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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Selbstgespräch
Eingestellt am 28. 10. 2012 16:55


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Schattenmädchen
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Oct 2012

Werke: 9
Kommentare: 2
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Du willst mich töten? Dann mach es.

Und wie?
Du musst dich selber töten, wenn du mich töten willst.
Ich will mich aber nicht umbringen. Ich mag das Leben dafür zu sehr.
Ach ja? Wieso willst du mich töten, wenn du das Leben so sehr magst?
Weil ich dich nicht ertragen kann. Du zerstörst mich!
NEIN! Ich habe dich zu dem gemacht, zu was du heute geworden bist. Egal wie sehr der Wunsch besteht, mich zu töten, du würdest es nie schaffen es zu tun.
Und zu welchem Preis? Ich kann keinen Spaß haben, ich kann mich nicht normal verhalten.
Und was habe ich damit zu tun?
Wegen dir habe ich niemanden mehr vertraut. Ich habe mich zurück gezogen. All meine Gefühle unterdrückt oder verdrängt. Wegen dir bin ich kaputt gegangen.
Aber sieh dich doch nur an! Früher warst du fett, hässlich und habe ich schon fett erwähnt? Und sieh dich jetzt mal an: Du bist dünn, hübsch und viele beneiden dich um deinen Körper.
Aber ich habe jeden, der mich ansatzweise geliebt hat, von mir weggestoßen. Ich hatte früher Freunde, denen ich vertrauen konnte. Doch wegen dir bin ich jetzt alleine... einsam.
Gib mir nicht die Schuld! Du hast mich gerufen und ich kam zur Hilfe. Ich habe dich vom hässlichen Entlein zu einem wunderschönen Schwan verwandelt. Und das ist der Dank? Verachtung und der Wunsch, mich umzubringen?
Früher war ich noch glücklicher als jetzt. Ich habe niemanden mehr, dem ich etwas bedeute.
Das stimmt nicht. Du wirst mich immer haben. Du bedeutest mir etwas. Und das ist der Grund, warum du mich nie umbringen wirst. Dann wäre die einzige Sache, die dich noch beachtet und der du was bedeutest, für immer weg.
Ich weiß, aber ich kann nicht mehr. Es tut mir Leid.

__________________
~ Schattenmädchen ~

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Architheutis
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Schattenmädchen,

ein Herzliches Wilkommen in der grünen Hölle (Lelu). *lach*

Dein Text ist als Dialog aufgebaut, doch ist unmissverständlich, dass hier jemand mit seiner inneren Stimme spricht, seinem inneren Dämon. Der Titel "Selbstgespräch" stellt dies ja ausdrücklich klar.

Du hast einen interessanten Aspekt von literarischer Qualität als Leitmotiv benutzt - der Suche nach innerer Selbst-bewusstheit, dem Aufbau eines Schutzmechansimus gegen die Unbilden des Lebens, die dadurch bedingte Loslösung vom bekannten, bisherigen Leben und die bittere Erkenntnis, dass man nie verlassen wollte, was man einst zurückließ.

In diesem Punkt muss ich meinen Vorredner widersprechen, die dir zwar ein bedeutsames Thema billigen, aber ein wenig die literarische Qualität absprechen.

Wenn ich mich nicht sehr täusche, bist du eine recht junge Autorin. Das erkennt man an der Art des Themas. Es ist das alte Problem der Selbstwerdung, der Suche nach dem eigenen Platz im Leben. Was hieran nicht literarisch sein soll, erschliesst sich mir nicht. Die ganze Jugendliteratur gehörte ja sonst in den Müll.

Das Thema halte ich daher für literarisch klar relevant.

Zur literarischen Umsetzung:

Es ist ein nicht unüblicher Aufbau, zwei innere Stimmen einen Dialog halten zu lassen. Als Stilmittel ist es sehr geeignet, um innere Zerissenheit darzustellen und innere Kämpfe ausfechten zu lassen. Das Ich nimmt Distanz zu sich selbst ein und gestaltet sich als Beobachter derjenigen Aspekte, die es an sich selbst abstoßend findet.

