung, ein wenig ├╝ber den Sonnenaufgang hinaus schlafen zu k├Ânnen. Aber der Zauber war zu fr├╝h verflogen und der Pilz hatte bereits irgendwann in der Nacht seine normale Gr├Â├če angenommen. So hatte Fehgrundt lange vor Sonnenaufgang ungesch├╝tzt im Freien gelegen und war schlie├člich durch die aufgehende Sonne geweckt worden. Er hatte sich am Abend zuvor noch in der D├Ąmmerung den H├╝gel hinauf gequ├Ąlt und konnte nun an einem fr├╝hsommerlichen Morgen von der H├╝gelkuppe weit ins Land hineinschauen. B├Ąume wuchsen auf der H├╝gelkuppe nicht und so hatte er versucht, unter dem Pilz ein wenig Schutz zu finden.
Es war eine wunderbare Welt, in der die Menschen zufrieden ihrem Alltag nachgehen konnten. Es gab keine Hungersn├Âte und keine ├ťberbev├Âlkerung, das Wetter war immer der jeweiligen Jahreszeit entsprechend, es gab nur selten ├ťberraschungen, auch wenn man aus einigen Gebieten der Welt von Unwettern und Hitzewellen h├Ârte. Auf wunderbare Weise wurden nur so viele Menschen geboren wie starben, wurde nur soviel geerntet wie verbraucht werden konnte. Die Natur war nicht nur in einem Gleichgewicht, es gab auch keine Veranlassung das zu ├Ąndern. Die Natur bot auf vielerlei Wegen Hilfe f├╝r alle Lebenslagen der Menschen an.
Fehgrundt musste sich auf seinem Wanderstab abst├╝tzen, um ├╝berhaupt zum stehen zu kommen und war selbst dann ein wenig wackelig auf den Beinen. Aus seinem dichten wei├čen Bart ragte eine knollige Nase hervor und die zerzausten Haare bildeten nur noch einen Kranz um seinen gro├čen, kahlen Kopf. Er strich erst seinen Bart ein wenig glatt, dann die Falten seiner dunkelblauen Kutte und setzte sich schlie├člich die Schirmm├╝tze wieder auf.
Auch wenn er es sich noch vor ein paar Jahren nicht hatte eingestehen wollen, jetzt musste er einsehen, dass er doch ein alter Mann war. Nein, kein Mann. Er war ein alter Seelen-Seher und noch dazu einer der besten die es gab - noch. Denn die Welt hatte sich ver├Ąndert und als ob diese eigenwillige zauberhafte Welt diese Ver├Ąnderung dokumentieren wollte, hatte sie keinen Seelen-Seher-Nachwuchs f├╝r die letzten drei verstorbenen Kollegen mehr hervorgebracht. Seelen-Seher waren, so glaubte man jedenfalls, Reinkarnationen verstorbener Seelen-Seher. Doch obwohl Fehgrundt einer der besten war, hatte er beim Ableben seiner Kollegen keine Anzeichen f├╝r einen Wiedergeburt sehen k├Ânnen. Es w├╝rde also mit ihnen genauso zu Ende gehen wie mit der Welt. Die Zeichen daf├╝r waren, zumindesten f├╝r einen Seelen-Seher, nicht zu ├╝bersehen. Besonders das Wetter war ein f├╝r alle sichtbarer Beleg f├╝r die Ver├Ąnderungen: Es stand nicht mehr im Einklang mit den Jahreszeiten: Zwar war die Ernte noch gut ausgefallen, aber die Bauern mussten dabei die fest eingefahrene Routine fallen lassen und wurden das eine ums andere Mal vom Wetter ├╝berrascht. So folgte auf ein paar sonnige Tage kein sanfter Regen mehr, der die Pflanzen mit Wasser versorgte, sondern die Sonne brannte viele Tage lang auf die Felder und die Bauern mussten die Pflanzen selbst bew├Ąssern, um die Ernte zu retten. Zum Ende der Erntezeit brach oft ein so heftiger Sturm los, dass einige ├Ąltere B├Ąume umst├╝rzten und H├╝tten abgedeckt wurden . Solch heftiges Wetter hatte man noch nie erlebt. Die Bev├Âlkerung des K├Ânigreichs, das von Fehgrundt betreut wurde, wurde immer unruhiger und die Fragen an den k├Âniglichen Hof und seinen obersten Magier immer lauter.
