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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Seitensprung
Eingestellt am 09. 08. 2005 22:25


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Bokatis Holdenfried
Hobbydichter
Registriert: Aug 2005

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Seitensprung


Das Bettlaken an meiner Nase ist feucht von uns. Es riecht irgendwie nach Leben. Ich f├╝hle mit der flachen Hand nach. Es ist noch ganz warm. Warm von unserer Hitze. Ich streichle das Laken, als ob es lebendig w├Ąre, als ob es meine Ber├╝hrung f├╝hlen k├Ânnte und ich stelle mir vor, wie es unter meiner Hand atmet.
Es ist ein wei├čes Bettlaken. Ich frage mich, warum sie in Hotels nur immer und ├╝berall dieselben, wei├č gest├Ąrkten Bettlaken haben? W├Ąren gr├╝ne oder blaue Laken nicht viel pflegeleichter, viel robuster und best├Ąndiger, als diese strahlend wei├čen, immer leicht nach Chemie und Reinigung duftenden Stoffbahnen? Was passiert mit all den s├╝ndigen Spuren, die die Menschen gerne in Hotels zur├╝cklassen ÔÇô sollen sie gerade sichtbar werden f├╝r die Welt in dieser scheinbar sicheren Schutzh├╝lle fremder Betten?
Ich presse meine hei├če Wange auf das Laken unter mir. Es ist immer noch angenehm warm, aber es ist lange nicht so warm wie mein Gesicht, das gl├╝ht und hei├č ist und mir wehtut. Alles brennt, alles an mir, und ich sehne einen Windsto├č herbei, ein kleines L├╝ftchen, nur f├╝r einen Augenblick.
Du liegst neben mir und atmest flach. Dein Brustkorb hebt und senkt sich schnell, viel zu schnell f├╝r dieses ruhige, wei├če Laken. Du bist nass, nass und hei├č, und ich schaue dich an, wie du atmest, hastig und au├čer dir, kraftlos und doch voller Leben.
Deine Augen sind geschlossen. Sie sehen mich nicht, sie sehen nicht, wie ich dich beobachte. Sie sehen nicht, wie ich dich ansehe, das Laken unter dir taste, deine Hitze sp├╝re und meine eigene noch immer in mir nachbeben f├╝hle, als w├╝rde ich tanzen, tanzen immerfort auf einem speienden, gl├╝henden Vulkan, der mich einlullt in seine Lava, in seinen hei├čen Rauch, so tief umh├╝llt und umschlingt, dass ich keine Luft mehr bekomme, genau wie du, der du hier vor mir liegst auf diesem wei├čen, nassen Laken und nach Luft ringst.
Du hast die Augen fest verschlossen. Du siehst mich nicht, aber ich sehe dich und ich sp├╝re deine fremde Anwesenheit in diesem fremden Zimmer. Du bist mir nah, nur eine kleine Bewegung, und ich k├Ânnte dich ber├╝hren. Fremd und doch vertraut bist du mir, und ich schaudere beim Gedanken an das, was war.
Ich stehe auf. Meine Beine sind noch schwach und wackelig, der Linoleumboden unter meinen F├╝├čen ist k├╝hl, angenehm k├╝hl unter meinen verbrannten Sohlen. Ich halte mich am Nachttisch fest, an der kordbespannten Lampe, die verstolen vor sich hin gl├╝ht und uns dabei beobachtet wie wir getanzt sind und immer noch tanzen auf unserem Vulkan.
Nebenan in dem kleinen, wei├č gefliesten Bad, bin ich geblendet von dem grellen Neonlicht. Warum sind die Badezimmer in diesen Hotels nur immer so hell? Die wei├čen Kacheln reflektieren das unbarmherzige Gl├╝hbirnenleuchten. Dieses Licht ÔÇô es ist nach au├čen hin warm, aber es f├╝hlt sich kalt an hinter meinem eigenen, fiebrigen Gesicht. Es erinnert mich an die K├Ąlte, unsere K├Ąlte, die wir durch die Hitze aus dem Vulkan gerade noch f├╝r einige wenige Augenblicke verdr├Ąngen konnten.
Mein Gesicht sieht ver├Ąndert aus. Ich sehe mich an im blank geputzten Hotelzimmerspiegel und denke, dass ich mit diesem Blick, der mich aus meinen ger├Âteten Augen anspringt, nie und nimmer wieder zur├╝ck hinaus auf die Stra├če gehen kann. Ich sehe mir in die leeren Augen, und ich wei├č, dass alle die Menschen da unten, in der nasskalten Fu├čg├Ąngerzone, mich sofort entlarven werden und erkennen k├Ânnen, welche K├Ąlte ich unter meinen roten Wangen mit mir trage.
Meine Augen haben sich auch ver├Ąndert. Sie sind anders. Ich senke den Blick, es tut weh, mich selbst anzusehen. Ich sch├Ąme mich. Dann blicke ich wieder auf, sehe mir selbst in die Augen, und ich bin erschrocken ├╝ber die Frau, die mich aus mir heraus anl├Ąchelt. Es ist ein trauriges Lachen, aber ich l├Ąchele. Ich fasse es nicht.
Nebenan bewegst du dich nicht. Du atmest jetzt ruhiger, dein hitziges Hecheln hat sich verfl├╝chtigt. Du schl├Ąfst.
Ich denke, dass ich nie wieder schlafen kann. Ich denke, dass ich nie wieder ganz wach sein kann. Mein Herz schl├Ągt in einer nebeligen Zwischenwelt, irgendwo an der Schwelle zwischen Leben und Tod. Ich liege im Sterben. Mein ganzes kaltes, l├Ąchelndes Selbst liegt im Sterben.
Ich bin schlecht, ich bin b├Âse. Ich bin eine L├╝gnerin, eine Betr├╝gerin.
ÔÇ×Schlampe!ÔÇť fl├╝stere ich meinem blassen Spiegelbild zu. Es antwortet nicht.
Ich sehe mir noch einmal tief in die Augen. Ich sp├╝re, dass ich eine Entscheidung treffen muss, keine Entscheidung treffen will, gezwungen bin, zu handeln, Ruhe bewahren, Vernunft hervorkramen.
Als ich mich wieder anziehe, und in dem Kleiderhaufen neben dem feuchten, wei├čen Bettlaken mein Kleid suche, greifst du pl├Âtzlich meine Hand. Du hast nicht geschlafen, und ich blicke auf und sehe in deine Augen und stelle mir vor, wie du mir in die Augen siehst, in meine neuen Augen, die von meinem fremden Selbst erz├Ąhlen.
ÔÇ×Bleib.ÔÇť sagst du, deine Augen sind noch dieselben, sie haben sich nicht ver├Ąndert, aber ich habe mich ver├Ąndert, und deine Augen sind meinem neuen, diesem anderen, kalten Selbst fremd. Ich habe Angst.
ÔÇ×Nein.ÔÇť, sage ich. Ich ziehe mein rotes Seidenkleid ├╝ber meinen nackten, s├╝ndigen K├Ârper und binde mir das lange, blonde Haar im Nacken mit einer kleinen wei├čen Schleife zusammen.
ÔÇ×Warum?ÔÇť sagst du, du klammerst dich mit beiden H├Ąnden an das gesch├Ąndete wei├če Laken und blickst mich an, fast flehend.
ÔÇ×Ich kann nicht.ÔÇť antworte ich dir, hoffend und bangend, dass ich mir selber glaube. Denn du ber├╝hrst mein Bein, und deine Hand ist hei├č und fordernd, zuckers├╝├č, eine verbrecherische Verf├╝hrung.
ÔÇ×Bleib.ÔÇť sagst du wieder, umschlingst mein Bein mit deiner anderen Hand, ziehst mich zu dir, so dass ich auf das nasse Bett falle, dabei merke, dass es nun nicht mehr nass ist, sondern nur noch voll, voll mit dir, voll mit uns beiden, mit unserer Liebe, unserer unm├Âglichen Liebe.
Ich k├╝sse dich, werde wieder warm, hei├č und verliere mich selber, finde mich wieder, springe von einem Selbst zum n├Ąchsten, drehe und wende mich, hin und her, und lande, ganz am Ende irgendwo, doch wieder bei dir.
Ich bleibe.