Der Dialog beginnt, indem er ein Ergebnis vorweg stellt: Selbsttötung. Anfangs stellt das eigentliche Ich jedoch klar, dass es leben will. Als Resumee bleibt jedoch, dass der Suizid der einzige Ausweg bleibt.

Das wäre mein einziger Kritikpunkt, denn dieser Sinneswandel geschieht allein auf Grundlage der Erkenntnisse des folgenden Dialogs - und das halte ich hier für zu dünn. Wenn jemand so tiefgründig und argumentativ reflektiert, dass das alter ego einen zerstört...ja, warum wird diese Erkenntnis nicht genutzt, um das alter ego vor die innere Tür zu setzen?

Diese Begründung bleibt der Text leider schuldig. Diese Alternativlosigkeit, diese Asuweglosigkeit, dieses Unmöglichsein einer Abtrennung beider Stimmen hättest du noch weitaus klarer darstellen müssen, damit man dir glaubt, dass der Suizid der einzige Asuweg ist.

Ich persönlich halte nichts davon, denn Suizid ist kein Ausweg, sondern eine irrige Annahme, er sei alternativlos. Es gibt immer eine Alternative, und ernstliche Gedanken an einen Suizid stellt eine Krankheit dar, die man aber meistens heilen kann.

Du wählst also einen schwer zu begründenden Weg und tust dir keine Gefallen damit. Einen Suizid literarisch alternativlos zu begründen, halte ich für eine der schwierigsten Übungen für einen Autor.

Vielleicht lässt du den Ausgang offen. Das nähme jedenfalls ordentlich Druck davon, den Suizig alternativlos begründen zu müssen.

Soweit meine erste Einschätzung zu deinem Start in der Lelu. Kein schlechter, aber mit Luft nach oben. Glatte 6 Punkte.;-)

Einen lieben Gruß,
Archi

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Dominik Klama
Guest
Registriert: Not Yet

Na, auf eine Art ist Selbstmord durchaus eine Lösung.

Wenn ICH sich unglücklich fühlt und Probleme hat mit irgendwas und wenn ich dann ICH umbringe, also auslösche, dafür sorge, dass NICHTS mehr davon übrigbleibt, beende ich auch diese Probleme und dieses Unglück.

Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass wir alle, bloß weil wir am Leben sind, dieses Leben gut finden müssten und wollen sollten, dass es immer weitergeht, und kein Recht hätten, es gemäß unserer Entscheidung zu beenden. Ich schließe mich da eher Thomas Bernhard an, der mal sinngemäß geschrieben hat: "Sie fragen dich nicht, ob du leben willst. Sie entscheiden an deiner Stelle, dass du leben sollst und holen dich in dieses Leben hinein. Dann bist du in diesem Leben und siehst, wie schrecklich es ist. Und dann gehen sie aus dem Leben heraus und lassen dich alleine in ihm zurück."

Aber wogegen ich etwas bin, ist so ein Herum-Pathetisieren. Und ich bin eigentlich sowieso gegen die allermeiste Kurzprosa, die ich in so Foren lese. Die hat ja den Vorteil, dass man sie relativ schnell fertig gemacht hat und über nichts was Genauer zu sagen braucht, weil das Ziel von Kurzprosa eben ist, etwas nur anzureißen und dann den Leser selber weiterdenken zu lassen.

Konkret bei diesem Werk: Einem Menschen geht es so schlecht, dass er überlegt, dieses Menschsein zu beenden. Eine Sache auf Leben und Tod. Das ist was Bedeutendes. Wobei ich aber eben nicht einsehe, dass dann automatisch auch jeder Text, der so was verhandelt, zu einem bedeutenden Stück Literatur wird. Der Text ist keine Sache auf Leben und Tod. Es ist nur ein Text.