Fehgrundt hatte vom K├Ânig den Auftrag erhalten, hinaus zu gehen in das Land und zu ÔÇ×SehenÔÇť was das Problem war. Denn auch dem K├Ânig war bewusst, dass sein K├Ânigreich in Gefahr war, wenn die Menschen begannen, unzufrieden zu sein.
Und da war er nun: Ein alter klapperiger Seelen-Seher, der nicht mal mehr genug Kraft hatte, einen Pilz bis zum Sonnenaufgang zu vergr├Â├čern und der zudem auch keine Idee hatte, wie er das Problem ├╝berhaupt angehen sollte. Er r├╝ckte seine Kleider zurecht, suchte den Boden nach dem geschrumpften Pilz ab, fand, reinigte und a├č ihn.
Erstmal w├╝rde das reichen. Aber er musste dringend die n├Ąchst gr├Â├čere Stadt erreichen. St├Ądte waren im K├Ânigreich d├╝nn ges├Ąt, da der gr├Â├čte Teil der Bev├Âlkerung sich selbst mit allem versorgte und es so wenig Bedarf f├╝r Handel mit anderen Teilen des K├Ânigreichs gab. Auch brauchten Nachrichten aus anderen Teilen des K├Ânigreichs sehr lange, bis sie sich verbreiten konnten und bis zum K├Ânig drangen. Als erstes hatte er eine kleinere Stadt mit ca. 1000 Einwohnern angesteuert, hatte dort aber nur die schon bekannten Sorgen wegen des Wetters zu h├Âren bekommen.
Jetzt ging sein Blick in Richtung der aufgehenden Sonne, denn in der weiten Ebene vor ihm lag sein Ziel: Oselau. Die Stadt hatte immerhin schon 5000 Einwohner und war damit eine Stadt mit einer typischen Gr├Â├če im K├Ânigreich.
Es waren bestimmt noch 50 Kilometer zur├╝ckzulegen und selbst wenn er diese Strecke h├Ątte laufen k├Ânnen, so wollte er das seinem K├Ârper nicht mehr zumuten. Er ging ein St├╝ck weiter den Hang hinunter zu einer Wiese, auf der viele Blumen gerade ihre Bl├╝ten ├Âffneten und sich der Sonne entgegen streckten. Dort w├╝rde er ein passendes Transportmittel finden. Er war noch nicht ganz angelangt, da konnte er schon das gesch├Ąftige Brummen der Hummeln h├Âren. Fr├╝her hat er f├╝r seine Reisen gerne Libellen genommen. Man konnte mit ihnen riesige Strecken an einem Tag zur├╝cklegen, aber sie waren wahnsinnig hektische Gesch├Âpfe und man musste k├Ârperlich fit sein, um nicht von ihnen herunter zu fallen, wenn sie unvermittelt die Flugrichtung ├Ąnderten, weil sie meinten, einem Hindernis erst in letzter Sekunde ausweichen zu m├╝ssen.
Er begann leise eine Melodie zu summen und konnte beobachten wie sich gleich mehrere Hummeln langsam auf ihn zu bewegten und sich nach nicht einmal einer Minute die erste in seiner ausgestreckten Hand niederlie├č.
Er schloss vorsichtig die Hand und ver├Ąnderte ein wenig die Melodie und schon konnte er sp├╝ren wie sich die Hummel in seiner Hand ver├Ąnderte. Sie wuchs immer weiter und bald konnte er sie nicht mehr in seiner Hand halten und er legte sie ins Gras. Sie w├╝rde solange weiterwachsen wie er seine Melodie nicht unterbrach. Nach f├╝nf Minuten war die Hummel so gro├č wie ein Esel und Fehgrundt fand es war genug.
