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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Sehnsucht nach dem Erdbeermund
Eingestellt am 09. 09. 2003 18:44


Autor
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Ercule Poirot
Hobbydichter
Registriert: Aug 2003

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Sehnsucht nach dem Erdbeermund

Die Sonne blendete mich etwas, wodurch ich die Kreidestriche der Gleichung, die Uli anschrieb, nicht recht lesen konnte. War das nun eine Drei oder doch eine Acht, ich konnte es einfach nicht recht entziffern. Aber eigentlich interessierte es mich ja gar nicht, was f├╝r eine Zahl das nun war. Eigentlich schenkte ich meine ganze Aufmerksamkeit nur ihr, nur Uli. Mir schien als g├Ąbe es nichts wichtigeres und vor allem nichts h├╝bscheres als sie und da konnten mir irgendwelche, aus der anonymen Versenkung kommenden, Gleichungen gestohlen bleiben. Ihre Blicke, die Uli mit ihren wunderbar rehbraun funkelnden Augen immer wieder durch das Klassenzimmer schweifen und manchmal sogar in meinem Augenkontakt ruhen lie├č, waren wundervoll. Aber mindestens genauso wundervoll waren ihre Haare, ihre dunkelblonden, fast braunen Haare, die mich an den zarten Schmelz eines Malagareises im Sommer erinnerten.
Ja -- Erinnerungen aus dem Sommer, Erinnerungen aus einem wunderbaren unvergesslichen Sommer, das verk├Ârperte sie f├╝r mich, denn w├Ąhrend des Landschulheimaufenthaltes im Sommer begann die Sache zwischen Uli, die eigentlich Ulrike Schmitt hie├č und meine Mathematiklehrerin war, und mir so richtig. Wir verstanden uns schon seit unserer ersten Begegnung blendend, was vielleicht auch ein bisschen daran lag, dass ich ein nicht unbedingt schlechter Sch├╝ler war. Aber irgendwie war unser Lehrer-Sch├╝ler-Verh├Ąltnis von Anfang an etwas besonderes und basierte nicht nur auf der Schule.
So freute ich mich nat├╝rlich als bekannt wurde, dass Uli meine Klasse in den Schwarzwald ins Landschulheim begleiten w├╝rde und auch ihr konnte man die Freude etwas anmerken. Anfangs wurden meine Erwartungen jedoch nicht so richtig befriedigt, denn fast jeden Tag stand eine Wanderung mit dem Genuss der Natur auf der Tagesordnung. Deshalb schien es mir fast als Erleuchtung, als Belohnung, dass ich mir auf einer der zahlreichen Exkursionen den Kn├Âchel verstaucht hatte und so f├╝r einige Tage lahmgelegt war. Ich konnte also unm├Âglich mit auf die Wanderung, die f├╝r den n├Ąchsten Tag geplant war und so erkl├Ąrte sich Uli dazu bereit mit mir den Tag im Haus zu verbringen, was mich mit ├╝berw├Ąltigender Freude erf├╝llte und was auch in ihr die Vorfreude aufsteigen lie├č, dass man an ihren vor Gl├╝ck funkelnden Augen geradezu sehen konnte.
Als alle anderen sich auf den Weg gemacht hatten, waren wir alleine in dem Haus, alleine mit unserer Sehnsucht von der wir jedoch noch nicht wussten, dass sie da war. Aber schon bald bemerkten wir, w├Ąhrend wir etwas plauderten, wie genau wir uns beobachteten. Uli erz├Ąhlte mir, dass sie 25 Jahre alt war und dass ihr Freund vor kurzem Schluss gemacht hatte und ich berichtete, dass ich momentan ebenfalls ein paar Probleme mit einem M├Ądchen hatte. Wir hatten also beide zur Zeit Beziehungsstress.
Wieder sahen wir uns an, aber diesmal noch inniger. Wir sahen uns so tief in die Augen, wie wir es bisher noch nie taten. Ihre rehbraunen Augen waren fesselnd und auch ihre Haare, die durch die gelockten Spitzen etwas verwegenes hatten. Und dann geschah es. Endlich. Endlich geschah es. Sie neigte ihren Kopf etwas nach rechts und ich fuhr ihr mit den H├Ąnden durch die leichten Locken, um meine Lippen auf ihre zu legen. Es war wunderbar. Ich konnte gar nicht genug bekommen von ihrem herrlichen Erdbeermund und legte immer wieder meine Lippen auf ihre, w├Ąhrend sie mich z├Ąrtlich umarmte. Ich war 16 und sie war 25, aber sollte dies eine Rolle spielen? Nein. Schlie├člich liebten wir uns. Zwischen uns war die Magie, das Band der Liebe, das nicht durch ein Alter zerst├Ârt werden sollte. Es war herrlich und wir wollten beide immer mehr davon, immer mehr, w├Ąhrend unser Verlangen kaum zu stillen war. Das Feuer war also entfacht, das Feuer der Liebe und es loderte immer heftiger.
Uli und ich trafen uns jetzt jeden Abend. Immer erwarteten wir uns sehns├╝chtig um die heftigsten, die besten K├╝sse auszutauschen, die uns beiden so viel bedeuteten.
Doch am letzten Abend unseres Landschulheimaufenthaltes, an dem wir uns ebenfalls trafen, war irgend etwas geschehen, irgend etwas war anders als sonst, wo doch das letzte Treffen dieser Art noch etwas ganz besonderes werden sollte. Wie immer begr├╝├čten wir uns mit einem leidenschaftlich prickelnden Kuss, der wie immer noch besser war als die des Vorabends. Aber danach wurde Uli sofort ernst. Ziemlich schnell gab sie mir unmissverst├Ąndlich zu verstehen, dass unsere Liebe keine Zukunft hatte und dass dies wohl unser letztes Treffen war. Sie begr├╝ndete es damit, was f├╝r mich nicht ganz nachvollziehbar war, dass ein Sch├╝ler mit seiner Lehrerin keine Beziehung eingehen d├╝rfe und dass es sonst ├ärger von der Schulleitung g├Ąbe. Aber sollte man deshalb einfach aufh├Âren zu lieben. Das waren jedenfalls bisher unsere letzten Worte zu diesem Thema.
Und nun, nach etwa zwei Tagen, sitze ich wieder hier, im Mathematikunterricht meiner Geliebten und ich war mir sicher sie liebte mich auch noch. Aber wie sollte ich Uli nun blo├č zeigen was ich noch f├╝r sie empfand? ÔÇô Genau. Ich w├╝rde einfach hingehen und ganz ehrlich sein, ganz ehrlich, das w├Ąre das Beste.
Ich wurde mir immer sicherer. Ich w├╝rde mit ihr reden und vielleicht erinnerte sich Uli dann wieder an den wunderbaren Sommer. So0 konnte ich bestimmt wieder ihre Sehnsucht wecken, so wie ich mich sehnte, nach ihren Erdbeermund.