@ zu der Antwort von viral:

Du liest den Text als Kritik an unserer Werte-Gesellschaft. Was, bitte schön, soll das denn sagen?
Erstmal: Wenn jemand sich umbringen will, hat er offensichtlich Probleme. Jetzt aber zu behaupten, jeder einzelne Suizid stelle eine Infragestellung unserer Gesellschaft dar, halte ich doch für viel zu weit gegriffen. Und übrigens kommt ja schon die andere Antwort, die sagt, wenn jemand sich umbringen will, ist er krank, er müsste therapiert werden, dann könnte er diese Krise überwinden. Da drin steckt doch ein ganz individualistischer, nicht-gesellschaftlicher Ansatz!

Was soll "Werte-Gesellschaft" überhaupt heißen? Jede Gesellschaft,die es je gab, gibt und geben wird, hatte, hat und wird haben: Werte. Im Sinn von Wertvorstellungen. Etliche davon sind keineswegs fragwürdig, sondern höchst sinnvoll und produktiv. Manche können aber auch krankheitserregend und Individuen zerstörend sein.

Solche Werte können sein, dass jeder jederzeit frei seine Meinung sagen können sollte. Oder eine Arbeit bekommen sollte, wenn er eine will. Oder die Natur um sich herum erhalten sollte.

Sie können aber auch sein, dass die Jungen Respekt vor dem Alter haben sollten. Dass Körper schön und schlank sein sollten und dass solche Körper untereinander dann viel Sex haben sollten.

Und es gibt oder gab auch gesellschaftliche Werte wie: dass niemand auf Erden sein Heil in Genuss und Besitz suchen sollte, vielmehr alle jeden Tag in Richtung Leben nach dem Tod gestalten sollten. Oder dass jedes Volk ein eigenes Land haben sollte und dass dann aber in diesen Ländern nur Leute von diesem einen Volk und nicht von anderen Völkern leben sollten.

Das Problem bei dem Text ist doch, dass er als typische Kurzprosa gewisse Dinge nur anreißt und sich dann jeder selber denken mag, um was es eigentlich geht. Ich meine, sobald eine Figur sich umzubringen gedenkt, fragt man sich, welche Gründe sie dafür hat. Und das bleibt ja hier ganz vage. Jeder interpretiert fröhlich herum und du, viral, interpretierst schon so weit: Falsche, in unserer Gesellschaft verbreitete Werte drohen, sie zu zerbrechen.


Wenn ich hingucke, was steht im Text (zweimal fett, hässliches Entlein etc.), gelange ich auf die Spur, dass es sich um so was wie Magersucht handeln könnte. Aber stimmt das denn? Woher soll ich das wissen? Wenn es stimmen täte, könntest du, viral, natürlich sagen: "Ja, das gesellschaftlich vermittelte Schönheitsideal für junge Frauen zerbricht sie. Gesellschaftskritik." Und andererseits würden dir irgendwelche Psychoanalytiker sagen, dass Magersucht eine individuelle seelische Krankheit ist, für die es bestimmte Ursachen in der Frühkindheit gibt. Und dass man da therapieren kann, wenn man früh genug einschreitet.

Ich komme ja nicht ganz von ungefähr auf diesen Film "Black Swan". Immerhin steht im Text ja was vom schönen Schwan drin. Würdest du nun diesen Film sehen, würde dir auch dort die Magersucht begegnen. Aber sie ist nicht das einzige Motiv, das Arrenovsky in seinem Film hat. Sondern, was der jungen Tänzerin auch zusetzt, ist, dass sie von Kind an von ihrer Mutter dazu gedrillt wurde, das Geniekünstlertum zu erreichen, was die Mutter selbst nicht erreichen konnte.

Und vor allem kommt hinzu, dass sie an einen Choreografen kommt, der sie als Schwarzen statt Weißen Schwan in Tschaikowskijs Schwanensee besetzen will. Sie soll da eine sehr sinnliche, sexuelle Präsenz haben. Darum verwickelt sie der Choreograf auch in ein sexuelles Verhältnis. Der Konfikt ist aber, dass sie von Haus eine ziemlich aseptische, puritanisch verklemmte Person ist. In der jetzt eine Sinnlichkeit entfesselt wird, die ihr Angst macht.