Er ging um die nun m├Ąchtigen Fl├╝gel herum zum Kopf und die Hummel schien sich wie von selbst zur Seite zu neigen damit er leichter aufsteigen konnte. Er griff in das Fell der Hummel, st├╝tzte sich noch einen Augenblick mit seinem Wanderstab am Boden ab und mit erstaunlicher Beweglichkeit kam er genau vor den Fl├╝geln zum sitzen. Es konnte losgehen. Mit seinem Wanderstab w├╝rde er die Hummel dirigieren und ihre tr├Ąge Gem├╝tlichkeit kam seinem Alter sehr entgegen. Es w├╝rde nun eine erholsame Reise nach Oselau werden.

Gegen Mittag landete die Hummel drau├čen vor der Stadt, ganz als w├╝sste sie, dass sie dort nicht hingeh├Ârte. Direkt neben der Hauptstra├če setzte sie auf und er lie├č sich von ihr heruntergleiten und begann sodann eine seiner vielen Melodien zu summen. Er dr├╝ckte sie nochmal herzlich und trat dann ein paar Schritte zur├╝ck. Mit seinem Wanderstab machte er eine Bewegung, als wollte er die Hummel aufscheuchen und sie erhob sich tats├Ąchlich, drehte sich tr├Ąge in die Richtung, aus der sie gekommen waren, und flog davon. Fehgrundt wusste, dass sie irgendwann auf ihrem Flug zur├╝ck einfach wieder auf ihre normale Gr├Â├če schrumpfen w├╝rde. Um die Hummel musste er sich jedenfalls keine Sorgen machen, Sorgen lagen eher vor ihm.

Einen Gasthof, in dem er seinen Hunger stillen und sich vor allem Informationen beschaffen konnte, w├╝rde er wohl im Stadtzentrum finden und so ging er gemessenen Schrittes die Stra├če entlang in die Stadt hinein. Er wollte den Spaziergang nutzen und sich noch ein wenig die Stadt und ihre Einwohner anzuschauen. Doch es war still in Oselau, gespenstisch still sogar. Vor einem der H├Ąuser sa├č eine alte Frau auf einer Bank und hatte die H├Ąnde in den Scho├č gefaltet, bewegungslos, als g├Ąbe es nichts mehr f├╝r sie zu tun als zu warten. In einem anderen Garten spielten ein paar Kinder in einem Buddelkasten, aber auch sie schienen nicht bei der Sache zu sein.
Er begegnete noch zwei jungen Frauen auf der Stra├če und er versuchte ein wenig zu l├Ącheln, um einen m├Âglichst freundlichen Eindruck zu hinterlassen, aber die beiden senkten nur ihre Blicke und schienen froh zu sein, dem seinen ausweichen zu k├Ânnen. Je weiter er in die Stadt hineinkam, um so unwohler f├╝hlte er sich.
Die Stadt bestand aus meist einfachen H├Ąusern mit einem kleinen Vorgarten, in dem jeder nach seinen Vorstellungen Blumen ges├Ąt und Str├Ąucher gepflanzt hatte.
Auch wenn die Stra├čen sauber, die H├Ąuser nicht vernachl├Ąssigt oder verlassen und die Vorg├Ąrten nicht ├╝berwuchert waren, so machte doch alles einen lieblosen Eindruck.
Oselau wurde von zwei sich kreuzenden Strassen durchzogen, von denen einige Seitenstra├čen abgingen. In der Stadtmitte gab es einen Brunnen. Das Rathaus, die Post und der Gasthof belegten drei der vier Grundst├╝cke direkt am Platz. Auf dem vierten Grundst├╝ck standen nur noch die Mauerreste eines niedergebrannte Hauses, zwischen denen ein paar Pferde standen. Es musste schon eine Weile her sein, dass das Haus Opfer der Flammen geworden war.