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dennis petsch
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Apr 2005

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bokatis holdenfried??? - das pseudonym is echt grimmepreisverd├Ąchtig! (l├Ą├čt da ein wenig der sallinger gr├╝├čen?)
...und die biographie deines profils schlie├čt endlich auch nach 10 jahren die letzte gro├če wissensl├╝cke, die der dennis bei der kristina seit der 10ten hatte: das "s" steht f├╝r sabine... & net f├╝r schlabba... stark!!!

jetzt noch gschwind ein "herzlich willkommen hier" & ein "hallo" & dann aber mal weg vom pers├Ânlichen gepl├Ąnkel hin zum harten hobbyliteratenleselupenbusiness:

jetzt langweilt sich dein text schon seit ewigkeiten hier unber├╝hrt & jungfr├Ąulich bei den kurzgeschichtlern & weil ich grad au├čer luftschlagzeug-spieln nix anderes zum tun hab (das stimmt so net ganz: ich la├č mir gleich die spitzen schneiden & mu├čte eben feststellen, da├č der bekackte art garfunkel so verdammt schei├če hoch kommt & ich nun nie wieder in der dusche singen werd...) ... wie auch immer: ich hab halt grad deine schreibe gelesen & dachte mir, beend ich mal die kommentar-vakanz & schick dir ein paar zeilen.

ohne jetzt den kumpelinen-bonus all zu arg ├╝berzustrapazieren, find ich deinen schrieb wirklich gut... & das, obwohl du ja wei├čt, wie ich zu "freundin h├Ąlt noch mal schnell ihrem ex ihren arsch hin" stehe.

wei├čes, von lava-schwei├č & geb├Ąhrmutterkuchen durchn├Ą├čtes bettlaken kommt wohl immer gut & die badezimmerlampen-sache ist sehr stimmungsvoll, wie eigentlich die ganze geschichte.
den vergleich mit anderen hier brauchst du meiner meinung auf jeden fall nicht zu scheuen!

ein paar kleinigkeiten w├╝rd ich noch verbessern, aber das k├Âmmer ja beim n├Ąchsten schlo├čparkpils auskaspern, wenn dir danach ist... vorausgesetzt nat├╝rlich, du hast ├╝berhaupt noch lust auf einen kleinen umtrunk... wegen schlabba & so...

hoff mal & w├╝nsch dir, da├č sich noch ein paar leutchen mehr hierher verirren & ein bisschen kritik loswerden...

bis zum n├Ąchsten virtuellen aufeinandertreffen!
gru├č,
-dennis-


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