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Leselupe.de > Kurzgeschichten
SehnSucht
Eingestellt am 24. 10. 2012 12:53


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Chrischbus
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Registriert: Nov 2009

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Traum vom Apfel

Traum vom Apfel

Als Gott sprach, es werde Licht, da ward es Licht. Am ersten Tag.
Am sechsten Tag schuf Gott den Menschen als Mann und Frau. Adam und Eva im Paradies. Bis Eva den Apfel pfl├╝ckte.
Denn sie hatte davon getr├Ąumt. Der Traum vom Apfel.
Es gab einen Garten mit Apfelb├Ąumen, und das war Traum, denn es gibt keinen Garten mit Apfelb├Ąumen.
Es gab auch einen Garten mit Birnenb├Ąumen und einen mit einer Schaukel zwischen Rosenstr├Ąuchern, die bl├╝hten. Das war Traum.
Es gab einen Garten, dessen Existenz erahnbar war, dessen Luft zwischen ├Âden Maschinen hing. In dem Rosen wuchsen, die dufteten, nicht wie Parf├╝m, sondern leicht und weich und manchmal ein bisschen salzig, denn es waren Meeresrosen. Die trinken Salzwasser, wenn sie Durst haben, und wenn sie M├╝nder h├Ątten, w├╝rden sie sich von Seetang ern├Ąhren.
Meeresrosen sind rot oder rosa, aber mit einem Schimmer von Blau darin. Das ist nicht der Himmel, der sich darin spiegelt. Das ist das Meer, denn die Rosen tr├Ąumen vom Meer.
Traum der Rosen mit der M├Âglichkeit des Meeres vor dem Fenster, denn es ist weit und reicht manchmal weiter. Blumen nicken, wenn sie das Wasser sehen. Aber es ist Salzwasser. Die Blumen nicken ein. Nur die Meeresrosen nicht. Sie nicken, wenn sie das Wasser sehen. Das Salzwasser. Sie nicken mit ihren K├Âpfen und neigen sie zum Trinken. Bl├╝hen dann noch r├Âter oder rosaner mit ein bisschen Blau.
Wenn man tr├Ąumt von Dingen die w├Ąren, w├Ąren es doch die sch├Ânen Dinge.
Wie Evas Traum. Traum vom Apfel.
Denn es ist die Sehnsucht, die tr├Ąumen l├Ąsst. Sehnsucht nach dem Moment.
Wenn das Gewitter in den Wolken liegt, die sich schw├╝l und dick zusammen schieben. Auf-bauende, starke Wolken vor dem Moment des Platzens, vor dem Moment des Passierens, vor dem einen Moment, der nur in sich selbst existiert. Das ist der Moment des Todes. Mo-ment der Sehnsucht.
Als Eva den Apfel pfl├╝ckte, und ich aufgefressen wurde.
Das war Traum, denn es blieb danach nur ein leerer Raum, aus dem ich verschwunden war. Um den Raum ein leeres Haus. Nur es sa├č noch im Keller.
Daraus war es gekommen. Gewunden.
Aus dem Himmel fallen gewundene Regentropfen, wenn man sich ganz schnell im Kreis dreht und dann die Regentropfen anguckt. Die winden sich, und Schrauben winden sich in Holz hinein.
Und es hatte sich da hervor gewunden. Durch kleine Schlitze und Ritze. Da wand es sich durch. Die Mauern br├Âckelten darum, denn es war gro├č.
So gro├č, und das hatte gebissen, als ich versucht hatte es zu umarmen.
Das war wo heraus geschl├╝pft.
Ich habe Larven gesehen im Botanischen Garten, Schmetterlingslarven und irgendwann waren die Schmetterlinge geschl├╝pft, und so war es auch heraus geschl├╝pft. Wie die kleinen Tiere oder die Haare unter der Haut. Aber es war gr├Â├čer.
Es blieb auch das wei├če Laken, die hellen Blutstropfen der Jungfrau darauf hatte jemand erahnt, waren verwaschen, verblichen. Es war nur das Laken geblieben mit gelblichen R├Ąndern und nichts darauf.
Die ebenso wei├če Wand spiegelte sich in dem wei├čen Laken, nur mit Stuck in den Ecken und w├Ąre es eine Lampe gewesen, aber es war nur eine Birne und das ganze Wei├č.
Und es hatte gefressen und gefressen, denn sein Hunger war uners├Ąttlich, es hatte so Hunger, und ich war nur ein kleiner Happen gewesen. Und sonst war nichts in dem Raum gewesen.
Es war ein bisschen so wie drau├čen, wo sich die Mauern hintereinander schoben und ganz hinten sa├č darauf eine Taube oder eine M├Âwe oder eine Schwalbe. Die Mauern waren grau mit ein bisschen rot und der Himmel dar├╝ber blau mit ein bisschen gr├╝n. Einer hat mal gesagt, meeresgr├╝n. Das lag daran, dass die M├Âwen auf den Mauern sie manchmal verlie├čen, um zum Meer zu fliegen, die Tauben und Schwalben nicht.