Fehgrundt wandte sich dem Gasthof zu. ÔÇ×Gasthaus und PensionÔÇť stand in gro├čen Lettern ├╝ber dem Eingang - das Gasthaus lag zu ebener Erde, die Pension dar├╝ber. Zwei in Stein geschlagene Treppe f├╝hrten vom unteren Eingang des Gasthauses in zwei seitlichen B├Âgen bis hinauf zum Eingang der Pension.
Die Eingangst├╝r des Gasthofs stand offen und lud vorbei kommende Wanderer zum Verweilen ein. Fehgrundt trat hinein und begann sofort, zu fr├Âsteln. Die dicken Steinmauern sorgten zu allen Jahreszeiten f├╝r eine konstante Temperatur, die Fehgrundt im Moment allerdings ein wenig zu frisch erschien. Die Tische, die links und rechts an der Wand standen, waren leer. An dem grob zurecht gehauenen Holzblock, der als Tresen diente, standen ein paar Dorfbewohner in traditionellen Trauertrachten und sprachen leise miteinander. Als einer des unbekannten Gastes gewahr wurde, machte er die anderen mit einer Kopfbewegung darauf aufmerksam und das Gespr├Ąch verstummte.
Es war der gleiche Missmut, der ihm schon bei seinem Marsch durch das Dorf aufgefallen war. Keiner der Einwohner war fr├Âhlich. Von einem Trauernden w├╝rde man das wohl auch nicht erwarten - aber es w├╝rde doch nicht das ganze Dorf trauern?
Fehgrundt suchte sich einen Tisch in der Mitte aus und setzte sich so daran, dass er die Trauernden im Blick behalten konnte.
Er hatte kaum Platz genommen, als sich aus dem Hintergrund der Umriss des rundlichen Gastwirts l├Âste und zu ihm her├╝ber kam. ÔÇ×Was w├╝nscht Ihr, mein Herr?ÔÇť, fragte er h├Âflich. ÔÇ×Ich musste das Fr├╝hst├╝ck auslassen und so w├╝rde mir ein deftiges Fr├╝hst├╝ck wie es einem Bauern auch gefallen w├╝rde gut tun. ÔÇť ÔÇ×Sehr wohl der Herr. Dauert nur ein paar Minuten.ÔÇť Der Wirt drehte sich um und verschwand im Dunkeln des Gasthofes. Die Trauernden nahmen das Gespr├Ąch so leise wieder auf, dass Fehgrundt beim besten Willen nicht h├Âren konnte, wor├╝ber sie sprachen, und dabei war er doch so neugierig.
Nach ein paar Minuten, Fehgrundt hatte sich die Zeit damit vertrieben, die Einrichtung des Gasthofes zu studieren, und dabei sooft es ging, einen Blick auf die Trauernden fallen lassen, kam der Wirt mit einem Tablett voll Brot, Butter und ein paar Scheiben Wurst und Schinken zur├╝ck. Unter einer Haube brutzelten ein paar R├╝hreier mit Speck und Pilzen und von allem war reichlich vorhanden. Als der Wirt sich wieder davon machen wollte, begann Fehgrundt seine Rede. ÔÇ×Sagt was ist den Menschen dort dr├╝ben geschehen, dass sie in Trauer hier versammelt sind?ÔÇť Der Wirt schien von dem Interesse des Gastes ein wenig irritiert. ÔÇ×Wie meinen, Herr?ÔÇť ÔÇ×Mich w├╝rde interessieren was diese Menschen dort dr├╝ben zu betrauern haben?