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Leselupe.de > Kurzprosa
Sehnsucht trinken.
Eingestellt am 26. 06. 2004 01:11


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rocketboy
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jun 2004

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Sehnsucht trinken.


eins.

Ich kann meine Sehnsucht trinken. Hier, im luftleeren Raum schwirren meine TrĂ€ume wie Seifenblasen durch die Gegend. Ich tanze. Du sitzt neben mir. Du erzĂ€hlst mir von Blur. Deine Haare kitzeln meine Nase, so nah sprichst du neben meinem Ohr. So viele weiche Haare, dein Oberkörper, deine nackten Arme. Von all diesen Dingen habe ich keine Ahnung. Ich betrachte dich durch die laute Musik, wie du vertrĂ€umt dasitzt, wie dir etwas einfĂ€llt, wie du dich zu mir beugst und lĂ€chelst, wie du mir von diesem Gitarrensolo erzĂ€hlst, das das beste von allen ist. Ich bin zu perplex, um deine Traumfrau zu sein. Ich bin wie weggefegt. Mir ist heiß, ich wische meinen Schweiß von der Stirn und möchte gerne deine glĂ€nzende Schulter berĂŒhren. Du saugst mich aus und machst mich alles vergessen, was ich jemals zu glauben wußte. Wer war ich schon in meiner Vergangenheit und wo stehe ich jetzt? Es liegt an dir, mich neu zu fĂŒllen, doch das einzige, was du mir gibst, sind nĂ€chtelange TrĂ€ume von dir. Du kannst jetzt meine Sehnsucht trinken.

Ich brauche dich nicht und ich liebe dich nicht. Es gibt keinen Beat, um dieses Biest zu zerstören. Alles, was ich will, ist, dich zu wollen. Ich will nicht mehr denken, an Dinge, die mir mein Gewissen zuflĂŒstert oder ans nachhause gehen oder an die Tatsache, dass dies alle erfahren könnten. Das Begehren ĂŒberschlĂ€gt sich in mir und raubt mir das Herzklopfen. Ich bin gelĂ€hmt wie ein auf Beute fixiertes Raubtier. Ich möchte alles zurĂŒckrauben, was du mir gestohlen hast. Dein Atem berĂŒhrt meinen Hals und ich werde wahnsinnig. Die TanzflĂ€che ist unser Bett und die Musik unser Laken. Meine Lippen sollten auf deinen kleben, dein Mund, der so schön lachen kann. Dunstkreise, die dich umgeben, wirbeln um meinen Körper und durchfahren uns beide.

Dann reißt der Faden. Dieser dĂŒnn verwobene Gedanke, durch den du mein ganzes Ich aufgenommen hast. Du drehst dich um und gehst zurĂŒck zu meinen Freunden. Und in meiner gesamten PerplexitĂ€t bin ich auf einmal verloren, weil du so viele Teile von mir mit dir nimmst. Ich weiß nicht mehr, was ich fĂŒhlen darf und kann Gesehenes, Gehörtes nicht einordnen. Deine gesprochenen Worte hinterlassen ein loderndes Feuer in meinem Inneren und diese Leere, die nach deinem Verschwinden zurĂŒckbleibt, facht es nur weiter an. Das Licht geht an und trocknet die letzten Schleier der Nacht. Alles ist fahl und kalt. Die RealitĂ€t brennt in meinen Augen und in meiner Seele. Ich muß weg hier. Ich muß nachhause.


zwei.

Die Zeit steht nie still, sie lĂ€uft immer weiter und ich kann sie nie einholen. Wie in ein Vakuum gesogen wandle ich durch die morgendliche Stadt, wĂ€hrend die Menschen um mich weiterleben. Sie frĂŒhstĂŒcken und kleiden sich und fahren zur Arbeit und spielen Tennis und sind wahrscheinlich glĂŒcklich. Ich indes spaziere hier entlang, als wĂŒrde ich nicht existieren. Ich teile mein Leben mit zerbrochenen Bierflaschen und billigem Wein. Ich laufe der Zeit nach und lasse mich selbst dabei viel zu oft allein zurĂŒck. Doch diesmal trĂ€gt er die Schuld, denn er hat mich in die Flucht geschlagen. Abschied nehmen tut weh, vor allem, wenn man so vieles zurĂŒcklassen muß, an das man mal geglaubt hat.