Die flogen dann woanders hin, es blieb wieder nichts. Nicht auf den Mauern und nicht im Raum.
Das war eben gleich. Es blieb immer ein bisschen leer.
Denn ich war gefressen worden.
Es war um mich herum geschwappt und in mich eingedrungen. Ich wollte es k├╝ssen und dachte, ich w├Ąre zu gierig, denn ich versank in dem Mund und konnte mich an den klitschigen Schleimh├Ąuten nicht halten.
Ich dachte, ich liebte.
Bis es mich fra├č, da wusste ich, dass ich liebte.
Ich liebte es.
Und danach blieb nur Leere, daraus war ich verschwunden.
Hatte mich nicht halten k├Ânnen und war versunken. Alles was es gegeben hatte, war versunken. Und es gab auch keine St├Ârger├Ąusche mehr. Die flatterten manchmal um das Haus, als wollten sie jemanden rufen. Sie wisperten, sie fl├╝sterten. Als ob sie sagen wollten, komm da raus. Sie sagten, komm da raus. Sie riefen mich. Sie schrien nach mir. Das waren St├Ârger├Ąusche.
Sie versanken, und ich dachte an die wei├če, weiche Watte.
Aber das ist wie mit Wolken. Wattegleiche Wolken, und sie sind nur Regen und Tropfen, nass und kalt.
Und in ihm drin, da war es auch keine Watte. Da war es rot, aber ich konnte die Augen nicht ├Âffnen und dachte nur, es w├Ąre rot, denn so h├Ątte sich rot angef├╝hlt. N├Ąmlich so richtig.
Es war ein richtiges Gef├╝hl gefressen zu werden.
Denn nur das Wei├če in dem Raum blieb danach, das rote Blut war erahnbar, aber kein Rot sichtbar.
Und es war so gierig gewesen.
Es hatte fressen wollen.
Es war aus dem dunklen Keller in den wei├čen Stuckraum zu dem wei├čen Laken, auf dem ich lag, gekommen.
Der Stuck in dem wei├čen Raum blieb auch zur├╝ck. Obwohl der Stuck nur angepappt war. Man durfte nicht zu sehr wackeln, sonst w├Ąre er herunter gefallen.
Als ich es umarmt und gek├╝sst hatte. Als es auf mir lag und zur├╝ck k├╝sste mit dem Mund, der zu gro├č war zum K├╝ssen, denn ich war darin versunken. Hatte mich nicht halten k├Ânnen und war tiefer in dem versunken, was sich so rot angef├╝hlt hatte. Und so wattig. Es war nicht Watte, aber Watte ist etwas Sch├Ânes, wie Wolken etwas Sch├Ânes sind. Und es war sch├Ân.
Denn ich blieb nicht zur├╝ck. Mit dem wei├čen Stuck, der so br├╝chig war, dem leeren Haus und den St├Ârger├Ąuschen.
Es war ein Moment. Es war nur ein momenthaftiger Haps gewesen, in dem es mich verschlungen hatte. Da sagte einmal jemand, Momente k├Ânnten ewig w├Ąhren. Aber ich glaube nicht daran. Der Moment vergeht, und er vergeht so schnell, denn er ist kurz und hat gerade erst begonnen.
Nur der Wunsch nach dem ewig w├Ąhrenden Moment existiert, nach allem was nicht Momenthaftigkeit ist, was bleibt. Aber es bleibt nichts. Es bleibt nie etwas. Nur der Wunsch zur├╝ck und manchmal eine Hoffnung nach vorne.
Ich wurde aufgefressen, das war der Moment. Der Moment mit dem Wunsch dahin zur├╝ck. Nur zur├╝ck.
Nach vorne blieb nichts. Denn der Raum war dann wei├č und leer, mit den Mauern vor dem Fenster, die leer waren, mit dem Haus um den Raum, das leer war. Es war wei├č, alle Farben daraus verblichen. Es war Nichts. Denn ich war aufgefressen worden, verschwunden.
Und nur im Keller sa├č es noch. Da wartete es. Saugte die Farben aus Allem in das Schwarz, in dem es sa├č.
Der Moment war vorbei.
Der Moment, in dem sich das Gewitter entladen hatte. Ein Blitz und gleichzeitig Donner, als die nassen Tropfen auf der hei├čen Haut zersprangen. Der Moment des Todes.
Die Sehnsucht danach. Der Traum vom Apfel.
Aber Sehnsucht kann nur in ihrer Nichterf├╝llung existieren. In dem Moment ihrer Befriedigung verschwindet die Sehnsucht. Einen Moment lang ist der Moment erreicht. Bis er vergeht.
Erf├╝llte, zerfallene Sehnsucht.
Nur der Wunsch zur├╝ck. Nach dem Wieder und immer Wieder.
Sucht danach. Der Albtraum vom Apfel.
Als Gott die unerf├╝llbare Sehnsucht schuf und der Apfel am Baum wuchs.

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