ÔÇť ÔÇ×Noch nichts, aber es wird wohl nicht mehr lange brauchen bis der Vater dieser braven B├╝rger in die Sph├Ąre aufsteigen wird. Er k├Ąmpft schon seit Tagen und kein Arzt oder Heiler hat ihm Linderung bringen k├Ânnen. Er ist schon so schwach, dass es wirklich nicht mehr lange gehen kann.ÔÇť Fehgrundt war erschrocken. ÔÇ×Wollt Ihr mir sagen, dass niemand den Sterbenden tr├Âstet und ├╝ber ihn wacht, damit es ihm leichter f├Ąllt, das Dasein hier aufzugeben?ÔÇť Die Stimme des Wirtes hatte seine schmeichelnden Ton und die zuvorkommenden Worte g├Ąnzlich verloren. ÔÇ×Na, der Enkel ist als Wache abgestellt und wird schon her├╝ber kommen, wenn der Alte endlich tot ist.ÔÇť Fehgrundt war dar├╝ber entsetzt und auch wenn das Essen noch so verf├╝hrerisch roch, so konnte er nicht mehr an sich halten. Er holte tief Luft und legte alle ihm verbliebene Kraft in die Stimme - und es war eine m├Ąchtige Stimme. ÔÇ×Seht! Ich bin der Seher des K├Ânigs und ich w├╝nsche, sofort zu dem Sterbenden gebracht zu werden. Es ist besch├Ąmend wie hier Angeh├Ârige eines Sterbenden auf den Tod wie Geier auf das Aas lauern.ÔÇť Der Wirt war nun seinerseits entsetzt und die Trauernden, die keine waren, wie Fehgrundt jetzt wusste, zuckten zusammen. Einer der J├╝ngeren l├Âste sich aus dem Hintergrund und schlenderte heran. ÔÇ×Sie werden ihm auch nicht mehr helfen k├ÂnnenÔÇť, sprach er im Vorbeigehen und Fehgrundt folgte ihm mit Wut im leeren Bauch.

Fehgrundt hat auf einem Stuhl am Bett des Sterbenden Platz genommen und die Augen geschlossen. Er war alleine mit dem Enkel und seinem sterbenden Gro├čvater, der ihre Anwesenheit wohl nicht mehr registrierte. Mit geschlossenen Augen konzentrierte sich Fehgrundt auf das, was normale Menschen nicht sehen konnten und erblickte so die Seele des Sterbenden und die Sph├Ąre, die sich sch├╝tzend ├╝ber die Welt spannte. Er konnte sehen, wie die Seele langsam ihr nun mehr schwaches Leuchten verlor und sich mit einem Rest an Schimmer vom Sterbenden l├Âste. Langsam stieg die Seele auf und w├╝rde in wenigen Augenblicken in die Sph├Ąre aufgenommen werden und dort als ein Schleier den Menschen hier unten Schatten spenden. Doch dann passierte das Unglaubliche. Als die Seele die Sph├Ąre schon fast erreicht hatte, verging sie in Flammen und war verschwunden. Fehgrundts Herz machte einen Satz. Die Seelen spendeten keinen Schatten mehr! Ja, sie gingen erst gar nicht in die Sph├Ąre ein!
Er hatte den Enkel, der am Sterbebett hatte wachen sollen v├Âllig vergessen. Fehgrundt erhob sich von seinem Stuhl, st├╝tze sich schwer auf seinen Wanderstab und verlie├č den Raum so schnell es ging. Im Vorbeigehen brachte er noch halbherzig sein Bedauern zum Ausdruck und war auch schon nach drau├čen verschwunden.
Was er jetzt gebrauchen konnte, war eine Libelle, aber er musste sich mit einer einfachen Stechm├╝cke begn├╝gen. Wenn sie erst mal um ein Vielfaches gr├Â├čer w├Ąre, w├╝rde wohl selbst sie ein rasantes Transportmittel abgeben.