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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

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???

hallo ercule poirot,

sch├Ân geschrieben.

entweder ich ├╝bersehe etwas (das mu├č nicht an der geschichte liegen; meine manchmal etwas lange leitung kann auch verstopft sein), oder es bleibt die frage:
warum siehst du den text als kurzgeschichte? ich erkenne nur die skizze einer etwas ungew├Âhnlichen liebe.

viele gr├╝├če

rainer
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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Haselblatt
Festzeitungsschreiber
Registriert: Dec 2002

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Oh Herz, mein Schmerz

Wenn du, mein Freund, so ein ├Ąltlicher Junggeselle w├Ąrst (wie z.B. ich), dann h├Ątte ich dich verd├Ąchtigt, seinerzeit zu viel bei Eichendorff auf Besuch gewesen zu sein - uff:

"...die wunderbar rehbraun funkelnden Augen,
ger├╝hrt vom zarten Schmelz eines Malagareises,
in ├╝berw├Ąltigender Freude erf├╝llt mit vor Gl├╝ck funkelnden Augen,
voll der Magie und des Feuers der Liebe, das immer heftiger loderte,
in endlos geweckter Sehnsucht nach ihren Erdbeermund..."

Also liebkoste dich die Muse in bodenloser S├╝├če!

Auf der anderen Seite darf ich anmerken, dass es (f├╝r mich!) ein hoffnungsvolles Signal ist, wenn es einen Nachwuchs an Romantikern gibt, der mutig genug ist, seinen Gef├╝hlen verbalen Ausdruck zu verleihen. In diesem Sinne: Lass dich von meinem Ge├Ątze nicht entmutigen, aber tu beim n├Ąchsten Mal weniger Honig aufs Br├Âtchen!


__________________
Auf bald - Heimo B.
As long as you continue to do what you always did, you will continue to get what you always got. (Abraham Lincoln)

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