Ich erreiche irgendwann mein Bett, in dem wir sooft miteinander geschlafen hatten und höre Musik, die wir beide liebten, um das Rauschen in meinen Ohren zu ĂŒbertönen. Du bist weit von hier und doch so nah bei mir. Wir sind durch Jahre verbunden, doch muß ich mich in meiner alten Welt erst neu erfinden. Er hat dich mir geraubt, dich und viele Erinnerungen. Ich brauche dich noch immer sehr und ich liebe dich. Doch alles was ich will, ist, dich nicht zu wollen. Du kannst nicht mehr meine Sehnsucht trinken. So phantasiere ich in meinem Bett vor mich hin und warte, bis der Schlaf mich endlich ruhen lĂ€sst. Ich weiß, dass dies erst der Anfang von unserem Ende ist.

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Zinndorfer
???
Registriert: Jun 2004

Werke: 6
Kommentare: 323
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Mein Gott, du saugst mich auch aus ...

Manchmal habe ich den Eindruck, dass dieses Forum nur darauf wartet, dass irgendjemand etwas Nettes sagt, und der kommt dann irgendwann auch.

quote:
Abschied nehmen tut weh, vor allem, wenn man so vieles zurĂŒcklassen muß, an das man mal geglaubt hat.

Ist das dein Ernst? Könntest du das BITTE irgendwie anders schreiben? Könntest du vielleicht den ganzen Text anders schreiben?

Kraftlose und AUSGESAUGTE GrĂŒĂŸe, Zinndorfer

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Monfou Nouveau
???
Registriert: Aug 2003

Werke: 2
Kommentare: 497
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Hallo rocketboy,

ein sprachlich schöner Einstand, der zweite Teil gefĂ€llt mir sprachlich noch etwas besser als der Anfang. Sehr bewusster Satzbau. Dagegen erscheinen mir einige Aussagen des zweiten Teils etwas weniger verdichtet – oder anders gesagt: trivialer – als beim Anfang.

„Ich erreiche irgendwann mein Bett, in dem wir sooft miteinander geschlafen hatten und höre Musik, die wir beide liebten, um das Rauschen in meinen Ohren zu ĂŒbertönen.“
In diesem Satz finde ich „in dem wir sooft miteinander geschlafen hatten... (Hier fehlt ĂŒbrigens ein Komma, das den Relativsatz beschließ.)“ als kraftlose Aussage – verglichen mit der Dichte des ĂŒbrigen Textes.

Dagegen kann ich einen solchen Satz
„Alles, was ich will, ist, dich zu wollen.“
dreimal lesen und er gefĂ€llt mir immer wieder. Das ist eine kleine Melodie mit einem Zwischenstopp. Diese QualitĂ€t ist natĂŒrlich nicht mit jedem Satz zu erreichen.

Manchmal wirken mir die Aussagen etwas zu allgemein - wie etwa hier:
„Die Zeit steht nie still, sie lĂ€uft immer weiter und ich kann sie nie einholen.“
Ein solcher Satz, der, ĂŒberspitzt gesagt, ĂŒberall stehen könnte, erscheint mir innerhalb deines dichten Geflechts nicht ganz auf der Höhe. „Die Zeit steht nie still
“ Tja, das steht wahrscheinlich wörtlich in tausenden Texten. Google spuckte gleich knapp 100 Texte mit genau diesem Wortlaut aus
 Ich möchte damit sagen, bei dir wechselt eine sehr individuelle Sprache und eine individuelle Aussage mit etwas weniger charakteristischen Stellen. Alles in allem fĂŒr mich aber ein schöner Text. Ausgezeichnet.

Ich hoffe, du hast nichts dagegen, wenn ich ihn zur Kurzprosa verschiebe, denn dein Text ist im eigentlichen Sinn keine Kurzgeschichte, trifft aber genau die Art von Texten, die wir als Kurzprosa definieren.

Liebe GrĂŒĂŸe
Monfou

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Gandl

AutorenanwÀrter

Registriert: Jul 2003

Werke: 1
Kommentare: 166
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Hi rocketboy,
willkommen in der Leselupe!
Wenn du das hĂ€ltst, was du mit diesem Text hier versprichst, dann werden ich viel Freude mit dir haben. Dein Rhythmus gefĂ€llt mir. Und wie (fast) immer, habe ich Monfous klugen Anmerkungen nix hinzuzufĂŒgen.
Liebe GrĂŒĂŸe
Gandl

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rocketboy
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jun 2004

Werke: 3
Kommentare: 2
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1. vielen dank fĂŒr eure kritik, vor allem fĂŒr monfous hinweise.

2. nein, den text kann ich nicht anders schreiben, und was es mit nettigkeit und foren auf sich hat, weiß ich auch nicht.

lg, rocketboy

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