ÔÇ×Mein K├Ânig ich habe das R├Ątsel gel├Âst.ÔÇť begann er seine Ausf├╝hrungen. ÔÇ×Die Menschen in eurem K├Ânigreich und unter der ganzen Sph├Ąre sind ungl├╝cklich mit ihrem Dasein.ÔÇť Fehgrundt wartete auf eine Reaktion des K├Ânigs, aber der schien mit dieser Aussage wenig anfangen k├Ânnen. ÔÇ×Wie kommt Ihr denn darauf? Wir haben keine Kriege, immer genug zu essen und es gibt keine schweren Krankheiten. Alles geht einen geordneten Weg von der Geburt ├╝ber den Lebensalltag bis hin zum Tod.ÔÇť ÔÇ×Ja. Genau das scheint aber das Problem zu sein. Schaut, mein K├Ânig: Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen h├Ątte, w├╝rde ich es nicht glauben. Normalerweise sind die Menschen im Winter wegen der Entbehrungen und der K├Ąlte der Jahreszeit m├╝rrisch und vergr├Ąmt, was dazu f├╝hrt, dass die Seelen der Sterbenden auf dem Weg hinauf zu Sph├Ąre verbrennen und so die K├Ąlte hier unten lindern helfen. Im Sommer ist es genau anders herum: Die Freude ├╝ber das Dasein und das Leben und den Erfolg bei der Ernte l├Ąsst die Seelen der Sterbenden unbeschadet bis hinauf zur Sph├Ąre steigen und Schatten spenden bis zum Winter und verhindern so einen all zu heftigen Sonnenschein.
Aber die Seele dieses armen Mannes war bereits auf dem rechten Weg hinauf zu Sph├Ąre, um von dort der Welt hier unten Schatten zu spenden, als sie einfach nach einem guten St├╝ck der Strecke in Flammen verging und somit das Wetter noch weiter anheizte. Die Seelen gehen fehl, weil die Menschen unzufrieden sind,ÔÇť schloss Fehgrundt. Der K├Ânig starrte ins Leere und schien zu ├╝berlegen, wie seine Entscheidung ausfallen sollte. ÔÇ×Sag Seher! Warum ist das so? Die Menschen haben alles und sind doch unzufrieden? Wie kann das sein?ÔÇť ÔÇ×Auf dem R├╝ckflug habe ich bereits dar├╝ber nachgedacht und bin nach einigem hin und her zu dem Schluss gekommen, dass die Menschen an der Eint├Ânigkeit ihres Daseins erkrankt sind. Eben weil jeder Tag genauso abl├Ąuft wie alle Tage vorher. Auch die Geschichten der Eltern berichten vom immer gleichen Ablauf des Lebens. Die Kinder wissen bereits von klein an, wie das Leben verlaufen wird, einschlie├člich des Todes.ÔÇť Fehgrundt holte tief Luft, denn er musste zusehen, dass er seine Idee in einem Schwung herausbrachte. ÔÇ×Wir sollten die Menschen dazu auffordern und ermutigen, ihren Tr├Ąumen und Fantasien zu folgen und die herrschende Routine zu durchbrechen. Sie sollten lernen, dass durch Verlassen der eingefahrenen Wege neue Ideen entstehen und sich Dinge ver├Ąndern. Dass das Leben bei weitem nicht vorbestimmt ist und sogar abenteuerlich sein kann!ÔÇť. Die Luft war zu Ende und er konnte einen wahrlich verbl├╝fften K├Ânig sehen. Fehgrundt l├Ąchelte. ÔÇ×Da niemand Erfahrung damit hat, neue Wege zu gehen, sollten wir in allen gr├Â├čeren St├Ądten Wettbewerbe ausrufen und die Bewohner auffordern, sich zun├Ąchst Geschichten auszudenken, in denen das passiert. Die besten Geschichten aus allen St├Ądten werden gesammelt und Ihr, der K├Ânig, werdet daraus die beste Geschichte mit 1000 Goldst├╝cken belohnen. Die besten, sagen wir 20, sollten in einem Buch zusammengefasst werden.ÔÇť Der K├Ânig hatte sich wieder im Griff. ÔÇ×Und damit ihrer unge├╝bten Fantasie etwas auf die Spr├╝nge geholfen wird, geben wir ein Thema vor.ÔÇť Fehgrundt war erstaunt ├╝ber den Eifer seines K├Ânigs. ÔÇ×Seelenwanderungen soll das Thema sein, weil wir das R├Ątsel darum gel├Âst habenÔÇť, bestimmte der K├Ânig mit fester Stimme.

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flammarion
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