Und indem ich das erzähle, komme ich auf die Frage: Was ist es eigentlich hier? Worum geht's überhaupt?

Dieses zweite Ich sagt: "Ich hab dich wunderschön und begehrenswert gemacht." Und das erste Ich sagt: "Ja, aber du hast mir alle Freunde genommen."
Über so was muss ich doch nachdenken!
Was ist denn hier nun das Problem? Ich mag's einfach nicht, dass sie da so ein wenig herumandeutet, aber mir nicht die Chance lässt, wirklich was zu versehen.
Mal angenommen, es ginge um Magersucht. Warum kann sie dann mit neimandem mehr normal umgehen, seit sie diesen angeblich so schönen Körper hat? Die Leute sind doch gern in der Gesellschaft schöner Menschen.
Okay. Also geht es wahrscheinlich doch um was anderes.
Aber was?

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Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

Werke: 309
Kommentare: 2972
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Hm,
Architheus und Dominik im Widerstreit.Das hat was vom Zauberberg. Naphta und Settembrini streiten um die Seele von Castorp. Der junge Castorp hier: der Text.
Ich neige dazu Dominik zu zustimmen. Der Text ist viel Gefäß
und wenig Inhalt. Die Hinweise, gegeben durch die Autorin weisen tatsächlich den Weg, sprich hin zur Magersucht.
Ich bin ein Freund gut ausgewählter Titel, und das ist der Autorin hier wenig geglückt.
Er ist redundant. Ein Titel könnte auf etwas hinweisen, außer auf das, was der Text seiner Form nach ist: ein Selbstgespräch.
Nun gut, er tut es nicht.
Faktisch ist dieser Text auch eher nicht prosaisch angelegt. Durch den Aufbau auschließlich aus wörtlicher Rede, ist er als Baustein eher dramatischer Natur.

Ich fühle mich persönlich vom Text nicht angezogen. Er hat viel Attitüde, hat eben viel Haltung, aber wenig erzählerische Tiefe.

Ich würde dem Autor empfehlen die Gesprächssituation mit erzählerischen Elementen aufzufüllen.

Wo findet die Situation statt?
Zuhause? Vor einem Spiegel? Wäre eine einfache Möglichkeit!
Vielleicht in einer Psychatrie?
Scheint die Sonne? Regnet es?

Ist sie bekleidet? Ist sie nackt?

Wie will die Protagonistin sich das Leben nehmen?
Gibt es ein Messer? Hat sie Tabletten? Steht sie auf der Ruhrtalbrücke?
Etc,pp

Was mir zusätzlich zu denken gibt, ist die eigene Aussage des Autors:

„Ich bloge schon einige Zeit und es macht einem das Herz wirklich schwer, wie viele von Selbstmord schreiben, bzw. von Depressionen heimgesucht werden. Ich gehöre ja auch selbst dazu.“

Dies ist ein Schreibforum.
Im besten Sinne werden hier Texte „therapiert“. Der Mensch – Autor bleibt dem Leser verborgen.

Und das ist auch gut so.
(Für alles weitere gibt es PN)

lg
ralf
__________________
RL

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Architheutis
Guest
Registriert: Not Yet

Lieber Dominik,

quote:
Na, auf eine Art ist Selbstmord durchaus eine Lösung.

Diese Thematik gehört ins Lupanum. Oder eher auf die Couch.

Ich gehe aber mit dir konform, dass der Text zu dünn gestrickt ist.


Lieber Ralf,

Danke für deinen Beitrag. Dem kann ich mich vorbehaltlos anschließen.

Es ging mir mehr darum, den -meiner Meinung nach- gröbsten Fehler auszumerzen, nämlich den der fehlenden Plausibiltät zwischen Beginn und Ende. Aber der Text bedarf sicher einer weiteren Betreuung.

Lieben Gruß euch allen,
Archi

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serge gurkski
???
Registriert: Jun 2011

Werke: 51
Kommentare: 1182
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tu es einfach nicht!
__________________
Habe bonum animum. Plautus

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